Modetrends: Im Herbst/Winter 2020 dreht sich alles um Komfort

Vor einer Weile überlegten wir, welche Trends es im Herbst vom Laufsteg in den Mainstream schaffen würden. Gender-freie Fliegen – wie sie die Models bei Celine um den Hals trugen –, extragroße Gürtel, BDE (Big Dress Energy) und Leder waren einige der Themen, von denen wir im März noch dachten, sie würden in der goldenen Jahreszeit so richtig durchstarten. 
Doch in den letzten sechs Monaten hat sich viel geändert und das, was vor COVID-19 noch begehrenswert war, funktioniert jetzt nicht mehr unbedingt. Lederhosen mit Fransen, detailverliebte Statement-Kragen und Korsetts im Western-Stil wirken, so cool sie auch sein mögen, im Homeoffice irgendwie albern. Zum Glück hat die Herbstmode 2020 aber auch noch ein paar Trends in petto, die deutlich besser zur aktuellen Situation passen. 
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Von Paco Rabannes Julien Dossena bis hin zu Balenciagas Demna Gvasalia: Es ist fast so, als hätten die Designer*innen und Kreativen geahnt, dass da was auf uns zukommt. Oder wie erklärst du dir, dass sie genau wussten, wie dringend wir jetzt stoffgewordene Gemütlichkeit und tragbare Kuscheldecken brauchen? Wie sehr wir uns am liebsten im Bett verstecken und abwarten würden, bis diese Scheiß-Pandemie endlich überstanden ist. Haben sie vielleicht alle wirklich gute Wahrsager*innen? Oder eine Glaskugel? Eine Zeitmaschine?
Na gut: Wahrscheinlich haben sie einfach nur gedacht, im Herbst und Winter ist es kalt und ungemütlich, also versorgen wir die Menschen am besten mit wärmenden, superbequemen Styles. Dass wir dir in den nächsten Monaten wahrscheinlich eher beim Netflixen auf dem eigenen Sofa tragen werden und nicht im Café mit Freund*innen, konnte ja keiner ahnen. Wie dem auch sei. Im Folgenden zeigen wir dir die Modetrends des Herbsts 2020, die dich bestimmt dazu bringen werden, Sweatpants und Oversize-Shirt wenigstens ab und zu mal gegen ein etwas stylischeres Outfit einzutauschen – und wenns nur für einen Zoom-Call/eine virtuelle Cocktail-Hour mit deinen Mädels ist.
Photos Courtesy of Balenciaga, Chloé, Ganni.

Steppmode

Vor Corona trugen wir gesteppte Jacken als Comfort-Wear – an Tagen, an denen wir am liebsten im Bett geblieben wären, statt in aller Frühe im Halbdunkel und bei bitterkalten Temperaturen ins Büro zu gehen. Heute arbeiten einige von uns immer noch von zu Hause aus und müssen die Wohnung also gar nicht verlassen. Weil es sich eingekuschelt in eine Decke aber gar nicht mal so gut tippen lässt (glaub mir, ich hab's versucht – das dumme Ding verrutscht ständig und spätestens, wenn du aufs Klo musst, musst du die Decke ablegen und dann wird's kalt), ist so eine gesteppte Jacke aber gar nicht mal so unpraktisch! Und dann schauen dich der Postbote und deine Kolleg*innen im virtuellen Meeting auch nicht mehr so komisch an. Vorteil Nummer drei: In einer Steppklamotte kannst du problemlos kurz zum Bäcker oder in den Supermarkt gehen.
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Photos Courtesy of Marine Serre, Paco Rabanne, Acne Studios.

Teppich-Vibes

Mit kunstvollen Jacquard-Mustern – die du typischerweise auf Teppichen finden würdest – verzierte Kleidungsstücke von Acne Studios, Marine Serre, Paco Rabanne und Co. sind ein Muss für den Herbst. Ähnlich wie die weiten Steppmäntel sorgt ein Carpet-Mantel oder Kleid für ein Gefühl von Zuhause und Geborgenheit. Wenn du's richtig krachen lassen willst, wähle ein Teil aus luxuriösem Samt (wie Marine Serre) und style es mit schwerem, mittelalterlich wirkendem Schmuck (à la Paco Rabanne).
Photos Courtesy of Lacoste, Arthur Arbesser, Carolina Herrera.

