Bloggerin Asta Nowarra: „Fasst euch an und schaut dabei in den Spiegel"

AstaNowarra
Sie tanzte schon mit schwarzem Body und Netz-Strumpfhose durch das „I like it like that“-Video von The BossHoss. Und das trotz Kleidergröße… Ach, nach der Kleidergröße habe ich Asta Nowarra beim Interview dann doch nicht gefragt. Denn darauf kommt es bei dem Plus Size-Model wirklich nicht an. Wenn man sich die Bloggerin im Internet anschaut, sieht man eine selbstbewusste Frau, von der man noch etwas lernen kann. Eine, die sich auch freizügig zeigt. Wie man es manchmal nur von „Victoria’s Secret“-Unterwäsche-Models kennt. Diesem Bild entspricht Asta nicht. Das will sie auch gar nicht. Sie hat gelernt, sich und ihren Körper zu lieben. So wie er ist! Doch das war ein langer Weg. Ein Gespräch über Plus Size und Selbstliebe.

Was war ausschlaggebend daf
ür, dass du mit dem Bloggen angefangen hast?
Ich war nie die Person, die sich versteckt hat, aber ich habe meinen Körper nie wirklich akzeptiert. Immer wenn ich alleine war, habe ich eine Maske abgesetzt. Meine Sicht war, dass mein Körper nicht in die Norm passt und, dass das etwas unheimlich Schlechtes ist. Ich dachte, dass mir das viel verbaut, dass mir das die Liebe nimmt. Als ich für eine Zeit zurück nach Hause gezogen bin, habe ich angefangen, mich sehr viel mit mir selbst zu beschäftigen. Und ich habe Outfits zusammen gestellt und diese dann auf Instagram gepostet. Das hat tatsächlich Leute interessiert.



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Lola Bernstein

Wie ging es weiter?

Die größte Herausforderung für mich war es, Bilder von meinem ganzen Körper zu machen. Davor habe ich nur Selfies von mir gemacht, weil ich mich nicht ganz sehen wollte. Ich habe mich damit total selbst therapiert.

Warum hattest du das Gefühl nicht in die Norm zu passen? Wer vermittelt denn, was die Norm ist?
Mein komplettes Umfeld. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine Freundin, die ganz klein und zierlich war. Sie hatte immer Glück in der Liebe. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei neben ihr nur eine Option. Ich dachte, ich passe hier gar nicht rein. Im wahrsten Sinne des Wortes passe ich einfach nicht rein. Und natürlich vermitteln auch die Medien ein bestimmtes Bild. Erst vor drei, vier Jahren kam es auf, dass sich mehr Menschen getraut haben, zu zeigen, dass sie einen dicken Po oder Beine haben.

Was ist deine Message mit deinem öffentlichen Auftritt?
Wenn ich eine haben sollte, wäre es: Versuche dich wohl zu fühlen, so wie du bist! Du musst nicht schlank sein, um dich wohl zu fühlen und vor allem nicht, um akzeptiert zu werden. Es ist auch eine Sache der Ausstrahlung und der Einstellung.



Micael Santos

Haben dir andere Leute jemals ein schlechtes Gef
ühl aufgrund deines Körpers gegeben?
Zum meisten Teil war ich das, weil ich schlechte Dinge rausgefischt habe. Es waren aber auch andere Leute. Ich habe mal jemanden gedatet, der mir irgendwann gesagt hat: „Ich will das nicht mehr. Du bist mir zu dick. Ich weiß nicht, wie ich das vor meinen Freunden rechtfertigen soll.“ In dem Moment hat sich es für mich so angefühlt, dass mein Körper schlecht ist. Mein Körper verbaut mir einfach alles. Rückblickend weiß ich einfach, dass dieser Mann ein kleines Würstchen war.

Wie bist du aus diesem Sumpf rausgekommen?
Das kam durch die Zeit alleine und, dass ich immer mehr ausprobiert habe und mich langsam aus meiner Comfort-Zone befreit habe. Oder Schock-Theraphie! Ich habe mir einfach einen Bikini gekauft und den aber erst mal nur Zuhause angezogen. Wenn man zum Beispiel eine Shorts Zuhause anzieht, gewöhnt man sich daran, wie sich das anfühlt. Und dann geht man damit Einkaufen und wieder zurück nach Hause. Dann weiß man schon mal, wie es sich in der Öffentlichkeit anfühlt. Und dann erst zieht man die Shorts beim Ausgehen mit den Freundinnen an. Manche machen einfach einen zu großen Schritt und fühlen sich dann unwohl. Deswegen habe ich mich Schritt für Schritt immer mehr an Sachen ran getastet, die ich sonst nicht gewohnt war. Zum Beispiel mit Unterwäsche in der Wohnung rumlaufen. Das habe ich davor nicht gemacht, weil ich mich vor mir selbst versteckt habe.

