5 Frauen schreiben einen letzten Brief an den Ex, der sie am meisten geprägt hat

Photographed by Joao Silas
Wenn eine Beziehung zu Ende geht, hat jede*r eine eigene Methode, damit klarzukommen. Manchen fällt die Trennung leichter, wenn sie mit dem oder der Ex befreundet bleiben, andere sind mit einem klaren Schlussstrich besser bedient und finden es leichter, den Kontakt zur verflossenen Liebe komplett abzubrechen.
Manchmal kommt jedoch auch für solche Menschen nach ein paar Jahren der Punkt, an dem sie an die Beziehung zurückdenken und ihnen klar wird, was der*die Ex ihnen bedeutet oder in Sachen Liebe gar beigebracht hat und wie sie sich seit der Trennung weiterentwickelt haben. Gerade wenn eine Beziehung unschön endet, passiert es schnell, der Person gegenüber, die mal die wichtigste war, Schuldgefühle und Scham zu empfinden. Womöglich kommt das Bedürfnis hoch, sich noch einmal auszusprechen oder sich für das zu entschuldigen, was in einem Moment der hoch kochenden Gefühle gesagt oder getan wurde. Doch gerade in so wichtigen Schlüsselmomenten versagt leider oft die Sprache. Nicht selten fühlen sich solche Entschuldigungen dann lasch, seltsam und der Situation schlichtweg nicht angemessen an. Doch das sollten sie nicht.
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Wir alle sollten uns darin üben, den Menschen, mit denen wir eine Liebesbeziehung führen oder geführt haben, Briefe zu schreiben. Einfach nur, um Hallo zu sagen oder um dem oder der Anderen zu erklären, wieso wir uns in einer Situation auf eine bestimmte Art und Weise verhalten haben. Denn das Gegenüber kann weder all unsere Gedanken, geschweige denn unsere Gefühle lesen. Oder aber auch, wie im Fall der missglückten Beziehung, um dem/der Verflossenen zu sagen, dass die Beziehung rückblickend um so vieles wertvoller war, als man es erkennen konnte, während man mittendrin steckte. Hat man etwas in dieser Beziehung verbockt, sollte die Entschuldigung kurz und simpel gehalten sein und von Herzen kommen.
Wir haben fünf Frauen gebeten, Briefe an den oder die Ex-Freund*in zu schreiben, der*die sie am meisten geprägt hat. Um ihren Gefühlen freien Lauf lassen zu können, sind die Briefe anonym.
1 von 5

Ich habe dich mehr geliebt als du mich. Und ich habe dich länger geliebt als du mich.

1.

Hey du. Ist eine Weile her, dass du von mir gehört hast. Schon komisch, fast sechs Jahre lang haben wir jede freie Minute miteinander verbracht und jetzt ist es fast genauso lange her, dass wir uns das letzte Mal gesprochen haben. Ich denke immer noch an dich, aber mittlerweile fühlt es sich nicht mehr jedes Mal so an, als würde sich ein Schwert durch meine Eingeweide bohren. Selbst als ich gehört habe, dass du heiratest, tat mir das nicht weh. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, aber doch so einige. Nachdem wir Schluss gemacht haben, habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, was ich hätte anders machen können, damit du mich noch weiter liebst. Ich habe mich jahrelang mit diesem Gedanken gequält.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie schwach ich mich gefühlt habe, weil ich so viel geweint habe zu der Zeit. Einmal habe ich so heftig unter der Dusche geheult, dass ich keine Kraft mehr hatte, mir den Schaum aus den Haaren zu waschen. Ich habe so dermaßen viel Kate Bush, Tori Amos und Dionne Warwick gehört, das war schon nicht mehr gesund. Ich habe nichts mehr gegessen, dafür aber umso mehr getrunken, und hing ständig weinend an irgendeiner Schulter. „Der Typ ist einfach nur ein Feigling“, sagte einer meiner Freunde, als wir eines Tages zusammen zum Meer gefahren sind, um mich abzulenken. Wir fuhren die Küste entlang, die Musik so laut aufgedreht, wie es nur ging, mit allen Fenster unten. An diesem Tag im Meer zu schwimmen, bedeutete für mich den Wendepunkt. In den Wellen konnte ich so laut Rotz und Wasser heulen, wie ich wollte. Zum ersten Mal fühlte ich mich wieder lebendig.

