Allyship: Schwarze Menschen brauchen echte weiße Verbündete – so wirst du eine*r

Photo: Joe Raedle/Getty Images.
Hinweis: Aus Gründen der Lesbarkeit haben wir den englischen Begriff „allies“ teilweise mit “Verbündeten“ übersetzt. Es muss allerdings angemerkt werden, dass hinter dem Begriff eigentlich mehr steckt. Es geht nicht nur darum, mitfühlend und solidarisch zu sein, sondern andere Menschen aktiv zu unterstützen und sich für sie einzusetzen und zu engagieren.
2020 hat der schwarzen Community ein fast schon lähmendes Elend gebracht. Noch immer kämpfen Tausende von Menschen weltweit gegen Corona – darunter unverhältnismäßig viele schwarze Amerikaner*innen und Briten. Aber nicht nur das Virus bedroht das Leben schwarzer Menschen. Seit dem Ausbruch der Pandemie in den USA mussten wir miterleben, wie schwarze Menschen, darunter Christian Cooper misshandelt, oder – wie Ahmaud ArberyBreonna Taylor und George Floyd – sogar getötet wurden. Diese Geschehnisse haben auch den Begriff Allyship (Solidarität, Verbundenheit, Zusammenhalt, Unterstützung) stärker in den Mittelpunkt gerückt, denn viele weiße Menschen versuchen jetzt, herauszufinden, wie sie die schwarze Community besser unterstützen können.
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Doch wie können weiße Menschen das Thema auf zielführende, nachhaltige Weise angehen und echte Veränderungen herbeiführen? Mit welchen bitteren Wahrheiten müssen sie sich auseinandersetzen? Und inwiefern müssen sie erst einmal in sich selbst hineinhören und ihre Einstellungen und ihr Handeln kritisch hinterfragen, bevor sie überhaupt zu Verbündeten werden können?
Für diesen Artikel hat sich R29Unbothered an die Aktivistin und Community-Organisatorin Leslie Mac gewandt, die sich mit ihrer Arbeit vor allem darauf konzentriert, weißen Menschen dabei zu helfen, bessere Verbündete zu werden. Im Folgenden erklärt sie, warum es so wichtig ist, zu verstehen, was White Supremacy ist und das es nicht das Endziel ist, einfach nur zu verstehen, dass White Supremacy und Rassismus existieren.
Weißen Menschen wurde von der Gesellschaft und der White Supremacy Culture (einer Kultur, die von der Überlegenheit oder Vorherrschaft der Weißen ausgeht) beigebracht, dass ihre Gefühle das Wichtigste auf der ganzen Welt sind. Deswegen blicken sie automatisch von einem ichbezogenen Standpunkt auf das Thema Verbundenheit und denken darüber nach, wie sie sich dabei fühlen – statt darüber, wie sich ihr Gegenüber fühlt.
Nachdem sie etwas über Rassismus und White Supremacy gelernt haben, fühlen sich viele weiße Menschen schlecht. Und wenn weiße Menschen ein schlechtes Gefühl bei etwas haben, zeigen sie das auch. Deswegen können weiße Tränen auch so viel bewirken. Deswegen bekommen schwarze Menschen in den Notaufnahmen in den USA weniger Schmerzmittel als weiße. Über diesen Punkt hinauszukommen und zu verstehen, dass die Gefühle nicht das Endziel sind, sondern der Anfang, ist ein fremdes Konzept für sie. Es geht also darum, internalisierte Denkweisen und Verhaltensmuster umzuprogrammieren. Und dafür braucht es die richtigen Absichten, wohlüberlegte Taten und Demut.
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Das Ziel ist nicht nur, dass die Menschen lernen, was White Supremacy ist, sondern, dass sie verstehen, wie ihr persönliches Leben es auch noch unterstützt. Weiße Menschen müssen sehr viel introspektive Arbeit leisten, um zu verstehen, auf welche Art und Weise sie individuell zur White Supremacy beitragen, von ihr profitieren oder sie tolerieren. Es geht hier nicht um Scham. Ich finde Scham ist eine nutzlose Emotion, die dafür sorgt, dass die Menschen auf der Stelle treten und sich nur auf ihre eigenen Gefühle konzentrieren. Echte Verbündete müssen regelmäßig ihre Schuldgefühle konfrontieren. Und nicht nur über ihre Gefühle nachdenken, sondern überlegen, inwiefern sie diese Emotionen in Taten umwandeln können – sprich, was sie konkret tun können, um zu helfen.
Jede Form der Allyship, die auch nur im Entferntesten in der Selbstdarstellung verwurzelt ist, ist wirkungslos. Wenn dein Handeln zum Teil darauf basiert, dass du dadurch das Gefühl bekommst, etwas getan zu haben – statt darauf, zu wissen etwas wurde getan –, dann weißt du, deine Taten sind nicht zielführend.
