Psoriasis: Diese Behandlung half endlich gegen meine Schuppenflechte

Foto: Lauren Perlstein.
Vor einigen Monaten hatte ich, kurz nachdem ich aus dem Urlaub gekommen bin, eine zugegebenermaßen ziemlich harmlose Halsentzündung. Da ich nicht ansatzweise Lust hatte, eine Woche zu warten, bis sie von alleine weggehen würde, ging ich zum Arzt und bat ihn, mir ein Breitbandantibiotikum zu verschreiben. Das tat er auch, und kurz darauf war ich geheilt. Etwa eine Woche später entdeckte ich einige rote Pünktchen, die sich in meiner Armbeuge zu Linien zusammenschlossen. Die Hautstelle wurde rot und irgendwie schuppig. Ich kaufte mir die reichhaltigsten Bodylotions und Cremes für trockene Haut, die ich finden konnte. Zu meiner Überraschung gingen die Pünktchen jedoch nicht weg.
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Nach einer Woche wurde es noch schlimmer. Die Pünktchen zogen sich nun über meinen Rücken und Bauch, meine Beine, Brust und Arme. Absurderweise hatte ich selbst im Bauchnabel welche. Nachdem ich in einer Nacht relativ viel getrunken hatte, war ich am nächsten Morgen am ganzen Körper ungefähr so rot wie ein Hummer. Auf der Stelle vereinbarte ich einen Termin bei meiner Dermatologin und versteckte meinen Ausschlag unter Rollkragenpullovern und langärmeligen Shirts, bis es soweit war .
Bei der Ärztin wurde es allerdings noch komplizierter: Ich wurde gefragt, ob ich schon mal Psoriasis, also Schuppenflechte gehabt hätte (nein), ob jemand in meiner Familie es hätte (ich schrieb meiner Mutter, ihre Antwort war nein) oder ob mir selbst so etwas schon einmal passiert wäre (nein). Meine Hautärztin meinte, es müsse sich um eine allergische Reaktion handeln.
Tatsächlich verschwanden die roten Stellen, nachdem ich die Behandlung mit einem von der Dermatologin verschriebenen Mittel angefangen hatte. Bis die Packung aufgebraucht war. Direkt am Morgen nach meiner letzten Anwendung waren die juckenden, schuppigen Stellen wieder da. Es war eine Katastrophe. Zu meinem Glück breiteten sie sich jetzt auch noch über meiner Stirn aus und zogen sich von meinem Nacken hoch bis zu meinen Ohren. Und weil die Welt ein grausamer Ort ist, musste ich just an diesem Morgen auch noch mit dem Supermodel Candice Swanepoel für die Teen Vogue vor die Kamera.
Ich holte mir eine zweite ärztliche Meinung ein. Diesmal erhielt ich die richtige Diagnose: Psoriasis guttata, eine seltene Sonderform der Schuppenflechte, die etwa zwei Prozent der Psoriasispatient*innen betrifft und oftmals durch eine Streptokokken-Infektion getriggert wird. Ich habe mit dem Dermatologen Dr. Michael Gold darüber gesprochen. Das Knifflige an dieser Krankheit sei seiner Meinung nach, dass sie immer noch nicht komplett erforscht ist. Glücklicherweise ist heutzutage aber mehr denn je über sie bekannt. Es handelt sich um eine Immunkrankheit, bei der auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Die Haut ist zum einen entzündet, zum anderen erneuert sie sich schneller, als es gut für sie wäre: Übermäßig produzierte Hautzellen werden an die Hautoberfläche transportiert, wo sie dann als Schuppen auftreten. Das Resultat sind rötlich bis silbrig schuppende Hautflecken. Dr. Gold sagt: „Meist tritt diese Krankheit an beanspruchten Stellen wie den Ellbogen, Knien, dem Po oder der Kopfhaut auf. Aber auch überall sonst kann sie zu Tage treten.“
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Welche Behandlung die richtige ist, variiert von Patient*in zu Patient*in. Die Dermatologin Dr. Shah verschrieb mir eine Cortisoncreme zur lokalen Anwendung, die ich fünfmal die Woche zweimal täglich auftragen sollte. Wenn ich sie jedoch einen Tag lang nicht benutzte, hatte ich das Gefühl, der Zustand meiner Haut würde sich augenblicklich verschlechtern. Ich wechselte zu einer Retinoid-Creme, die für mich wesentlich besser funktionierte. „Zusätzlich können Urea- oder Feuchtigkeitscremes und Salicylsäure- oder Milchsäurepräparate sowie ein Meer- oder Bittersalzbad helfen“, sagt Dr. Shah.
