Nein, die PoC-Auftritte machen die Oscars 2020 noch lange nicht inklusiv

Photo: CRAIG SJODIN/Getty Images.
In diesem Jahr wurden die Oscars im Black History Month verliehen. Das ist nicht immer so, aber 2020 eben schon. Ein Grund mehr, zu reflektieren, aber auch zu evaluieren, wie es bei den Academy Awards heute in Sachen Gleichberechtigung aussieht.
Janelle Monáe eröffnete die 92ten Academy mit einer jazzigen Tanz- und Gesangseinlage. Voller Inbrunst wünschte sie allen einen „Happy Black History Month“ und läutete so eine Zeremonie ein, bei der nur eine einzige schwarze Person in einer der wichtigsten Schauspielkategorien nominiert wurde (Cynthia Erivo) und bei der kein einziger schwarzer Film einen Award erhielt – abgesehen vom Animationsfilm Hair Love
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Monáe mit ihrem Auftritt provozieren wollte oder ob sie als Ablenkungsmanöver eingesetzt wurde, um über die fehlende Diversity bei den Nominierungen hinwegzutäuschen. Für mich fühlte es sich an, als wollten sich die Oscars rein waschen. Nach dem Motto: Ihr könnt uns gar nichts! Wir haben die Show mit einer schwarzen, queeren Person eröffnet! Und anschließend Chris Rock auf die Bühne geholt.
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Gekleidet in einem roten Fred-Rogers-Cardigan gab Monáe eine wundervolle Interpretation von “A Beautiful Day In The Neighborhood“ zum Besten. Dabei spazierte sie zur fast komplett weißen Frontrow, in der die Nominierten, wie Charlize TheronMargot Robbie und Tom Hanks saßen. Mitten im Song setzte sie Hanks ihren Hut auf, der für die Rolle des Mr. Rogers nominiert war. Nach diesem süßen Moment mit America’s Dad nutzte sie ihren Auftritt dafür, all diejenigen zu feiern, die bei den Oscars nicht bedacht wurden. In einer umgeschriebenen Variante ihres Songs “Come Alive“ wird sie von Backup-Tänzer*innen auf der Bühne unterstützt, die mit ihren Kostümen an Queen & SlimDolemite Is My Name und Us anspielen. Aber auch andere Filme wurden dargestellt – einige Personen der eklektischen Gruppe von Tänzer*innen trugen Midsommar- und Joker-Kostüme.
Was meine Hände voller Wut zum Zittern brachte, war, dass die Academy die Dreistigkeit besaß, uns schwarze Filme und Schauspieler*innen, die sie ignoriert hatte (Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith, Eddie Murphy, Lupita Nyong’o) aufzutischen – nur, damit sie relevant wirken. Und das, obwohl sie sich immer wieder weigerten, schwarze Kunst anzuerkennen. 
Als Billy Porter dann auf die Bühne kam und Elton Johns “I’m Still Standing“ sang, war ich kurz davor, meinen Laptop gegen die Wand zu schleudern. Als ob die Academy dachte: Was ist besser als eine schwarze, queere Person um unseren Ruf zu retten? Zwei!
Die Message, die sie damit sendeten (oder die, die bei mir ankam) war: Schwarze Künstler*innen sind gut genug, um die Menge zu entertainen, aber nicht gut für einen Preis.
Als Monáe sagte: „Wir feiern die Kunst der Geschichtenerzähler*innen, die Stimmen, die lange benachteiligt wurden“ und „Wir feiern alle Frauen, die Regie bei phänomenalen Filmen geführt haben. Und ich bin so stolz, hier als schwarze, queere Künstlerin zu stehen ... Happy Black History Month“, fragte ich mich, über welche Show sie gerade redete.
