11 Frauen teilen ihre traumatischen Erlebnisse während der Geburt

Illustration: Paola Delucca.
Mit der Renaissance der Hausgeburten und einem starken Fokus auf möglichst sanftes Gebären, beschäftigt sich die Geburtsmedizin mittlerweile verstärkt mit der Frage danach, welche Faktoren zu einer „guten Geburt“ gehören. In welcher Umgebung können Frauen bestmöglich und sicher gebären. Gerade deshalb könnte man vermuten, dass die Zeiten von damals, als die Geburt ein standardisierter Vorgang war, bei dem in keinster Weise auf die Bedürfnisse der Gebärenden eingegangen wurde, lang vorbei sind. Die Fotoserie „Exposing The Silence“ spricht da leider von einer anderen Realität und beweist, dass auch heute noch viele Frauen unter den vorsintflutlichen Methoden leiden müssen. Zusammen mit Cristen Pascucci, der Leiterin des Interessenverbands „Improving Birth“, rief Lindsay Askins, Hebamme und Fotografin, das Fotoprojekt ins Leben.
In einer Zeit, in der Frauen danach streben, als die „perfekte“ Mutter gesehen zu werden, kann es schwer sein, sich offen und ehrlich über die eigene negative Geburtserfahrung zu äußern. So bleibt es oft im Versteckten, dass ca. ein viertel der Frauen nach einer komplizierten Geburt unter posttraumatischem Stress leidet. Mit der Fotoserie wollen Askins und Pascucci diesen Frauen eine Stimme geben und aufmerksam auf die teilweise verheerenden Zustände machen.
Die Ärztin setzte mich mit den Worten unter Druck, dass mir wohl egal wäre, ob mein Kind sterben würde und sie würde mich schon dazu bringen in den Kaiserschnitt einzuwilligen, notfalls durch eine gerichtliche Anordnung“, so eine der Frauen. „Es gab keine Indikation für einen verfrühten Kaiserschnitt, die Ärztin wollte einfach nicht länger warten, bis ich das Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringen würde. Im OP noch, wurde mir Rechthaberei vorgeworfen.“
Die Fotoserie beweist, dass eine Geschichte wie diese, leider keine Seltenheit ist. Pascucci beschreibt es wie folgt: „Ich habe Erlebnisse von Frauen erzählt bekommen, die ich erst nicht glauben wollte, so schockierend waren sie.“ Auch Lindsay Askin war erschüttert über die Erzählungen von Frauen, die gegen ihren Willen Medikamente oder einen Dammschnitt bekamen, durch gerichtliche Beschlüsse zu Kaiserschnitten gezwungen wurden oder vielleicht die grausamste Vorstellung, während eines Kaiserschnitts, durch mangelnde Betäubung, jeden Schnitt spüren konnten: „Ich dachte, dass würde äußerst selten passieren … oh, sorry, da haben wir wohl irgendwas falsch berechnet, aber weit gefehlt, ich konnte kaum glauben, wie oft ich von solchen Vorfällen hören musste. Am schlimmsten war, dass den Frauen noch nicht mal richtig zugehört wurde.“
Die beiden Initiatorinnen des Fotoprojekts hatten beide das Glück einer sehr positiven Geburtserfahrung, mussten aber feststellen, dass es eine große Anzahl an Frauen gibt, denen es ganz anders ergangen ist und die darüber in der Mehrzahl schweigen. Über die Initiative „Improving Birth“ nahmen sie Kontakt mit diesen Frauen auf um sie dazu einzuladen, ihre Geschichte, auch durch das Medium der Fotografie zu teilen.
Durch ein einfaches Foto, bekommen die Erlebnisse der Frauen ein Gesicht und werde schließlich auch gehört.
„Viele der Frauen beschrieben die Geburtserfahrung wie das Gefühl in einem Alptraum gefangen zu sein. Sie fühlten sich so, als ob niemand sie hören würde, als ob sie selbst gar nicht anwesend wären, dem medizinischen Personal hilflos ausgeliefert“, erzählt Pascucci weiter.
Die Patienten werden nicht mehr als Mensch, sonder nur noch als „Fall“ wahrgenommen. Ein Problem, das häufig zu finden ist, bei dieser Art von Erlebnissen. Egal, ob die Frauen belogen, emotional erpresst oder sogar körperlichen Schaden zugefügt bekommen. Vielleicht auch eine Folge dessen, dass sich der Glaube, dass Frauen in den Wehen nicht zurechnungsfähig sind, hartnäckig in den Köpfen hält. „Die Frauen werden als hysterisch abgetan. Das ist das heimtückische daran. Dabei wollen sie einfach nur ihre Fragen beantwortet, bzw. ihr Nein akzeptiert wissen“, so Pascucci weiter.
Die Geburt ist ein lebensveränderndes Erlebnis und ein Frau in den Wehen ist in der Tat sehr verwundbar. Eine für den Körper extrem herausfordernde und teilweise traumatische Erfahrung, bei der jede zusätzliche Art des Schmerzes unbedingt vermieden werden muss. Es ist absolut verständlich und normal von den Geschehnissen während einer Geburt emotional und physisch überwältigt und überfordert zu werden. „Der richtige Umgang damit, kann aber nicht sein, die Reaktionen der Frauen als irrational zu verurteilen, viel eher, sollte man mit Verständnis und unterstützend damit umgehen“, so Pascucci.
Klickt euch durch die Slideshow, um mehr Fotos aus der Reihe Exposing The Silence zu sehen.

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