Christian Serratos ist Netflix’ Selena: „Ich wollte unbedingt alles richtig machen“

Für manche ist ein Lippenstift einfach ein Lippenstift – andere hingegen schöpfen daraus eigene Stärke, Kreativität und Individualität. So auch die 30-jährige Schauspielerin Christian Serratos: Sie spielt im Netflix-Original Selena: Die Serie die Hauptrolle des mexikanisch-amerikanischen Superstars Selena Quintanilla (†). Auch für sie persönlich ist Make-up eine Art von Empowerment – wieso, und inwiefern sie das ihrer Rolle als Selena näherbrachte, hat sie unserer Autorin Thatiana Diaz erzählt.
Als Kind war ich Eiskunstläuferin und nahm regelmäßig an Turnieren teil. Vorher schminkte mich meine Mom ein bisschen: Ich weiß noch, dass sie mir roten MAC-Lippenstift auf meine Wangen, Lider, Nase und mein Kinn tupfte und verrieb. Make-up gehörte irgendwie zu diesem Sport, das wusste ich, und daher ließ ich meine Mom einfach mal machen. Ich war damals noch klein, und ziemlich burschikos. Als ich irgendwann älter wurde und mit dem Schauspielern anfing, interessierte ich mich aber langsam auch immer mehr für Beauty und Mode. Am Set sah ich genau hin, wenn man mich schminkte und guckte mir ab, was mir gefiel: Die Artists benutzten Lippenstift als Rouge und Lipgloss als Lidschatten – das hatte ich so noch nie gesehen und fand es total kreativ. Diese Kreativität ist es, was ich an Beauty so liebe.
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PHOTOGRAPHED BY TRACY NGUYEN.
Foto: Tracy Nguyen
Heute habe ich zwei Looks, zwischen denen ich wechsle: Entweder Oversize-T-Shirt plus Jogginghose, Sneaker, große Creolen, kein Make-up – oder rote Lippen, Wasserwellen-Frisur und ein Kleid. Ich mache selten irgendwas dazwischen, und meistens sind rote Lippen alles, was ich brauche, um mich komplett zu fühlen. Viele Make-up Artists haben mir deswegen schon gesagt: „Du musst auch mal was anderes ausprobieren“ – aber ich habe mich so einfach immer schon am schönsten gefühlt. Ich stehe auf den Glamour vom alten Hollywood; es fällt mir deswegen schwer, auf den Seitenscheitel mit Wasserwellen im 1940er-Stil und den roten Lippenstift zu verzichten.

Vor allem wir Frauen müssen immer etwas härter arbeiten und allen beibringen, wie man mit uns umgehen kann – und wie nicht.

Unsere Gesellschaft versucht, die Körper von Frauen weitestgehend zu kontrollieren – und das kann vor allem im Showbusiness sehr verurteilend ausfallen. Ich liebe den Burlesque-Style und würde mich so freuen, ihn häufiger im Alltag oder auf dem roten Teppich zu sehen. Hoffentlich kann ich dazu meinen Teil beitragen und den Leuten gleichzeitig zeigen: Darunter steckt immer noch eine Geschäftsfrau. Ich habe irgendwann begriffen, dass dieser Kampf zu meinem Job gehört. Vor allem wir Frauen müssen immer etwas härter arbeiten und allen beibringen, wie man mit uns umgehen kann – und wie nicht. Als Teil einer Minderheit ist das nochmal besonders schwer. Es ist, wie es ist, aber wir machen das Beste draus.
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Foto: Tracy Nguyen
Vor allem in Sachen Aussehen stehe ich oft vor einem ganz bestimmten Dilemma: Ich möchte Kleidung tragen, die ich selbst wunderschön finde, mache mir aber dann Sorgen darum, der Look könnte als zu sexy oder unseriös empfunden werden. Wir verbinden Sexiness immer noch mit Unprofessionalität, und das hasse ich. Genau deswegen werden Latina-Schauspielerinnen rollenmäßig sehr oft stereotypisch festgelegt – vor allem als „sexy“. Darüber habe ich schon mit vielen gesprochen, die dann verwirrt reagierten und meinten: „Naja, das ist doch nicht schlimm.“ Ich weiß, dass das an sich nicht schlimm ist – ich will aber eben nicht nur als sexy oder taff gelten. Ich will alles sein können, und wünsche mir, dass das akzeptiert würde. Ich arbeite jetzt schon seit einer Weile in dieser Industrie und war schon vorher frustriert davon, für alle Chancen besonders hart kämpfen zu müssen. Ich habe es satt, nicht all das sein zu können, was ich gern wäre. 
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Ich will, dass sich meine Tochter dabei unterstützt fühlt, in Sachen Schönheit auszuprobieren, worauf auch immer sie gerade Lust hat.

Selena hat das aber geschafft: Sie hat so vieles riskiert und war genau die Person, die sie in diesem oder jenem Moment sein wollte. Damit konnte ich mich wirklich identifizieren. In der ersten Staffel sehen wir sie aufwachsen und mit ihrem Aussehen rumexperimentieren. Das war für mich echt überraschend – das ist so ein tolles Vorbild für andere Latinas, für Frauen, für Kinder, für meine Tochter. Ich will, dass sich meine Tochter dabei unterstützt fühlt, in Sachen Schönheit auszuprobieren, worauf auch immer sie gerade Lust hat. 
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Foto: Tracy Nguyen
Natürlich war es nicht ganz leicht für mich, die Rolle zu spielen; diese Frau wird noch heute enorm verehrt, und ich wollte ihr allen Respekt erweisen. Wir haben uns viel Mühe gegeben, die Realität so identisch abzubilden, wie und wann es nur ging, und wovon wir eben Original-Bildmaterial hatten. Wir haben versucht, alles exakt zu kopieren, von den Performances bis hin zu den Award-Zeremonien. Dafür haben wir uns alles genau angesehen, um das so perfekt wie möglich hinzubekommen – zum Beispiel, indem ich die Hand am Mikrofon genau dann wechselte, wenn sie es tat, oder wie sie mit einem Bein zuerst zurücktrat. 
Ich wollte unbedingt alles richtig machen, um ihre Fans glücklich, ihre Familie stolz zu machen. Und dabei wollten wir auch ihr Interesse an Beauty so realitätsgetreu wie möglich darstellen, mit viel Liebe zum Detail, was ihre Haare, Nägel und ihr Make-up anging. Ich habe Selena schon immer dafür bewundert, dass sie das alles selbst gemacht hat. Sie hat sich selbst gestylt und diese ikonischen Looks selbst entworfen – das ist echt stark. Sie hatte keine Stylist:innen, sie war ihr eigenes Styling-Team. Für die zweite Staffel fühlte es sich also nur richtig an, mich selbst zu schminken – und jetzt lebe ich umso mehr in Selenas Universum.

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