On-Off-Beziehungen: Ab der wievielten Trennung ist wirklich Schluss?

Foto: Natalia Mantini
Vor gut einem Monat saß ich mit meiner Freundin Madeleine beim Italiener. Sie erzählte mir, dass sie und ihre Freundin Katy sich – mal wieder – getrennt hatten. Es war das vierte Gespräch dieser Art, das wir führten. Als die beiden zwei Wochen später wieder zusammenkamen, war niemand wirklich überrascht. Es gibt einfach diese monogamen Pärchen, die sich in der immer gleichen Beziehungsschleife befinden: Trennung, zusammenkommen, wieder Trennung, wieder zusammenkommen. Aber wie oft wiederholt sich das, bevor man die Beziehung final für beendet erklären kann (oder sollte)?
Die Therapeutin Dr. Joy Harden Bradford betreibt den Podcast Therapy for Black Girls und erklärt: „Aus meiner Sicht kann man das nicht pauschal sagen. Wie oft ein Paar sich trennt und wieder zusammenkommt, ist kein Indiz dafür, ob an einer Beziehung noch gearbeitet werden kann oder nicht.“ Was laut ihrer Meinung wichtiger ist, ist festzustellen, wieso es immer wieder zu Trennungen kommt. „Finden die Trennungen statt, weil eine*r oder beide Partner*innen nicht in der Lage sind, über ihre Probleme zu sprechen und stattdessen keinen anderen Ausweg sehen, als wegzurennen?“ Wenn das der Fall ist, rät Dr. Bradford zu einer Paartherapie, in der beide Parteien Strategien lernen, um mit ihren Konflikten besser umzugehen.
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Außerdem empfiehlt sie vor einem erneuten Beziehungsversuch ein offenes Gespräch darüber, was beim vorigen Mal schiefgelaufen ist. „Kommt ihr wieder zusammen, weil euch die Traurigkeit, nicht mehr zusammen zu sein, einfach übermannt? Springt ihr zurück in eine Beziehung, die schon mal nicht funktioniert hat, ohne einen Plan entwickelt zu haben, wie ihr sie in Zukunft stärken könnt? Falls ihr das macht, ist die Wahrscheinlichkeit nämlich ziemlich hoch, dass ihr euch wieder trennen werdet“, prophezeit Dr. Bradford. Ein erneuter Beziehungsstart wird nur dann klappen, wenn das Paar verstanden hat, wann und warum es beim vorangegangenen Versuch einen Bruch gab, und eine Strategie entwickelt, wie zukünftig mit den Problemen umzugehen ist. Darüber zu sprechen ist nicht einfach, es kann jedoch dabei helfen, der Trennungsspirale zu entfliehen. Doch dafür müssen beide Partner*innen von Anfang an bereit sein, Arbeit zu investieren.

Manche Menschen wünschen sich Beziehungen zurück, die schlecht für sie waren, weil sie die Dynamik kennen und sich daran gewöhnt haben.

Außerdem sagt die Therapeutin, dass Menschen, die sich in einer On-Off-Beziehung befinden, sowohl als Paar als auch alleine herausfinden müssen, was eigentlich los ist. Manche Menschen wünschen sich eine Beziehung zurück, die schlecht für sie war, ganz einfach deshalb, weil sie die Dynamik kennen und sich daran gewöhnt haben. „Als Therapeutin würde ich in dieser Situation die Frage stellen, ob eine*r oder beide Partner*innen eventuell unter einem geringen Selbstbewusstsein leiden und das Gefühl haben, eh nie wieder eine*n andere*n Partner*in zu finden. Manche Menschen glauben, sich einfach mit dem abfinden zu müssen, was sie schon haben“, meint Dr. Bradford.
Es gibt aber auch Fälle, in denen Leute einfach nie gelernt haben, wie eine gesunde Beziehung aussieht und ihnen deswegen nicht bewusst ist, dass die aktuelle Partnerschaft ihnen nicht guttut. „Die Partner*innen müssen sich in jedem Fall fragen, welche Beziehungsdynamiken sie in ihrer Vergangenheit kennengelernt haben. Wenn alle Partnerschaften in ihrem Umfeld nach einem bestimmten Muster funktionieren, glauben sie vielleicht, dass normale Beziehungen eben so funktionieren.“
Egal ob Unsicherheiten oder fehlende Beziehungsvorbilder die Ursache von sich wiederholenden Trennungen sind, ein Besuch bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten lohnt sich, glaubt Bradford. Indem ein*e oder beide Partner*innen mit einer neutralen, dritten Partei über ihre Dynamiken sprechen, können sie vielleicht vermeiden, beim nächsten Mal an die Decke zu gehen, wenn es wieder zu den altbekannten Streitigkeiten kommt. So lässt sich nicht nur die nächste Trennung vermeiden, sondern auch eine stärkere, gesunde Beziehung erarbeiten.
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