Warum alleine Reisen toll ist: 3 Frauen teilen ihre Erlebnisse

Foto: Jessica Nabongo
Immer mehr Frauen machen alleine Urlaub. Laut einer Umfrage der Fluggesellschaft British Airways sind 50 Prozent der befragten Frauen in der Vergangenheit schon einmal ohne Begleitung gereist und 75 Prozent haben schon mal eine komplette Solo-Reise geplant. Auch viele Hotelbesitzer*innen melden einen Anstieg an Einzelzimmerbuchungen für allein reisende Frauen. Und auch ich habe festgestellt, sehr viele meiner Freundinnen waren schon mal alleine unterwegs – die Beweisfotos können alle auf ihren Social-Media-Seiten bewundern.
Auf Instagram gibt es zahlreiche Alleinreisende, die uns mit ihren wunderschönen Bildern richtig Lust auf Urlaub machen. Demzufolge gibt es mittlerweile auch unzählige Facebook-Gruppen, in denen die Frauen ihre Erfahrungen und Tipps rundum das Thema mit der Community teilen. The Solo Female Traveler Network zählt beispielsweise über 250.000 Mitglieder weltweit und hat allein in den letzten 30 Tagen knapp 10.000 neue User aufgenommen. Viele dieser Gruppen ermutigen dich dazu, den Schritt zu machen und unterstützen dich dabei, deine perfekte Reise zu planen. Du lernst, wie du die bestmöglichen Erfahrungen machen kannst, ohne in dabei in irgendwelche Tourifallen zu tappen.
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Es gibt sogar Reiseunternehmen, die spezielle Trips nur für Frauen anbieten. Die sogenannten Frauenreisen werden oft von weiblichen Tourguides geführt und du bist unterwegs mit anderen abenteuerlustigen Frauen. Diese Reisen sind vor allem für diejenigen gut, die sich noch nicht trauen, komplett alleine zu verreisen, aber es zumindest mal ohne Freund*innen und Co. versuchen wollen.
Wie kommt es, dass immer mehr Frauen alleine Orte erkunden möchten? Ich meine klar, die Vorteile von Solotrips sind offensichtlich: Du kannst machen, was du willst und musst dich nicht darum kümmern, was eine andere Person möchte. Es ist die absolute Freiheit. Aber ist es nicht doof, wenn du diese ganzen tollen Erfahrungen, die du auf deiner Reise machst, mit niemanden teilen kannst? Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? Gerade in der heutigen Zeit hat man ja eher das Gefühl, dass Frauen nicht mal alleine auf’s Klo gehen können, ohne Angst haben zu müssen.
Wir haben mit drei Frauen geredet, die sich den Schritt ins Ungewisse gewagt haben und jetzt richtiger Verfechter von Soloreisen sind. Klick dich durch und finde heraus, welche Erfahrungen sie bei ihren Trips gemacht haben. Vielleicht können sie dich dazu inspirieren, selbst mal alleine Urlaub zu machen.
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Jessica Nabongo hat das große Ziel, die erste schwarze Frau zu sein, die jedes einzelne Land der Welt bereist. Insgesamt war sie schon in 180 Ländern und bereiste 66 davon ohne Begleitung.

Refinery29: Warum hast du dich entschieden, alleine zu reisen?
Jessica Nabongo: Meinen ersten Solo-Trip habe ich geplant, nachdem ich eine kleine Quarterlife Crisis hatte. Ich hatte das Gefühl, aus meinem Alltag ausbrechen zu müssen, also habe ich einen Last-Minute-Flug gebucht und bin auf und davon.

Wie lange reist du schon alleine und wohin ging es zuerst?
Meine erste Soloreise war nach Costa Rica. Das war 2009.

Die letzten drei Orte, an denen du warst?
Kamerun, Äquatorialguinea und die Republik Kongo.

Welcher Ort war für dich am interessantesten?
Kambodscha. Als ich Angkor Wat besichtigte, hatte ich das erste Mal das Gefühl, die Erfahrung gerne mit jemandem teilen zu wollen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon sieben Mal alleine gereist, aber da habe ich es wirklich bereut. Die Gegend war so schön, einfach magisch. Und ich konnte es nur alleine genießen.

Was war dein Highlight?
Das war wahrscheinlich in Belgrad. Den ganzen Tag über erkundete ich die Stadt und das war toll. Aber das i-Tüpfelchen meiner Reise war dieses Restaurant namens Ambar, wo ich am Abend gegessen habe. Die Mitarbeiter*innen wussten, ich war alleine unterwegs und wollten wirklich sicher gehen, dass ich Spaß habe. Sie haben sich den ganzen Abend mit mir unterhalten und mich zum Lachen gebracht. Das liebe ich am Soloreisen: Du lernst viele tolle Menschen kennen. Wenn ich mit anderen unterwegs bin, bin ich darauf konzentriert, mit ihnen Spaß zu haben und bin Fremden gegenüber nicht so offen. Aber alleine treffe ich immer viele interessante Menschen.