Du warst einfach toll. Sexy und stark. Noch heute vermisse ich es, mit jemandem Sex zu haben, den ich gleichzeitig so toll finde und so gut kenne, wie es bei dir der Fall war. Aber dich vermisse ich nicht mehr. Es ist nur so, dass ich ein wenig rührselig bin. Deswegen vermisse ich es, dich zu vermissen. Und ich vermisse deine Familie. Gott, waren die lieb. Heute weiß ich, dass ich rein gar nichts hätte tun können, um dich dazu zu bewegen auch nur einen einzigen Tag länger zu bleiben. Aber das heißt nicht, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe. Ich habe dich nur mehr geliebt als du mich. Und ich habe dich länger geliebt als du mich.
2 von 5

Wenn ich dich alle sechs Monate bei Instagram stalke, siehst du unglaublich glücklich aus.

2.

Zuallererst einmal tut es mir leid. Es tut mir leid, dass ich dich nicht nur tief verletzt habe, sondern dich auch dazu gebracht habe, mit einem deiner engsten Freunde zu brechen. Aber wenn mich jemand fragt, ob ich bereue was passiert ist, muss ich trotzdem Nein sagen. Ich war jung und habe mich eingeschlossen gefühlt. Und ich war emotional weder reif genug um zu verstehen, dass ich nicht mehr in dich verliebt war, noch um unsere Beziehung würdevoll zu beenden. Stattdessen habe ich eine Bombe zwischen uns geworfen.

Und selbst danach wussten wir beide nicht, wie wir das Schlachtfeld verlassen sollten. Wir haben noch fünf Monate zusammen in diesem verdammten Kellerapartment gelebt und es miteinander versucht. Nachdem du rausgefunden hast, was ich gemacht habe, warst du aggressiv und hast dich vor mir zurückgezogen. Ich habe innerhalb weniger Wochen sechs Kilo abgenommen. Du hast mich dazu gezwungen, deinen Eltern am Telefon bis ins kleinste Detail zu erzählen, was ich gemacht habe. Wir sind sogar noch zusammen in den Urlaub gefahren, den wir davor gebucht hatten. Wir haben gehofft, während dieser Woche durchsprechen zu können, was genau passiert ist. Die Zeit wurde eine emotionale Achterbahnfahrt. Einmal bist du einen ganzen Tag lang verschwunden und nicht mehr ans Handy gegangen.

Ich hatte damals zwei Jobs auf einmal und alles Geld, was ich dort verdiente, floss in Therapiestunden. So habe ich versucht, unsere Beziehung zum Funktionieren zu bringen, meine Fehler auszubügeln und dir einen Grund zu geben, mir zu verzeihen. Stattdessen lernte ich in der Therapie, mir auf wackligen Beinen meine Unabhängigkeit aufzubauen. Unsere letzte Begegnung verlief dann genauso dramatisch wie alle anderen in den Monaten zuvor. Ich war betrunken und habe ohne Ende geweint. Es war dein Geburtstag und ich habe dir auf die Füße gekotzt. Noch heute erinnere ich mich daran, dass deine Freunde dich gebeten haben, nett zu mir zu sein, als sie mich ins Bett gesteckt haben. Aber du bist gegangen.

Einige Jahre später habe ich eine Nachricht von dir bekommen. Du hast mich gefragt, wie es mir geht. Ich habe nicht geantwortet. Dieses Leben ist so weit von mir weg, ich erinnere mich nicht mal mehr daran, wer ich damals war. Und ich habe nicht das Bedürfnis, diese Tür noch einmal zu öffnen. Ich habe zu Anfang gesagt, dass ich nicht wirklich bereue, was passiert ist. Es stimmt. Ich meine damit, dass ich nicht bereue, was aus all dem resultiert ist. Es hat dazu geführt, dass ich erwachsen geworden bin.

Ich habe darüber nachgedacht, mich bei dir zu entschuldigen. Aber heute bist du verlobt und wenn ich dich alle sechs Monate bei Instagram stalke, siehst du unglaublich glücklich aus. Ich denke, manche Türen sollten besser verschlossen bleiben. Das Chaos, das sich dahinter verbirgt, ist einfach zu groß.
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3 von 5

Seit mir bewusst ist, dass ich dich nicht liebe, ist mein Leben um einiges besser.

