Ängste während der Schwangerschaft & wie du damit umgehst

photographed by Ashley Armitage.
Der Tag, an dem du herausfindest, dass du schwanger bist kann einer der schönsten deines Lebens sein. Er kann aber auch den Beginn einer sehr langen Zeit markieren, die von Angst und Sorgen erfüllt ist.
Sobald du weißt, du trägst ein kleines Wunder in dir (sorry für die abgedroschene Phrase, aber es ist schon krass, was sich die Natur da einfallen lassen hat), fängst du an zu grübeln. Was darf ich während der Schwangerschaft essen und was nicht? Welche Untersuchungen soll ich durchführen lassen? Werde ich eine gute Mutter sein? All diese und tausend weitere Fragen werden früher oder später in deinem Kopf auftauchen. Und das ist prinzipiell erst mal nichts Schlechtes, denn allein aus evolutionstechnischer Sicht sollst du dich ja auch mental darauf vorbereiten, Mama zu werden. Aber bei manchen wird aus den kleinen Sorgen und Bedenken schnell furchtbare Ängste, die ihr ganzes Leben bestimmen und negativ beeinflussen.
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Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass einige Menschen während der Schwangerschaft besonders ängstlich sind, erklärt Catherine Monk, Professorin für Medizinische Psychologie. Zum einen wären da die Hormone, die für ein gesteigertes Angstempfinden sorgen können. Dazu kommt, dass sich nicht nur dein Körper verändert, sondern auch viele andere Bereiche deines Lebens: Die Schwangerschaft, und später das Elterndasein, wirken sich sowohl auf deinen Job als auch deine Finanzen und deine Beziehungen (freundschaftlich und partnerschaftlich) aus – und das kann natürlich beängstigend sein. „Schwanger zu sein ist eine ganz neue Erfahrung für dich. Bestimmt hast du das Gefühl, nicht mehr die Kontrolle über alles zu haben und das kann einen ganz schön aus dem Konzept bringen.“ Dazu können persönliche Probleme sein, die dir bereits vor der Empfängnis zugestoßen sind. Vielleicht hast du auch schon mal eine Fehlgeburt erlitten oder eine traumatische oder traurige Kindheit gehabt. Dann hast du jetzt wahrscheinlich umso mehr Angst, Fehler zu machen. Vielleicht hast du auch früher schon mal an einer Angststörung gelitten, dann besteht die Möglichkeit, dass sie während Schwangerschaft wieder aufkommt.
Studien zufolge sind bis zu 25 Prozent der werdenden Mütter von Ängsten betroffen, weshalb es umso wichtiger ist, das Thema ernst zu nehmen. Einen ersten Schritt machte beispielsweise die Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Sie startet Anfang des Jahres mit einem systematischen Screening und Behandlungsprogramm für psychisch belastete Schwangere in Baden-Württemberg. Je nachdem wie das Pilotprojekt läuft, wäre laut Prof. Dr. Christof Sohn, dem ärztlichen Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, eine bundesweite Ausdehnung denkbar. So weit ist es aber leider noch nicht. Solltest du das Gefühl haben, übermäßig ängstlich während der Schwangerschaft zu sein, würde ich dir also raten, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber zu reden. Sie oder er kann die gegebenenfalls helfen, einen Therapieplatz zu finden. Ansonsten gibt es aber auch ein paar Dinge, die du zusätzlich (oder bis zum Beginn deiner Therapie) machen kannst.
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Schreib dir deine Sorgen von der Seele.

Besorg dir ein Notizbuch und schreibe alle Angst- oder Sorgengedanken auf – das hilft dir dabei, die Übersicht zu behalten, sagt Dr. Monk. Wenn du dann in der seelischen Verfassung bist, die Probleme zu klären, nimmst du dir das Buch wieder zur Hand. „Verurteile dich selbst nicht dafür, wenn du dir immer und immer wieder Sorgen um die gleichen Dinge machst. Versuche, dich selbst neutral zu beobachten, es zu akzeptieren und dann deine Gedanken auf etwas Anderes zu richten.“

Bring mehr Achtsamkeit in dein Leben.

Achtsamkeit ist immer wichtig, aber besonders, wenn dich das Elterndasein überfordert. Du musst nicht anfangen zu meditieren, wenn das nicht dein Ding ist, aber versuch irgendeine Strategie zu finden, die dir dabei hilft, runterzukommen und dein Stresslevel zu senken. Lerne, wenigstens eine Minute lang in der Gegenwart zu sein. Vielleicht hilft dir eine bestimmte Atemtechnik, vielleicht versuchst du es mit Mindful Walking oder konzentrierst du dich einfach nur ganz bewusst aufs Kochen – auf die Gerüche, den Geschmack, das Umrühren der Suppe. „Schon wenn du nur für einen Moment keine Angst hast, hilft das den Reset-Button zu drücken.“

Betrachte deine Ängste von einer anderen Seite.

„Oft haben wir Angst, weil es uns schwerfällt, die Kontrolle abzugeben und zu akzeptieren, dass wir nicht wissen, was als nächstes passiert“, erklärt Dr. Monk. Wenn du dir das bewusst machst, kann dir das dabei helfen, mit denen Sorgen umzugehen – und zwar nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch danach.

Finde heraus, was deine Trigger sind.

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Es kann hilfreich sein, genau zu benennen, welche Dinge deine Ängste auslösen. Vielleicht sind sie besonders stark, wenn dein Kalender zu voll ist oder wenn Untersuchungen anstehen. Auch, wenn du an den Situationen selbst vielleicht nicht viel ändern kannst, hilft es dir eventuell zu wissen, was der Grund für deine Angespanntheit, Nervosität oder Panik ist. Dann kannst du dich besser darauf vorbereiten oder gegebenenfalls deine*n Partner*in, Freund*innen oder deine Familie um Unterstützung bitten. Du bist nämlich nicht allein mit deinen Sorgen!

Schlaf so viel wie möglich.

Während der Schwangerschaft ausreichend und tief zu schlafen, ist oft nicht leicht. Aber wenn du chronisch nicht genug Schlaf bekommst, bist du mehr "on edge". Dein Stresslevel ist dann höher und bereits Kleinigkeiten können das Fass zum Überlaufen bringen und Panikattacken auslösen. Deshalb rät Dr. Monk, Schlaf zu deiner ersten Priorität zu machen.
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