Gab es auch schwierige Momente?
Ich muss sagen, ich wurde während meiner vielen Reisen nie mit gefährlichen Situationen konfrontiert – obwohl ich in 66 Ländern ganz auf mich allein gestellt war. Das betone ich immer wieder, weil ich es einfach nicht mehr hören kann, wie gefährlich Solotrips für Frauen sein sollen. Ich glaube eher, dass man einfach hin und wieder mal “Pech“ hat und an die falschen Leute gerät. Wenn du alleine reist, dann musst du offen sein und auf andere zugehen können. Solange du auf dein Bauchgefühl hörst und nicht zu misstrauisch bist, wirst du viele nette Menschen kennenlernen.

Wie bist du damit klar gekommen, immer allein zu sein?
Natürlich fühlt man sich mal einsam. Abends habe ich oft mit Freund*innen von Zuhause gefacetimed. Tagsüber habe ich versucht, mich mit Einheimischen anzufreunden und mit ihnen abzuhängen.

Gab es unangenehme Situationen, die du besonders wegen deiner Hautfarbe erfahren hast?
Da gab es eine Sache, die mich verrückt gemacht hat: Als ich in Laos war, besuchte ich Lang Prubang im Norden des Landes. Dort waren einige Tourist*innen, die ohne meine Erlaubnis Fotos von mir gemacht haben. Selbst als ich sie darum bat, damit aufzuhören, wollten sie nicht hören. Als ich dann aus Frust weglief, sind mir manche sogar hinterher gerannt! Da waren so viele weiße Tourist*innen, aber die hatten das Problem nicht. Ich glaube, dass sie mich wegen meiner Hautfarbe unbedingt fotografieren wollten.

Welche Vorkehrungen hast du getroffen, um für deine Sicherheit zu sorgen?
Ich bin ein tougher Mensch und weiß über die Risiken Bescheid. Wenn ich auf Reisen bin, ziehe ich mich normalerweise ziemlich konservativ an, es sei denn, ich habe wirklich das Gefühl, mich mit meiner Kleiderwahl keiner Gefahr auszusetzen. Außerdem folge ich immer meinem Bauchgefühl. Ich bin wie Spiderman – ich spüre die Gefahr, noch bevor sie eintritt. Ich bin mir meiner Umgebung sehr bewusst und gehe abends nicht sehr weit von meinem Hotel weg.

Was empfiehlst du Frauen, die noch nie alleine gereist sind, es aber mal versuchen wollen?
Erstens: Traut euch! Packt eure Sachen und macht euch auf die Reise. Und zweitens: Geht erst Mal irgendwohin, wo ihr euch wohlfühlt. Sucht euch einen Ort aus, an dem ihr selbstbewusst durch die Straßen laufen könnt, denn dann wirkt ihr nicht so hilflos und angreifbar.
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Maria Pettersson ist Pilotin und kam schon viel herum. Ihr erster Solotrip war zwar nicht geplant, aber die Erfahrung hat sie nie bereut.

Refinery29: Bist du auch schon alleine gereist, bevor du Pilotin wurdest oder war es etwas, dass du erst durch deinen Job für dich entdeckt hast?
Maria Pettersson: Ich bin schon alleine gereist, bevor ich mich entschlossen habe, Pilotin zu werden. Ich glaube, meine Reiselust hat meinen Berufswunsch beeinflusst – ich wusste schon früh, ich bin nicht der Typ für einen Job am Schreibtisch.

Warum hast du dich dazu entschlossen, alleine zu reisen?
Eigentlich kam das nicht wirklich von mir aus: 2010 bin ich mit meinem damaligen Freund nach Südost-Asien, aber auf der Reise haben wir uns getrennt und dann habe ich beschlossen, ich werde die Reise alleine weiter machen. Dieser Trip war meine erste Soloreiseerfahrung.

Die letzten drei Orte, an denen du warst?
Hawaii, Neuseeland und Sizilien. Mittlerweile kenne ich überall, wo ich war, Menschen und versuche, sie immer wieder mal zu besuchen.

Was war dein Highlight?
Auf Indonesien habe ich eine fünftägige Bootstour zu verschiedenen Inseln gemacht. Es war eine Gruppenreise und obwohl ich anfangs niemanden kannte, haben wir alle uns in den fünf Tagen schnell angefreundet. Ich meine die Umstände haben uns ja auch nichts anderes übrig gelassen. Wir haben alle nebeneinander an Deck geschlafen und irgendwann wusste ich mehr über meine Mitreisenden als mir eigentlich lieb war.

Welches Erlebnis hat dich geflasht?
Eines der Dinge, die ich gerne noch einmal erleben würde, wäre den Sonnenuntergang im Yosemite Park in Kalifornien zu sehen. Er war atemberaubend schön.

