„Spontan-Dating“: Dieser neue Dating-Trend gibt uns Hoffnung

Ich kann es nicht oft genug sagen: Die Pandemie hat unsere Einstellung, was das Daten betrifft, in mehr als nur einer Hinsicht verändert. Seitdem sich die Welt langsam wieder geöffnet hat, haben wir alle Vorsicht über Bord geworfen und uns in unseren aufkeimenden Beziehungen auf kreative, lustige und fröhliche Spontaneität eingelassen. Diese Praxis ist so beliebt, dass sie jetzt sogar ihren eigenen Namen hat: „Spontan-Dating“.
„Als es noch mehr coronabedingte Einschränkungen gab, mussten wir kreativer sein und andere Dinge tun, die wir beide mögen, als nur auszugehen und Cocktails zu trinken“, erzählt Amelia, 27. Diese Einschränkungen ließen ihr keine andere Wahl, als sich mehr Zeit fürs Kennenlernen zu nehmen, bevor sie ihren jetzigen Freund persönlich treffen würde.
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Sie beschreibt ihre erste Verabredung mit ihm im Mai dieses Jahres, die eher aus einer Laune heraus stattfand. „Wir trafen uns an einem See und paddelten zu einer Insel, wo wir einen Kaffee tranken und die Berge beobachteten. Dann paddelten wir zurück und er machte ein Feuer. Er hatte sogar Stühle und ein Picknick dabei. Wir waren fünf Stunden dort und lachten unaufhörlich.“
Die meisten Verabredungen, die Amelia mit ihrem Freund hatte, standen unter dem Motto „Genieß den Moment“, wie sie es ausdrückt. „Einige der schönsten Dates, die wir hatten, waren zufällig“, sagt sie. „Einmal gingen wir spontan bouldern, weil es regnete, und das war echt cool!“
Vor den Lockdowns waren solch spontane Dates im Freien eher nicht so Amelias Ding. Dadurch, dass sie aufgrund der Pandemie das Hier und Jetzt mehr zu schätzen weiß, hat sich das aber geändert. „Ich kann es mir nicht mehr erlauben, einen schönen warmen Tag oder romantischen Sonnenuntergang zu verschwenden“, erklärt sie.
Ihre erste Verabredung nach den Lockdowns war spontan – und unvergesslich. „Wir gingen in ein wirklich schlechtes Thai-Restaurant, weil wir nirgendwo reserviert hatten und alles voll war, aber es war lustig. Und dann sind wir in einem See geschwommen. Da ich nicht wirklich gut schwimmen kann, probierte er also, es mir besser beizubringen. Dann sahen wir uns den Sonnenuntergang auf dem Pier an und aßen Brownies“, lacht sie, „und unser erster Kuss war furchtbar, da wir beide schon so lange niemanden mehr geküsst hatten.“
Charlotte, 27, Content Creator, ist es ähnlich mit dem Daten ergangen. Während einem der Lockdowns lernte sie ihren jetzigen Freund auf Tinder kennen. Zunächst konnten sie nur spazieren gehen oder einen Kaffee trinken. Als die Geschäfte wieder öffneten, freuten sie sich darauf, in ein Restaurant zu gehen oder sogar in einem Hotel zu übernachten.
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„Wir hatten ein spontanes Date. Wir übernachteten in einem Hotel mit einem tollen Ausblick. Unser Zimmer war im 16. Stock und ich war einfach nur von den Socken. Wir hatten auch ein paar Drinks in der Sky Bar. Das war eine Überraschung für mich“, sagt Charlotte. Diese Art von Verabredung steht in deutlichem Gegensatz zu ihrem Dating-Leben vor der Pandemie. „Ich habe so viele Tinder-Horrorgeschichten miterlebt, dass ich ein Buch darüber schreiben könnte.“

Manchmal geschieht das, was wir am meisten brauchen, zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Hör also damit auf, dich zu stressen und erlaub es dir, Positives anzuziehen.

