Ich stimme für Hillary Clinton, weil ich keine andere Wahl habe

Foto: Melina Mara/The Washington Post/ Getty Images.
Stacy London ist Modeberaterin, Autorin und Redakteurin. Die Ansichten, die im folgenden vertreten werden, sind ihre ganz persönlichen.

Die bevorstehende Wahl kotzt mich an. Ich verstehe nicht, wie wir hierher gelangt sind, ebenso wenig wie ich begreife, dass ich tatsächlich schon 47 Jahre alt bin. Diese ganze Schlammschlacht widert mich an. Im Grunde interessiere ich mich kaum dafür, welche Namen auf dem Stimmzettel stehen und wähle einfach die Partei, die ich immer wähle. Aber ich sorge mich eben um bestimmte Dinge, wie die Gesundheitsversorgung, das Frauenwahlrecht, gleiche Rechte für Männer und Frauen, egal welche Hautfarbe oder geschlechtliche Identität sie haben und die Umwelt sowie die Erhaltung dieser. Und damit befinde ich mich derzeit in einem echten Konflikt. Ich finde nämlich beide Optionen nicht sonderlich reizvoll.

Ich kann Donald Trump nicht wählen. Sein Sexismus ist für die Zeit, in der wir leben, einfach schockierend. (Vielen Dank, für die ungewollt veröffentlichte Aufnahme und die widerliche Konversation, die ich nun einfach nicht mehr aus meinem Kopf bekomme!) Ich glaube nicht, dass er der großartige Geschäftsmann ist, der er vorgibt zu sein und seine Steuersituation beweist dies. Ich kann einfach keinen Mann wählen, der sich über Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung lustig macht. Ich kann keinen Mann wählen, der Einwanderer als Gefahr für dieses Land begreift, anstatt sie als einen unsere größten Gewinne zu betrachten. Ich kann keinen Mann wählen, dessen Reden Angst, Zorn und Vorurteile schüren - und das kratzt gerade einmal an der Oberfläche – nur um sein eigenes Ego aufzupolieren. Und wahrscheinlich am wichtigsten: Ich kann keinen Mann wählen, der sich um das Amt des amerikanischen Präsidenten bewirbt und zuvor niemals ein anderes Amt innehatte. Man mag nun sagen, dass er eben ein Sonderfall ist, aber lasst uns mal klarstellen, was er in Wahrheit ist: Ein privilegierter weißer Mann.
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Ich weiß, wie es ist, das Gefühl zu haben zum Scheitern verurteilt zu sein,

Ich kann allerdings auch nicht behaupten, dass ich Hillary Clinton liebe. Ich kann es einfach nicht auch, wenn angesichts der Alternative wirklich wünschte, ich könnte es. Ich habe meine Zweifel bezüglich ihrer Authentizität. Ich habe meine Zweifel bezüglich ihres Verhaltens in der Vergangenheit. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass es anders ist. Und doch weiß ich nicht, wie ich darauf reagieren soll, wenn die Leute twittern, dass sie niemals #Killary wählen würden oder dass sie der Teufel und im wahrsten Sinne des Wortes bösartig ist. Ich weiß nicht, ob sie die Schuld daran trägt, was in Bengasi passiert ist und ich glaube nicht, dass sie für das, was in Washington schief läuft, alleine verantwortlich ist. Und ja, wahrscheinlich war es vollkommen bescheuert vertrauliche Mails über ihren privaten E-Mail Server zu verschicken. Aber wie viele Außenminister vor ihr mögen das schon getan haben? Wie viele Präsidenten?

Es ist doch so: Wenn ich mir Amerika als ein großes, schönes, glänzendes Auto vorstellen würde, würde ich mir dann nicht eine erfahrene Fahrerin dafür wünschen, die in den letzten 30 Jahren bereits bei Wind und Wetter und auf langen kurvigen Straßen unterwegs war? Oder würde ich jemanden bevorzugen, der nicht einmal einen Führerschein besitzt?

