Die BFW im Umschwung: Das sagt die Branche zu den Neuerungen der kommenden Saison

Die Fashion Week Berlin ist vorbei und nicht wenige von uns haben das Wochenende genutzt, um wieder ein wenig auf dem Boden der Tatsachen anzukommen, alles Gesehene zu sortieren und zu verdauen und ein paar Mode- und Branchenfreie Tage zu genießen. Was bleibt nach fast fünf Tagen Modetrubel, Trendvorschau und viel Businesstalk? Optimismus! Berichteten viele Medien, darunter auch wir, berichteten vorab vom Ausstieg des größten Sponsors (und Namensgeber) der Fashion Week Berlin. Ab Januar 2018 also nicht mehr Mercedes-Benz Fashion Week, sondern nur noch Fashion Week.
Fakt ist: Dieser Umstand bereitete niemandem während der vergangenen Woche wirkliche Magenschmerzen. Wurde vorab schon etwas marktschreierisch das Ende des Modestandorts Berlin befürchtet, war davon vergangene Woche keine Rede mehr. Vielmehr sahen es die Besucher als Chance für Berlin, wieder den Fokus auf gutes Design und Förderung von Talenten zu legen. Zu viel Show, zu viel Brimborium und zu große Präsentationen, die die Kollektionen der bisweilen noch recht kleinen Marken nicht gewachsen waren, ließen die Mode vor lauter Eindrücken in den Hintergrund rücken.
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Konzepte, die junge Designer fördern, geschmackvoll und konzentriert präsentiert, werden auch in einer lauten Partystadt wie Berlin mit Wohlwollen aufgenommen. Sicher auch dies einer der Gründe, weshalb Mercedes-Benz nun ebenfalls auf Nachwuchsförderung setzt. Denn als offizieller Partner ist der Autohersteller nun dem Berliner Mode Salon sowie dem Fashion Council Germany verbunden. Wir haben uns vergangene Woche umgehört, mit Designern, Bloggern, Redakteuren und Branchenkennern gesprochen und nachgefragt, wie sie die Neuerungen wahrnehmen und welche Chancen sie für Berlin sehen.
Marie Jaster, Redakteurin von Journelles.de findet, dass es eine riesige Chance für Berlin ist, dass Mercedes-Benz nun nicht mehr der Hauptsponsor ist. Zumal sie sich ja weiterhin beim Fashion Council Germany engagieren. Ein großes Unternehmen bringe zudem auch immer Show und Richtlinien mit. Ihr Wunsch? Die gezielte Förderung von kleineren Designern, die wieder mehr Farbe und Meinung nach Berlin bringen. Designer William Fan hat mit seinen innovativen Entwürfen und seinen saukomischen und immer wieder überraschenden Präsentationen einen festen Platz im Modeherzen der Menschen reserviert. Er zeigt zum dritten Mal im Mode Salon und ist überzeugt, dass Veränderungen Zeit brauchen. Die Presse ist immer schnell darin, zu urteilen, wodurch sich nicht zuletzt die Designer unter Druck gesetzt fühlten. Für William nehmen Konzepte wie Der Mode Salon die Geschwindigkeit aus der Branche und konzentrieren sich auf Qualität. Rianna + Nina aus Berlin entwerfen One of a kind-Pieces aus Vintagestoffen und gehören mit ihren farbenfrohen, hochwertigen Retro-Designs zu den neuen Lieblingen der Branche. Die beiden zeigten erstmals eine eigene Präsentation im Garten des Kronprinzenpalais und sind überzeugt davon, dass Berlin immer mehr in den internationalen Fokus rücken wird. Dies gibt allen Designern Selbstbewusstsein und die beiden sind stolz, ein Teil davon zu sein.
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Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus, geht davon aus, dass sie die Fashion Week Berlin jetzt noch stärker über die ganze Stadt verteilen wird. Es wird nicht mehr nur DAS Zelt (respektive Kaufhaus) geben, in dem alle Schauen stattfinden. Sondern viel mehr Side Locations, als es heute schon der Fall ist. Die Besucher der Messe müssen in Kauf nehmen, mobiler zu sein und öfter in ein Shuttle oder Taxi zu steigen. Dafür wird das Angebot hochwertiger und vielseitiger. Kai Margrander, Fashion Director bei Harper's Bazaar Deutschland findet den Fokus, wie er nun gesetzt wird, richtig. Die Fashion Week war irgendwann zu "aufgeblasen" mit Events und Shows. Hierfür, so Margrander, ist Berlin als internationaler Standort noch nicht wichtig genug. Das Label Mykke Hofmann, ehemals Holyghost, präsentierte auf der Fashion Week ganz schmerzfrei seinen Relaunch. Die Kollektion für kommenden Somme war so tragbar wie geschmackvoll. Für die Designerinnen Jelena Hofmann und Sedina Halilovic war es an der Zeit, ebenso wie die Modewoche erwachsener zu werden. Sie sehen die Fashion Week ebenfalls auf einem Weg Richtung mehr Sein und weniger Schein und freuen sich auf das, was kommt.
Arne Eberle, Agenturbesitzer und Berliner Mode-Urgestein findet ebenso, dass die Fashion Week Berlin sich selbst übernommen hat und kann den Schritt von Mercedes-Benz nachvollziehen. Dass es so gekommen ist, haben seiner Meinung nach alle kommen sehen. Malaikaraiss, zeigt seit 2010 auf der Fashion Week Berlin und sieht den anfänglichen Hype als verflogen. Dafür hat sich bei den Designern die Spreu vom Weizen getrennt und wir sehen durchweg starke Koollektionen, von denen keine ist wie die andere. Für sie ist die Kombination von Show und dem Zeigen im Mode Salon der beste Weg, die Idee der Designer rundum zu erfahren.
Beim Empfang des Fashion Council Berlin auf der Messe Premium sagte denn auch Bundesministerin Brigitte Zypries, dass das Augenmerk auf der Förderung von jungen Designerin liegen muss. Bisher ist noch eine zu große Zahl ins Ausland abgewandert. Sie sieht die Zulunft in maßgeschneiderten Förderprogrammen, die der Branche eine Zukunft verprechen. Nachhaltigkeit ist für sie ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Auf zu neuen Ufern in Berlin, also. Selten war die Vielfalt der gezeigten Kollektionen höher und wurde das Thema Förderung ernster genommen. Wir freuen uns auf zahlreiche neue Talente und frische Namen in der deutschen Mode und blicken ebenfalls hoffnungsvoll auf neue Saisons.
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