Afro, abrasiert, Vokuhila: So stylen 6 Berlinerinnen ihre Haare im Sommer

Berlin, Sommer 2018. Es ist keine Meerflucht nötig. Mit scheinbar nicht enden wollenden Temperaturen über 30 Grad, können wir in diesem Jahr die umliegenden Seen und Schwimmbäder genießen und zumindest am Wochenende sonnenbaden und uns im Wasser über das kühle Nass freuen. Die Sommersprossen sprießen, die Haut bräunt trotz Sonnencreme. Nur die Haare werden immer trockener und strapazierter. Wind, Wasser, Sonne im ständigen Wechsel verleihen in kürzester Zeit einen „Undone-Look“, mit dem sich nicht jede*r identifizieren will.
Hair- und Make-up-Artist Sacha Schuette empfiehlt allen, die den spröden Spitzen vorbeugen wollen, eine Extraportion Feuchtigkeit. „Haare sind mehr beansprucht durch Sonne und Chlor oder Salzwasser und sollten nach jeder Wäsche mit Spülung und regelmäßig mit einer Kur behandelt werden“. Je trockner und krauser die Haare, desto mehr Feuchtigkeit könne das Haar vertragen. Sein Tipp: „Auf der Liegewiese oder am Strand eine Haarmaske für trockenes und strapaziertes Haar einmassieren, die Haare zum Knoten drehen und die Maske einwirken lassen“. So würde das Haar gleichzeitig gepflegt und geschützt. Bei sehr kurzen Haaren sollte aufgepasst werden, dass die Kopfhaut nicht verbrennt. „Es gibt Sonnenschutz speziell für die Haare und die Kopfhaut. Oder man trägt eine Cap, einen Sonnenhut oder ein Bandana zum Schutz.“
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Die ausgiebige Pflege könnte sich lohnen. Unsere Haare sind der Spiegel unserer Seele. Wie es uns im Innersten geht, zeigt sich so auch in der Struktur der Haare. Depressionen und Krankheiten können von einer Glanzlosigkeit der Haare bis zum Haarausfall sichtbar werden. Diese Fakten haben Psychologin Dr. Tanja Hoff und Professor Reinhold Bergler in ihrem Buch „Psychologie des ersten Eindrucks: Die Sprache der Haare“ dargelegt. Wollen wir, wenn unsere Sommerlaune ganz oben ist, dass unsere Haare etwas Gegenteiliges erzählen? Kann der Studie überhaupt Glauben geschenkt werden, zeigen unsere Frisuren und Haare unsere innere Verfassung, spiegeln gar unsere Identität wider?
Wir haben sechs Wahlberlinerinnen gefragt, ob und inwiefern sie sich mit ihren Haaren identifizieren und wie sie ihre Frisuren sommertauglich stylen.
Fotos: Joanna Legid
Marieke
27 Jahre alt
Freiberufliche Journalistin/Producer
Instagram: mariekefischer_
Wie trägst du die Haare im Sommer am liebsten?
Meine momentane Frisur passt hervorragend zu warmen Temperaturen. Auch ohne Styling hängen meine Haare nicht wärmend im Nacken. Und wenn ich Lust auf Abwechslung habe, style ich die Haare für den Sleek-Look nach hinten oder experimentiere mit Spangen.

Veränderung, neue Schritte und die Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit sind mir wichtig – das spiegelt sich in meinen Frisuren wider.

Spiegelt deine Frisur deine Identität wider?
Jetzt ja. Ich hatte vor einiger Zeit für eine Weile lange Haare, da ich auch das mal ausprobieren wollte. Ich habe mich wie ein kleines Mäuschen gefühlt und war irgendwann sehr gelangweilt von mir selbst. Ich habe gespürt, dass diese Frisur zu weit von meiner Persönlichkeit entfernt ist und mich entschieden, die Haare wieder kurz zu schneiden. Seither teste ich ungefähr alle drei Monate einen neuen Schnitt oder eine andere Farbe. Veränderung, neue Schritte und die permanente Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit sind mir wichtig – das spiegelt sich in meinen Frisuren wider.
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Fotos: Joanna Legid
Gordia
19 Jahre alt
Spielleiterin im Escape Room
Instagram: gordiala
Wie trägst du die Haare im Sommer am liebsten?
Meine Haare sind sehr dick und geben zu viel Wärme ab, wenn ich sie komplett offen trage, daher flechte ich meine Haare im Sommer gerne oder stecke sie hoch. Zusätzliche benutze ich Pflegekuren, da die Sonne und das Chlor im Schwimmbad meine Haare strapazieren.

Komplimente schmeicheln, allerdings versuche ich mich nicht zu sehr über meine langen Haare zu definieren.

Was bedeuten deine Haare für dich und dein Außenbild?
Ich bekomme viele Komplimente für meine Haare. Als ich mich bei meiner Schwester über einen Bad-Hair-Day beschwert habe, meinte sie, dass meine Haare an einem schlechten Tag immer noch besser aussehen würden als die Haare von anderen an einem guten Tag. Das schmeichelt, allerdings versuche ich mich nicht zu sehr über meine Haare zu definieren – darüber wie schön lang und schwarz sie in natura sind. Ich experimentiere mit Farben und Schnitten und könnte mir auch vorstellen sie ganz abzurasieren. Haare sind für mich wie ein Accessoire, das ich trage, wie ich gerade Lust habe, ohne viel darüber nachzudenken.
Fotos: Joanna Legid
Eva
29 Jahre alt
Künstlerin
Instagram: gelee.royal
Wie trägst du die Haare im Sommer am liebsten?
Ich habe sehr helle Haut und muss mich verstärkt vor der Sonne schützen, daher trage ich im Sommer meist einen Sonnenhut. Manchmal flechte ich mir mit nassen Haaren einen Zopf – das kühlt länger.

