Die Golden Globes standen im Zeichen psychischer Gesundheit

Foto: Chris Delmas/AFP/Getty Images.
Während einige Kinder berühmter Hollywood-Stars ihren 17. Geburtstag mit wilden Feten verbringen, steht Isan Elba auf der Bühne der Golden Globes – mit einer wichtigen Message. Als Botschafterin der diesjährigen Preisverleihung wurde die Tochter des amtierenden Sexiest Man Alive Idris Elba von der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) ausgewählt, als Botschafterin der Veranstaltung den Gewinner*innen die begehrten goldenen Globusse zu überreichen. Jedes Jahr wird diese verantwortungsvolle Aufgabe von einem Star-Sprössling übernommen. Elba wollte jedoch nicht nur Golden Globes an vor Aufregung wahrscheinlich recht schwitzige Hände überreichen, sondern nutzte ihre Plattform, um laut und deutlich über psychische Erkrankungen zu sprechen – ein Thema, das neben Millionen Menschen weltweit auch sie persönlich und ihre Familie betrifft.
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„Meine Mutter erzählte mir erst vor zwei Jahren davon, wie es um ihre Psyche gestellt ist. Dabei leidet sie bereits seit Längerem an einer Bipolaren Persönlichkeitsstörung, hat Depressionen und chronische Angstzustände.“ Das verriet Elba jetzt beim offiziellen Lunch im Rahmen der Golden Globes. „Ich bin ehrlich, es ist auch für mich ein täglicher Kampf. Ich lerne viel, doch es ist hart, um den teils labilen Zustand der psychischen Gesundheit der eigenen Mutter zu wissen. Doch ihr haben unsere Gespräche sehr geholfen. Mit mir, also der für sie wichtigsten Person darüber zu sprechen, war sehr befreiend für sie.“

Psychische Gesundheit: Wieso gerade unter POC ein Tabu?

50.000 Dollar wird die HFPA im Namen von Elba auf ihren Wunsch hin an die Boris Lawrence Henson Foundation spenden, gegründet von Schauspielerin Taraji P. Henson, zu Ehren ihres Vaters, um die afroamerikanische Community und andere POC-Gruppen bei der Entstigmatisierung psychisch Kranker zu unterstützen. Eine wichtige Aufgabe, die auch Elba am Herzen liegt. Ihr Engagement bei den Golden Globes ist erst der Anfang, verspricht die Teenagerin: „Ich werde mich weiterhin für einen offenen Dialog über mentale Gesundheit einsetzen – was gerade für junge Menschen und POCs leider immer noch ein Tabu ist.“
Und tatsächlich ist spezifisch der afroamerikanische Teil der Bevölkerung laut Mental Health America nicht nur überdurchschnittlich häufig von psychischen Erkrankungen betroffen, auch die Zahl an Selbstmordversuchen von Kindern und Teenagern ist deutlich höher als bei weißen Gleichaltrigen. Zudem machen Afroamerikaner*innen etwa 60 Prozent der Insass*innen amerikanischer Gefängnisse aus, wo viele traumatischen Erfahrungen ausgesetzt sind. Nach der Entlassung suchen jedoch nur die wenigsten einen Therapieplatz auf oder bekommen einen gestellt. Die Stigma-Kausalkette zieht sich weiter bis tief ins recht undurchsichtige Gesundheitssystem der USA: Denn selbst bei starken depressiven Episoden bekommen staatlich versicherte Afroamerikaner*innen nur in etwa 55 Prozent Hilfe, wohingegen die Versicherung bei 71 Prozent der weißen Bevölkerung ohne Probleme greift. Freiwillige Botschafter*innen wie Henson und Elba sind also unabdinglich, um dieser und weiteren Communities zu generationsübergreifenden Veränderungen zu verhelfen. Was es bewirken kann dafür Plattformen wie die Bühne der Golden Globes zu nutzen, konnte man im vergangenen Jahr bereits beim #TimesUp-Movement beobachten.

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