Darf man während der Schwangerschaft fliegen?

Foto: Eylul Aslan
Eine gute Freundin von mir hat neulich geheiratet, mit allem, was dazu gehört: Ein Junggesellinnenabschied, eine fette Party und eine traumhafte Hochzeitsreise. Auf diese Reise hatten sie und ihr Mann sich insgeheim am meisten gefreut, denn für beide wäre es das erste Mal New York gewesen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schon auf ihrem Junggeselinnenabschied offenbarte die besagte Freundin uns nämlich, dass sie schwanger ist und damit auch die Traumreise in den Big Apple erst einmal auf Eis gelegt sei. „Wie, darf man schwanger nicht mehr fliegen?“, fragte ich etwas irritiert, woraufhin sie antwortete: „Normalerweise ist das wohl kein Problem. Aber ich nicht, denn ich bekomme Zwillinge!“ Boom! Da war die (zweite) Katze dann auch ganz schnell aus dem Sack. Nachdem wir die schönen Neuigkeiten verdaut hatten, wurde aber wild weiter darüber diskutiert, ob das Fliegen in der Schwangerschaft nun gut oder total verantwortungslos sei und ab wann man sich als Schwangere einschränken muss.
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Da ich selbst noch nie schwanger war, hielt ich mich mit Mutmaßungen zurück, habe aber durchaus interessiert zugehört. Darüber ob man während einer Schwangerschaft fliegen darf, kursieren nämlich sehr unterschiedliche Meinungen und Auffassungen, wie ich festgestellt habe. Aber was ist nun in punkto Schwangerschaft und Fliegen eigentlich erlaubt – und was nicht?

Fliegen in der Schwangerschaft

Gute Nachrichten für alle, die trotz Schwangerschaft nicht auf einen lang geplanten Urlaub verzichten möchten oder beruflich auf das Flugzeug angewiesen sind, vorweg: Grundsätzlich spricht erst einmal rein gar nichts dagegen, schwanger zu fliegen. „Wenn die Schwangere und ihr Baby gesund sind und mit der Schwangerschaft alles in Ordnung ist“, ergänzt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzt*innen. Das wichtigste Kriterium ist also immer der Gesundheitszustand der werdenden Mutter. Da jede Schwangerschaft anders verläuft, sollte hier jedoch individuell abgewogen und entschieden werden. Schlussendlich muss jede Mutter trotz fachärztlicher Beratungen und Empfehlungen für sich selbst und ihr Kind entscheiden, ob sie fliegen wird.
Solltest du schwanger sein und demnächst noch eine Flugreise planen, bespreche dies am besten vorher mit deine*r Gynäkolog*in. Denn wie so oft im Leben, bestätigen auch hier ein paar Ausnahmen die Regel.

Wann darf man in der Schwangerschaft fliegen?

Viele Ärzt*innen und tatsächlich auch Fluggesellschaften raten ihren Patient*innen nicht komplett vom Fliegen ab, aber sprechen oftmals eine Empfehlung aus, ab und bis wann Schwangere möglichst nicht fliegen sollten. In den letzten vier Wochen einer Schwangerschaft sollte aus ärztlicher Sicht generell auf Flugreisen verzichtet werden, da jederzeit die Möglichkeit besteht, dass die Geburt einsetzt. Ab der 36. Schwangerschaftswoche nehmen die meisten Airlines auch gar keine Hochschwangeren mehr mit.
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„Viele Fluggesellschaften nehmen Schwangere schon ab der 32. Woche nicht mehr mit und verlangen grundsätzlich ein frauenärztliches Attest“, erklärt Dr. Albring auf Nachfrage. Dadurch soll vermieden werden, dass eine Notgeburt im Flugzeug stattfindet. Immer wieder liest man auch davon, dass sich das zweite Trimester einer Schwangerschaft (also zwischen der 14. und 27. Schwangerschaftswoche) am besten eignet, wenn man mit dem Flugzeug verreisen möchte – gerade wenn es sich um Langstreckenflüge handelt.

