Wie Männer aus Selbsthass zu Frauenfeinden werden

Dieser Artikel erschien zuerst bei Huffington Post
Es ist spät an einem Freitag und im Forum “Lookism.net” tummeln sich Hunderte Männer. Ein neues Mitglied loggt sich ein und postet zwei Fotos, auf denen man die untere Hälfte seines Gesichts sieht. “Welche OPs oder Implantate sind nötig, um das zu korrigieren?”, fragt er. “Wie ihr seht, habe ich einen unterentwickelten Kiefer, ein fliehendes Kinn.”
Die Antworten kommen prompt: “Es ist nicht nur dein Kinn. Auch deine Oberlippe. Orthognathe Chirurgie (eine Klinikkette, A. d. Red.), wenn du dir das leisten kannst. Da hilft nur noch ein Kinnimplantat. Du solltest dich auch mal mit Kieferwinkelimplantaten beschäftigen”, antwortet jemand. “Fang schon mal mit Sparen an.”
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So liest sich ein typischer Austausch in diesem Forum. Die ganze Nacht lang tauchen hier neue Posts auf, in denen Männer andere Männer um eine Bewertung ihrer körperlichen Merkmale und um Rat bitten.
“Bewertet mein Gesicht.” “Ich weiß längst, dass ich hässlich bin.” “Habe 7 Riesen für eine Nasen-OP hingeblättert.” “Der Schnappschuss von meinem Profil zeigt, wie unmenschlich ich bin.” “Ich gehe schon gar nicht mehr aus dem Haus. Ich will nicht, dass mich jemand sieht.” “Keine Tinder-Matches in den ersten 24 Stunden — ist jetzt alles vorbei?”

Vom Penis-Stretching bis zur Handgelenkvergrößerung

An einer Stelle vergleicht jemand die Schädelgrößen von Justin Bieber und Zayn Malik und überprüft in aller Sorgfalt, welcher Popstar einen maskuliner geformten Kopf hat. Zu den neuesten Posts auf “Lookism.net” gehört zum Beispiel dieser: “Bin ich schön genug für eine Blonde? Bewertet mich.”
Unglücklich mit ihrem Aussehen melden sich Tausende junger Männer in anonymen Foren wie “Lookism.net” an, um ihr Aussehen auseinanderzunehmen und detaillierte Tipps zum Looksmaxing — so bezeichnen sie die Verbesserung ihres Aussehens — auszutauschen. Penis-Stretching, Augenbrauen-Botox, Handgelenkvergrößerung, “Halstraining”, Nasenlochverkleinerung und 3-D-gedruckte Schädelimplantate gehören zu den beliebten Anwendungen und “Bewältigungsstrategien”, die auf diesen Seiten in aller Ausführlichkeit diskutiert werden.
“Lookism.net” bezeichnet sich als Forum für Incels oder Männer, die sich selbst als “ungewollt zölibatär“ einschätzen. Man geht davon aus, dass die User sich für makelhaft halten und glauben, sie seien “in ein Gefängnis hineingeboren, aus dem es kein Entkommen gibt”. Viele Mitglieder sind junge Männer, die von sich behaupten, wegen ihres Aussehens keine Frauen sexuell anziehen zu können. Aber es dreht sich nicht nur um Sex. Looksmax-Foren sind Echokammern für Scham, Hass und Anspruchsdenken.
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Die User sind auf die Makel, die sie an sich wahrnehmen, fixiert. Und wütend auf die Frauen, die ihnen ihren Worten nach den Sex verweigern, auf den sie glauben, ein Anrecht zu haben.

