Wieso tun wir uns alle so schwer damit, Entscheidungen zu treffen?

Dieser Artikel erschien zuerst bei im gegenteil / Instagram / Facebook
Mit einem ganz besonderen Jemand habe ich vor ein paar Wochen über Entscheidungen gesprochen. Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die betreffen. Entscheidungen, die vielleicht jemanden treffen. Entscheidungen bereuen.
Warum muss man sich immer für etwas entscheiden? Das ganze Leben besteht aus Entscheidungen. Es war nicht meine Entscheidung, auf die Welt zu kommen und ins Leben zu treten. Diese Entscheidung haben mir meine Eltern abgenommen, die sich wenige Jahre später haben scheiden lassen. Eine bewusste Entscheidung ihrerseits.
Je älter ich wurde, desto mehr wurde ich mit dem Thema dieser Scheidung und auch der Entscheidung konfrontiert. Ich begriff und begreife immer wieder neu, dass ich mich vor bestimmten Entscheidungen nicht drücken kann. Trotz, dass ich ja gerade im Erwachsenenalter die Wahl habe, trotzdem hatte ich in den letzten Jahren kaum eine Wahl – wenn man zu etwas gezwungen wird und weder verbalen noch körperlichen Widerstand leisten kann, ist das ekelhaft bitter.
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Kaum ein Tag vergeht, ohne dass wir Entscheidungen treffen müssen. Egal, ob sie jemand hört oder ignoriert. Ich tue mich oft unnötig und unheimlich schwer, eine Entscheidung zu treffen. Und doch gibt es Dinge oder Situationen, in denen ich mich ohne Zweifel direkt entscheiden kann und will. Einerseits kann ich mich nicht mal für einen Drink auf der Cocktailkarte entscheiden und andererseits gibt es eine innere Stimme, die einfach entscheidet, ohne, dass ich vorher Gelegenheit hatte, mich mit ihr auszutauschen. Woran liegt dieser Gegensatz in und bei der Entscheidung? Eigentlich setzt das Wort ja schon eine klare Partei, eine klare Meinung, eine klare Antwort voraus.
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Lieber schwarz oder weiß? Grau war die Antwort von diesem Jemand, mit dem ich über Entscheidungen sprach. Seine Entscheidung ist grau. Schwarz und weiß sei so definiert und er möchte lieber „frei“, also grau sein. Find ich gut. Hier ging es um Beziehungen und hier mag er einfach frei sein. Richtig so. Ich möchte auch frei sein. Eine bewusste Entscheidung von mir, die ich treffe und auch jederzeit wieder klar so treffen würde. Der Unterschied ist, dass diese klar getroffene Entscheidung noch so unterschiedlich und unklar ausfallen kann. Im Bezug auf Beziehungen kann ich für mich die Entscheidung klar treffen – ich liebe meinen Partner, also entscheide ich mich für ihn. Tag für Tag neu. Klar definiert – kein grau. Eher schwarzweiß. Und trotzdem kann und will ich auch frei sein. Also treffe ich für mich die Entscheidung, nur mit jemandem zusammen zu sein und lieben zu wollen, der mich sein lässt, wie ich eben bin. Dann kann ich auch frei sein, wenn ich mit jemandem zusammen bin.
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Eigentlich ganz einfach und unkompliziert, diese Entscheidung. Wieso tun wir uns dann alle trotzdem so schwer, ein Statement zu setzen? Nicht nur, was die Wahl unseres Partners angeht, sondern grundsätzlich. Wer sagt, dass eine Entscheidung für immer sein muss? Kann und darf man seine getroffenen Entscheidungen nicht einfach mal wieder ändern? Was drängt uns und was setzt uns unter Druck? Angst vor Konsequenzen vermutlich. Angst davor, sich für das falsche entschieden zu haben. Angst davor, vielleicht etwas zu verpassen, wenn man sich für etwas entscheidet? Ist die Entscheidung „grau“ tatsächlich besser? Schützt sie mich vor den zuvor gestellten Fragen? Ich glaube, grau gibt lediglich mehr Spielraum – aber trotzdem kann ich auch hier etwas verpassen. Trotzdem muss ich auch hier mit gewissen Konsequenzen rechnen. Trotzdem muss ich auch im Grau Entscheidungen treffen. Leben ist Leben – egal, ob schwarz/weiß oder grau.
Ich entscheide mich heute für bunt. Ich entscheide mich für ein Leben – für mein Leben. Ich entscheide nach meinem hoffentlich immer stärker wiedererwachendem Bauchgefühl. Ich entscheide mich dafür, immer wieder mit schweren und einfachen Entscheidungen konfrontiert zu werden. Manchmal kann es doch auch sehr schön und inspirierend sein, sich nur mal vorzustellen, wofür man sich entscheiden würde, wenn man müsste. Am Ende stelle ich dann fest, dass ich mich ja gerade gar nicht entscheiden muss, ob ich lieber den Rest des Lebens mitten in der Stadt oder auf dem Land verbringen möchte. Oder ob ich lieber auf Musik oder auf TV verzichten möchte. Oder ob ich lieber den Rest des Lebens reich, aber ohne Liebe, oder lieber geliebt aber arm wäre.
Muss ich grad nicht entscheiden. Ich bin frei.
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