Chad
Für viele von uns hat es sich als positiv herausgestellt, zuerst eine emotionale Beziehung oder Freundschaft aufzubauen und aufgeschlossen zu bleiben, bevor alles andere folgt. Allen*, 28, fand sich nach dem Lockdown unerwartet in einer Beziehung wieder, als er beschloss, nicht mehr zu suchen und die Dinge in Sachen Liebe einfach auf sich zukommen zu lassen. Er verzichtete auf Dating-Apps und lernte seine jetzige Freundin in der Tanz-Community kennen.
Nachdem sie sich etwa einen Monat kannten, lud er sie in eine moderne Villa ein, zu der er durch seine Arbeit Zugang hatte. Es war ein Freitagabend nur für sie beide. „Das war ziemlich spontan, weil ich sie damals noch nicht so gut kannte“, erinnert er sich. Sie verbrachten einen romantischen Abend und drehten ein gemeinsames Tanzvideo.
Chad Teixeira, ein 26-jähriger Unternehmer, hat ebenfalls einen Unterschied zwischen dem Daten vor und nach dem Lockdown festgestellt. „Mir persönlich kamen die anderen nach dem Lockdown herzlicher und interessierter vor. Ich hatte einige wilde Verabredungen und treffe mich mit Leuten, die ich normalerweise vielleicht nicht unbedingt daten würde. Seit der Pandemie habe ich nämlich einfach Lust darauf, neue Dinge auszuprobieren.“
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Auf diese Weise fand er seine:n Partner:in. „Es war nervenaufreibend, aber auch sehr aufregend“, sagt Chad. „Ich glaube, wir hatten beide so die Nase voll von der Pandemie, dass wir seit dem Moment, als wir uns sahen, die Hände nicht mehr voneinander lassen konnten.“
Er rät anderen dazu, es ruhig angehen zu lassen. „Es gibt so viel Druck, sowohl innerhalb der LGBTQ-Gemeinschaft als auch von außen, sich bestimmten Normen anzupassen und sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Aber manchmal geschieht das, was wir am meisten brauchen, zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Hör also damit auf, dich zu stressen und erlaub es dir, Positives anzuziehen.“
Wenn du dich bei einem Date auf den Unterhaltungswert konzentrierst, anstatt ein Ziel zu verfolgen, kannst du dich entspannen und wirst weniger Angst vor Ablehnung haben. Außerdem wird so klarer, was zwei Menschen von einem Date erwarten. Viele von uns sind sich seit den Lockdowns und der damit verbundenen Zeit zum Nachdenken ihrer selbst und ihrer Wünsche bewusster geworden. Einfach ausgedrückt: Unsere Toleranz für schlechte Dates ist gleich null.
Laura*, eine alleinerziehende Mutter Anfang 30, stimmt dem zu. „Meine Zeit nicht zu verschwenden, ist mir jetzt viel wichtiger, denn jedes Mal, wenn ich rausgehe, steckt so viel Aufwand dahinter. Da ist es normal, sich zu fragen, ob ein Date diesen Aufwand überhaupt wert ist.“
Früher hätte Laura sich vielleicht auf eine Verabredung eingelassen, solange sie unterhaltsam war, aber heute beendet sie die Sache schnell, sobald sie rote Flaggen bemerkt. Bei einem Date vor Kurzem gingen sie und ihr Date in ihr Lieblingsrestaurant und hatten anschließend beim Sonnenuntergang ein romantisches Picknick mit Wein. Sie ließ sich aber nicht von all dieser Romantik beirren, als sie merkte, dass die Beziehung keine Fortschritte zu machen schien. Nach einem Monat war sie bereit, weiterzuziehen, obwohl sie noch Gefühle für ihn hegte.
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Dennoch genoss Laura die Verabredung, vor allem, als sie spontan beschlossen, den Abend bei ihm fortzusetzen. „Wir hatten bloß ein paar Drinks und unterhielten uns. Ich war froh darüber, dass es nur bei einer Unterhaltung blieb, da ich sie wirklich genoss.“
Aus dieser Erfahrung hat Laura gelernt, dass sie auf natürliche Weise erfahren kann, wer ihr Date wirklich ist. Sie möchte nicht, dass ein:e Partner:in sich in jemanden verwandelt, den:die sie braucht, oder der:die eine Verlängerung von ihr wird. In dieser Hinsicht ist Spontan-Dating nützlich, denn es hilft, Authentizität und Verspieltheit hervorzubringen.
Indem du Spontaneität und Freude in dein Dating-Leben einbaust, hast du die Möglichkeit, verschiedene Seiten an dir und deinem Date zu entdecken. So machst du dir weniger Druck, die Liebe deines Lebens finden zu müssen und kannst die Verabredung (hoffentlich) genießen. Wer wünscht sich das nicht nach all dem Stress?
*Namen wurden von der Redaktion geändert.

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