Ist kosmetische Gesichtsakupunktur die natürliche Botox-Alternative?

Photo: Via @barrefaeli
Der Wunsch nach natürlichen und sanften Beautytreatments scheint in den letzten Jahren immer größer geworden zu sein. Dazu hat sich in der Wellnessindustrie eine neue Strömung etabliert: Ganzheitliche Konzepte sind nachgefragter denn je. Schönheit ist nicht mehr länger nur eine Sache von Cremes, Masken und Make-up, sondern vielmehr das Zusammenspiel aus Essen, Bewegung, mentaler Gesundheit und Entspannung. Klar besteht nach wie vor der Botox-Trend, der alles andere als natürlich ist; der aufgepolsterte „Frozen Face“-Look ist immer noch weit verbreitet. Aber daneben gibt es mittlerweile auch natürliche Alternativen für eine frische, jung aussehende Haut. Eine immer beliebtere Methode ist kosmetische Gesichtsakupunktur. Stars wie Kim Kardashian und Model Bar Refaeli wurden schon mit den feinen Nadeln im Gesicht gesehen, und auch Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston, Madonna und Angelina Jolie sollen Fans des Treatments sein. Aber was steckt eigentlich dahinter und wie wirksam ist es tatsächlich?
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Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist eine 3.000 Jahre alte, traditionelle Heilmethode aus der chinesischen Medizin. In Deutschland wird sie vor allem zur Schmerztherapie angewandt, sie soll aber beispielsweise auch gegen Allergien, Magen-Darm-Problemen, Arthritis und Menstruationsbeschwerden helfen. 2003 erkannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Akupunktur offiziell als medizinische Behandlung an. Dabei werden ultradünne Nadeln an bestimmten Akupunkturpunkten in die Haut gestochen. Das hört sich erstmal nicht besonders angenehm an, soll aber entspannend sein. Die Idee aus der chinesischen Medizin ist, dass mit Hilfe von Akupunktur Blockaden der Lebensenergie Qi, die durch den Körper fließt, aufgehoben werden.

Was ist kosmetische Gesichtsakupunktur?

Seit einiger Zeit wird untersucht, welche Vorteile kosmetische Akupunktur bieten kann. Die Resultate sind vielversprechend. Im International Journal of Clinical Acupuncture erschien bereits 1996 ein Bericht, in dem 90 Prozent einer Testgruppe von 300 Behandelten aussagten, sie hätten schon nach einer einzigen Gesichtsakupunktursitzung positive Effekte gespürt. Diese beinhalteten eine gesteigerte Elastizität der Gesichtsmuskeln, geebnete Falten und ein insgesamt verjüngertes Aussehen.
Um mehr zu erfahren, habe ich mit der Akupunkteurin Jo Curle gesprochen. Sie erklärt: „Gesichtsakupunktur hilft jede*m, egal ob Mann oder Frau, der*die sich ein jünger aussehendes Hautbild wünscht.“ Die Kollagenproduktion lässt in der Regel ab dem 26. Lebensjahr nach und bald darauf zeigen sich erste Alterungserscheinungen der Haut. „All die Momente unseres Lebens, in denen wir gestresst, besorgt oder wütend sind, manifestieren sich früher oder später in unseren Gesichtern. Dazu kommt die Schwerkraft, die dazu führt, dass die Kieferpartie, die Haut um die Augen und die Gesichtsmuskeln herabsacken. Und dann sind da noch Umweltfaktoren und Luftverschmutzung, die außerdem dazu führen, dass unsere Haut über die Zeit an Strahlkraft verliert.“
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Tatsächlich sieht Jos 40 Jahre alte Haut besser aus als meine mit 27. Auf die Frage, wie sie zu Botox steht, antwortet sie: „Botox ist ein Gift, das schlichtweg noch nicht lange genug getestet wurde, um sicher sagen zu können, was die Langzeitfolgen sind. Kosmetische Gesichtsakupunktur hingegen ist ein sanftes Treatment und beinhaltet keinerlei Giftstoffe. Ein Behandlungszyklus verläuft über mehrere Wochen. In den Pausen zwischen den einzelnen Sitzungen hat der Körper Zeit, Kollagen aufzubauen und sich von innen heraus selbst zu verjüngen.“ Außerdem erzählt sie mir, dass die Behandlung auf die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Patient*innen zugeschnitten wird. „Wir wissen, dass es beim Anti-Aging nicht nur um Falten geht. Absackende Haut in der Wagen- oder Kiefergegend und geschwollene Augen sorgen auch für ein weniger jugendliches Aussehen. Indem wir diese Bereiche mit Hilfe von feinen Nadeln sanft „zurückstecken“, straffen wir die Muskeln. Anders als Botox frieren wir die Muskeln nicht ein, sondern versuchen vielmehr, sie wieder zum Arbeiten zu bringen.“

Wie funktioniert kosmetische Gesichtsakupunktur?

