Hautpflege-Mythen der Stars: Reicht es wirklich, viel Wasser zu trinken?

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Ein Mythos ist laut dem Duden eine überlieferte Dichtung aus der Vorzeit eines Volkes. Gerade in der Beauty-Welt gibt es davon tausende, die zum Teil heute noch über Generationen hinweg weitergegeben werden. Meine Großmutter meint beispielsweise immer, ich solle bloß keine Foundation tragen, weil diese die Poren verstopfe. Was meine Oma bei ihrem gut gemeinten Tipp aber außer Acht lässt, ist, dass sich die Zusammensetzung von Make-up seit ihren Teenagertagen extrem verändert und verbessert hat. Und trotzdem bin ich mir ab und an beim morgendlichen Ritual nicht ganz sicher, ob ich meiner Haut mit Concealer und Puder jetzt schade oder nicht. Omas Technik, Cremes und ähnliches immer gegen die Schwerkraft einzumassieren, erscheint mir wiederum sehr logisch – glaube ich zumindest… Hilfe!
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Die Beauty-Mythen der Stars, wissenschaftlich untersucht

Auch Stars geben Beauty-Floskeln wie „Ich trinke viel Wasser“ oft als Grund für ihren makellosen Teint an. Aber stimmt das wirklich oder führen uns die Damen und Herren an der Nase herum? Wollen sie nicht zugeben, wie viel Geld sie tatsächlich Monat für Monat in ihre Beauty-Routine hineinstecken oder glauben sie wirklich an diese Mythen? Kann man Falten und Unreinheiten damit vorbeugen, täglich mehrere Liter H2O zu sich zu nehmen? Oder ist es am Ende eine Kombination aus guten Genen, regelmäßigen Facials von Hollywood-Expert*innen und einem gesunden Lebensstil, die in Wahrheit erst einen Traum-Teint a la Gwyneth Paltrow zaubert? Es wäre eigentlich auch zu schön, wenn ein simpler Trick wie sich das Gesicht nur abends zu waschen einen Sofort-Effekt hätte, der alle zuvor da gewesenen Probleme verschwinden lassen würde, oder?
Damit aus Mutmaßungen (oder sollen wir Fake-News sagen?) endlich handfeste, wissenschaftlich belegte Fakten werden, haben wir eine Expertin gefragt, die die wahren Hautgeheimnisse von Stars und Sternchen kennt. Reneé Rouleau geht mit uns zusammen den acht am weitesten verbreiteten Beauty-Mythen auf den Grund und leistet wichtige Aufklärungsarbeit, damit du deinen Kindern in der Zukunft Tipps geben kannst, die wirklich etwas bringen.
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„Ich wiederhole ständig positive Affirmationen."

Die Behauptung: Jennifer Lopez verriet kürzlich gegenüber Harper's Bazaar, dass ihr positive Botschaften, die sie sich selbst im Spiegel sagt oder auf Dekokissen drucken lässt, täglich dabei helfen, selbstbewusst zu sein. Ihrer liebster Satz ist: „Ich bin jugendlich und zeitlos und das in jedem Alter.“

Die Wahrheit: Positives Denken kann helfen – zumindest der Psyche. Gut zum eigenen Körper und Geist zu sein, kann definitiv nicht schaden, doch die Stars und Sternchen rund um Los Angeles treiben es ein wenig auf die Spitze. Spirituelles Botox heißt der Trend, der daran erinnern soll, dass Mindfulness zum körperlichen Wohl beitragen kann, erklärt Jill Willard, Medium und Autorin. „Aber man darf nicht vergessen, dass Fältchen sich nicht durch geregeltes Atmen oder gutes Zureden vor dem Spiegel in Luft auflösen werden.“

Was funktioniert: Eine positive Lebenseinstellung kann natürlich niemals schaden. Jede*r kennt Tage, an denen man sich von innen heraus wohl und schön fühlt und sich diese Empfindung nach außen zu übertragen scheint – zumindest für einen selbst. Wenn du überzeugt von J.Los Geheimnis bist und positive Affirmation nun auch in deine Beauty-Routine integrieren möchtest, solltest du den Rest deiner Hautpflege-Schritte wie die Reinigung und sämtliche Cremes aber bitte nicht weglassen.“
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„Ich trinke viel Wasser.“

Die Behauptung: Der Klassiker. Nicht nur Gwyneth Paltrow ist Teil des Hollywood-H2O-Fanclubs, aber eine derjenigen, die ihren regen Wasserkonsum immer wieder mit ihrem Teint in Verbindung bringt. „Wasser steckt voller Heilungskraft“, schrieb die Goop-Gründerin erst kürzlich wieder auf Instagram.

