Warum ist es eigentlich so verpönt, die Suche nach einem Partner zur Priorität zu machen?

Photographed by Refinery29.
Es gibt zahlreiche Meinungen darüber, wie man sich als Single verhalten sollte. Datet man zeitgleich mehr als eine Person, verhält man sich unfair. Konzentriert man sich auf eine Person, schreit man sein Glück nicht laut genug oder zu laut in die Welt hinaus. Aber die Nummer Eins der ungewollten Ratschläge ist der, dass man sich zu sehr für das Dating an sich interessiert. Sobald beispielsweise erzähle, dass es für mich oberste Priorität hat, einen Partner zu finden, wird mir gesagt, dass ich es zu sehr versuche. „Du willst doch nicht verzweifelt wirken“, oder „niemand mag eine hungrige Frau“.
Aber warum wird es als so schlecht angesehen, sich nach einem Partner zu sehnen?
Werbung
„Auf der Arbeit ambitioniert zu sein, ist die eine Sache, die akzeptiert und wertgeschätzt wird, aber sich zu bemühen, einen Partner zu finden, wird in unserer Gesellschaft als negative Eigenschaft angesehen“, sagt Andrea Bonior, PhD, Psychologin und Autorin. „Wir glorifizieren Romanzen bis aufs Äußerste, aber gleichzeitig sollte man unabhängig sein“, sagt sie. Die Voraussetzung dafür ist laut Dr. Bonior die Tatsache, dass du mit der Suche nach Liebe versuchst, eine Leere in dir zu füllen, was natürlich nicht immer der Fall ist. Ich möchte einfach nur einen Partner, mit dem ich sonntags kuscheln kann – niemanden, der eine tiefe, emotionale Leere füllt oder einen Teil von mir komplettiert.
Außerdem besteht laut Justine Shuey, PhD, zertifizierte Sexologin und sexuelle Aufklärerin, die Annahme, dass hungrig zu sein auch gleichzeitig bedeutet, sexuell offen zu sein. „Besonders Frauen wird oft gesagt, dass sie nicht auf der Suche nach Sex sein sollten“, sagt sie. „Und wenn du in dieser Welt lebst und datest, wird angenommen, dass du sexuell offen bist.“ Dieser sexuelle Drive kann andere Menschen dazu bringen, zu verurteilen – besonders weil sie oft denken, dass eine Person, die viele Dates hat, auch viel Sex hat. Eine Person dann verzweifelt oder hungrig zu nennen, kann laut Dr. Shuey eine subtile Form von Slut-Shaming sein.
Der wahre Grund? Wir haben ziemliche verrückte Meinungen darüber, wie Liebe „sein sollte“. „Eine*n Partner*in zu finden, sollte eine magische Sache sein, die einfach so passiert“, sagt Dr. Bonior. „So solltest diesbezüglich nicht berechnend sein. Wenn sich also jemand das Ziel setzt, sich zu verlieben, widerspricht das der gängigen Vorstellung davon, wie Romantik auszusehen hat.“
Werbung
Aber es ist absolut nichts Falsches daran, die Jagd nach Liebe zu deiner Priorität zu machen. Und niemand hat das Recht, dich deswegen zu verurteilen. „Ich denke, dass es niemanden etwas angeht, was in meinem Leben oder meinem Schlafzimmer passiert, solange die Person nicht involviert ist“, sagt Dr. Shuey. Aber wenn diese ungefragten Ratschläge anfangen dich zu nerven, dann denk einfach daran, dass ein Wunsch nach Liebe und Zuneigung völlig normal ist.
Früher hat es mich extrem gestört, wenn Menschen mich verzweifelt genannt haben, aber ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Leben und die Suche nach Liebe ist eben ein Teil davon und kann sogar richtig Spaß bringen. Wenn mich das für manche hungrig erscheinen lässt, dann ist das eben so – ein Grund mehr auszugehen und den Durst versuchen zu stillen.
Du hast immer noch Durst? Lese dich hier satt:

Mehr aus Sex & Relationships

Watch

R29 Originals