Freitags kommt Frau P. – Macht Euch beim Flirten locker!

FOTO: Philip Nürnberger
Hier gibt’s jede Woche Highlife in Tüten.

Wer ist Frau P.? Die Berliner Autorin treibt es gern bunt, bekennt immer F­arbe und wird (was sie selbst ärgert) immer noch rot. Sie ist laut, ihr Rostkehlchen-Lachen (lieblich ist anders…) unüberhörbar. Sie hasst Langeweile, Ja-Sager und Männer ohne Eier. Dafür liebt sie Rührei mit Speck.


Als Norddeutsche liebe ich das Wort rumschäkern. Weil es ganz einfach eine ganz andere Anmutung hat als der Ausdruck anmachen. Es klingt viel leichter, viel verspielter. Und genau so und nicht anders müssen Flirts meiner Meinung nach sein. Sie sollen uns beflügeln und grinsend durch den Tag (oder die Nacht) fliegen lassen.

Aber das ist eben eine Kunst, die viele deutsche Männer – und auch Frauen, klar, da nehme ich uns nicht aus! – leider nicht beherrschen. Weil wir oftmals beim Flirten zu verkrampft rangehen. Beide Geschlechter sind hierzulande viel zu oft viel zu verkopft.

Letztes Wochenende in Paris bin ich regelrecht abgehoben und nach zwei Tagen und Nächten „Oh là là hoch 100“ zurück nach Berlin geschwebt. In der Stadt der Liebe wachsen einem rasend schnell wieder Flügel, wenn einem diese gerade erst durch das Leben leicht gestutzt worden sind. Deshalb möchte ich auf diesem Wege den Franzosen „Merci beaucoup“ sagen – für ihre wunderbar leichten Flirtkünste!

Bekanntermaßen haben die Männer in Frankreich das Bezirzen (was für ein wunderbar antiquiertes Wording!) erfunden. Sie l(i)eben es! Mit einer Extraportion Charme, Nonchalance und vor allem Leichtigkeit haben die Monsieurs und Garçons es ganz einfach drauf, uns Fraueen und Fräuleins zu verzaubern. Mit ihrer Art, mit ihren Komplimenten. Nie aufgesetzt, immer zum Niederknien. Die Worte der Kellner im beliebten Bistro „Chez Janou“ (das Setting samt Licht erinnern an einen Woody-Allen-Film, kein Wunder, dass der weltbekannte Filmemacher und Paris-Liebhaber hier gern diniert) waren etwa so süß wie die XXL-Portion Mousse au Chocolat. Garniert mit einer Extraportion Amusement und Melonenschnaps.

Das Geheimnis: Ein Flirt mit einem Franzosen fühlt sich meist nie wie eine Anmache, wie ein Angriff an – das macht den kleinen, aber feinen Unterschied. Nur weil er uns tief in die Augen blickt und anlächelt, müssen wir nicht gleich panisch fragen: „Aahh, was will der denn?“ Oft hat Monsieur gar kein Ziel vor Augen, es geht ihm vorrangig um den Spaß – am Spiel der Verführung. Ausnahmen bestätigen natürlich, wie so oft, die Regel.

Das alles soll jetzt nicht heißen, dass alle französischen Männer besser wären als die deutschen. Ich hatte schon mal einen Pariser Lover, der hatte keinen Arsch in der Hose. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum einen weil er Model war, zum anderen weil er ernsthaft sagte, ich würde ihm Angst machen. Klar denkt man jetzt: Oh mein Gott, was hat sie denn mit dem Süßen angestellt? MOI? Sagen wir mal so: Ich bestellte mir morgens Rührei mit Speck zum Frühstück, er den Salat mit Shrimps… Noch Fragen? Allein dafür hätte man ihm den flachen Hintern mit der flachen Hand versohlen sollen…

Es geht eben meistens um Eier. Haben oder nicht haben, das ist hier die Frage! „Die deutschen Männer haben viel zu oft Angst vor einer Abfuhr, deshalb trauen sie sich oft nicht, eine Frau anzusprechen“, meint meine Freundin, die seit 13 Jahren in Paris lebt. Und was macht man also, wenn der Hund nicht zum Knochen kommt? Na, dann muss man eben selbst zubeißen. Ok, ich hätte auch sagen können: Jeder ist seines eigenen Glückes Trieb! Oder wie auch immer das Sprichwort gleich hieß.

Natürlich haben wir Schiss vor einer Abfuhr. Aber wie schön ist bitte dieses einzigartige Gefühl, wenn sich zwei Augenpaare treffen, immer und immer wieder. Bis man sich das erste Mal anlächelt. Und bis dann – ganz vielleicht – der eine den ersten Schritt macht. Wenn er sich nicht traut, ja, dann können wir Frauen auch mal zum Mann der Tat werden. Na, warum denn nicht? Für beide gilt: Riskiert was, in diesem einen Moment. Auch wenn das Herz bis zum Hals schlägt.

Im Flieger zurück von Paris nach Berlin erinnerte ich mich an einen dieser aufregenden Momente. Als ich mich getraut habe. Worauf ich bis heute stolz bin. Nur wir beide in einem Fahrstuhl am Flughafen Heathrow. Diese braunen Augen, dieses Lächeln! Ich auf dem Weg zu meinem Interview mit Take That. Minuten später stand ich an dem einen, er an dem gegenüberliegenden Gleis. Seine Bahn fuhr als erste ein. Ich musste schnell sein, vor allem schnell den Bedenkenträger-Kopf ausschalten. Damit ich mir später nicht vorwerfen konnte: „Der Zug ist dann wohl abgefahren.“

Ich bin gesprungen – über meine innere Barriere und in das Abteil zu ihm. Falscher Zug, richtiger Mann. Ich drückte ihm einen Zettel mit meiner Handynummer und Namen in die Hand. Und sagte: „Wenn du mal in Hamburg Kaffee trinken möchtest…!“ Ich werde seinen Blick und sein lautes „Ja, gerne!“ (oder hatte er vielleicht doch „Ja, ich will!“ gesagt?) nie vergessen. Raus aus seinem Wagon, der Kopf immer noch knallrot, das weiß ich noch. 15 Minuten dauert die Fahrt vom Flughafen bis zur Paddington Station nach London. 15 Minuten muss ich einen Puls von 180 gehabt haben. Nicht wegen Take That. Seinetwegen. Und dann machte es… Pling! Eine SMS vom London Guy, wie ich ihn später nennen sollte.

Sowas passiert nicht jedem und sowas passiert nicht so oft? Natürlich nicht, genau das ist es ja eben! Und klar haben wir Angst.

Aber ich rate Euch: Macht euch locker! Macht es wie die Franzosen! Seht manche Begegnungen als (Flirt-)Spiel. Denn nur wir selbst können diese besonderen Momente schaffen.






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