Wann Schwangere auf gar keinen Fall fliegen sollten

Wenn die schwangere Person gesund ist und der Geburtstermin noch nicht unmittelbar bevorsteht, spricht also eigentlich nichts dagegen zu fliegen. Anders verhält es sich jedoch, wenn bestimmte Vorerkrankungen bekannt oder bereits Komplikationen in der bisherigen Schwangerschaft aufgetreten sind. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Blutarmut oder Fehllagen der Plazenta, aber auch frühere Fehlgeburten oder eine sich andeutende Frühgeburt sind wichtige Faktoren bei der Entscheidung. „Wenn eine Frühgeburt droht, oder nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Schwangere wegen ihrer Risiken oder Krankheiten kurzfristig ärztliche Hilfe braucht, sollte sie nicht fliegen“, aber auch „wenn die Schwangere sich nicht wohl fühlt, Blutungen oder Wehen, ein übermäßiges Erbrechen, oder einen hohen Blutdruck hat, der nicht einstellbar ist“, empfiehlt Dr. Albring.
Vielleicht hast du dir diese Fragen auch schon einmal gestellt?

Welche Risiken gibt es noch?

Ärzt*innen weisen zurecht darauf hin, dass das Thromboserisiko gerade bei Schwangeren ansteigt. Ist man ohnehin schon thrombosegefährdet, weil man beispielsweise Raucherin war, sollte man vorher unbedingt mit seinem Arzt oder seiner Ärztin abklären, ob ein Flug sinnvoll ist. Außerdem wird vielerorts immer wieder von einer erhöhten Strahlenbelastung während des Fliegens gesprochen, der Eltern und Kind im Flugzeug ausgesetzt sind. Es ist zwar richtig, dass die Strahlenbelastung erhöht ist, allerdings in so kleinen Mengen, dass diese erst auf Langstreckenflügen oder dann zum Problem wird, wenn die schwangere Person der Strahlung, etwa weil sie aus beruflichen Gründen viel fliegt, regelmäßig ausgesetzt ist. Sollte dies der Fall sein, ist es ratsam mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen. Für übertrieben gilt hingegen das Gerücht, dass Schwangere in den ersten drei Schwangerschaftswochen nicht fliegen dürfen, weil der Sauerstoffmangel im Flugzeug Auswirkungen auf Schwangere und somit das ungeborene Kind habe. Studien haben belegt, dass die Ungeborenen während des Flugs keine Reaktionen zeigen, die auf Sauerstoffmangel hindeuten.

Was Schwangere vor & während des Flugs beachten sollten

Sollte ein*e Schwangere*r sich dennoch dazu entscheiden, einen Flug anzutreten, ist es ratsam auf ein paar Dinge besonders zu achten: „Um das Risiko für eine gefährliche Thrombose zu senken, sollten Stützstrümpfe der Kompressionsklasse 2 getragen und die Beine häufig bewegt werden. Ein Sitzplatz am Gang begünstigt das Herumlaufen. Schwangere sollten genug trinken und keine Hose tragen, die in der Lendengegend drückt und keine Kniestrümpfe, die an den Waden einengen. Stützstrümpfe sollten nirgends einschnüren, damit sie nicht selbst zum Thromboserisiko werden“, so Dr. Albring. Zudem sollte der korrekte Sitz des Gurtes (nicht zu locker, nicht zu eng) regelmäßig gecheckt werden und wer mehr Beinfreiheit benötigt, kann das Handgepäck besser in den dafür vorgesehenen Fächern und nicht im Fußraum verstauen. Ebenfalls wichtig: Der Mutterpass, der unbedingt immer dabei sein sollte. Sinnvoll ist es auch, eine kleine Reiseapotheke einzupacken und im Voraus eine Reiserücktritts- sowie eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. So ist man im Notfall abgesichert und bleibt nicht auf horrenden Summen für mögliche ärztliche Behandlungen sitzen. Gerade für Schwangere ist es wichtig, sich vor Antritt der Reise auch über die medizinische Versorgung am Zielort zu informieren.
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