„La Douce" im Schillertheater lohnt sich - sanft aber wirklich

Emmanuel Nunes „La Douce" nach Fjodor Dostojewski beginnt mit einer Überraschung. Kaum öffnen sich die Türen zur Werkstatt des Schillertheaters betritt man ein enges, dunkles, tiefen psychologisches Universum.

Die Bühne ist Schauplatz eines Verbrechens und das Publikum wird nicht nur anwesender, sondern gezwungen teilhabender Zeuge eines phantastischen und sehr bedrückend realen Suizids einer jungen Frau auf der Suche nach Seligkeit.

Das Raum-im-Raum-Konzept des modern tristen, mystisch kalten Bühnenbildes, die Aufforderung den Schauplatz frei zu entdecken und so ungewöhnliche, ausschnitthafte Ansichten des Spannungsverhältnisses zwischen Ehemann und unterdrückter, aber geliebter Frau zu bekommen und die in Bann ziehende, omnipräsente Videokunst zwingen den Zuschauer die seelischen Zustände des namenlosen Pfandleihers sowie seiner jungen Frau aus nächster Nähe zu erfahren.

Wenige Stunden nach dem Fenstersprung seiner frisch vermählten Frau versucht dieser, Gründe und Geschehnisse für ihren Suizid zu finden. Nunes macht aus dem Monolog des narzisstischen Mannes einen Dialog in doppelter Ausführung, spielen doch zwei Schauspieler jeweils einen Charakter. Er lässt einen singen, den anderen sprechen, die eine trällert Arien, während die andere außer Atem schweigt.
Unterstützt durch die Staatskapelle Berlin, Live-Elektronik und abstrakt-atmosphärische Klanglandschaften, ist die Inszenierung der gefeierten Anna Bergmann anders, intensiv und auf jeden Fall empfehlenswert.

Kommende Vorstellungen am 23./24./26./27. und 29. November 2016 in der Werkstatt der Staatsoper im Schillertheater. Der Eintritt kostet 20€ bzw. 15€.

"La Douce" - Musiktheater für Schauspieler, Sänger, Kammerensemble und Live-Elektronik von Emmanuel Nunes.

http://www.staatsoper-berlin.de/de_DE/repertoire/la-douce.1087060

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