#HambiBleibt: So kannst du die Aktivist*innen im Hambacher Forst unterstützen

Foto: Patrik Stollarz/Getty Images
„Wir tun das hier für euch alle!“ – dieser Satz einer Aktivistin während eines Fernseh-Interviews hat kurz und prägnant zusammen gefasst, um was es eigentlich wirklich geht, wenn von der Rodung des Hambacher Forstes die Rede ist. Der ursprünglich 4.100 Hektar umfassende Wald ist seit Ende der 1970-er auf etwa 200 Hektar geschrumpft, von denen der Energiekonzern RWE ab Herbst dieses Jahres weitere 100 Hektar für die Erweiterung seines Tagebaus abholzen will. Dabei geht es schon lange nicht mehr einfach nur darum, Bäume zu retten und ein Fleckchen Erde zu bewahren. Der Hambacher Forst, von seinen Freunden liebevoll Hambi genannt, ist zum Symbolbild geworden für den Kampf der Anti-Kohle-Bewegung, die halbherzigen Versprechen zum Kohleausstieg der Regierung und der scheinbar grenzenlosen Profitgier großer Konzerne.
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Seit 2012 wird das Waldstück zwischen Köln und Aachen immer wieder von Aktivisten*innen besetzt und von der Polizei geräumt. Vielen von uns ist das sicherlich nicht bewusst gewesen, denn die Diskussion und der öffentliche Aufschrei hat erst diesen Spätsommer so richtig Fahrt aufgenommen, als die Rodungen zur weiteren Braunkohlegewinnung kurz bevor standen. Dank der engagierten Menschen, die den Hambi seit teilweise sechs Jahren ihr Zuhause nennen und auch Dank des Engagements von Greenpeace, dem BUND NRW und anderen Organisationen, wie Aktion Unterholz, Ende Gelände oder Robin Wood e.V. ist die weitere Rodung durch RWE nun bis 2020 auf Eis gelegt. Aber keinesfalls vom Tisch.
Vielleicht geht es auch euch so wie mir, wenn ich über neue Ereignisse und Vorkommnisse zum Hambacher Forst in den Nachrichten lese: Ich balle meine Faust in der Hosentasche und verzweifle schier an dem Unverständnis, wie eine Regierung, die den Kohleausstieg plant, so etwas zulassen kann. Wie idiotische Menschen in Kommentaren die Aktivisten*innen als faule Hippies bezeichnen, die von „meinen Steuergeldern“ Larifari im Busch machen. Und nicht zuletzt, wenn ich sehe, wie Großkonzerne in amerikanischem Größenwahn und ohne Rücksicht auf Verluste ihre Gewinne hochschrauben und ihre Agenda durchboxen wollen. Ganz klein fühle ich mich dann und ganz weit weg. Hilflos und unbedeutend und zum Zusehen verdammt.
Aber ganz so hilf- und machtlos sind wir nicht! Weder du, noch ich. Auch, wenn mehrere hundert Kilometer zwischen dir, mir und dem Hambacher Forst liegen, gibt es doch viel, was wir tun können, um die Bündnisse, Aktionen und Menschen zu unterstützen, um RWE zu zeigen, dass es so nicht geht und um die Politik zum Handeln zu zwingen.
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Was kannst du tun, um die Aktivist*innen im Hambacher Forst zu unterstützen?

1. Hallo, Ökostrom!
Die naheliegendste Lösung ist gleichzeitig die effektivste und dabei auch super leicht umzusetzen: Wechsel deinen Stromanbieter und steige um auf Ökostrom! Dieser ist entgegen der allgemeinen Behauptung nicht wirklich teurer, als Strom aus konventionellen Quellen und ein Wechsel ist über das Internet in wenigen Minuten geschehen. Win-win: informiere dich und vergleiche die verschiedenen Anbieter und hole gleichzeitig noch eine nette Prämie für dich raus. Wer momentan, wie ich, an einen mehrjährigen Vertrag gebunden ist, kann sich bei seinem Anbieter nach internen, umweltfreundlichen Alternativen informieren und fragen, ob ein Wechsel innerhalb des Konzernes möglich ist. Hier darfst du auch all deine Freunde, Familie und Bekannten mal ein bisschen nerven! Hier geht es zur Kündigungsvorlage, falls du gar Kunde*in bei RWE bist.