Die Angst um die Männlichkeit

Lookismus oder die Diskriminierung aufgrund von Äußerlichkeiten gibt es wirklich. Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die als unattraktiv gelten, weniger Geld verdienen und schlechtere Berufschancen haben. Einer Studie zufolge werden Beklagte, die als gut aussehend eingestuft werden, von einer Jury mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit schuldig gesprochen.
Allerdings würden Männer und Frauen, die in Liebes- oder Sexangelegenheiten diskriminiert werden, sehr unterschiedlich reagieren, sagen Experten. Während Frauen bei Zurückweisungen das negative Bild von sich übernehmen und sich damit selbst die Schuld geben, neigen Männer eher dazu, auszuteilen.
“Männer fühlen sich bei Ablehnung schnell in ihrer Männlichkeit angegriffen oder meinen, ihr Platz, den sie ihrer Meinung nach in der sozialen Rangordnung einnehmen, sei bedroht. Frauen reagieren bei einer Ablehnung eher emotional verletzt und vermuten schnell, dass ein persönliches Defizit ihrerseits die Ablehnung rechtfertige,” sagt Suzanne Degges-White, Leiterin der Beratungsstelle an der Northern Illinois University.
“Von Frauen erwartet man, dass sie ‘drüber hinwegkommen‘, Männer dagegen haben oft das Bedürfnis, sich zu ‘revanchieren.’” Dieses Bedürfnis nach “Revanche” wird in den Incel-Gruppen lang und breit diskutiert, wobei einige radikale Mitglieder ganz offen darüber sprechen, es Frauen und ihren auserwählten Sexualpartnern auch mit Gewalt heimzuzahlen.

Der Glaube, ein Mann komme nur mit Gewalt und Geld an Sex

Diese Männer beschreiben sich selbst oft als die “Verlierer der genetischen Lotterie”. Zwar scheinen nicht alle Mitglieder Frauen zu hassen, aber die fanatischen Frauenhasser, die seit einigen Jahren immer mehr die Incel- und Looksmax-Netzwerke überschwemmen und dort ihr Gift versprühen, haben die weniger extremen Männer inzwischen vertrieben. Ein Mitglied eines Incel-Forums findet, dass Nicht-Incels es verdient hätten, mit Säure angegriffen zu werden.
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Für radikale Incels gibt es bei den Themen Dating und Sex unglaublich viele Ungerechtigkeiten, die sie ihrer Männlichkeit berauben. Sie glauben, dass jede Frau — unabhängig vom Aussehen — einen Sexpartner finden könne, während ein hässlicher Mann nur mit Gewalt oder Geld zu Sex komme. Sie glauben auch, dass Frauen ausschließlich an gut aussehenden Männern interessiert seien. Mit diesem verzerrten Frauenbild nähren sie ihre gewaltbereite Feindseligkeit. Auf “Incels.me”, einem der extremeren Incel-Foren, wurden in weniger als einem Jahr über eine Million Posts veröffentlicht. Regelmäßig schreiben die Männer hier, dass Gewalt gegen Frauen gerechtfertigt sei, weil Frauen unattraktiven Männern ihr “Recht” auf Sex verweigerten.

Wenn ich euch Mädchen nicht haben kann, werde ich euch zerstören.

Incel-Mitglied
“Die Frauen und die Gesellschaft haben uns in Einsamkeit und Depression gedrängt. Mit ihrer Fixierung auf Äußerlichkeiten rufen sie bei vielen von uns, die ihren Standards nicht entsprechen, Wut und Mordgelüste hervor. Diese sind nicht die Folge einer psychischen Erkrankung, sondern eine normale Reaktion auf ein voruteilsbehaftetes Verhalten”, schreibt ein Mitglied im April.
“Was sollte Incels (hässliche Männer) motivieren, sich an eure sozialen Regeln zu halten, wenn alles, was wir tun, gut oder schlecht, sowieso nie belohnt wird?”, fragte er. “Warum diese Studentinnenverbindung mit all den Mädchen, die dich gehänselt haben, nicht einfach über den Haufen schießen?”
Elliot Rodger, ein 22-jähriger selbsternannter Incel, der 2014 sich und sechs weitere Personen getötet hat, wird in den Incel-Foren als inspirierend verehrt. Einen Tag vor seinem Amoklauf in Isla Vista, Kalifornien, lädt er ein Video mit dem Titel “Vergeltung” bei YouTube hoch. In dem Video teilt er detailliert seinen Plan mit. “Wenn ich euch Mädchen nicht haben kann, werde ich euch zerstören”, sagt er in dem Video. “Dann werdet ihr endlich erkennen, dass ich in Wahrheit der Überlegene bin, das wahre Alpha-Männchen.”
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Terror-Ankündigungen sind ganz normal