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Das geschah bevor Hair Love gewann, Parasite vier Oscars abstaubte und Taika Waiti zur ersten Person mit Maori-Abstammung wurde, die jemals einen Oscar gewann. Diese Ausnahmen sind großartig. Sie stehen für einen kleinen Schritt in die richtige Richtung für PoC in Hollywood, aber es ist noch ein weiter Weg, den die Oscars gehen müssen. Schwarze Kreative müssen sich immer noch ihren eigenen Herausforderungen in der Branche stellen.
Durch die Filme, in denen zum Großteil weiße Schauspieler*innen zu sehen waren – 1917JokerOnce Upon A Time in Hollywood und The Irishman – waren die diesjährigen Oscars die weißesten seit Jahren. Es schien, als wolle man mit der Show versuchen, das Ganze auszugleichen, in dem man PoC “einsetzte“ (nach Monáe folgte Rock, dann Mindy Kaling, dann Kelly Marie Tran und Questlove) und selbstironische Anspielungen zum Thema Whiteness machte.
„Cynthia ist es in Harriet so gut gelungen, schwarze Menschen zu verstecken, dass sie die Academy dazu brachte, alle schwarzen Nominierten zu verstecken“, witzelte Rock neben Steve Martin. „Cynthia, ist Eddie Murphy unter der Bühne?“ – eine Anspielung darauf, dass Murphy trotz seiner saukomischen Rückkehr mit Dolemite Is My Name nicht nominiert wurde. 2020 wusste die Academy zwar vielleicht nicht, wie man schwarze Menschen nominiert, aber es schien, als ob sie zumindest verstanden haben, dass die schwarze Kultur die beliebteste Kunstform in Amerika ist.
Die Zeremonie war sehr Hip-Hop-lastig. Eminem performte “Lose Yourself“ (17 Jahre nachdem er als erster Rapper einen Oscar für 8 Mile gewann – bis heute ist er der einzige Solo-Rapper, der jemals “Best Original Song“ gewann). Außerdem trat Utkarsh Ambudkar (du kennst ihn vielleicht von The Mindy Project, Pitch Perfect oder Brittany Runs a Marathon) auf, um „die Show zu rekapitulieren und um für einen Haufen Nominierter zu moderieren, die nicht wie ich aussehen“. Und wieder nutzte die Academy die schwarze Kultur und Selbstironie, damit sie sich besser fühlt – trotz ihrer rassistischen, frauenfeindlichen Wurzeln. Die Academy ist immer noch zu 84 Prozent weiß und zu 68 Prozent männlich, und das obwohl in letzter Zeit versuchte wurde, für mehr Diversität zu sorgen.
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Ich empfinde die Versuche, die Show inklusiver zu gestalten, bedeutungslos und eigennützig. Doch für andere stellen sie einen Hoffnungsschimmer dar. Während der Übertragung tweetete Insecure-Star Natasha Rothwell: „Ich applaudiere für den Versuch der Producer, die Show diverser zu gestalten. Zum Teil klagen sie die Homogenität der Nominierten an, zum Teil geben sie ihre Schuld zu und entschuldigen sich – aber das alles bedeutet nichts, wenn die Academy an sich nicht diverser wird.“ 
Damit hat sie nicht unrecht. Ein Teil der Diversity, die wir bei den Performer*innen und Laudator*innen sahen, haben wir der Oscars-Produzentin Stephanie Allain, einer schwarzen Frau, zu verdanken. 
Vielleicht hatte Allain versucht, die Academy durch die Show zur Verantwortung zu ziehen. Und ja, du könntest natürlich auch argumentieren, dass es noch schlimmer gewesen wäre, wären die Künstler*innen genauso weiß gewesen wie die Nominierten. Aber dann würde ich entgegnen, die Lösung sollte sein, sicherzustellen, dass die Awardshow alle Filmfans reflektiert. Und wenn es nur unter den Performer*innen und Laudator*innen Diversität gibt, aber nicht unter den Nominierten, dann bedeutet der ganze “Entschuldigungsteil“ nichts.
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