Wie sicher ist es aktuell, baden zu gehen & welche Regeln solltest du beachten?

Photographed by Rockie Nolan.
Während die Frei- und Hallenbäder in Nordrhein-Westfalen bereits seit dem 20. Mai wieder auf haben, soll es in Bayern erst am 8. Juni wieder losgehen. Doch nicht nur was die Öffnungstermine angeht gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und Gemeinden – auch die Konzepte und Maßnahmen variieren.  
In Berlin gelten beispielsweise laut dem RBB unter anderem folgende Regeln: Die Kassen bleiben zu, weswegen sich Besucher ein Online-Ticket für ein bestimmtes Zeitfenster kaufen und aus Nachverfolgungsgründen Name und Telefonnummer angeben müssen. Zwischen den einzelnen Zeitfenstern (die meist mehrere Stunden andauern), wird das Bad eine Stunde geschlossen, damit es gereinigt werden kann. In den meisten Bädern bleiben die Spielplätze, Wasserrutschen, Sprungtürme, Innenduschen und Umkleiden zu – nur die Außenduschen können genutzt werden. Die Anzahl der Gäste (allgemein und auch im Becken) wird beschränkt und geschwommen wird „mit Abstand und im Kreis, wie auf einer Schwimmautobahn", so der Vorsitzende der Berliner Bäder Betriebe Johannes Kleinsorg.
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Aber das sind wie gesagt nur die Maßnahmen, die in Berlin gelten. Erkundige dich am besten vor deinem Besuch telefonisch oder online, welche Regeln es in deinem Schwimmbad gibt.
Um einen ersten Eindruck zu bekommen, was allgemein in Deutschland empfohlen wird, kannst du dir außerdem den DGfdB Fachbericht: Pandemieplan Bäder anschauen, der am 2. Juni in Kraft tritt. Dieser hat zwar keine Rechtsqualität, schlägt aber zumindest sinnvolle Maßnahmen vor.
Im Fachbericht heißt es beispielsweise, dass kleinere Becken (Wasserfläche max. 50 Quadratmeter) – also beispielsweise Kinderbecken, Rutschenlandebecken, Grotten und Whirlpools außer Betrieb genommen werden sollen und auf die Beheizung der Hallenbad- und Außenbecken aus energetischen Gründen und zur Reduzierung der Verkeimungsgefahr verzichtet werden kann. Stell dich also schon mal auf eine echte Abkühlung ein. Außerdem werden unter anderem folgende Maßnahmen empfohlen: Abstandsmarkierungen für Warteschlangen, Duschen, Toiletten, Gänge, Umkleiden, Liegeflächen und vor Attraktionen (Sprungtürme etc.); gegebenenfalls Sammelumkleiden schließen; Spritzschutzwände an den Kassen; Aufstellen von Desinfektionsmittelständern; Begrenzung der Besucherzahl; Wischdesinfektion, um Aerosolbelastung in Luft niedrig zu halten; Eingangstüren offen lassen, damit sie nicht selbst geöffnet werden müssen; Maskenpflicht im Eingangsbereich; weniger Besucher gleichzeitig in Duschräumen und WC-Anlagen lassen.
Ansonsten wird auf den gesunden Menschenverstand gesetzt. Selbst bei penibler Einhaltung aller empfohlenen Maßnahmen lässt sich ein gewisses Infektionsrisiko nicht ausschließen. Doch mittlerweile leben wir alle lange genug mit der Pandemie und sollten uns eigentlich den Gefahren bewusst sein. Demzufolge sollten wir auch von selbst darauf achten, die Hände regelmäßig zu waschen, die Hust- und Nies-Etikette einzuhalten und (draußen und im Wasser) Abstand zu anderen zu halten. Und das kann beispielsweise eben auch mal bedeuten, dass du ein paar Minuten warten musst, bevor du duschen oder aufs Klo gehen kannst, weil sich nicht zu viele Leute gleichzeitig auf engem Raum aufhalten sollen. Oder aber, dass du nur zu bestimmten Zeiten ins Wasser darfst. Außerdem wäre es laut der texanischen Ärztin Dr. Jill Grimes besser, keine Handtücher, Schwimmflügel, Schwimmnudeln, Bälle und Co. mit Menschen zu teilen, mit denen du nicht in einer Wohnung wohnst. Ihrer Meinung nach solltest du zudem besser keine Röhrenrutschen nutzen, da sich diese schlechter reinigen lassen.
