Wir haben den Wet-Hair-Look vom Laufsteg im echten Leben getestet & das ist unser Urteil

Ob Backstage bei der London Fashion Week SS19 oder auf den Straßen Mailands oder New Yorks, ein ganz bestimmter Haarstyle tauchte in letzter Zeit immer wieder auf. Und damit meinen wir nicht etwa Beach Waves oder Flechtfrisuren, sondern streng nach hinten gegelte Haare. Bei Richard Malone beschrieb der Hairstylist Gareth Bromell den Wet-Hair-Style als „verschwitzt, fettig und ein bisschen schmutzig“. Seine Inspiration? Ein Londoner Mädchen, das im Hochsommer joggen war. Guido Palau stylte die Haare der Model bei der Show von Victoria Beckham ähnlich, wobei durch das Durchkämmen ein strähniger Look entstand.
Das Ergebnis sind Frisuren, die ohne Frage cool und unangestrengt aussehen. Doch wie alltagstauglich sind sie eigentlich? Eignet sich der Trend ausschließlich für Models und Influencer oder auch für „das echte Leben“? Um das beantworten zu können, haben wir es einfach selbst mal ausprobiert. Das ist das Urteil unserer drei Freiwilligen.
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Sadhbh O'Sullivan, Social Media Assistant
Was haben Chelsea Fairless von @everyoutfitonsatc, Sarah Paulson und Zac Efron als Link Larkin in Hairspray (das Musical!) gemein? Nein, nicht, dass sie alle Ikonen der lesbischen Community sind. Sie alle haben nach hinten gegelte Frisuren und liefern mir, auf unterschiedliche Art und Weise, seit Jahren Style-Inspiration. Ich habe also eigentlich schon mein halbes Leben darauf gewartet, eine Ausrede dafür zu haben, meine Haare so zu tragen wie sie. Wahrscheinlich habe ich es nur deswegen bisher noch nicht getan, weil ich diesen Look so sehr liebe und Angst hatte, er sieht scheiße bei mir aus. Ich weiß nicht, ob ich das verkraften könnte.
Zum Glück musste ich es jetzt für meinen Job austesten. Und ich habe das Gefühl, endlich meinen perfekten Look gefunden zu haben. Ich bin besessen von der Frisur. Obwohl ich keine Ahnung hatte, wie man sie eigentlich stylt. Ich mache nie etwas mit meinen Haaren und meine Freundin schneidet sie immer. Also bin ich eine absolute Anfängerin. Ich trage im Moment einen Bob, der etwa 5 cm über meinen Schultern endet. Meine Haare sind also einen Tick zu lang dafür, sie komplett am Kopf festzugelen, aber auch nicht lang genug für den Kim-Kardashian-Look. Ich habe zuerst L'Oréal Professionnels TecniART Mousse in meine noch leicht vom Work-out feuchten Haare gegeben und sie dann mit dem Föhn getrocknet. Anschließend habe ich meine Haare mit Wella Professionals EIMI PearlStyler Gel nach hinten gegelt und dann noch eine Ladung Haarspray aufgesprüht. Weil ich wollte, dass es aalglatt aussieht, habe ich noch etwas Shower Shine von L'Oréal drüber gesprüht. Das Ergebnis? Sehr nah am Kopf liegendes Haar und ein sehr selbstbewusster Look.
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Wenn ich sage, ich habe meinen perfekten Look gefunden, meine ich das natürlich nicht wortwörtlich. Oder doch? Ich liebe ihn einfach so sehr. Erst fand ich es etwas umständlich, weil es mehr Zeit gekostet hat, mich fertigzumachen. Denn bisher habe ich meine Haare wie gesagt gar nicht gestylt. Und ich habe mich dagegen entschieden Fahrrad zu fahren, damit mein Helm nicht an meinem Kopf festklebt und bin mit der U-Bahn gefahren (was einfach nur grausam war). Aber ich hatte nicht das Gefühl, es würden mich mehr Menschen anschauen als sonst. Was meiner Meinung nach daran lag, dass ich mich wohl in meiner Haut gefühlt habe. Es fühlte sich einfach … richtig an. Es klingt vielleicht albern, aber die Frisur ist praktisch das Äquivalent zu dem, was ich versuche, mit meinen Outfits auszudrücken (meistens misslingt es mir allerdings): eine disziplinierte, knallharte Femme, die auf keinen Fall auf darauf abzielt, Männern zu gefallen. Den ganzen Tag lief ich erhobenen Hauptes durch die Straßen.
Ich würde den Wet-Hair-Look auf jeden Fall wieder tragen. Ich wollte es sogar am Tag nach dem „Experiment“ machen, hatte aber früh keine Zeit dafür. Wegen der Länge und Dicke meiner Haare werde ich es wohl nicht jeden Tag schaffen, aber vielleicht wenigstens einmal im Monat?! Auf jeden Fall ist es das Beste Beauty-Ding, das ich seit einer langen Zeit getestet habe.
