Dieses unbekannte Brand aus Budapest erobert jetzt Instagram

Directed by Chantal Anderson
Nanushka ist dir bestimmt schon mal auf Instagram begegnet. Die Marke aus Budapest hat mehr als 114.000 Follower und die tragbaren Stücke in zeitgenössischen Schnitten und femininen Silhouetten werden zum Beispiel von Einkäuferin Tiffany Hsu und Influencerinnen wie Marta Cygan und Camille Charriere getragen. Nanushka wurde gerade erst von Net-A-Porters Lisa Aiken bei einer Trendpräse hervorgehoben und hat im Februar bei der New York Fashion Week die Street Styles geprägt.
Die Marke von Sandra Sandor gibt es tatsächlich schon seit über einem Jahrzehnt, denn Sandor hat sie nach ihrem Abschluss am London College of Fashion 2005 gestartet. Vor kurzem ist Nanushka den Einkäufer*innen von Net-A-Porter und Browns aufgefallen. Immerhin passt Nanushka hervorragend zu Marken wie Ganni, Rixo und Staud. Sie alle liefern hohe Qualität, stylishe wie tragbare Teile im mittleren Preissegment.
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Kurz vor dem Launch der neuen Pre-Fall-Kollektion haben wir uns mit Sandor getroffen, um die besten Orte in Budapest zu entdecken, um zu erfahren, warum veganes Leder für ihre Arbeit als Designerin so wichtig ist, und um sie zu fragen, wie es ist, ein Familiengeschäft zu leiten.
Foto: Nanushka
Refinery29: Du hast in London studiert. Was liebst du an der Kreativszene hier?
Sandra Sandor: Die Freiheit der Stadt hat mir dabei geholfen, meinen Stil zu finden. Das war in Budapest ganz anders. Die Leute trauen sich, ihrer Persönlichkeit mit Mode Ausdruck zu verleihen. In Budapest sind alle viel zurückhaltender.
Wo hast du in London rumgehangen, um dich inspirieren zu lassen?
Ich habe in der Ecke um Little Venice gewohnt. Es ist wunderschön dort, auch wenn London so groß ist und ein Melting Pot für so viele Kulturen darstellt. Dieser Einfluss zieht sich auch durch meine Kollektionen, wenn die Einflüsse verschiedener Kulturen aufeinandertreffen.
Wie ist Nanushka entstanden?
Als ich an meiner Abschlusskollektion arbeitete, fühlte ich mich plötzlich bereit eine eigene Marke zu starten. Als ich diese Entscheidung traf, entschied ich mich bewusst dagegen, Erfahrungen bei größeren Marken zu sammeln, wie es andere Studenten und Studentinnen tun. Ich bin aus London zurückgekommen und habe sofort an meiner eigenen Kollektion gearbeitet.
Foto: Nanushka
Foto: Nanushka
Deine Kollektionen hängen jetzt bei Net-A-Porter und Browns. Wie kam es dazu?
In den ersten sieben Jahren haben wir vor allem an lokale Stores und Kund*innen verkauft. 2012 ist der internationale Markt auf uns aufmerksam geworden, trotzdem blieb es noch recht ruhig.
Ende 2016 ist Peter, mein Geschäfts- und Lebenspartner, als CEO bei Nanushka eingestiegen und so wurde ein Familiengeschäft daraus. Wir haben uns dazu entschieden, eine ambitioniertere Strategie anzugehen und uns auf internationale Märkte auszuweiten.
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Ich habe diese Zeit gebraucht, um meine Vision und meinen Ethos zu formen. Ich musste meine Stimme finden. Der Markt hat begriffen, dass wir als Brand bereit sind.
Was bedeutet der Name der Marke?
Das war mein Spitzname als Kind! Mein Name ist Sandra, also eigentlich kurz Sandy. Daraus wurde Nany und weil ich Sandy nicht aussprechen konnte, hat mein Vater angefangen, mich Nanushka zu nennen.
Foto: Nanushka
Warum ist Funktion wichtig für euch als Brand?
Es soll eine Brücke zwischen intuitivem und funktionalem Design entstehen. Die Kleidungsstücke, die zu Dauerbrennern werden, sind meist auch die, in denen wir uns absolut wohlfühlen.
