Was hilft, wenn du nur noch an die eine Person denken kannst?

modeled by Chloe Snower; photographed by Erin Yamagata; produced by Julie Borowsky; produced by Lorenna Gomez-Sanchez.
Ging es dir auch schon mal so, dass du jede Sekunde, in der du wach warst, an diese eine Person denken musstest? Ein neuer Schwarm, den du nicht aufhören konntest bei Instagram zu stalken? Die oder der Ex, über die oder den du nicht hinweg gekommen bist? Die neue Bekanntschaft, mit der du um jeden Preis mehr Zeit verbringen wolltest?
Psychotherapeutin Kate Stewart sagt, dass du den chemischen Prozessen in deinem Gehirn die Schuld geben kannst, wenn du an nichts anderes als einen anderen Menschen denkst kannst, insbesondere dann, wenn du diese Obsession mit jemandem hast, den du gerade erst kennengelernt hast.
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Wenn du eine Verbindung zu jemand Neuem spürst oder dich verliebst, triggert das die Freisetzung von Dopamin in deinem Gehirn. Dieser Gute-Laune-Neurotransmitter wird in der Regel dann ausgeschüttet, wenn du ein Ziel erreicht hast, für das du hart gearbeitet hast.
„Wenn wir die ganze Zeit an jemanden denken müssen, liegt es daran, dass unser Gehirn auf das Dopamin angesprochen hat“, erklärt Stewart. Wir wollen mehr davon, um uns weiterhin gut zu fühlen und sind deshalb auf den Auslöser, also unseren Schwarm, fixiert. Deswegen kommen uns diese Gefühle eher bei Menschen, die wir gerade erst kennengelernt haben und nicht bei unserem Partner*in, mit der oder dem wir schon fünf Jahre zusammenleben. „Das Dopamin sorgt dafür, dass Leute sich zueinander hingezogen fühlen. Wenn sie dann schon etwas länger zusammen sind, setzt das Oxytocin, das Bindungshormon, ein. Das schafft Vertrauen und Stabilität“, so Stewart.
Irgendwann hören wir dann wieder auf, stundenlang an die oder den anderen zu denken. Entweder wir kommen mit dem Menschen zusammen und gewöhnen uns – so unromantisch das sein mag – ein wenig an sie oder ihn. Oder aber, der andere ist nicht an einer Bindung mit uns interessiert und uns selbst ist mit der Zeit dann auch aufgefallen, dass die Person, in die wir uns verliebt haben, doch nicht so toll war, wie wir gedacht hatten. Variante drei gibt es natürlich auch noch: Wir verlieben uns neu und finden jemand anderen, über den wir uns den Kopf zerbrechen können.
Aber wer schon mal verliebt war, weiß: Die Anfangsphase ist besonders hart. Die Person, über die wir nicht aufhören können, nachzudenken, hat unsere Gedanken fest im Griff. Da hindurch zu kommen, kann extrem schwierig sein. Wenn du dieses Gedankenkarussel abstellen möchtest, hat Stewart leider eine ernüchternde Antwort: Leider gibt es keine sichere Methode, die garantiert, dass man von seiner kurzfristigen Liebeskrankheit geheilt wird. Was jedoch auf jeden Fall helfen kann, ist Ablenkung.
„In der Regel rate ich meinen Patienten, dass sie sich jedes Mal, wenn sie sich dabei erwischen, nur an die andere Person zu denken, sich bewusst anderen Dingen zuwenden sollen. Ob es sich dabei um ein neues Projekt handelt, das sie angehen möchten, oder sonst etwas Positives, ist dabei nebensächlich“, erklärt Stewart. Ein bisschen wie wenn man Meditieren lernt: Wenn du merkst, dass deine Gedanken abschweifen, atme tief ein und versuche, dich bewusst zurück in deine Meditation zu bringen. Oder in diesem Fall, dich gedanklich etwas anderem als dieser Person zuzuwenden. Und, das gilt für Meditationsneulinge ebenso wie für (unglücklich) Verliebte: Mach dich selbst nicht fertig, wenn deine Gedanken doch immer wieder abdriften. „Oft passiert es, dass die Leute, denen auffällt, dass sie wieder in die Gedankenspirale verfallen sind, sich obendrauf auch noch Vorwürfe machen. Sie denken: Ich sollte echt nicht mehr an sie oder ihn denken. Das hilft aber nicht. Im Gegenteil, das macht alles nur viel schlimmer. Wenn du dich aber darauf konzentrierst, deine Gedanken immer wieder in andere Richtung zu lenken, kannst du dir keinen Vorwurf machen. Du versuchst einfach immer wieder, über etwas Anderes nachzudenken.“
Wenn du also nicht aufhören kannst, an deinen Schwarm, deine*n Ex, eine neue Bekanntschaft oder eine*n Freund*in, die dich geghostet hat, nachzudenken, versuche deine Gedanken bewusst auf etwas Positives zu lenken. Und erinnere dich daran, dass eine Sache sicher ist: Es geht vorbei. Gib dir selbst etwas Zeit und sei nicht zu streng mit dir selbst.
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