Warum sprechen manche Kamala Harris’ Namen falsch aus? Rassismus.

Photo: Michele Eve Sandberg/Shutterstock.
Seit bekannt gegeben wurde, dass Joe Biden sie als Vizepräsidentin ausgewählt hat, haben negative Äußerungen über Kamala Harris in den Medien, wie zu abzusehen war, rasant zugenommen. So wurde sie beispielsweise mit rechten Kommentaren konfrontiert und von Trump “nasty“ genannt. Und das ist noch nicht alles: Ihr Vorname wurde und wird regelmäßig falsch ausgesprochen – von einigen, wie dem politischen Kommentator Tucker Carlon, sogar absichtlich. Aber warum ist das so? Schließlich steht Harris nicht erst seit gestern im Rampenlicht – bis vor Kurzem nahm sie selbst noch am Rennen um die amerikanische Präsidentschaft teil! Besonders Menschen, die in der Politik sind, kennen sie also schon sehr lange und sollten deswegen doch auch wissen, wie man ihren Namen ausspricht, oder?
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Und es ist ja auch nicht so, als gäbe es keine Möglichkeit, die korrekte Aussprache herauszufinden. So beschrieb sie in ihrem Buch “The Truths We Hold: An American Journey“ selbst, wie man ihren Vornamen ausspricht. Und dann wäre da noch das folgende Video, das sie 2016 im Zuge ihrer Senatskandidatur twitterte:
Wenn diese süßen Kinder keine Probleme damit haben, ihren Namen richtig zu sagen, dann sollten das “gebildete“ Erwachsene doch wohl auch schaffen. Dass manche den Namen trotzdem falsch aussprechen, obwohl es buchstäblich ihr Job ist, die Namen wichtiger Politiker*innen zu kennen, deutet stark darauf hin, dass nicht etwa Unvermögen oder Unwissenheit dahinter stecken, sondern Rassismus.
Tucker Carlson sprach den Vornamen der Schwarzen Amerikanerin mit indischen Wurzeln am Dienstag in seiner Show falsch aus. Als ihn sein Gast Richard Goodstein, ein demokratischer Berater, höflich darauf hinwies, meinte Carlson schnippisch: „So what?“. Goodstein reagierte darauf, indem er sagte: „Aus Respekt für eine Person, die auf der nationalen Wahlliste stehen wird, ist es das absolute Minimum, ihren Namen richtig auszusprechen“.
„Ich respektiere sie also nicht, weil ich unbeabsichtigt ihren Namen falsch ausgesprochen habe?“, entgegnete Carlson lachend. „Und schon geht's los! Man darf ‘kuh-mah-lah Harris‘ oder ‘camel-la Harris‘ oder was auch immer also nicht kritisieren... Ich liebe die Vorstellung, dass sie vor Kritik geschützt ist.“
Nachdem ihn Goodstein korrigiert hatte, sprach Carlson ihren Namen noch drei Mal mit Absicht falsch aus.
„Die Namen von Menschen richtig auszusprechen, ist Teil des Broadcastings. Du bist ein professioneller Sprecher“, tweetete Podcast-Host Touré. „Du hast nicht das Recht, zu sagen, es wäre zu schwer, Kamala richtig auszusprechen (aber Klobuchar ist einfach). Damit zeigst du deutlich, dass du sie nicht respektierst.“
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Viele Politikerinnen of Color erfuhren in der Vergangenheit Respektlosigkeit, der sich unter anderem in der falschen Aussprache ihrer Namen zeigte. So sagte die Kongressabgeordnete Rashida Tlaib beispielsweise: „Die Menschen können meinen Namen immer noch nicht aussprechen, aber sie erinnern sich an die Dinge, die ich für sie tue“. Und die US-amerikanische Aktivistin und Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez stellte Fox News zur Rede, “Ocasio” einfach weggelassen zu haben.
Die Menschen haben gelernt, “Kavanaugh” und “Buttigieg” richtig auszusprechen. Aber bei nicht-weißen Personen – aus der Politik oder aus anderen Bereichen – sieht die Sache anders aus. Wie der US-amerikanische Stand-up-Comedian Hasan Minhaj zu Ellen DeGeneres sagte, fällt es den Menschen anscheinend einfacher, Namen wie Timothée Chalamet zu sagen als seinen. Genau wie bei Hasan spielt das Thema Aussprache auch bei der US-amerikanischen Schauspielerin Uzoamaka „Uzo“ Aduba immer wieder eine Rolle. Ihre Mutter erklärte ihr: „Wenn sie lernen können, Tschaikowski und Michelangelo und Dostojewski zu sagen, dann können sie auch lernen, Uzoamaka zu sagen“.
Untersuchungen zeigen immer und immer wieder, viele Menschen stellen sich automatisch weiße Personen vor, wenn sie an Personen in Führungspositionen denken. Das liegt daran, dass das in der Vergangenheit größtenteils auch der Fall war. Doch es scheint, als wären wir zumindest auf dem (noch sehr weiten Weg) in die richtige Richtung.

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