Die Wahrheit: „Während ein hoher Wasserkonsum sich ohne Frage positiv auf die allgemeine Gesundheit auswirkt, kommt durch die orale Aufnahme von H2O nichts in der Haut an, das wurde mittlerweile bestätigt“, so Rouleau. Das lässt sich daher erklären, dass es durch die Nieren gefiltert wird und faktisch nie die Hautzellen erreicht. „Es ist wichtig zu verstehen, dass der Feuchtigkeitshaushalt der Haut nichts damit zu tun hat, wie viel man trinkt, sondern von der topisch aufgetragenen Pflege abhängt.“

Was funktioniert: „Der effektivste und einfachste Weg, der Haut Feuchtigkeit zuzuführen, ist einen Toner ohne Alkohol zu verwenden und danach ein Serum aufzutragen, das Hyaluronsäure und Sodium PCA enthält“, rät Rouleau. Zusätzlich würden wasserbasierte Gel-Masken dabei helfen, die Zellen zu hydrieren.
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Photo: Jeff Kravitz/FilmMagic.
„Ich habe gute Gene.“

Die Behauptung: Gabrielle Union schreibt ihr jugendliches Erscheinungsbild ihren Genen zu, wie sie im Interview mit der Elle verriet. Die 44-jährige Schauspielerin hat ölige Haut – „ein Segen und ein Fluch“, wie sie selbst meint.

Die Wahrheit: „Nur etwa 30 Prozent des Altersprozesses ist auf vererbte Merkmale wie die Dicke und Beschaffenheit der Haut zurückzuführen, während 70 Prozent aus dem persönlichen Lebensstil resultieren“, so die Expertin. Das beweisen auch Zwillingsstudien zu dem Thema, „Raucht ein Geschwisterteil oder ist häufiger UV-Strahlen ausgesetzt, ist klar erkennbar, dass der Alterungsprozess der Haut schneller eintritt als bei dem anderen Zwilling.“ Wie man seine Haut pflegt und der eigene Lebensstil haben demnach mehr Auswirkungen auf die Haut, als gute Gene.

Was funktioniert: Wenig überraschend, ist Sonnenschutz auch nach Rouleaus Expertenmeinung das effektivste Anti-Aging-Produkt. „UV-Strahlen ist der Hauptverursacher von Hautalterung – selbst wenn die Strahlen nur durch die Fensterscheiben hineinscheinen oder es bewölkt ist. Neben der regelmäßigen Anwendung aktiver Inhaltsstoffe wie Retinol, Vitamin C, Peptide und Salicylsäure sollte eine Feuchtigkeitscreme mit hohem LSF-Anteil teil einer jeden Pflegeroutine sein.“
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„Ich versuche so wenig Make-up wie möglich zu tragen, damit meine Haut atmen kann.“

Die Behauptung: Kerry Washington sagte gegenüber der Instyle, sie würde so oft wie möglich versuchen „nur ein wenig Concealer zu tragen“.

Die Wahrheit: „Die Haut kann faktisch gar nicht atmen, also bringt der Verzicht auf Make-up oder eine Nachtpflege nichts, auch wenn das viele Stars behaupten“, so Rouleau.

Was funktioniert: „Make-up zu tragen schadet der Haut nicht – solange man Produkte verwendet, die dem eigenen Hauttyp entsprechen“, erklärt Rouleau und geht noch einen Schritt weiter. Diese Passage schicke ich meiner Oma: „Meiner Meinung nach ist das Tragen von Fundation sogar eine Wohltat, denn die meisten Make-ups enthalten einen Lichtschutzfaktor.“ Und der ist in Sachen Anti-Age unumgänglich, wie wir gerade noch einmal gelernt haben.
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„Ich wasche mein Gesicht nur abends.“

Die Behauptung: Jaime King ist nur eine der zahlreichen prominenten Damen, die eine rein abendliche Reinigung propagieren, so auch zu lesen bei Into The Gloss. Die Idee stammt daher, dass man am Morgen bereits mit ungeschminkter und vermeintlich sauberer Haut aufwacht und eine Reinigung daher hinfällig ist.

Die Wahrheit: Rouleau widerlegt die PM-only-Routine mit einer einfachen Erklärung: „In der Nacht regeneriert und repariert sich die Haut, was dafür sorgt, dass Toxine und Talk ausgestoßen werden. Wäscht man diese am Morgen nicht ab, können darauf aufgetragene Produkte nicht ihre Arbeit tun.“

Was funktioniert: „Es genügt die Haut am Morgen mit einem sanften, sulfatfreien Cleanser zu reinigen, damit der UV-Schutz und andere Pflegeprodukte ihre Arbeit tun können“, meint Rouleau.
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„Ich benutze immer die selben Produkte.“

Die Behauptung: Cate Blanchett hat unseren amerikanischen Kolleg*innen von Refinery29 ihr Geheimnis für schöne Haut verraten. Seit über zehn Jahren sei ihre Strategie eine Kombination aus der SK-II-Pflegeserie (besonders die „Treatment Essence“) und der Vermeidung von direkter Sonneneinstrahlung.