Ein Beispiel: Unter dem Hashtag #IRunWithAhmaud sind schwarze Jogger*innen gemeinsam gerannt – aus kathartischen Gründen, aber auch, um sich einer Person nahe zu fühlen, die auch sie hätten sein können. Warum sind da weiße Personen mitgerannt? Um der Welt zu zeigen, dass sei joggen? Damit sie sich selbst besser fühlen und das Gefühl bekommen, sie haben etwas Sinnvolles getan? Um Allyship darzustellen, statt ein*e echte*r Verbündete*r zu sein? Wie hätte es ausgesehen, wenn die weißen Personen stattdessen aus der Ferne für die Sicherheit der schwarzen Läufer*innen gesorgt hätten? Oder wenn sie recherchiert hätten, wie schwarze Jogger*innen in ihrer Gegend behandelt werden? Grundsätzlich müssen weiße Menschen verstehen: Immer, wenn etwas geschieht, das sie wütend oder traurig macht, passiert das Gleiche auch dort, wo sie gerade sind. Das Beste, was sie tun können ist, nach Möglichkeiten zu suchen, damit es keinen Ahmaud in ihrer Stadt gibt; und zu lernen, wen und wie sie die Ahmauds unterstützen können, die in ihrer Nachbarschaft leben.
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Echte Allyship – und das gilt nicht nur für weiße Menschen, sondern auch für cis Menschen, die Verbündete von trans Menschen sein wollen, und körperlich und geistig gesunde Personen, die Verbündete von Personen mit Behinderung sein wollen – basiert auf den Bedürfnissen derjenigen, die tatsächlich betroffen sind. Nicht auf denen derer, die helfen wollen. Echte Allyship geht Hand in Hand mit Verantwortung und Partnerschaft – echte Verbündete stellen sicher, dass das, was sie tun wollen, nicht nur von der Community überprüft wurde, der sie dienen wollen, sondern das ihre Taten auch mit dem übereinstimmen, was die Community bereits tut.
Je schneller weiße Menschen verstehen, dass die inneren Stimmen, die sie davon abhalten, aktiv zu werden, in White Supremacy verwurzelt sind – und einem grundlegenden Misstrauen gegenüber schwarzen Menschen –, desto einfacher wird es für sie, aktiv werden zu können. Sprich nicht von „diesen Leuten“, wenn du von Rassismus und White Supremacy redest; beginne deine Überlegungen mit „ich“ und „wir“.
Beispiele für echte weiße Verbündete sind: weiße Eltern, die sich dafür einsetzen, dass an der Schule ihrer Kinder Anti-Rassismus- und Anti-Diskriminierungstrainings für Schüler*innen und Eltern durchgeführt werden; weiße Menschen, die eine Kampagne starten, um Geld für die Kautionen schwarzer Mütter in den USA zu sammeln, die im Gefängnis sitzen; weiße Menschen, die eine Liste mit schwarzen Frauen zusammenstellen, die ihr Unternehmen anstellen könnte. In all diesen Beispielen können weiße Menschen selbst aktiv werden. Außerdem kommen die Aktionen direkt schwarzen Menschen zugute. Wirksame, verantwortungsvolle Taten sind das Ziel.
Weiße Menschen sollten die Privilegien effektiv einsetzen, die sie haben – besonders die finanziellen – und sie zur Unterstützung derer nutzen, die vor Ort aktiv sind. Sie müssen sich immer wieder fragen, wie sie so viele Hindernisse beseitigen können wie möglich, um schwarze Menschen unterstützen zu können. Wenn du nicht weißt, wem und wie du helfen kannst, spende Geld an schwarze Frauen, besonders an schwarze Trans-Frauen. Das ist das Mindeste, was du tun kannst, und das kann immer noch sehr effektiv sein.
Manchmal werden weiße Menschen scheitern, wenn sie versuchen, echte Verbündete zu sein – darauf müssen sie sich im Vorhinein gedanklich einstellen. Das ist von entscheidender Bedeutung für ihren Weg, eine anti-rassistischen Person zu werden. Schwarze Menschen erwarten keine Perfektion von weißen Menschen. Wir wissen, es geht nicht darum, ob du es irgendwann versaust, sondern wann du es versaust.

Ichhabe es immer und immer wieder gesagt: Wenn weiße Menschen etwas vermasseln,was machen sie dann? Ziehen sie sich zurück?Geben sie auf? Flippen sie aus? Oder nutzen sie es als Chance, um zu lernen,was sie besser nicht tun sollten und um zu versuchen, es beim nächsten Malbesser zu machen?

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