Die langen Haare sind eine Art Vorhang, sie bieten mir Schutz – auch vor der Sonne.

Spiegelt deine Frisur deine Identität wider?
Die langen, roten Haare bedeuten für mich Sinnlichkeit. Wenn ich sie abrasieren würde, würde ich mich entblößt fühlen. Die langen Haare sind eine Art Vorhang, sie bieten mir Schutz – auch vor der Sonne. Ich trage meine Haare lang, seit ich 13 Jahre alt bin. Ich lasse nur die Spitzen schneiden und selbst die nehme ich mit nach Hause, weil ich so sehr daran hänge. Vielleicht mache ich in Zukunft eine Arbeit damit, momentan bin ich noch am Sammeln.
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Fotos: Joanna Legid
Yu
20 Jahre alt
Studentin
Instagram: yusononair
Wie trägst du die Haare im Sommer am liebsten?
Ich trage meine Haare meist kurz, allerdings mache ich das nicht von den Jahreszeiten abhängig. Ich trage sie kurz, weil ich der Meinung bin, dass Frauen nicht auf ihr Aussehen reduziert werden sollten. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Frauen einem femininen Ideal unterwerfen – mit langen Haaren und eng sitzender Kleidung. Ich möchte diesem Ideal nicht entsprechen. Ich brauche keine langen Haare, um mich gut und attraktiv zu fühlen.

„Stay true to yourself!“ – das strahlt meine Frisur aus und das strahle auch ich aus.

Spiegelt deine Frisur deine Identität wider?
Unbekümmert, ungemacht, natürlich, authentisch: So fühle ich mich mit meiner Frisur. Sie ist nicht ordentlich und erinnert an einen Vokuhila. Nicht unbedingt eine Frisur, die jede*r gut findet. Mut zur Hässlichkeit, weil man sich nicht beeinflussen lässt, sondern es selbst schön findet und dann auch stolz nach außen tragen kann. „Stay true to yourself!“ – das strahlt meine Frisur aus und das strahle auch ich aus.
Fotos: Joanna Legid
Lena
23 Jahre alt
Übersetzerin/Dolmetscherin
Instagram: cursedcorndog
Spiegelt deine Frisur deine Identität wider?
Bevor ich meine Haare abrasiert habe, waren sie immer eine Art Sicherheitsschild für mich. Jetzt sind sie ab. Die Frisur stärkt mich, weil ich mich nicht mehr hinter meinen Haaren verstecken kann.

Erst als ich meine Haare abrasiert habe, habe ich pinke Kleider, Rüschen und Spitzen für mich entdeckt.

Du rasierst dir deine Haare seit drei Jahren immer wieder ab. Hat die Frisur Auswirkungen auf deinen Kleidungsstil?
Mit langen Haare habe ich mich nie mädchenhaft gekleidet. Erst als ich meine Haare abrasiert habe, habe ich pinke Kleider, Rüschen und Spitzen für mich entdeckt. Lange Haare und Girly-Kleidung sind normal, das bringt keinen Spaß. Aber die Kombi aus niedlichem Kleid und abrasierten Haaren ist kontrastreich und überrascht.
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Fotos: Joanna Legid
Ripka
23 Jahre alt
Studentin
Instagram: zoud.e
Wie trägst du die Haare im Sommer am liebsten?
Mit meinem Afro-Haar kann es im Sommer recht warm werden. Wenn ich meine Haare lockig trage, binde ich sie oft zusammen oder aber ich trage sie in Braids.
Wie würdest du dein Verhältnis zu deinen Haare beschreiben?
So wie andere Mädchen früher Probleme hatten mit ihrem Körper, ihrer Oberweite, hatte ich immer eine schwierige oder besondere Beziehung zu meinen Haaren. Meine Eltern kommen aus Äthiopien. Im afrikanischen Raum sind Haare ein starkes Symbol. Wie du deine Haare trägst, sagt etwas über deinen sozialen Stand aus. Mit dieser Mentalität bin ich aufgewachsen, Haare waren immer ein Thema. Meine Oma hat mir früher meine Haare mit einem Holzkamm gekämmt. Das war sehr schmerzhaft und die ersten Erfahrungen mit meinen Haaren waren negativ. Ich habe geweint, wenn die wöchentliche Haartortur anstand. Ich habe meine Haarstruktur gehasst.

Erst mit dem Erwachsenwerden habe ich gemerkt, wie vielseitig meine Haare sind.

Als Teenager wurde es nicht besser. Der Gedanke, dass jeder auf seine Weise schön ist und unsere Gesellschaft divers sein sollte, gab es in den 2000ern nicht. Glatte Haare waren das Schönheitsideal, dem ich nicht entsprochen habe. Das hat die Liebe zu meinen Haaren nicht gerade gefördert. Erst mit dem Erwachsenwerden, habe ich gemerkt, wie vielseitig meine Haare sind. Ich kann sie glätten. Ich kann sie in Zöpfen oder lockig tragen. Wie andere Leute ihre Kleidung wechseln, wechsel ich meine Haare. Mittlerweile habe ich gelernt, sie zu schätzen.
Fotos: Joanna Legid
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