Zweiteilige Sets

Zu Hochzeiten der Selbst-Isolation waren Loungewear-Sets das, was alle wollten. In manchen Shops waren sie sogar ausverkauft! Wenn du demnächst aber vom Homeoffice ins Büro ziehen kannst – oder du einfach keine Jogginganzüge mehr sehen kannst –, versuch's doch einfach mal einem etwas eleganteren Zweiteile. Keine Angst: Es muss nicht gleich ein steifer, förmlicher Anzug sein, denn es gibt auch deutlich bequemere Alternativen. Lacoste, Arthur Arbesser und Co. versorgen dich in diesem Herbst mit Optionen, die schicker als dein oller Trainingsanzug sind, aber dabei fast so bequem. Und sie lösen auch noch das Problem der morgendlichen Entscheidungsschwierigkeiten in Sachen Outfit-Wahl. Sollte der Pyjama-Trend nicht so dein Ding sein, empfehle ich dir eine Strick-Kombi aus Rollkragenpulli und passendem Maxirock à la Carolina Herrera. Stylischer und gemütlicher geht's gar nicht.
Photos Courtesy of Tod's, Gucci, Ganni.

Weite Schnitte

Einer der auffälligsten Trends im Herbst 2020, der „Untailored Look“ tauchte zuerst in Kopenhagen bei Gannis Fashionshow auf. Creative Director Ditte Reffstrup kombinierte einen Oversize-Nadelstreifenanzug mit einem Prärie-Kragen und Kreppsohlen-Gummistiefeln. Kurz darauf waren auch bei Preen (Dreiteiler im 70er-Jahre-Stil) und Margaret Howell (schwingende, mit Gürtel akzentuierte Hosen) in London weite Silhouetten zu sehen. In Mailand zeigte Alessandro Micheles Behind-the-Scenes-Gucci-Fashionshow ein Model mit karierter Hose, rosafarbener Satinbluse, Mesh-Handschuhen und Hipsterbrille. Tod’s Look ist da deutlich jungenhafter: Zum kamelfarbenen Oversize-Blazer und blauen Baggy-Pants kamen Sneaker und ein hellblaues Poplinehemd. Das tolle am Trend? Je weiter der Schnitt, desto gemütlicher das Arbeiten vom Sofa aus.
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Photos Courtesy of Rick Owens, Balenciaga, Marine Serre.

Das Ende der Welt

Ungefähr zur gleichen Zeit als Rick Owens, Marine Serre und Balenciaga ihre Herbstkollektionen präsentierten, wurden die ersten von uns schon leicht panisch. Welch Ironie also, dass ihre Kreationen und Shows vom Thema Weltuntergang inspiriert waren – ich sag nur unter Wasser gesetzter Laufstege und komplett schwarze Kulisse bei Balenciaga und intergalaktische Atmosphäre bei Marine Serre. Schon irgendwie gruselig alles. Na ja, wenigstens an die damals so weird oder bedrohlich aussehenden Masken haben wir uns ja mittlerweile alle gewöhnt... Was den Rest angeht: Bei Tageslicht betrachtet sind Statementschultern und schwarzes Leder doch gar nicht so angsteinflößend, oder? Eigentlich ziemlich cool, finden wir.
Photos Courtesy of Bottega Veneta, Jil Sander, Michael Kors.

Strick zu Strick

Strick im Herbst/Winter ist jetzt nicht gerade bahnbrechend innovativ. Aber irgendwie fühlen sich die kuscheligen Kreationen in diesem Jahr trotzdem fresher und cooler an als vorher! Vielleicht ist es auch einfach nur das dringende Verlangen nach Wärme, Gemütlichkeit und Sorgenfreiheit, das immer lauter in uns wird, aber die Designs von Daniel Lee (Bottega Veneta) und Lucie und Luke Meier (Jil Sander) sind genau das, was wir jetzt brauchen. Und weil die Strickpulli-plus-Jeans-Kombi vielleicht doch etwas zu langweilig ist, kombinieren wir in dieser Saison einfach Strick zu Strick (zu Strick).

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