Hast du dich manchmal einsam gefühlt?
Man könnte auf den ersten Blick glauben, dass ich einsam war, aber dem war nicht so. Wenn ich irgendwo alleine sitze, verliere ich mich oft in meinen Gedanken oder beobachte wie eine alte Oma die anderen Menschen um mich herum – ich liebe es einfach, Menschen zu beobachten.

Welche Vorkehrungen hast du getroffen, um für deine Sicherheit zu sorgen?
Ich gehe nachts nicht alleine raus. Wenn mich jemand vor einer Gegend warnt, gehe niemals alleine hin. Früher bin ich immer mit einem Lonely Planet Guide gereist und blieb auch nur in Hotels und Hostels, die dort empfohlen wurden. Außerdem achte ich immer darauf, dass ich Geld und Karte an verschiedenen Orten aufbewahre. Wenn mir eines der beiden gestohlen wird, kann ich wenigstens noch wieder zurück nach Hause. Solange du dir der Gefahren bewusst bist, ist alles gut.

Was empfiehlst du Frauen, die noch nie alleine gereist sind, es aber mal versuchen wollen?
Bleibt nicht in einem 5-Sterne-Hotel, auch wenn ihr es euch leisten könnt. In Hostels lernt ihr andere Reisende kennen und könnt mit ihnen zusammen reisen oder ihr verbringt die Abende in der Lobby und unterhaltet euch. Da ist das mit der Einsamkeit auch schnell vom Tisch.
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Priya Patel ist eine richtige Weltenbummlerin. Sie war schon in ungefähr 60 Ländern (in den meisten von ihnen auch allein) und lebte in verschiedenen Teilen der Welt. Mit ihrem Job als Product Lead bei Instagram ist es kein Wunder, dass sie gerne neue Dinge erleben will.

Refinery29: Warum hast du dich entschlossen, alleine zu reisen?
Priya Patel: Schon früh hat mich meine Familie auf Reisen nach Europa und Indien mitgenommen. Ich habe viele Kulturen kennengelernt und faszinierende Orte gesehen – also wurde mir die Reiselust sozusagen in die Wiege gelegt. Der Drang, die Welt zu bereisen, kam bei mir durch einen Mix aus Neugierde über die Welt und meiner finanziellen Unabhängigkeit in meinen frühen Zwanzigern. Ich war damals bereit, neue Dinge zu lernen und vor allem neue Erfahrungen zu machen. Seit 15 Jahren reise ich schon alleine durch die Weltgeschichte – beruflich und privat. Bei meinem ersten Trip war ich vier Monate unterwegs in Neuseeland, Thailand, Kambodscha und Vietnam.

Die letzten drei Orte, an denen du warst?
Istanbul, San Francisco und Nairobi.

Was war dein Highlight?
Vietnam. Ich war über drei Wochen dort und bereiste das ganze Land mit dem Zug. Die Landschaft war einfach unglaublich und die Großstädte waren so hektisch und das hat mir sehr gefallen. Interessant war auch, wie die Menschen in Vietnam auf mich reagiert haben. Sie waren zwar sehr nett, aber auch sehr verwundert darüber, dass ich alleine unterwegs war. Ich glaube damals (2004) war es noch nicht so normal, dass eine Frau alleine reist. Das machte mich aber irgendwie stolz und selbstbewusst.

Welches Erlebnis hat dich geflasht?
Ich habe so viele tolle Momente erlebt, aber einer ist mir besonders im Kopf geblieben: Als ich in Angkor Wat in Kambodscha war, hat mich die Schönheit der Landschaft einfach nur umgehauen.

Gab es auch mal einen angsteinflößenden Moment
Bei einer Safari in der Serengeti blieb unser Truck durch den starken Regen im Matsch stecken. Das machte mir schon echt Angst. Unser Funkgerät ging aus und wir konnten niemanden von außerhalb erreichen und als ob das nicht schon schlimm genug war, versammelten sich Hyänen um unser Auto. Ich bereitete mich schon mental darauf vor, von Löwen gefressen zu werden. Glücklicherweise konnte unser Guide uns mit einem Ersatzwagen rausholen, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich keine Panik hatte.

Hast du dich manchmal einsam gefühlt?
Im Flugzeug, im Zug oder im Auto ist es meistens sehr einsam. Wenn ich dann aber an meinem Ziel angekommen bin, versuche ich so viele Aktivitäten in meinen Tag zu packen und dann fehlt dir einfach die Zeit, dich einsam zu fühlen. Ich glaube, das Schwierigste am Soloreisen ist, dass du alleine Essen musst. Es ist einfach schöner ein leckeres Gericht mit deinen Freund*innen zu teilen. Aber dann lese ich beim Essen einfach ein gutes Buch oder schaue irgendetwas auf Netflix und dann geht es schon.

Was empfiehlst du Frauen, die noch nie alleine gereist sind, es aber mal versuchen wollen?
Habt keine Angst davor und tut es einfach. Soloreisen machen euch selbstbewusster und können auch sehr unterhaltsam sein, wenn ihr euch traut, auf Fremde zuzugehen.
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