Jacqueline Kilikita, Beauty Editor
Okay, mit High Fashion hat das jetzt natürlich nicht viel zu tun, aber seit Kim Kardashian 2016 den Roten Teppich der VMAs mit gegelten Haaren betrat, bin ich wie besessen von der Frisur. Kim sah so aus, als sei sie gerade aus der Dusche gestiegen, wäre sich kurz mit den Fingern durch die Haare gefahren und das war’s. Richtig lässig. Wenn ich meine Haare gewaschen habe, sehe ich dagegen leider eher wie ein begossener Pudel aus und nicht wie ein A-Promi. Deswegen habe ich es mich bisher auch noch nicht getraut, den Look mal auszuprobieren. Bis jetzt.
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Überraschenderweise war es supereasy, den Look zu stylen. Ich muss aber zugeben, ein kleines bisschen geschummelt zu haben. Ich habe das Haus früh nicht mit gegelten Haaren verlassen, weil wir noch ein Video für R29s Instagram-Feed drehen mussten und da hätte die Frisur nicht gepasst. Aber als ich wieder im Office war, bin ich direkt aufs Klo gegangen, habe meine Haare nass gemacht und anschließend Wellas EIMI Mousse verwendet (das hatte ich Backstage bei der Londoner Fashionweek entdeckt). Das war aber noch nicht genug also beschloss ich, richtig Gas zu geben und schmierte mir versehentlich gleich ein Viertel der L'Oréal Professionnels Glue-Tube in die Ansätze. So langsam ging es in die richtige Richtung! Ich hatte allerdings keinen Kamm dabei, also musste ich meine Finger nehmen, was überraschenderweise aber ganz gut funktionierte. Ein Spritzer FixDesign vollendete den Wet-Look und ein paar Tropfen Pro Blos Smooth Me Finishing Serum brachten meine krausen Längen und Spitzen zum Glänzen.
Wegen des Drehs am Morgen war ich noch geschminkt und deswegen fühlte ich mich nicht mehr wie Struppi, sondern très chic, als ich zurück an meinen Platz ging. Ich checkte meine Emails und erblickte drei Nachrichten, in denen Kolleg*innen sagten, ich sehe selbstbewusst und stark aus. Gillian mochte es so sehr, dass sie mich direkt bat, ihre Haare zu frisieren.
Selbstsicher schlenderte ich zum Lunch, aber als ich für mein Käse-Essiggurken-Baguette bezahlte, schaute mich der Kassierer nur spöttisch an und fragte, ob ich in den Regen gekommen wäre. Auf dem Rückweg zum Büro überraschte mich eine Windböe von hinten, aber meine Haare bewegten sich keinen Zentimeter, weil das Gel fest wie ein Stein geworden war. Nach der U-Bahn-Fahrt und 30-minütigen Fußweg nach Hause sahen sie jedoch nur noch fettig und frizzy aus. Erst nach dem zweiten Mal waschen waren sie wieder wirklich sauber. Vielleicht ist das doch nicht so mein Ding…
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Kara Kia, Editorial Intern
Das, was ich auf dem Kopf hatte, sah eher nach Ramennudeln als nach Wet-Hair-Look aus. Ich habe natürliche Locken, weshalb ich auch etwas skeptisch war, sie komplett nach hinten zu gelen. Ich hatte Angst, meine Haare würden mitten im Fotoshooting der Schwerkraft trotzen und nach oben springen.
Nachdem ich meine Haare mit Palmers Olive Oil Co-Wash Cleansing Conditioner gewaschen hatte, benutzte ich Shea Moisture Jamaican Black Castor Oil Deep Conditioner, damit sie nicht mehr so abstehen. Ich empfehle es nicht, eine Tiefenpflege für neun Stunden einwirken zu lassen (außer es ist ein spezielles Nachtpflegeprodukt), aber was macht man nicht alles für die Schönheit.
Nach dem ich eine große Menge Conditioner aufgetragen hatte, kämmte ich mir die Haare mit einem breit gezackten Kamm. Dann verwendete ich evos Gangsta Grip und anschließend evos Love Touch Shine Spray. Ich ließ meine Haare für etwa 20 Minuten an der Luft trocknen und sprühte es am Ende noch mit Wellas EIMI Super Set Extra Strong Finishing Spray ein. Die ganze Prozedur dauerte etwa 30 Minuten.
Es war ein außergewöhnlich windiger Tag, was meinen Afro normalerweise crazy aussehen lässt. Deswegen war es umso besser, dass meine Haare durch die ganzen Produkte festgehalten wurde. Auf dem Weg zum Büro sprach mich eine Frau an, die den Look so sehr liebte, dass sie ihn auch unbedingt ausprobieren wollte – wenn das mal kein Erfolg ist! Durch den glatten Look fühlte ich mich wie die erfolgreichste Businesslady überhaupt. Der einzige Nachteil: Mein Ramenhaar war unglaublich steif. Durch die ganzen Produkte fing meine Kopfhaut irgendwann an, stark zu jucken. Ehrlich gesagt glaube ich, sie haben meine Haarfollikel komplett verstopft und jetzt muss ich erst mal ein Peeling machen, um meine Locken wieder zum Leben zu erwecken.
Ich würde den Look auf jeden Fall noch mal austesten, aber deutlich weniger Produkte verwenden. Vielleicht einfach nur Mousse, etwas Gel und Shine Spray.
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