War es immer dein Plan, in deine Heimatstadt Budapest zurückzukehren?
Ja, denn hier habe ich Familie und Freund*innen, deren persönliche und professionelle Unterstützung mir immer sehr wichtig war. Die Stadt ist meine Heimat. Hier lebe ich mit Peter. Außerdem haben wir hier unseren ersten Concept Store – den Nanushka Store & Café – eröffnet. Dort findet man alles, was ich an Budapest und der Welt liebe.
Was sollte man sich in Budapest nicht entgehen lassen?
Eines meiner Lieblingsrestaurants ist Fama. In diesem neuen, modernen Etablissement trifft Eleganz auf zeitgenössische Küche und Kreativität mischt sich mit einer entspannten Attitüde. Krisztian Huszar kombiniert ungarische Küche mit exotischen Gewürzen und asiatischen Einflüssen.
Außerdem gibt es wunderschöne Berge, nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt. Alle konzentrieren sich nur auf die Hauptstadt, kaum jemand besucht die Budaer Berge. Das ist eine Schande, denn es ist ein wunderbarer Ort mit tollen Wanderwegen.
Foto: Nanushka
Foto: Nanushka
Inspiriert dich Ungarn bei deinen Designs?
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Als Designerin treibt es mich an, eine Brücke zwischen kulturellen Referenzen aus verschiedenen Zeiten und Orten herzustellen. So schafft man eine Balance und Harmonie zwischen den Kulturen. Ich bin in Budapest aufgewachsen. Die Stadt war immer eine Verbindung zwischen Ost und West. Diese Dualität hat meine Persönlichkeit und meine Vorstellung von Ästhetik geformt. Die Stadt wurde von so unterschiedlichen Kulturen beeinflusst: vom osmanischen Reich und der germanischen Einwanderung über die lebhafte Belle Époque zur Jahrhundertwende bis zur kommunistischen Zeit Mitte des 20. Jahrhunderts.
Du verwendest veganes Leder. Wie wichtig ist das für deine Arbeit?
Veganes Leder ist nicht nur tierfreundlich, sondern schützt auch unseren Planeten. Viele Menschen vergessen, wie giftig es ist, Leder zu gerben.
Viele große Designer verzichten jetzt auf Fell. Wie wird diese Entwicklung weitergehen?
Ich denke, die Modebranche verändert sich gerade sehr. Auch um der Welt weniger Schaden zuzuführen.
Kürzlich hast du dich mit Ellen MacArthurs Foundation für nachhaltigere Mode zusammengetan. Welche Rolle spielst du darin?
Mode ist die zweitgrößte Industrie, die die Welt mit Müll verschmutzt. Die EMF will die Umwelt schützen und die Welt zu einem besseren Ort machen. Es ist toll eine Partnerin zu sein, denn hier tun sich Marken zusammen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. So können mehr zertifizierte Materialien verwendet und die Verbindungen zu den Produzenten können hergestellt werden.
Foto: Nanushka
Foto: Nanushka
Wie würdest du die Nanushka-Frau beschreiben?
Sie ist ein moderner Mensch, der respektvoll mit dem Leben und den Kulturen anderer umgeht, den Planet wertschätzt und selbstbewusst zur eigenen Weiblichkeit steht. Sie traut sich ihrem Stil Ausdruck zu verleihen. Sie mag Funktionalität, weiß aber auch Spiritualität zu schätzen.
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Was meinst du damit, dass Nanushka eine neue informelle Schönheit zelebriert?
Ich glaube daran, dass man sich wohlfühlt, wenn man sich schön und frei fühlt. Kleidung sollte das bestärken und nicht einschränken. Dieser Geisteszustand inspiriert mich, wenn man fast so naiv ist wie ein Kind.
Was kommt als nächstes für eure Marke?
Es liegt ein aufregendes Jahr hinter uns. Nach der Präsentation zur New York Fashion Week haben wir unseren neuen Budapest Flagship Store mit Café eröffnet und im April haben wir Nanushka mit Platform nach Los Angeles gebracht. Als nächstes freuen wir uns auf unseren ersten festen Store in New York oder London.
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