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Das klingt vielleicht nach ziemlich krassen Einschränkungen, doch sollten sich die Besucher*innen nicht an die Regeln halten, kann es sein, dass die Betreiber*innen der Bäder in den nächsten Wochen weitere Maßnahmen einführen oder schlimmstenfalls sogar wieder schließen müssen. Es liegt also ein stückweit auch in deiner Hand, wie es weitergeht.
Bei all den Regeln, Maßnahmen und Hinweisen gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: Laut Sabeena Hickman, Präsidentin und CEO der Pool and Hot Tub Alliance, tötet das Chlor im Wasser das Virus ab. Das bedeutet, dass du dich beim Schwimmen keinem erhöhtem Risiko aussetzt und das es – nach jetzigem Stand – höchstwahrscheinlich auch okay ist, die Leitern anzufassen, wenn du in den Pool steigst, denn die werden ja permanent mit Chlorwasser bespritzt, so Dr. Grimes. Dennoch rät sie dennoch dazu, sich wenn möglich nicht ins Gesicht zu fassen und sich die Hände gründlich zu waschen, nachdem du etwas berührt hast, das andere Menschen auch anfassen – wie beispielsweise die Türklinke der Toilette oder der Umkleideräume. Schaden kann das auf jeden Fall nicht.
Laut des Umweltbundesamts (UBA) ist es übrigens auch unbedenklich, in Badeseen oder Meeren zu schwimmen. Da gibt es zwar kein Chlor, aber durch die Verdünnung im Wasser wird die Gefahr einer Ansteckung minimiert. Außerdem sorgen hohe Wassertemperaturen und eine hohe Sonneneinstrahlung möglicherweise zu einer stärkeren Inaktivierung von Viren, die in das Wasser eingetragen werden. Allerdings liegt die Verantwortung in natürlichen Gewässern vor allem bei den Badegästen, denn Leinen zur Abstandshaltung können im Meer beispielsweise schwer gezogen werden. Und es gibt noch ein weiteres Problem: Die Badegäste müssen damit rechnen, dass ganze Strandabschnitte unbewacht bleiben. Laut Achim Wiese, dem Sprecher der DLRG, wird ein Strandabschnitt normalerweise von 20 Lebensretter*innen bewacht, welche normalerweise in Vierbettzimmer untergebracht werden. Doch das geht jetzt natürlich nicht also werden die Wachmannschaften dieses Jahr reduziert. „Unsere Befürchtung ist, dass das Risiko zu ertrinken in diesem Jahr höher sein wird als sonst“, so Wiese. Und selbst wenn ein*e Lebensretter*in vor Ort ist, muss er oder sie nach aktuellen Vorschriften keine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen, wenn er oder sie sich damit selbst in Gefahr bringt. Es liegt also an den Besucher*innen, besonders vorsichtig zu sein.
Wenn die Maßnahmen für dich persönlich eine zu große Einschränkung bedeuteten oder du auf Nummer sichergehen willst, kaufst du dir also vielleicht doch besser ein aufblasbares Planschbecken oder aber du greift auf Thermalwasserspray zurück, wenn du eine kleine Abkühlung brauchst.
Solltest du baden gehen wollen, halte dich bitte an die Regeln, denn nur, weil die Zahlen aktuell ganz gut aussehen, heißt das nicht, dass nicht doch noch eine zweite Infektionswelle kommen könnte. Und nur, weil du keine Symptome spürst, heißt das nicht, dass du andere nicht anstecken könntest.

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