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Warum ich mir meine Nase nicht mehr schmaler schminke

Foto: freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Escher Walcott.
Vom fragwürdigen Fox-Eyes-Look bis hin zu verschiedenen Tricks, um Lippen praller aussehen zu lassen – wie sehr Make-up unser Aussehen verändern kann, ist erstaunlich. Mit einem bestimmten Schminktrend habe ich aber so meine Schwierigkeiten.
Die Nase mithilfe von Contouring kleiner zu schminken, ist eine beliebte Methode, bei der durch Schattieren und Hervorheben die Illusion schmalerer Gesichtszüge entsteht. Sie ist bei Make-up-Künstler:innen und Beauty-Fans im Internet sehr beliebt. Als Schwarze Frau, die von Natur aus eine eher breite Nase hat, hatte ich wegen ihres Aussehens seit Langem schon meine Unsicherheiten.
Jahrelang wurden wir gesellschaftlich darauf konditioniert, zu glauben, dass schmale Nasen begehrenswert und attraktiver seien. Im Laufe der Geschichte wurden die zierlichen Gesichtszüge von Filmstars wie Audrey Hepburn, Grace Kelly und anderen klassischen, weißen Schönheiten bewundert. Die Schwarzen Schauspielerinnen, die in dieser Zeit den Durchbruch in der Filmbranche schafften, hatten in der Regel ebenfalls europäisch anmutende Gesichtszüge. Denk nur mal an Dorothy Dandridge und Lena Horne, deren Äußeres in einer zurückweisenden Gesellschaft als ansehnlicher empfunden wurde. Seitdem wurden Schwarze Frauen dazu angehalten, sich an eurozentrischen Schönheitsstandards zu orientieren. Einige Stars wurden sogar dazu ermutigt, die Form ihrer Nase durch Schönheitsoperationen dauerhaft zu verändern.
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Foto: freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Escher Walcott.

Gegend lebte. Als junge Erwachsene und als das Posten von Selfies auf Instagram zur Normalität wurde, fing das Aussehen meiner Nase an, mich am meisten zu stören. Ich verlor mein Selbstvertrauen und empfand meine Nase als einen Schönheitsmakel.

Auf TikTok hat der Hashtag #nosecontour 549,7 Millionen Views, Tendenz steigend. Influencer verwenden Puder, Concealer und Creme-Bronzer, um ihre Nasen kleiner erscheinen zu lassen. Vor Jahren veranlasste mich dieser Trend dazu, Contouring selbst auszuprobieren. Als junge Schwarze Frau hatte diese Technik aber einen sehr seltsamen Beigeschmack. Markante Nasen wie meine gab es in den Medien nicht zu sehen. Stattdessen galt ein Stupsnäschen als das Nonplusultra. An dieser Stelle muss ich natürlich auch das inzwischen berühmte Bild von Kim Kardashians konturiertem Gesicht erwähnen, das 2014 auf Instagram gepostet wurde. Dieses Bild hat mit großer Wahrscheinlichkeit die Begeisterung fürs Nasenkonturieren bei uns allen ausgelöst.
Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen konturieren ihre Nasen. Dass darunter vielen Schwarze Frauen sind, bereitet mir aber Kopfschmerzen. Und warum? Dieser auf die Nase fokussierte Schönheitsstandard ist in weißen Schönheitsidealen verwurzelt. Dieser Make-up-Trend hat viele Schwarze Frauen – mich eingeschlossen – dazu veranlasst, zu versuchen, unsere Gesichtszüge umzuformen und kleiner aussehen zu lassen. Was mit dieser Methode assoziiert wird, ist unheimlich. Es wird suggeriert, dass dieser Look die einzige akzeptable Art und Weise sei, wie wir uns online oder im wirklichen Leben präsentieren können. Damit wird uns mittels einer traurigen Botschaft vermittelt, wie wir auszusehen haben.
Auf TikTok und Instagram gibt es unzählige Make-up-Tutorials, die von Schwarzen Frauen unter den Hashtags #melaninmakeup und #blackgirlmakeup gepostet werden. Viele dieser Tutorials zeigen Schwarze Frauen, die ihren Nasenrücken mit Concealer schminken, um ihre natürlichen Gesichtszüge zu kaschieren. Unzählige nicht-Schwarze Beauty-Influencer wie Patrick Starrr und Carli Bybel folgen ebenfalls dem Nasen-Contouring-Trend. Da ist es keine Überraschung, dass diese Technik irgendwann auch zu einem wichtigen Teil meiner eigenen Make-up-Routine wurde. Ich schattierte meinen breiten Nasenrücken und umhüllte meine breite Nasenspitze mit leichten Concealer-Linien, wobei ich die Vorgehensweise Schritt für Schritt und akribisch genau nachahmte. Am Ende war ich aber ehrlich gesagt enttäuscht. Meine Nase sah damit wie ein Fremdkörper in meinem Gesicht aus.
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@jasadetunji #stitch with @elliezeiler i think i used a bit too much 😭 but it still looked good! using the @nyxcosmetics epic wear liner stick in “pure white” 🤍 #makeuptrend #nosecontour #blackmua #darkskinmakeup #fypシ ♬ original sound - jasmine adetunji