3.

Aus deiner Perspektive muss sich das, was wir miteinander hatten, wahnsinnig simpel angefühlt haben. Wir haben gedatet, wir hatten Spaß und dann bin ich gegangen. Unsere Trennung verlief wohlwollend, wir haben gelacht und sogar versucht Freunde zu bleiben.

Aus meiner Perspektive hingegen hätten ziemlich viele Dinge anders laufen müssen. Am meisten wünsche ich mir, ich hätte dir offen gezeigt, wie oft du mich zum Weinen gebracht hast. Ich habe heimlich geweint, vor meinen Freundinnen, im Badezimmer und sogar im Schlaf. Aber vor dir habe ich immer gelächelt. Doch irgendwann war es so schlimm, dass ich vor meiner Schwester unerwartet in Tränen ausgebrochen bin. Sie war dann auch diejenige, die mir geraten hat, mich zu trennen.

Heute weiß ich, dass ich nicht in dich verliebt war. Aber damals habe ich es geglaubt. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich mich in dir verfangen hatte. Wir hatten so intensive Momente miteinander, dass ich darüber fast die Leute vergessen hätte, die mich wirklich geliebt haben. Stattdessen habe ich zugelassen, dass du so viel von mir nimmst, während du mir so wenig zurückgegeben hast.

Trotzdem wünsche ich mir nicht, dass du dich anders verhalten hättest. Vielmehr wünsche ich mir, dass ich stark genug gewesen wäre, für mich selbst einzustehen und zu gehen, als ich merkte, dass wir offensichtlich unterschiedliche Dinge möchten. Ich wünsche, ich hätte nicht so getan, als wäre es okay gewesen, wie du mich behandelt hast. Ich wünsche, ich hätte die Kraft gehabt dir zu sagen, wenn du dich wie ein Arschloch aufgeführt hast, und dass ich mich nicht so verbogen hätte, um dir zu gefallen. Ich hätte dir gerne gesagt, wie sehr du mich verletzt hast und wie sehr ich mich dafür geschämt habe, Gefühle zu haben, die dir nicht angenehm sind.

An den Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich dich nicht liebe, erinnere ich mich auch noch sehr gut. Seitdem ist alles in meinem Leben um einiges besser. Aber ich erinnere mich auch noch daran, wie sich deine Hände angefühlt haben, als sie in meinen lagen, und ich schäme mich noch heute dafür, wie viel von meinem Herzen ich dir geben wollte. Vielleicht erinnerst du dich nicht mal mehr an mich. Ich für meinen Teil bin jetzt verliebt in eine Person, die mich nie zum Weinen bringt, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Mich an dich zu erinnern, zeigt mir, wie viel Glück ich heute habe.
4 von 5

Deine neue Freundin kontrolliert dein Handy. Was sie nicht weiß, ist, dass du mir immer noch von deinem Arbeitshandy aus schreibst.

4.

Es ist jetzt fast genau drei Jahre her, dass du bei meinen Eltern zu Hause aufgekreuzt bist, mich auf einen Spaziergang abgeholt und unsere viereinhalbjährige Beziehung beendet hast. Du hast mir gestanden, dass du die letzten anderthalb Jahre nicht glücklich gewesen bist und dass du mich nicht mehr liebst. Ich war komplett verstört. Heute ist mir klar, dass das das Beste war, was mir jemals passiert ist. Du hast mich 18 Monate lang glauben lassen, ich hätte eine Zukunft mit dir.

Zu Beginn unserer Beziehung war ich 19 und du warst 26. Ein bisschen habe ich das Gefühl, du hättest mir meine besten Jahre gestohlen. Anstatt meine Jugend zu genießen und mit Freunden abzuhängen, hatte ich eine Langzeitbeziehung mit jemandem, von dem ich dachte, er liebt mich, jemand, dem ich wichtig bin. Ich blieb also zu Hause, habe dich gesehen, wenn dir danach war und darauf gewartet, dass du anrufst – was du nie getan hast.

