Bewerbungen schreiben während Corona: So klappt’s mit dem neuen Job

Foto: Franey Miller
Du bist für deinen nächsten Karriereschritt bereit? Vielleicht kommst du auch mit der Kurzarbeit finanziell nicht über die Runden, oder du wurdest möglicherweise sogar vor Kurzem entlassen? So oder so ist eines sicher: Du suchst gerade nach einem neuen Job. Unter den momentanen Umständen kann die Arbeitssuche aber ganz schön ernüchternd sein. Das Homeoffice ist das neue „Normal“. Aus diesem Grund finden Vorstellungsgespräche, Einschulungen und Onboarding-Prozesse nun ebenfalls virtuell statt. Auch das Networking ist nicht mehr das, was es vor Corona war, denn Kaffeeverabredungen und auch Meetings finden jetzt ausschließlich telefonisch oder auf Computerbildschirmen statt. Da die Arbeitslosenrate in vielen Ländern weltweit durch die Pandemie erheblich angestiegen ist, kann es in vielen Berufen wichtig sein, zu lernen, wie du dich auch virtuell von einer möglichen Konkurrenz bei der Arbeitssuche hervorheben kannst – und genau dazu haben wir ein paar Tipps.
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Michelle Tavares, Personalvermittlerin im Medienbereich mit mehr als sieben Jahren Berufserfahrung, sagt, dass dein Lebenslauf Arbeitgeber:innen einen klaren Einblick in deine aktuelle berufliche Situation geben sollte. Es muss also deutlich sein, wo du dich gerade befindest, ob es für dich möglich ist, von zu Hause aus zu arbeiten, und ab wann du verfügbar bist. Wenn du im Moment arbeitslos bist oder Kurzarbeit leisten musst, fällst du damit in diesen ungewöhnlichen Zeiten keinesfalls aus dem Rahmen. Deshalb brauchst du dich auch nicht für deine Lage zu schämen, erklärt Tavares gegenüber Refinery29. „Du brauchst nicht alle Details in deinem Lebenslauf darzulegen. Wenn dein Vertrag aber befristet ist oder du in Teilzeit arbeitest, lohnt es sich, diese Informationen anzugeben, damit die Personalabteilung deinen aktuellen Status Quo richtig einschätzen und somit besser nachvollziehen kann“, fügt sie hinzu.
Lücken im Lebenslauf sind während der Pandemie auch nicht selten. Nichtsdestotrotz wollen Arbeitgeber:innen sehen, was du mit dieser zusätzlichen Zeit angefangen hast. „Wenn du Kurse besucht, dir neue Kenntnisse angeeignet, eine neue Fertigkeit erlernt oder ein neues Zertifikat erworben hast, macht das einen guten Eindruck und wirkt sich auf jeden Fall vorteilhaft auf deine Bewerbung aus“, sagt Tavares. Das ist ihr zufolge auch der Fall, wenn diese Qualifikationen nicht unbedingt mit dem jeweiligen Job zu tun haben.
Wie bei jeder anderen zwischenmenschlichen Beziehung sollte auch die Kommunikation mit den neuen Arbeitgeber:innen vor allem transparent sein. Tavares betont, was für eine große Bedeutung Authentizität für sie beim Motivationsschreiben hat: „Ich möchte etwas erfahren, das ich noch nicht aus deinem Lebenslauf weiß. Es sollte etwas sein, das dich einzigartig macht und zeigt, dass du die nötige Erfahrung mitbringst, nach der die Arbeitgeber:innen für die jeweilige Position auf der Suche sind. Wenn du in deinem Anschreiben erwähnst, wie sich die Pandemie auf dein Berufsleben und deine Kompetenz ausgewirkt hat, und wie es dir gelungen ist, mit diesen Veränderungen zurechtzukommen, sie zu bewältigen oder vielleicht sogar zu Nutzen zu machen, ist dir meine Aufmerksamkeit sicher.“
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Anschreiben haben aber nicht für alle Arbeitgeber:innen die gleiche Bedeutung. „Zumindest in meiner Branche werden sie als sehr old-school empfunden. Für mich erfüllt der erste E-Mail-Kontakt die Funktion eines Anschreibens“, sagt Danielle Alvarez, Gründerin der PR- und Influencer-Marketing-Agentur The Bonita Project, gegenüber Refinery29. „Eine Präsentation für dein virtuelles Vorstellungsgespräch vorzubereiten, sehe ich eindeutig als ein großes Plus.“
Personalvermittler:innen erwarten, dass Bewerber:innen ihrer Kreativität mithilfe von Technologie Ausdruck verleihen und dazu bereit sind, alle neuen Fähigkeiten, die sie während der Pandemie zu Hause erworben haben, an den Tag zu legen. „So viele Aufgaben, die früher als unwichtig angesehen wurden, spielen jetzt eine große Rolle“, sagt Alvarez. „Da alle Diskussionsforen, Meetings und Veranstaltungen zur Zeit virtuell stattfinden, brauche ich jemanden, der technisch versiert ist. Diese Person soll genau wissen, wie man Plattformen wie Zoom, Google Hangouts und Microsoft Meetings nutzt, und das Beste aus ihnen rausholen kann.“
Sieh diese neu gewonnene Zeit also als eine Gelegenheit, um dir Fähigkeiten, die dir für eine bestimmte Position vielleicht noch fehlen oder hilfreich sein könnten, anzueignen. Indem du dich von zu Hause aus weiterentwickelst und fortbildest, nutzt du deine freien Stunden auf produktive Weise. Das werden auch Rekrutierer:innen bemerken und zu schätzen wissen. Für Video- und Fernsehproduzent:innen zum Beispiel könnte es sinnvoll sein, sich mit virtueller Produktion zu beschäftigen. Für Lehrer:innen könnte das Wissen darüber, wie man eine Schulklasse online beschäftigen kann, eine entscheidende Qualifikation sein, wenn du an einer Position in einer Schule, die Fernunterricht anbietet, interessiert bist. Für andere, zum Beispiel Mitarbeiter:innen in Personalabteilungen, ist es von großem Vorteil, wenn Kandidat:innen bereits Erfahrung mit dem Onboarding-Prozess von zu Hause aus haben oder sich einige damit verbundene Kompetenzen schnell zu eigen machen können. Wenn du also gerade an deinem neuen Lebenslauf feilst, solltest du sicherstellen, dass du all dein digitales Know-how – wie Zertifikate und Jobs, die deine Technikerfahrung belegen – am Anfang deines einseitigen Dokuments anführst. So ermöglichst du es Arbeitgeber:innen, dich in einer Rolle sehen zu können, die sich für unseren aktuell virtuellen Arbeitsalltag eignet.
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Momentan nehmen Unternehmen auch deine Soft Skills genauer unter die Lupe als sonst. Weil du nicht die Möglichkeit hast, dein Team persönlich zu treffen, ist es bei Vorstellungsgesprächen via Webcam wirklich wichtig, „du selbst zu sein“, erklärt Tavares. „Wir machen gerade alle das Gleiche durch. Wir sitzen also im gleichen Boot. Deshalb sind wir Rekrutierer:innen im Moment viel rücksichtsvoller und mitfühlender“, stellt sie fest. „Wir sind flexibler und verständnisvoller als gewöhnlich. Wenn du dich zu einem Zoom-Anruf verspätest, ist mir klar, dass du davor vielleicht Probleme mit deiner Internetverbindung oder dem Ton hattest. Früher hätte dich eine Verspätung bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch sofort disqualifiziert und dich den Job gekostet.“