Posts von Männern, die sagen, dass sie gern “den ER machen” würden ― eine Anspielung auf Rodgers Attacke ― sind in den Incel- und Looksmax-Foren gang und gäbe. Seinen Morden folgen ähnliche Attacken, unter anderem eine im April dieses Jahres, bei der in Toronto ein Mann einen Lieferwagen in eine Fußgängermenge rammt und dabei acht Frauen und zwei Männer tötet.
Alek Minassian, der 25-jährige Tatverdächtige, schreibt kurz vor dem Massaker einen Beitrag auf Facebook, in dem er verkündet, dass die “Incel-Rebellion bereits begonnen” habe, und schwört, er werde “all die Chads und Stacys fertigmachen“ ― eine Incel-Anspielung auf gutaussehende Männer und Frauen. Als letzten Sonntag ein bewaffneter Mann eine Frau und ein zehnjähriges Mädchen in Toronto tötet, ist die Aufregung in den Incel-Foren groß. Man spekuliert, es könnte sich um das Werk eines Incel-Kameraden handeln. Die Polizei ist noch auf der Suche nach einem möglichen Tatmotiv.
Anders Breivik, ein rechtsextremer norwegischer Terrorist, der 2011 im Alter von 32 Jahren 77 Menschen tötet, legt auch eine gewaltbereite Frauenfeindlichkeit an den Tag und zeigt eine deutliche Fixierung auf sein Aussehen. Vor der Attacke soll er sich Schönheits-OPs an Stirn, Nase und Kinn unterzogen haben.

Verbindung zwischen Schönheitswahn und Massenmördern?

Weitere frauenfeindliche Massenmörder der jüngsten Vergangenheit, die in den Incel-Communitys wie “Helden“ gefeiert werden, sind unter anderem George Sodini, der 2009 in Pennsylvania in einem Aerobic-Kurs für Frauen drei Menschen und sich selbst tötet, Seung-Hui Cho, der 2007 in Virginia 32 Menschen tötet, nachdem er Berichten zufolge zwei Frauen gestalkt hat, und Marc Lépine, der 1989 an einer Ingenieurschule in Montreal Studenten und Studentinnen voneinander trennt, dann das Feuer eröffnet und 14 Frauen tötet.
Im Vergleich dazu hat keine einzige Frau einen durch Zurückweisung motivierten mörderischen Amoklauf begangen. Reporterin Lux Alptraum schreibt hierzu Anfang des Jahres auf der Webseite Splinter, Frauen, die sich als zu unattraktiv für Männer einschätzen, veranstalteten keine mörderischen Amokläufe. In den Augen vieler Incels haben die Frauen den Schlüssel zum Sex in der Hand und sie sind alle von Natur aus oberflächlich.
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Mann gegen Spiegel

Für den Mann, den man online unter dem Namen Kyle Incel kennt, scheint jeder Tag ein Kampf zu sein. Der völlig normal aussehende 23-jährige Kyle hat in den letzten zwei Jahren Dutzende Videos auf seinem mittlerweile gelöschten YouTube-Kanal hochgeladen. In diesen spricht er über seine Einsamkeit und seine lähmende Unsicherheit.
“Ich verliere die einzigen Haare, die bei einem Mann wirklich etwas zählen, und sie schwinden sehr, sehr schnell. Für einen Glatzkopf fehlt mir die richtige Gesichtsform”, sagt Kyle in einem emotionalen Video mit zitternder Stimme.
Er sei in Looksmax-Foren unterwegs gewesen, sagt er, in der Hoffnung, eine Community mit Leuten zu finden, denen es wie ihm gehe und die “sich aufgrund ihres Aussehens mit Vorurteilen konfrontiert“ sähen. Freunde findet er in diesen Gruppen jedoch nicht. Stattdessen beschäftigt er sich nun zwanghaft mit den dortigen Looksmax-Kritieren. “Ich konnte an nichts anderes mehr denken”, sagt er. “Das werde ich niemals wieder aus meinem Kopf bekommen.” Obwohl er konventionell als gut aussehend gilt, wie viele Kommentatoren unter seinen Videos anmerken, droht Kyle wiederholt damit, sich umzubringen, sollte sein kaum wahrnehmbarer Haarausfall weiter voranschreiten. Ein Interview für diesen Artikel lehnte er ab.

