Anahita Sadighi: „Frauen sollten viel mehr zusammenhalten, denn nur so können wir stärker sein“

Foto: PR.
Anahita Sadighi ist 27 Jahre alt, in Berlin aufgewachsen und die jüngste Galeristin der Stadt. In der Kunstszene sieht sie sich als Frau noch immer in der Minderheit – und das, obwohl die Kunst in ihren Augen etwas sehr Weibliches ist.

Wir treffen die Berliner Galeristin am Rande des Videodrehs zu Jennifer Rostocks Song „Hengstin" in Berlin-Kreuzberg. Anahita ist eine von 12 Protagonistinnen in dem Musikclip, der Frauen in allen ihren Facetten und ihrer Power feiert. Zur Videopremiere am 28.10. hat Refinery29 gefragt: Was ist die wahre Stärke einer Hengstin? Und wie behauptet sich eine Frau in Männerdomänen heute?

Eine Hengstin ist sehr dynamisch, frech und selbstbewusst. Ihr macht es nichts aus, sowohl in männliche, als auch in weibliche Rollen zu schlüpfen. Vor allem im Berufsleben bedeutet das, einen ständigen Tanz zwischen beiden Welten hinzulegen – und eine Hengstin kann das eben.“

Die männlich geprägte Kunstszene sieht sie als Herausforderung: Dass sie noch immer mit starken Vorurteilen behaftet ist und Frauen als Händlerinnen oft unterschätzt werden, nimmt Anahita als Vorwand, um Kunden und Mitstreiter mit ihrem umfassenden Fachwissen zu überzeugen. „Viele Männer denken oft, dass Frauen noch sehr jung und nur hübsch anzusehen sind, dass sie wahrscheinlich gar nicht so recht wissen, womit sie da handeln. Man muss ihnen dann mit Wissen, mit Fakten und mit Erfahrung begegnen.“

Womit sie handelt, weiß Anahita im Übrigen ganz genau: Nachdem sie ihren Master of Arts in Islamischer Kunst und Architektur an der School of Oriental and African Studies in London absolviert, beschließt die Deutsche mit iranischen Wurzeln in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, der bereits seit Jahrzehnten erfolgreich als Galerist und Kunsthändler arbeitet. Während der Vater seinen Fokus auf außereuropäische Kunst gelegt hatte, spezialisiert sich die Tochter weiter und macht sich mit antiker asiatischer Kunst selbstständig. Denn gerade die hat für Anahita etwas sehr Weibliches. „Kunst allgemein, aber vor allem Kunst aus Asien ist etwas sehr Sinnliches. Skulpturen oder Malereien behandeln sehr sinnliche Themen und gerade für Frauen ist es interessant, sich damit auseinanderzusetzen und bestimmte Bereiche zu suchen, mit denen sie sich identifizieren können.“

Für sich selbst hat die Berlinerin in ihrer strengen und fachlich sicheren Verhandlungsart einen Weg gefunden, um dem männlichen Gegenüber zu begegnen. Was sie sich jedoch für die Zukunft wünscht, ist mehr gegenseitige Bestärkung unter Frauen. „Wir müssen mehr zusammenhalten. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch oft mit Freunden diskutiere. In Sachen Zusammenhalt können wir uns noch eine Scheibe von den Männern abschneiden, ich finde, das machen sie oft sehr viel besser. Wir sollten bei- und füreinander da sein, zusammenarbeiten, sowohl im Beruflichen, wie auch im Privaten. Dann könnten wir stärker sein. Das wünsche ich mir von Frauen in Deutschland.“
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