Die Wahrheit: „Viele Stars bleiben bei einer Routine, die für ihre speziellen Bedürfnisse funktioniert, weil sie nicht Gefahr laufen möchten Unreinheiten oder ähnliches zu bekommen, wenn sie die Produkte variieren. Schließlich ist ein reines Hautbild in dieser Branche immer noch extrem wichtig“, weiß Rouleau.

Was funktioniert: Blanchetts Behauptung stimmt unsere Expertin tatsächlich zu: „Wenn du eine Linie oder Kombination aus Produkten gefunden hast, die für dich funktioniert, dann bleibe dabei, besonders wenn du sensible Haut hast! Ändert sich die Beschaffenheit deiner Haut (beispielsweise aus hormonellen Gründen), solltest du deine Routine aber entsprechend anpassen.“
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Photo: Jason Merritt/Getty Images.
„Ich meide die Sonne.“

Die Behauptung: Jennifer Anistons Geheimnis, auch 20 Jahre später (fast) noch auszusehen wie Rachel Greene aus Friends? „Ich habe mir irgendwann selbst das Sonnenbaden verboten“, sagte sie gegenüber People. „Gerade weil ich mich in der Vergangenheit nicht mit Sonnenschutz eingecremt habe, was ich heute sehr bereue.“

Die Wahrheit: Wir haben es bereits durchgekaut, an diesem Promi-Geheimnis ist wirklich etwas dran. „365 Tage im Jahr, egal ob bei Regen oder Sonne, eine Creme mit LSF im Gesicht und am Hals zu tragen, kann der Faltenbildung tatsächlich vorbeugen“, beteuert Rouleau.

Was funktioniert: „Der beste Tipp ist es, Sonnenschutz zu tragen und die Zeit, in der man seine Haut der Sonne aussetzt, zu limitieren. Nur so kann man auch Altersflecken entgegenwirken“, rät Rouleau.
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Photo: Grant Lamos IV/Getty Images.
„Ich bin meiner Kosmetikerin treu.“

Die Behauptung: Candice Swanepoel ist sich sicher, dass ihr strahlender Teint auf ihre regelmäßigen Besuche bei der Kosmetikerin zurückzuführen ist. Gegenüber Harper's Bazaar hat sie verraten, dass sie einmal im Monat zum Ausreinigen geht.

Die Wahrheit: Rouleau weiß es aus erster Hand: „Viele Promis unterziehen sich regelmäßig, manche sogar wöchentlich, Facials jeglicher Art: Chemische Peelings, Oxygen Treatments, LED, Laser und alles, was der Beauty-Markt gerade so hergibt. Schaden tut das natürlich nicht.“

Was funktioniert: „Für die meisten von uns ist ein wöchentliches Facial weder realistisch noch bezahlbar. Was aber jede*r von uns managen kann, ist gut mit der eigenen Haut umzugehen“, rät Rouleau. „Und wenn du es nicht in den Salon schaffst, kannst du dir mit einer Maske oder einer DIY-Behandlung für zu Hause etwas Gutes tun.“
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Photo: Via @kimkardashian.
„Ich wasche meine Haut mit einem heißen Waschlappen und peele sie dann damit.“

Die Behauptung: Kim Kardashian West hat sich diesen Tipp von ihrer Mutter Kris Jenner abgeschaut. „Sie hat ihre Haut so häufig auf diese Art gereinigt, dass ich gar nicht anders konnte, als es mir einzuprägen“, schreibt das Medium Bustle.

Die Wahrheit: „Zu heißes Wasser kann der Haut schaden, deswegen raten Dermatolog*innen meist davon ab. In Korea, dem Geburtsland des Glass Skin Trends, weiß jede*r Beauty-Junkie einen großen Bogen um warmes Wasser zu machen“, so der Dermatologe Dr. Craig Kraffert gegenüber dem Business Insider. „Ein Peeling ist immer eine gute Idee, auch mit einem Waschlappen. Aber wie wirksam dieser beim Abtrag abgestorbener Hautzellen ist, hängt von der Technik ab und bewirkt am Ende, selbst bei perfekter Anwendung, keine Wunder.“

Was funktioniert: Besser als ein Waschlappen ist ein chemisches Peeling, das statt Körnern eine Form von Säure enthält, die auf den Hauttyp abgestimmt sind.
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