Wenn das Kinn männlich sein muss

Ein Mitglied von “Lookism.net” veröffentlichte vor Kurzem einen langen Post auf Reddit, in dem er beschreibt, wie giftig sich das Forum auf sein Leben ausgewirkt hat. “Ich kann gar nicht beschreiben, wie leer und tot ich mich innerlich fühle”, schreibt er nach acht Stunden auf der Webseite. “Ich habe es geschafft, auch den letzten Rest an Selbstvertrauen, den ich noch hatte, zu zerstören.”
Die Ratschläge, die sich die Männer auf “Lookism.net” für eine Selbstverbesserung geben, sind ausgesprochen konkret. “Das Kinn sollte bei einem Mann idealerweise kantig und breit sein. Ein rundes Kinn ist akzeptabel, wenn auch nicht gerade besonders fotogen. Ein spitzes Kinn ist extrem weiblich. Und auch wenn es vielleicht nicht unbedingt die sexuelle Todesstrafe bedeutet oder verdächtig ist, müsste es mit anderen maskulinen Zügen ausgeglichen werden”, ist dort in einem aktuellen Post zu lesen.
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“Liste der OPs, die ich für meinen Aufstieg geplant habe”

Unter anderem will er ein “Kinn- oder Kieferimplantat oder Genioplastik” vornehmen. (“Irgendwann in den nächsten Monaten, mein Kinn hat unten zu wenig, hoffe sehr, dass eine Genio das korrigieren kann.”)
- Einen “Kinn-/Kiefer-Filler” (“Werde mich von einem Chirurgen beraten lassen, mal sehen, was er mir rät, mein Kinn hat unten zu wenig.”)
- Eine Nasen-OP (“Ich habe eine Knollennase, bezweifle, dass das mit einer Rhinoplastik korrigierbar ist. Bin mir noch nicht sicher, muss noch mehr recherchieren.”)
- “Lefort” oder so (“Ich habe einen wenig ausgeprägten Oberkiefer, die untere Hälfte meines Gesichts überschattet die obere. Ich glaube, das nennt man einen zurückliegenden Oberkiefer”.)
- Eine Ober-/Unterlippen-Mundchirurgie (“Meine Mundregion ist beschissen, in etwa zwei Jahren oder sogar früher habe ich das wahrscheinlich erledigt.”)
- Wangenknochen-OP (“Die werde ich dann auch noch machen, wahrscheinlich zum Schluss.”)
Ein Beitrag von einem Mitglied auf “Lookism.net” trägt die Überschrift “Liste der OPs, die ich für meinen Aufstieg geplant habe”.
Allgemein scheinen sich amerikanische Männer immer mehr obsessiv mit ihrem Aussehen zu beschäftigen. Statistiken der American Society of Plastic Surgeons zeigen für die letzten zehn Jahre einen steilen Anstieg bei den Schönheits-OPs an Männern. Einer inoffiziellen Umfrage unter den Mitgliedern der Community auf Incels.me nach, an der 292 Männer teilnahmen, hat über die Hälfte schon mal darüber nachgedacht, sich unters Messer zu legen.

Auf eine Patientin kommen vier Patienten

Douglas Steinbrech, der vom “Forbes”-Magazin zu dem “Männer-Chirurgen“ schlechthin gekürt wurde, sagt, dass er inzwischen zehnmal mehr männliche Patienten zu Gesicht bekomme als noch vor vier Jahren. Mittlerweile kämen auf eine Patientin sogar vier Patienten.
Zu seinen beliebtesten Produkten gehört sein “Model-Paket für Männer“, das eine Kieferaugmentation, einen Aufbau der Brust- und Gesäßmuskulatur, Fettabsaugen und einen Aufbau von Arm- und Schultermuskeln beinhaltet. Die Maßnahmen liegen preislich zwischen 5000 und 25.000 Euro.
Steinbrech zufolge haben die sozialen Medien einen kompletten seismischen Wandel in unserer Kultur getriggert. In einer Welt, in der “alle nur noch nach links oder rechts wischen”, fügt er hinzu, habe sich die Wahrnehmung von Männlichkeit und männlicher Perfektion sehr gewandelt.
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Die Männer in den Incel- und Looksmax-Foren fühlen sich diskriminiert und sehen sich selbst als Opfer eines weiblichen Lookismus, was dazu führt, dass sie sich von ihrem Spiegelbild permanent gestresst fühlen. Sie sagen, dass sie Frauen wegen ihrer Oberflächlichkeit verachten, machen sich aber ständig über Frauen und ihr Gewicht lustig und reden wie besessen über Verabredungen und Sex mit schönen Frauen.

