Ja, Rosacea kann auch BPoC treffen. So kannst du es erkennen & behandeln

Photo by Sarah Harry Isaacs.
Um das Thema Rosacea ranken sich unzählige Mythen, wie dass Make-up es noch schlimmer macht oder dass die Betroffenen einfach nur zu viel Alkohol trinken. Aber der wohl am weitesten verbreitete Irrglaube ist: Nur weiße Menschen können unter der Hauterkrankung leiden.
Doch auch, wenn Rosacea vorwiegend bei Menschen mit helleren Hautfarben auftritt, können auch BPoC daran erkranken. Tatsächlich sagen Expert*innen, dass das deutlich häufiger der Fall ist als viele denken – jedoch wird es oft nicht diagnostiziert. Und das kann zum einen zu sehr viel Frustration führen und zum anderen zu einer falschen Pflege beziehungsweise Behandlung der betroffenen Hautpartien.
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Um dem etwas entgegensetzen zu können, haben wir mit drei Hautexpertinnen gesprochen und sie gebeten und alles zum Thema Rosacea bei Schwarzer und POC-Haut zu erzählen.
Was ist Rosacea?
Rosacea ist eine erblich bedingte Hauterkrankung, die sich unterschiedlich äußern kann, sagt die Londoner Dermatologin Dr. Justine Kluk. Jedoch beginnt es meist mit einer Neigung dazu, schneller zu erröten. „Mit der Zeit kann diese warme Empfindung regelmäßiger auftreten und die Betroffenen können permanente rote Stellen auf der Nase und den Wangen und andere Symptome entwickeln – wie Pickel, erweitere Blutgefäße, trockene, brennende, stechende Haut und Empfindlichkeit gegenüber vielen Hautpflegeprodukten.“ Rosacea kann auch die Augen betreffen, sagt die Dermatologin und Sprecherin der British Skin Foundation Dr. Thiviyani Maruthappu. Das kann sich in geschwollene Augenlidern, Verkrustungen oder einem Brennen oder Stechen in den Augen zeigen, so Dr. Maruthappu. Zu den selteneren Symptomen zählt laut Dr. Kluk außerdem das Anschwellen der Nase oder der Wangen.
Was triggert Rosacea?
Auch wenn sich die Hautexpert*innen noch nicht sicher sind, was die genauen Gründe betrifft, gibt es eine paar Dinge, die die Hautkrankheit triggern können. „Dazu zählen Sonnenlicht, Stress, Hitze, Alkohol (besonders Rotwein), scharfes Essen, heiße Getränke, Wind und Kälte, körperliche Anstrengung sowie einige Haut- und Haarpflegeprodukte“, sagt Dr. Kluk.
Wie sieht Rosacea bei BPoC aus und warum wird es oft fehldiagnostiziert?
Untersuchungen zeigen, dass Rosacea bei BPoC oft erst sehr spät oder gar nicht diagnostiziert wird. Was die Sache so schwer macht, ist, die ersten Symptome sind oft Rötungen im Gesicht, die bei dunklerer Haut nicht so stark auffallen, erklärt Dr. Maruthappu. „Symptome, die schneller erkannt werden können sind ein Stechen oder Brennen der Haut sowie Empfindlichkeit gegenüber örtlich benutzten Produkten. Statt roter Flecken können auch dunklere oder bräunlichere Partien im Gesicht auftreten – zusammen mit Akne-ähnlichen Pickeln.“ Dr. Kluk ergänzt, Trockenheit oder Schwellungen sowie eine Verdickung der Haut auf der Nase, den Wangen, dem Kinn und der Stirn sind weitere mögliche Symptome bei dunkler Haut.
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Wie bereits gesagt tritt Rosacea bei BPoC häufiger auf, als viele vermuten. „Untersuchungen deuten darauf hin, dass bis zu 10 Prozent der BPoC weltweit betroffen sind“, sagt Dr. Ewoma Ukeleghe, Hautexpertin und Gründerin von SKNDOCTOR. „Basierend auf dem, was ich in der Klinik sehe, treten die Symptome (meist Papeln, als knötchenartige Verdickungen in der Haut) hauptsächlich auf den Wangen auf. Rosacea wird außerdem mit postentzündlichen Hyperpigmentierungen, öliger Haut und leichter Röte assoziiert – wobei letzteres vor allem bei helleren Hauttönen der Fall ist.“
Laut Dr. Ukeleghe ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass vielen Ärzt*innen das Wissen fehlt, Rosacea bei BPoC diagnostizieren zu können, weshalb es manche nicht ernst genug nehmen. Leider kommt bei einigen zum Unwissen auch noch Ignoranz dazu. Oftmals wird beim Medizinstudium nicht oder nur unzureichend gelehrt, wie gängige Hautkrankheiten bei verschiedenen Hauttönen aussehen.
Was soll ich machen, wenn ich denke, ich könnte Rosacea haben?