Aber vergessen wir das mal für einen kurzen Moment – wobei es weniger darum geht zu vergessen, als nur mal kurz eine Pause einzulegen.
Foto: Melina Mara/The Washington Post/ Getty Images.
Gestern ist mir etwas klargeworden. Ich weiß, wie es sich anfühlt nicht gemocht, ja sogar gehasst zu werden. Vielleicht nicht auf dem gleichen Niveau wie Hillary, aber ich habe da durchaus meine eigenen Erfahrungen gemacht. Als ich mit What Not To Wear startete, gab es einige Leute, die mich hassten. Sie sagten, ich sei eine Schlampe und ich hätte kein Recht andere runterzumachen und was glaubte ich überhaupt, wer ich bin. Einige mögen das auch heute noch denken. Ich hatte aber, auch wenn das Ganze bei dem einen oder anderen ein paar unschöne Gefühle heraufbeschworen hat, nie die Absicht, jemanden zu verletzen. Als ich auf Facebook eine Seite mit dem Namen „Hating Stacy The Jew London“ entdeckte, auf der Leute schrieben, dass sie hofften, ich würde ausrutschen, hinfallen und mir meine riesige Nase und all meine Zähne abbrechen, brach ich weinend auf dem Boden zusammen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man die eigenen Absichten falsch interpretiert werden; wenn du die Leute einfach nicht vom Gegenteil überzeugen kannst, solange du es nicht mit deinem Handeln beweisen kannst. Ich habe das Format What Not To Wear nicht erfunden. Der Sender gab uns die Vorgabe, wir müssten bissig sein. Es dauert vier Staffeln ehe das Publikum verstand, worum es in der Show wirklich geht, was jeder Beteiligte aus der Show mitnehmen kann: Sie sollten ihre eigenen Schwachstellen ausfindig machen und am Ende mit dem Selbstbewusstsein aus der Show gehen, das sie verdienten.

Es braucht Zeit und Mühe, Meinungen zu ändern und ehrlich gesagt haben wir Hillary nie die Chance gegeben, sich zu beweisen. Wir haben sie verurteilt und sie dazu gezwungen ihre Entscheidungen aus der Vergangenheit zu verteidigen, anstatt ihr zuzuhören und sie erklären zu lassen, wie ihr Plan aussieht. Nur weil sie in einem Regierungssystem gearbeitet hat, dass einige Leute verärgert hat, heißt das nicht, dass sie es nicht von innen heraus verändern kann. Mit unserer Hilfe kann sie es schaffen. Aber wir sollten nicht nur sie wählen, sondern auch in allen anderen Ämtern für mehr Vielfalt stimmen.

Das, meine Freunde, ist es worum es in diesem Wahlkampf gehen sollte. Die Präsidentschaft allein reicht für die Veränderung, die wir in diesem Land sehen möchten, nicht aus. (Und Donald Trump lügt, wenn er sagt, er könnte das alles alleine schaffen.) Ich sage nicht, dass Hillary die Antwort auf unsere Gebete ist. Aber sie – und generell eine größere Vielfalt innerhalb der Regierung – kann eine Gesetzgebung vorantreiben, die dem ganzen Land nützt und nicht nur ein paar wenigen. Wir neigen allerdings dazu Macht aus Kompromittierung zu ziehen.

Ich sage immer, dass es bei What Not To Wear nicht um die Kleidung geht. Es geht darum, was die Kleidung bewirken kann.

Bei dieser Wahl geht es nicht bloß um Hillary. Es geht darum, was sie bewirken kann. Und mit unseren Stimmen können wir ihr die richtigen Leute zur Seite stellen. Keine Ausreden. Geht wählen. Geht bitte wählen. Es ist mir auch egal, ob ihr im Jogger geht. Tut es einfach.

Übersetzt von Anna Hackbarth
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