Widerspricht mir nie. Sagt mir, dass ich Recht habe (was ja auch stimmt.)

Incel-Mitglied beschreibt seine Traumfrau
Der Mann, der behauptet, dass Frauen mit ihrer “Fixierung auf Äußerlichkeiten bei vielen von uns, die ihren Standards nicht entsprechen, Wut und Mordgelüste hervorgerufen“ hätten, hat eine Checkliste mit den körperlichen Merkmalen seiner idealen Freundin zusammengestellt:
“Relativ volle Lippen, große Brüste, fetter Arsch … nicht weiß, aber helle Haut. Dunkle Haare sind in Ordnung, aber sie sollte sie sich heller färben. Hübsches Gesicht, weil das wichtiger als alles andere ist.” Sein Account zeigt wie so viele andere auf dieser Seite ein Foto von Rodger.
Andere Beschreibungen von Traumfrauen lauten auf “Incels.me” wie folgt:
“Ruhig. Widerspricht mir nie. Hört mir zu, wenn ich Luft ablasse, und sagt mir, dass ich Recht habe (was ja auch stimmt). (...) Kocht. Macht hinter mir sauber. Nicht weiß, aber helle Haut. Dunkle Haare sind in Ordnung, aber sie sollte sie sich heller färben. Hübsches Gesicht, weil das wichtiger als alles andere ist.”
“Zieht sich nur draußen züchtig an. Behandelt Männer, die ich nicht mag, verächtlich, und hält sich auch von meinen Freunden fern, um möglichst nicht in den Verdacht der Hypergamie zu kommen, weil sie weiß, dass ich sie fertigmache, wenn ich auch nur den leisesten Verdacht habe, dass sie eine fremdgehende Hure ist. Außerdem noch ein gelegentlicher Dreier mit anderen Frauen und sie lässt mich fremdgehen, ohne etwas zu sagen, weil sie weiß, dass ich Sex eben brauche.”
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Auf der Suche nach einer anderen Zielscheibe als sich selbst

“Incels müssen eine andere Zielscheibe als sich selbst finden. Das heißt, sie wollen nicht die Verantwortung für ihre Taten übernehmen”, sagte Sam Louie, ein Psychotherapeut aus Washington, der mit Incel-Patienten gearbeitet hat. “In diesen Kreisen herrscht eine fatalistische Einstellung, die sich immer wieder selbst bestätigt.”
Louie sagt: “Je öfter man zurückgewiesen wird, desto mehr ist man davon überzeugt, nicht gewollt zu sein … Aber gleichzeitig meint man auch, ein gewisses Anrecht zu haben. Sie haben ein Anrecht auf Sex. Sie haben ein Anrecht darauf, von Frauen gemocht zu werden. Und der Sinn für die Realität ist sehr begrenzt.”
Statt Kameradschaft und Unterstützung scheinen viele Incels eine isolierende Zwanghaftigkeit in den Looksmax-Foren gefunden zu haben.
“Ehrlich, Kumpel, ich habe seit vier Jahren das Haus nicht mehr verlassen”, schreibt ein Mitglied bei Lookism.net — eine von fast 7000 Nachrichten, die er seit seinem Forumsbeitritt im Jahr 2015 veröffentlicht hat. Der Mann mit dem Usernamen Defeat sagt, er halte sich ganz genau an einen “Looksmax-Plan”, um sich so richtig an einer Frau zu rächen, bei der er vor Jahren abgeblitzt ist.
“Ich kann es gar nicht abwarten, meine neuen Selfies auf Facebook hochzuladen und es ihr so richtig unter die Nase zu reiben … Ich bin fast so weit, ganz kurz davor, brauche nur noch eine letzte Behandlung”, schreibt er. “Sie wird um mich betteln. Ich kann gar nicht abwarten, sie so abblitzen zu lassen, wie sie es mit mir getan hat.”
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Dieser Text erschien ursprünglich bei der HuffPost US und wurde von James Martin aus dem Englischen übersetzt.
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