Wenn du vermutest, dass du an Rosacea leiden könntest, es aber noch nicht bei dir diagnostiziert wurde, rät Dr. Kluk einen Termin bei deiner Haus- oder Hautärztin oder deinem Haus- oder Hautarzt auszumachen und dich gründlich untersuchen zu lassen. Schreib am besten vorab eine Liste mit allen Symptomen, die du in letzter Zeit hattest und mach Fotos von deiner Haut – denn sie kann heute anders aussehen als in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten. Am besten fragst du auch schon beim Ausmachen des Termins nach, ob sich die Ärztin oder der Arzt mit dunkleren Hauttönen auskennt und falls nicht, ob er oder sie dir eine*n Expert*in in deiner Stadt empfehlen kann.
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Wie kann ich Rosacea behandeln?
Laut Dr. Ukeleghe beeinflusst die Hautfarbe die Behandlung kaum. Außerdem sagt sie, die Behandlung kann bei dunkleren Hauttönen auch dabei helfen, postentzündliche Hyperpigmentierungen in den Griff zu bekommen. Aber das Wichtigste ist, es in Sachen Hautpflege nicht zu übertreiben. „Du musst die Barrierefunktion der Haut stärken“, erklärt Dr. Ukeleghe. „Das bedeutet auch, auf alkohol-basierte Produkte und zu starke Peelings zu verzichten.“ Dr. Maruthappu sieht das ähnlich und sagt, sie würde vorsichtig bei Peelings sein. „Ich habe in letzter Zeit häufiger Rosacea-Ausbrüche bei BPoC gesehen, die es mit dem Peeling übertrieben haben und entweder zu aggressiv gerieben haben oder chemische Peelings verwendet haben (zum Beispiel mit Glycolsäure), die zu Rosacea neigende Haut reizen können.“
Außerdem ist es wichtig, den richtigen Cleanser zu verwenden. Dr. Kluk empfiehlt hier beispielsweise die Cetaphil-PRO-Reihe. „Massiere den Cleanser täglich morgens und abends ein und wasche ihn mit lauwarmem Wasser wieder ab.“ Anschließend tupfst die Haut mit einen sauberen, weichen Baumwollhandtuch trocken. Auch Dr. Maruthappu rät, zwei Mal täglich ein sanftes, parfüm- und seifenfreies Produkt zu verwenden. Dein Cleanser sollte Emollientien enthalten (die auf der Hautoberfläche sind und dafür sorgen, dass die Haut zu viel Feuchtigkeit verliert), wie beispielsweise Glycerin.
Und jetzt kommen wir zum vielleicht wichtigsten Thema: dem Lichtschutzfaktor. Du solltest deine Haut auf jeden Fall vor UVA- und UVB-Strahlen schützen! „Natürliche Sonnenschutzmittel mit mineralischen Filtern sind generell besser, weil sie weniger reizend sind als herkömmliche Sonnencremes mit chemischen Filtern“ so Dr. Ukeleghe. Leider sind sie aber meist dickflüssiger und hinterlassen einen weißlichen Film auf der Haut. Um das perfekte Produkt für deine Haut zu finden, musst du also wohl oder übel nach der Trial-and-Error-Methode vorgehen“ – sprich verschiedene Cremes austesten. Wenn du dann die richtige Creme für dich gefunden hast, trag sie jeden Morgen auf. 365 Tage im Jahr.
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Bei vielen Menschen mit dunkler Haut funktionieren beispielsweise der Sonnenschutz von Paula's Choice (24 €) und das Extrème UV Face Mineral Sunscreen von Soleil Toujours (55 €) ganz gut.
Vor dem Schlafen gehen solltest du deine Haut nach der Reinigung noch mit einer Feuchtigkeit spendenden Creme verwöhnen, die die Hautbarriere stärkt, so Dr. Kluk. Dr. Ukeleghe empiehlt beispielsweise silikon-basierte Feuchtigkeitscremes, Dr. Maruthappu dagegen eher Produkte mit Inhaltsstoffen wie Niacinamid und Antioxidantien. Auch hier gilt wohl oder übel: Probieren geht über studieren.
Allgemein rät Dr. Kluk dir genau die Inhaltsstoffe deiner Hautpflegeprodukte anzuschauen, wenn du zu Rosacea neigst. Von Produkten, die Menthol, Kampfer oder Natriumlaurylsulfat enthalten oder stark parfümiert sind solltest du besser die Finger lassen. „Sie können zu Rosacea-Ausbrüchen führen. Außerdem solltest du andere bekannte Stoffe, die die Haut reizen können, wie Säuren und Retinole, nur in Absprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt verwenden. Wenn es möglich ist, greif zu Probiergrößen und teste neue Cremes erst mal auf einer kleinen Hautstelle aus, bevor du sie auf dem kompletten Gesicht verwendest (Patch-Test). Sei lieb zu deiner Haut und reibe oder massiere sie nicht zu stark.
Abgesehen von frei verkäuflichen Pflegeprodukten kommen theoretisch auch noch zwei andere Behandlungsmöglichkeiten in Frage: Da wäre zum einen verschreibungspflichtige Salben und zum anderen Lasertherapie. Je nach Hautton kann es allerdings leider sein, dass Letzteres bei dir nicht funktioniert, wenn deine Haut zu stark pigmentiert ist. Aber frag am besten einfach direkt mal bei deiner Dermatologin oder deinem Dermatologen nach und lass dich ganz in Ruhe beraten.

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