Im Nachhinein betrachtet hat das unangenehme Gefühl, das ich hatte, als ich meine Nase zum ersten Mal konturiert sah, zu einer positiven Veränderung in meinem Leben geführt. Ich beschäftigte mich damit, wie ich meine Gesichtszüge schminken wollte. Ich erkannte, dass ich durchs Konturieren etwas kaschiere, das mich auszeichnet.

Die ungesunde Vorstellung, dass meine Nase schmaler sein sollte, nährte den Komplex, den ich ohnehin schon seit meiner Kindheit wegen ihrer Form hatte. Als junges Mädchen stach meine Nase aus der Masse kleinerer Nasen hervor, da ich in einer überwiegend weißen Gegend lebte. Als junge Erwachsene und als das Posten von Selfies auf Instagram zur Normalität wurde, fing das Aussehen meiner Nase an, mich am meisten zu stören. Ich verlor mein Selbstvertrauen und empfand meine Nase als einen Schönheitsmakel.
Als heranwachsende Frau, die dem zunehmenden Einfluss der sozialen Medien auf gesellschaftliche Schönheitsideale ausgesetzt war, nahm mein Selbstbewusstsein stetig ab. Anstatt mein Gesicht auf Selfies aus allen Winkeln zur Schau zu stellen, verzichtete ich darauf, direkte Aufnahmen von meinem Gesicht zu machen. Stattdessen neigte ich auf Fotos unbewusst meinen Kopf zur Seite, um meine Nase kleiner aussehen zu lassen.
Denselben Schönheitskomplex, den ich geerbt habe, haben heute viele Schwarzen Frauen, da wir weiterhin von Make-up-Tutorials beeinflusst werden, die das Aussehen unserer Nasen durch Konturierung verändern. „Nasen-Contouring für Schwarze Girls“, heißt es in der Überschrift vieler TikTok-Videos, in denen erklärt wird, wie jemand seine:ihre Nase mithilfe von Make-up optisch schmaler aussehen lassen kann. Auch die Methode, die von dem Look der Sängerin SZA inspiriert ist, ist bei Schwarzen Frauen auf dieser Plattform sehr beliebt. Nasen-Contouring ist eine mittlerweile so tief verwurzelte Praxis, dass sie sich wie ein natürlicher Teil einer Make-up-Routine anfühlt.
Die sozialen Medien beeinträchtigen unser Selbstvertrauen in Sachen Aussehen immens. Laut einer Umfrage des Ausschusses für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter, die 2020 durchgeführt wurde, fühlen sich 69 Prozent der Befragten, die entweder Schwarz oder asiatisch sind oder einer ethnischen Minderheit angehören, nie oder nur selten auf sozialen Plattformen vertreten. Wenn eine Person ihr Äußeres nur mit eurozentrischen Idealen vergleichen kannst, ist das problematisch. Diese Umfrage hat gezeigt, dass die Unter-18-Jährigen glauben, dass Bilder, die sie in den sozialen Medien sehen, Einfluss darauf haben, wie sie über ihr Aussehen denken. In dieser Gruppe war Instagram die beliebteste Social-Media-Plattform zum Zeitpunkt der Befragung.
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Im Nachhinein betrachtet hat das unangenehme Gefühl, das ich hatte, als ich meine Nase zum ersten Mal konturiert sah, zu einer positiven Veränderung in meinem Leben geführt. Ich beschäftigte mich damit, wie ich meine Gesichtszüge schminken wollte. Ich erkannte, dass ich durchs Konturieren etwas kaschiere, das mich auszeichnet. Ich habe verstanden, dass ein Trend, der nicht zu mir passt, vielleicht auch ganz einfach nichts für mich ist.