Andererseit haben Personalreferent:innen laut Tavares jetzt möglicherweise höhere Erwartungen beim virtuellen Vorstellungsgespräch. Immerhin sitzt du bequem zu Hause und hast möglicherweise Post-its auf deinem Laptop kleben, auf denen du ein paar wichtige Punkte notiert hast, die du ansprechen möchtest. Außerdem wird auch erwartet, dass du besser vorbereitet bist, weil du deine vier Wände nicht verlassen musst und so mehr Zeit hast, noch einmal einen Blick auf deinen Lebenslauf zu werfen und darüber nachzudenken, wie du dich präsentieren möchtest.
Auch wenn einige Unternehmen derzeit einen Einstellungsstopp verhängt haben, kannst du dich immer noch bei den Personalvermittler:innen melden und dich vorstellen. So werden sie sich an dich erinnern, sobald eine Stelle frei wird. Konzentriere dich jetzt darauf, die Basis für deine berufliche Zukunft zu schaffen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Deine Bemühungen werden Rekrutierer:innen nicht entgehen und werden sich so schließlich auszahlen.
Wenn es dir dann gelungen ist, den Job an Land zu ziehen, solltest du dir vor Augen führen, dass sich der Onboarding-Prozess derzeit oft viel schwieriger gestaltet als sonst, weil einfach alles online passiert. Vor der Corona-Krise konnte das Einarbeiten dank persönlicher Treffen und Workshops möglichst reibungslos verlaufen. Unsere neuen Arbeitsumstände erschweren es aber, die bereits etablierte Unternehmenskultur unmissverständlich an neue Mitarbeiter:innen zu vermitteln. Aber selbst das kann etwas Gutes mit sich bringen: Alvarez sagt zum Beispiel, dass sie das Praktikumsprogramm ihrer Firma kürzlich ausgeweitet hat, sodass sich auch Personen, die weiter weg wohnen, bewerben können. Dafür sucht sie jetzt aber nach Praktikant:innen mit mehr Erfahrung. Online hat sie nämlich einfach nicht die Kapazität, Praktikant:innen so intensiv zu schulen, wie sie es sonst könnte.
Die Notwendigkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, hat den Arbeitsmarkt so verändert, dass Unternehmen im Moment viel eher dazu bereit sind, Mitarbeiter:innen aus anderen Städten oder Ländern einzustellen. Früher suchten die meisten großen Unternehmen in Haupt- oder Großstädten nach Kandidat:innen, die ihren Wohnsitz ebenfalls dort hatten. Das ändert sich jetzt aber. Der Kandidat:innen-Pool ist jetzt viel größer.
„In Zukunft wird der Bewerbungsprozess wahrscheinlich sowohl persönlich also auch virtuell stattfinden“ , erklärt Alvarez. „Dank all der Technologie, die uns heute zur Verfügung steht, muss diese Pandemie nicht das Ende deiner Jobsuche bedeuten. Du kannst also weiterhin die Karriereleiter hochklettern. Wir sind in der glücklichen Lage, uns neuen Entwicklungen anpassen und unterschiedliche Möglichkeiten nutzen zu können, Mitarbeiter:innen aus aller Welt einzustellen.“

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