Meine Haut reagierte sehr langsam auf die Behandlung und so empfahl die Dermatologin mir schlussendlich auch noch eine Lichttherapie. Dabei werden bestimmte Hautareale mit Licht einer bestimmten Wellenlänge behandelt. Dafür sollte ich mindestens drei Mal die Woche in die Praxis kommen, um mich jeweils fünf Minuten lang bestrahlen zu lassen. Der Zeitaufwand war mir zu hoch und ich fühlte mich nicht wohl mit dem Gedanken an die UV-Strahlung.
Die Offenbarung erlebte ich dann erstaunlicherweise bei einem Facial. Meine Kosmetikerin Gabriela sagte mir, nachdem ich mein T-Shirt ausgezogen hatte: „Oh, ein Leidensgenosse. Psoriasis guttata, oder?“ Das hört sich vielleicht ein bisschen albern an, aber ich musste sie einfach umarmen. Mir ist bewusst, dass viele Leute mit ihrem Körper und ihrer Selbstwahrnehmung zu kämpfen haben und dass ich schlussendlich immer noch gesund war und es mir gut ging. Trotzdem tat es gut, zu hören, dass jemand anderes mit mir fühlen konnte. Ich fühlte mich unsicher, mich vor meinem Freund auszuziehen und sagte Familienausflüge zum Strand ab, weil ich meine Haut nicht in der Öffentlichkeit zeigen wollte.
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Gabriela sagte mir auf den Kopf zu, dass ich alles in Bezug auf meine Schuppenflechte falsch machte. Sie empfahl mir, alle Peelings und alle Cremes mit Inhaltsstoffen, die ich Salicylsäure waren, wegzuwerfen. Außerdem sollte ich meine Retinoldosis reduzieren. Außerdem sagte sie mir, ich solle die Finger von Käse (auf gar keinen Fall) und Alkohol (ok) lassen. „Dein Körper versucht dir zu sagen, dass du dich besser um ihn kümmern musst“, sagte sie.
Danach befragte ich noch eine weitere Hautärztin: Dr. Alexiades. Sie sagte mir, ich solle mir die Zeit nehmen, Sport zu treiben und meinen Alkoholkonsum einschränken. „Du musst deine Behandlung stringend verfolgen und regelmäßige Termine bei einem Dermatologen oder einer Dermatologin einhalten“, riet sie mir.
Langsam wird es besser. Die Schuppenflechte ist von meinen Armen verschwunden und auch am Körper wird sie weniger. Ich verwende mittlerweile keine Cremes mehr, die Cortison oder Retinoide enthalten. Stattdessen nutze ich die Produkte von CV Skinlabs, denn mit denen sehe ich einfach schnellere Ergebnisse.
Aber nicht alle kommen so glimpflich davon wie ich. Schuppenflechte kann mitunter schmerzhaft und knallrot sein und von extremem Juckreiz begleitet werden. „In schwerwiegenden Fällen kommen sogenannte TNF-Blocker zum Einsatz.“ Diese werden zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen eingesetzt und haben diverse Nebenwirkungen auf beispielsweise den Fettstoffwechsel, die Blutgerinnung und das Immunsystem, weswegen eine Einnahme alles andere als unbedenklich ist. Trotzdem haben alle drei Dermatologen, mit denen ich für diesen Artikel gesprochen haben, bestätigt, dass diese Medikamente ausgesprochen wirksam sind. Selbst sehr starke Fälle von Schuppenflechte können sich damit innerhalb von zwei bis drei Wochen erheblich verbessern. In den vergangenen fünf Monaten ist meine Schuppenflechte immer wieder aufgetreten. Ich hoffe, dass mit der Zeit alles abheilen wird und verwende weiterhin täglich Bodylotion. Für mich ist es aber beruhigend zu wissen, dass es da draußen diverse Behandlungsmethoden gibt. Besonders jetzt, wo ich meinen Strandurlaub für dieses Jahr gebucht habe.
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