Ausgelöst durch Fenty Beautys Debut im Jahr 2017 und fortgesetzt durch Marken wie Sharon Chuters UOMA Beauty, wird Inklusivität in der Schönheitsbranche immer mehr Platz eingeräumt. Die vielfältigen Gesichter Schwarzer Frauen werden endlich in den Vordergrund gerückt. Sie werden anerkannt und durch Make-up hervorgehoben – nicht versteckt. Darüber hinaus wird in Beauty-Kampagnen von Dove bis Skin Proud allmählich auf unsere unterschiedlich proportionierten Gesichtszüge aufmerksam gemacht. Diese längst überfällige Diversität fiel damit zusammen, dass ich lernte, mein eigenes Aussehen zu akzeptieren. Ich wollte mich nicht an frühere Ideale anpassen. Deshalb habe ich das Konturieren in einem Akt echter Akzeptanz mir gegenüber ganz sein lassen.
Glücklicherweise habe ich in den letzten Monaten eine neue positive Entwicklung in den sozialen Medien beobachtet, wenn es um die allgemeine Einstellung zum „perfekten“ Gesicht geht. Ungefilterte Selfies und Schnappschüsse, die unsere einzigartigen Gesichtszüge aus allen Blickwinkeln festhalten, ersetzen langsam aber sicher „makellose“ Fotos. Stars wie Doja Cat, Lizzo und Zendaya haben immer wieder Aufnahmen geteilt, die sie in diesem Licht zeigen. Damit bauen sie die restriktiven Schönheitsstandards ab, die Schwarzen Frauen in den sozialen Medien auferlegt worden sind. Indem sie Bilder von sich in ihrer ganzen natürlichen Pracht posten, schaffen sie ein realistisches Umfeld, das Instagram-Usern unglücklicherweise bisher zum Großteil vorenthalten blieb.
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@mayaherykah There’s no way you guys actually like that tiny strip of a nose contour #blackgirltiktok #blackgirls #blackgirlmakeup #rant ♬ original sound - Mayah Erykah
Obwohl die jüngere Schwarze Generation immer noch fragwürdigen, idealistischen Bildern ausgesetzt ist, wenn sie durch ihre Timelines scrollt, macht es einen Unterschied, wenn Promis, Beauty-Brands und sogar gewöhnliche Influencer den richtigen Eindruck vermitteln. Ich habe festgestellt, dass der Nasen-Contouring-Trend in den sozialen Medien nachlässt. Obwohl es noch viele Schwarze Frauen gibt, die diese Technik weiterhin anwenden, lässt der Hype zum Glück allmählich nach.
Mayah Erykah macht diesen Standpunkt in einem viralen TikTok-Video deutlich, indem sie sagt: „Ladies, ich denke, dass es ein Thema gibt, über das wir uns unbedingt ein wenig unterhalten sollten: Viele Make-up-Künstler:innen schminken die Nasen von Mädchen und Frauen kleiner und ich denke, es ist an der Zeit, dass wir dieser Sache ein Ende setzen. Dafür sollten sie alle in den Knast. Genug ist genug. Wir sind Schwarz, also haben wir eine Schwarze Nase […] Bin ich die Einzige, die das stört?“ Eine Reaktion darauf lautete: „Knast, echt jetzt? 😂😂😂 Um ehrlich zu sein, ist das nicht jedermanns Sache… Wir müssen unsere natürlichen Züge annehmen.“ Eine andere Person machte folgenden Kommentar: „Ich konturiere meine Nase nicht. Basta!!!!!!!! Ich bin Schwarz und meine Nase soll auch Schwarz sein.“
Ich persönlich finde es gut, dass andere Leute Nasen-Contouring ebenfalls in Frage stellen. Unsere Nasen sind perfekt, wie sie sind – egal, was für einen Hintergrund du auch haben magst.
Da Schwarze Frauen weiterhin ihre natürlichen Gesichtszüge selbstbewusst in den sozialen Medien zur Schau stellen, glaube ich, dass wir es schaffen können, uns nicht mehr für unsere Nasen zu entschuldigen oder deren Form zu verbergen. Es liegt an den Personen außerhalb der Schwarzen Gemeinschaft, die von ihnen gesetzten Standards abzuschaffen. Genauso müssen Schwarze Frauen die strengen Schönheitsvorschriften, die sie für sich selbst geschaffen haben, aufbrechen und neu aufbauen. Wir müssen umdefinieren, was uns schön macht.

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