Du hast ja auch mal bei dem Themenabend Mental zur Bikini-Figurin einem Concept-Store einen Vortrag gehalten
Ja – und ich habe gesagt: „Fasst euch an!“ Zum Beispiel, wenn man aus der Dusche kommt, sollte man sich eincremen und wirklich den Körper spüren. Schaut auch dabei an. Das ist nichts Sexuelles. Aber euer Körper ist euer Körper und der wird auch euer Körper bleiben. Also schaut ihn euch an!

Womit an deinem Körper hattest du ein Problem?
Meine Problem-Zone war immer der Bauch. Ich habe immer Shirts rübergezogen und ihn nicht wirklich angeguckt. Und irgendwann dachte ich mir, jetzt muss ich mich aber mal mit meinem Bauch auseinandersetzen. Also habe ich ihn mir erst mal im Liegen angeguckt. Da ist er ja flacher. Und so ging es langsam weiter.

Jetzt bist du mit dir selbst zufrieden?
Ja. Ich bin ja immer kleine Schritte gegangen, aber in letzter Zeit hat sich einiges verändert. Ich komme jetzt auch mit meinem Bauch klar. Aber das war eine harte und lange Arbeit. Es hat drei, vier Jahre gedauert, dass ich gelernt habe, mit mir und meinem Körper zufrieden zu sein.

Bodyshamingist ja gerade ein ganz großer Begriff im Internet. Aber auch, was dünne Frauen angeht.
Man kann es halt nie richtig machen. Ich habe ganz viele Bekannte, die sehr sehr dünn sind, weil sie eben sehr sehr dünn sind. Die essen wie ein Scheunendrescher, sind aber sehr dünn. Und dann sind sie einfach so! Was ich aber hingegen schade finde, sind Frauen, die ganz ausgemergelt sind und sich alles verbieten und gar nichts mehr genießen können.

Kannst du dich noch an dein erstes Foto in Unterwäsche erinnern, dass du bei Instagram gepostet hast?
Nee, gerade gar nicht. (lacht) Aber ich glaube, das erste, in dem ich viel Haut gezeigt habe, war ein Bikini-Foto.
Lola Bernstein


Hattest du jemals Scheu davor?
Ja, sehr. Ich hatte schon Angst davor, was die Leute sagen. Aber erstens kennen mich die Leute nicht und zweitens könnte ich es ja wieder löschen, wenn es mir doch zu viel wird. Das Gute war aber, das nichts Negatives kam. Das war sehr überraschend für mich.

Ärgert es dich eigentlich, dass auf den Couture-Shows der großen Designer noch immer keine Plus-Size-Models über den Laufsteg laufen?
Es ärgert mich nicht. Natürlich haben die ein gewisses Image, was sie beibehalten wollen. Aber sie sehen einfach nicht, wie unfassbar viel Geld sie sich da durch die Lappen gehen lassen. Wenn man mal überlegt, wie viel Frauen eine Übergröße haben. Manche Designer verpassen eben einen sehr großen Markt.

Was sagst du denn zu den Plus Size-Models bei den gängigen Online-Shops?
Ach, das ist ein Witz. Wenn man sich mit Mode oder Schnitten auskennt, hat man ein Auge dafür, wie Klamotten an unterschiedlichen Körperformen aussehen. Viele Leute haben aber dieses Auge nicht. Und viele Frauen werden eben in den Klamotten nicht so aussehen, wie die Models in den Online-Shops. Ich find es schade, weil es nicht repräsentativ für Menschen ist, die wirklich Plus Size sind. Die Leute kaufen die Sachen, sehen aber nicht gut damit aus und fühlen sich dann schlecht. Und das ist total gemein.

Denkst du, dass das Frauenbild trotzdem medial auf einem richtigen Weg ist?
Ich glaube, dass immer wieder dagegen gearbeitet wird, dass wir Frauen uns selbst akzeptieren. Natürlich würde dann ein großer Markt wegfallen. Alleine wenn man an die ganzen Diät-Produkte denkt. Dahinter steckt so viel Geld. Es geht einfach ums Geschäft. Und Selbst-Akzeptanz ist manchmal schlecht fürs Geschäft.

Dass du dich hingegen selbst akzeptierst und wohl f
ühlst, hast du gekonnt im I like it like that-Video von The BossHoss gezeigt!
Endlich eine Band, die wirklich dicke Mädchen im Video hat! Ich habe mit zwei Freundinnen mitgemacht, die auch dick sind. Normalerweise werden für so etwas Standard-Curvy-Models gesucht, die trotzdem noch einen flachen Bauch haben. Die haben vielleicht mehr Hüfte und mehr Brust, aber sind trotzdem dünn. Aber die Jungs haben gezielt nach dicken Mädchen gesucht. Und das hat so Spaß gemacht. Ich war wirklich stolz.

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