Ich frage Jo, wie genau Gesichtsakupunktur funktioniert. Sie erklärt mir, dass diese aus drei Teilen besteht. „Zunächst werden ultrafeine Nadeln in bestimmten Akupunkturpunkten platziert. Das hat mehrere Effekte: Die Gesichts- und Halsmuskeln werden aktiviert und sollen sich somit anheben. Außerdem soll die Blut- und Lymphzirkulation angeregt werden. Das hat zur Folge, dass das Hautbild ebenmäßiger erscheint, Rötungen verschwinden und die Haut einen jugendlichen Glow bekommt. Das hilft zum Beispiel auch bei Akne. In einem zweiten Behandlungsschritt werden Mikronadeln in Stirnrunzeln und Falten gestochen. Das sorgt an diesen Stellen für einen winzigen Schock, der dazu führt, dass der Körper stimuliert wird und Kollagen an diese Stelle schickt. So wird die Falte sanft von innen aufgepolstert. Hier werden die Selbstheilungskräfte der Haut aktiviert, deren Wirkung dann an die Oberfläche treten. Das verbessert den Sauerstofffluss und stimuliert die Mikrozirkulation der Haut, sodass diese besser mit Nährstoffen versorgt wird und zelluläre Abfallprodukte schneller abtransportiert. Schlussendlich werden dann noch weitere Akupunkturpunkte am ganzen Körper angesprochen, damit die allgemeine Gesundheit gesteigert und Stress reduziert wird. Auch das führt zu einem erholten Look und strahlenden Augen. Ich habe auch schon öfter erlebt, dass Menschen, sobald sie sich besser fühlen, auch besser auf sich achten. Dann trinken sie zum Beispiel ganz von alleine mehr Wasser.“
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Nach jeder Sitzung trägt Jo außerdem per Gesichtsmassage eine Mischung aus ätherischen Ölen und Bio-Mandelöl auf. Das regt die Durchblutung zusätzlich an und verleiht der Haut einen Glow. Danach benutzt sie ein Instrument, das Ähnlichkeit mit einem abgerundeten, flachen Kieselstein hat, um damit mit sanftem Druck die Meridiane abzufahren. Die Technik heißt Gua Sha. Es folgt ein zartes Gesichtsschröpfen. Zum Schluss trägt Jo dann Arnica-Creme mit einem Jaderoller auf. „Das beugt blauen Flecken vor, die zwar nicht häufig passieren, aber mal vorkommen können.“
Photo: Fairfax Media/Getty Images

Tut Gesichtsakupunktur weh?

Was die Schmerzen angeht, sagt Jo: „Die Mikronadeln können schon etwas zwicken, aber wenn man die Resultate sieht, lohnt sich das kurze unangenehme Gefühl.“ Ich spreche mit Claire, einer Patientin von Jo. „Der Gedanke, Dutzende Nadeln im Gesicht stecken zu haben, hört sich erstmal nicht besonders reizvoll an. Aber sobald sie einmal drin sind, fühlt es sich wirklich sehr entspannend an. Und die Behandlung wirkt tatsächlich verjüngend.“
Realistisch können Patient*innen ab der dritten Sitzung mit Resultaten rechnen. Deswegen werden bei Jo immer direkt sechs bis zehn Behandlungen auf einmal gebucht. „Kosmetische Gesichtsakupunkur ist kein Facelift. Wir ziehen nicht einfach nur die Muskeln zurück. Da das Verfahren natürlich ist und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert, braucht es einige Zeit, bis die Resultate sichtbar werden. Der Schlüssel zu guten Ergebnissen ist hier, am Ball zu bleiben. Wenn man einmal die Woche eine Sitzung durchführt, ergibt sich irgendwann ein Schneeballeffekt. Das Kollagen baut sich Schritt für Schritt wieder auf.“

Für wen eignet sich das Treatment?

Jo sagt, dass das ideale Alter, um mit Gesichtsakupunktur zu starten, Mitte 30 ist. Aber unter Jos Patient*innen sind auch schon einige Menschen in ihren Zwanzigern, die mit ihrer Haut und den ersten Falten unzufrieden sind. Eine Patientin, Emily, berichtet: „Besonders meine Kinnpartie hat sich durch die Akupunktur gestrafft. Meine Haut sieht generell frischer aus, meine Augen strahlen und erste Fältchen sind weniger auffällig.“

Wie teuer ist kosmetische Gesichtsakupunktur & wie lange hält das Resultat?

In Deutschland wird das Verfahren vor allem von Naturheilpraktiker*innen angeboten. In der Regel werden zehn Sitzungen empfohlen, die im Paket zwischen 600 und 800 Euro kosten. Dabei erfolgt zunächst häufig ein circa 90-minütiger Ersttermin, bei dem die Haut untersucht und das weitere Vorgehen besprochen wird. Die folgenden Akupunktursitzungen dauern dann zwischen 45 und 60 Minuten. In der ersten Zeit erfolgen die Sitzungen bis zu zweimal wöchentlich, je nach Reaktion der Haut dann einmal wöchentlich und nach der ersten Komplettdurchführung einmal im Quartal.
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