2. Unterstütze die Aktivist*innen vor Ort
Neben dem Big Playern wie Greenpeace oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), sind auch zahlreiche kleinere Gruppierungen für den Hambacher Forst aktiv. So zum Beispiel Aktion Unterholz, Hambacher-Forst.org, Ende Gelände oder Robin Wood. All diese Organisationen brauchen nicht nur Unterstützung vor Ort, sondern du kannst deinen Anteil auch durch Geld- oder Sachspenden leisten. Du kannst Texte übersetzen, eine Gruppe in deinem Ort gründen oder dich in den SMS-Verteiler eintragen.
3. Unterschreibe Petitionen
Online-Petitionen sind oftmals das gute Gewissen des ansonsten wenig engagierten Großstädters. Eine Unterschrift hier, ein Häkchen da und schon ist die Welt wieder ein wenig gerettet worden. So einfach ist es natürlich nicht, aber gerade in politischen Belangen auf Bundesebene kann mit einer durch ausreichend Unterschriften unterfütterten Petition großer Druck auf die Politik ausgeübt werden. Aus diesem Grunde solltest du alles unterschreiben, was dir im Zusammenhang mit de Hambacher Forst unter die Maustaste kommt. Aber bitte nur die richtigen Petitionen. Diese gibt es etwa von Greenpeace, dem BUND, von Campact, Change.org und bestimmt noch vielen weiteren mehr. Dass diese Petitionen durchaus auch öffentlich wahrgenommen werden, zeigt dieser Beitrag vom ZDF.
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4. Werde selbst aktiv
Du musst jetzt keine sich wöchentlich treffende Aktionsgruppe gründen (natürlich wäre das aber sehr lobenswert). Es ist auch im kleineren Maße möglich, die Öffentlichkeit noch mehr für das Thema zu sensibilisieren. Bestelle dir Sticker, Poster und Postkarten der Aktivisten*innen-Gruppen und verteile sie in deinem Kiez. Bei mir im Prenzlauer Berg ist alles zugepostert und das Thema ist wirklich sehr präsent. Hambacher.Forst.org zum Beispiel bietet Bildmaterial zum Selbstausdrucken an – dass hierfür wiederum Papier verwendet wird entbehrt zugegeben nicht einer gewissen Ironie, aber ihr könnt ja zu Recycling-Papier greifen oder eigene Plakate malen.
5. Nutze das Hashtag #HambiBleibt auf Social Media
Unter dem Hashtag #HambiBleibt haben bereits zahlreiche Menschen vor Ort und überall aus Deutschland ihre Bilder, Gedanken, Statement und Meinungen zum Thema geteilt. Das kannst du auch machen und das Thema so zu einem Trending Topic machen, dass gut sichtbar im Internet kursiert. Teile deine persönlichen Erfahrungen, Aufrufe, Fotos und Veranstaltungen auf Facebook, Twitter und auch Instagram und hilf somit dabei, das Thema noch weiter zu verbreiten.
6. Gehe auf die Straße
Natürlich ist es auch längst an der Zeit Farbe zu bekennen und mit seinem Gesicht für Umweltschutz einzustehen. Mach dich schlau und informiere dich, welche Demonstrationen und Kundgebungen in deiner Nähe geplant sind und nimm daran teil. Wir haben in Deutschland das Glück, ohne Angst vor Verfolgung oder Ressentiments für unsere Meinung auf die Straße gehen zu können und das sollten ausnutzen! Immer und immer wieder – die Gegner schlafen schließlich auch nicht.
Ich konnte bei meiner Recherche leider nicht herausfinden, ob zum Beispiel konkrete Marken, Supermärkte oder Hersteller den Kampf gegen die Rodung des Hambacher Forstes unterstützen. Generell gilt es aber immer, Müll zu vermeiden, zur umweltfreundlichen Alternativen zu greifen und so bewusst wie möglich durch den Alltag zu gehen. Ich weiß, wir sind alle immer viel beschäftigt und unter Stress und haben wenig Zeit. Wenn man sich aber an gewisse Verhaltensweisen gewöhnt hat, kann man sie ganz easy in den Alltag integrieren.
Außerdem musst du zugeben, dass all die oben genannten Punkte fast einem Sitzprotest gleichkommen, denn für die meisten Aktionen musst du nicht einmal deine Wohnung verlassen. Vielleicht ist das diese digitale Kriegsführung, von der immer alle reden. Nur diesmal für die richtige Sache. Denn die Frau aus dem Video-Interview hat recht. Diese Menschen machen das auch für die Umwelt und auch für sich selbst. Aber vor allen Dingen machen sie es für uns alle, denn wir alle brauchen die Natur zum Überleben. Sie kämpfen für uns gegen Goliath und wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, denn es gibt immer noch genug Idioten, die nicht verstanden haben, dass es inzwischen Kurz vor Zwölf ist.
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