Der erste Seitensprung passierte sechs Monate, nachdem wir zusammengekommen waren, kurz nachdem du mir das erste Mal gesagt hast, dass du mich liebst. Davon habe ich aber erst später erfahren, nämlich nachdem du das zweite Mal fremdgegangen bist. An Weihnachten, mit irgendeiner Frau in einer Bar. Damals hätte ich es beenden sollen. Doch anstelle dessen war ich naiv und habe dir verziehen. Das bereue ich heute am allermeisten.

Was ich dir auch immer wieder verziehen habe, war deine negative Einstellung eigentlich allem gegenüber, die auch auf mich abfärbte. Wir haben es damals beide auf die Arbeit geschoben, aber auch als du gekündigt hast, blieb deine Persönlichkeit unverändert und du hast mich weiterhin scheiße behandelt. Wie unglücklich du warst und wie schlecht es mir damit ging, wurde mir erst klar, als du mich verlassen hast.

Heute lebe ich alleine in einem wunderschönen Zuhause und habe einen tollen Job, der mir Spaß macht und gut bezahlt ist. Du hast es immer gehasst, dass ich weniger als du verdiene, aber aktuell ist mein Gehalt genauso hoch wie deins zu dem Zeitpunkt, an dem du mich verlassen hast. Und du? Nur einen Monat, nachdem du mich verlassen hast, bist du in eine neue Beziehung gesprungen. Aus Eifersucht verbietet dir deine neue Freundin den Kontakt zu mir. Sie hat sogar neue Bettwäsche gekauft, damit sie nicht in welcher schlafen muss, in der auch ich schon geschlafen habe. Außerdem kontrolliert sie dein Handy. Was sie nicht weiß, ist, dass du mir immer noch manchmal von deinem Arbeitshandy aus schreibst. Keine Ahnung wieso du es für notwendig hältst, mir zu schreiben und mich zu fragen, wie es mir geht und ob ich schon jemand neues habe. Du hast mich sogar ernsthaft nach Beziehungsratschlägen gefragt, aber das habe ich schnell unterbunden. Ich weiß echt nicht, was deine Freundin machen würde, wenn sie herausfinden würde, dass du zu Beginn eurer Beziehung bei mir zu Hause vorbeigekommen und bis zwei Uhr morgens geblieben bist.

Seit unserer Trennung bin ich erwachsen geworden. Ich habe gelernt, Männern nicht so schnell zu vertrauen und wachsam zu bleiben. Heute kann ich mich nur ernsthaft bei dir dafür bedanken, dass du mit mir Schluss gemacht hast. Damals war ich nicht mutig genug, dir zuvorzukommen. Dass ich jetzt so glücklich bin und dir schreiben kann, verdanke ich der Tatsache, dass du dich von mir getrennt hast. Ich würde diesen Brief gerne mit einem Zitat deiner Mutter beenden. Sie hat mal zu mir gesagt: „Mein Sohn ist keiner, den man heiratet.“ Sag ihr von mir, da hatte sie Recht. Alles Gute für dich.
5 von 5

Du warst der erste Mann, der mich geliebt hat. Und ich habe mich länger daran geklammert, als es richtig gewesen wäre.

5.

Ich weiß, du verstehst nicht, wieso ich dich verlassen habe. Ich habe das damals auch nicht ganz verstanden. Du warst gut zu mir und lieb. Du hast uns ein Haus gekauft und mich dabei unterstützt, zurück zur Uni zu gehen. Meine Familie hat dich geliebt. (In der Küche hängt heute noch ein Bild von uns beiden.) Du warst der erste Mann, der mich geliebt hat. Und der mich immer weiter geliebt hat. Ich habe mich zu lange daran geklammert. Länger, als es richtig gewesen wäre.

Ich wünschte, ich hätte der Realität früher ins Gesicht geblickt. Du weißt, ich neige dazu, Sachen erst in letzter Minute zu erledigen. Aber bei uns schien es, als wäre die letzte Minute gekommen und dann wieder gegangen. Die letzte Minute wäre gewesen, bevor wir geheiratet haben. Es tut mir leid, dass ich das damals nicht gesehen und dich verletzt habe. Das hast du nicht verdient. Ich habe dich nicht verdient. Ich hoffe, dass du eine Person findest, die dich verdient.
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