Dermatillomanie: Tipps, wie du aufhörst, dein Gesicht ständig anzufassen

Photographed by Sarah Harry-Isaacs
Als die Gesundheitsrichtlinien zum Schutz vor dem Coronavirus herauskamen, habe ich sie sorgfältig studiert. Häufiges Händewaschen? Kein Problem. Den Kontakt zu anderen vermeiden, wenn ich irgendwelche Symptome aufzeige? Wird gemacht. Aber es gab eine Sache auf der Liste, von der ich wusste, sie würde für mich nahezu unmöglich umsetzbar sein: Ich sollte aufhören, mir ins Gesicht zu fassen.
Als Folge meiner Angststörung kratze und picke ich aggressiv an meiner Haut. Diesen zwanghaften Drang kennen viele wahrscheinlich eher unter seinem Fachbegriff Dermatillomanie oder der englischen Bezeichnung Skin Picking Disorder. Oft habe ich das unangenehme Gefühl, ich muss mein Gesicht anfassen, aber häufig merke ich nicht einmal, dass ich an meiner Haut herumpicke. Täglich zupfe und kratze ich mich so sehr an der Stirn, am Kiefer oder am Rücken, bis meine Haut dort sogar anfängt zu bluten. Ich reibe und ziehe an der Haut meiner Lippen, bis es wehtut und ich heiße Lebensmittel kaum noch zu mir nehmen kann. Dieses Verhalten kann ich kaum unterdrücken.
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Und mit dieser Zwangsstörung bin ich nicht allein – Zwischen 1,4 und 5,4 Prozent der Weltbevölkerung leidet darunter. Dabei kann jede*r aber in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen sein. Doch in stressigen Situationen – wie jetzt durch den Ausbruch des Coronavirus zum Beispiel – ist es sehr wahrscheinlich, dass viele von uns noch heftiger zum Hautzupfen neigen. Da wir aber gerade in dieser Zeit mehr denn je darauf achten müssen, unser Gesicht nicht anzufassen, wird die Dermatillomanie jetzt zu einem noch größeren Gesundheitsrisiko als vorher. Deshalb habe ich mich mit der Dermatologin Dr. Susan Mayou zusammengesetzt. Sie erklärt was du tun kannst, um dem Drang, ständig an deinem Gesicht herumzuspielen, zu widerstehen.
Sie meint, es ist vor allem wichtig, neue Gewohnheiten festzulegen, die deine Hände beschäftigen – zum Beispiel mithilfe von Stresskugeln oder einem Jaderoller (die du natürlich regelmäßig desinfizieren solltest). Vor allem Letztere wirken nicht nur therapeutisch, sondern haben auch noch einen kühlenden Effekt auf der Haut, was das juckende Gefühl mindern könnte. Manchen Patient*innen hilft es auch, Luftpolsterfolie zum Platzen zu bringen, meint die Ärztin. „Das Poppen der Luftpolster entspannt nicht nur, sondern hält auch die Hände vom Gesicht fern.“
Besonders die Haut an Wangen, Kinn und Stirn ist oft ein Brennpunkt. Wenn sie an diesen Stellen zum Beispiel sehr trocken ist, bist du vielleicht eher dazu geneigt, die Schuppen wegkratzen zu wollen. Deshalb ist es laut Dr. Mayou auch so wichtig, das Gesicht gut zu reinigen und zu pflegen. Bei trockener Haut brauchst du sanfte Reiniger und feuchtigkeitsspendende Lotionen, die dein Gesicht nähren, sodass sich Hautschuppen gar nicht erst bilden können. Dr. Mayou empfiehlt zum Beispiel das Sensibio H2O-Gesichtswasser von Bioderma, da es die Haut beim Reinigen gleichzeitig hydratisiert. „Es ist eine gute Ergänzung zu den anderen Produkten in deiner Hautpflegeroutine“, erklärt die Expertin.
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Wenn dich aber allein schon das Reinigen deiner Haut mit deinen Händen triggert, solltest du auf Gesichtsschwämme oder -bürsten zurückgreifen. Achte bei den Bürsten aber darauf, dass die Borsten sehr sanft sind. So schützt du deine Haut vor unnötigen Strapazen und Reizungen. Und wenn du ölige Haut hast, die zu Pickeln oder Mitessern neigt, kann es helfen, Anti-Pickel-Produkte zu verwenden. Dr. Mayou empfiehlt das Gesicht täglich mit dem Reinigungsgel von Bioderma zu waschen, damit die Poren von Öl und anderen verstopfenden Substanzen befreit werden. Haben sich durch das Hautzupfen und Kratzen schon offene Narben oder Flecken gebildet, brauchst du vielleicht zusätzlich eine topische Creme mit antibiotischem Effekt. Außerdem rät Dr. Mayou bei narbiger Haut zum Narbengel von Kelo-Cote. Dieses Gel macht die rauen Hautstellen besonders sanft, sodass du weniger den Drang verspürst, sie anzufassen.
Unabhängig vom Hauttyp solltest du aber auf jeden Fall Produkte vermeiden, die deine Haut sehr reizen. Also Hände weg von sehr sauren Konzentrationen oder hochdosiertem Retinol, denn sie verursachen Rötungen und Juckreiz, was letztendlich das zwanghafte Hautpicken triggert.
Ein weiterer Tipp der Expertin: Halte deine Nägel kurz und feile sie regelmäßig. Je kürzer deine Nägel sind, desto weniger Schaden kannst du mit ihnen in deinem Gesicht anrichten.
Falls du trotz aller Bemühungen einfach nicht aufhören kannst, dein Gesicht anzufassen, solltest du in besonders stressigen Momenten vielleicht einfach Handschuhe tragen. Doch Achtung: Versuche in der Zeit, in der du die Handschuhe trägst, wirklich keine anderen Flächen zu berühren, sonst könntest du Bakterien und vor allem Viren von dort, auf dein Gesicht übertragen – was gerade in dieser Zeit ein großes Risiko darstellt.
Wenn vor allem die Augenpartie ein Problem für dich darstellt, hilft manchmal schon ein starkes Augen-Make-up, um den Zwang zum Hautpicken zu lindern. Male zum Beispiel deine Augenbrauen auf und verwende künstliche Wimpern, so wird es schon viel schwieriger, an den Augen herumzuspielen. Und wenn du an trockenen Augen leidest, rät Dr. Mayou zu Augentropfen.
Eine ähnliche Taktik empfiehlt die Ärztin für die Lippen: „Verwende ein dickes Lippgloss in einer kräftigen Farbe. Das will man nämlich ungern irgendwo anders als auf den Lippen haben“. Aber zuerst sollten deine Lippen natürlich gut gepflegt werden. „Entferne tote Haut mit einem Lippenpeeling oder deiner Zahnbrüste und schenke deinen Lippen Feuchtigkeit durch einen Pflegestift. Wenn deine Lippen nicht trocken und rissig sind, hast du logischerweise auch keinen Grund an ihnen herumzupicken, oder?“

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