6 Tipps, wie du deine Tränen bei wichtigen Meetings zurückhalten kannst

Photographed by Thanaporn Sae-Lee
Hi, ich bin Jess und ich bin eine Heulsuse.
Ich fang bei jedem Scheiß an zu weinen. Eine Automarkenwerbung mit einer besonders netten Familie, ein mitreißender Song, emotionale Nachrichtenbeiträge. Und damit habe ich eigentlich auch kein Problem. Selbst, wenn ich zu schluchzen anfange, wenn ich die erste Weihnachtswerbung des Jahres sehe – während alle anderen nur mit den Augen rollen und irgendwas von „Kapitalisierung eines heidnischen Feiertages“ murmeln. Bis hierhin noch alles fein, ja, manchmal finden das meine Mitmenschen sogar liebenswürdig.
Aber es gibt da eben auch Situationen, in denen es nicht nur nicht förderlich ist, sondern mich auch wirklich nervt, wenn ich die Tränen nicht zurückhalten kann. Ich weine nämlich nicht nur bei Kleinigkeiten, sondern auch, wenn ich mich mit jemandem streite oder jemanden um etwas bitte oder wenn ich Angst habe oder krank bin. Manchmal kommt dabei etwas Positives heraus (Wen würdest du zuerst ins Flugzeug lassen: Mr. Wichtigtuer oder ein armes Mädchen, das Rotz und Wasser heult, weil es Angst vor Turbulenzen hat?), aber manchmal ist es einfach unangebracht und frustrierend.
Werbung
Nehmen wir zum Beispiel mal den Tag, an dem ich bei meinem ersten richtigen Job nach einer Gehaltserhöhung fragen wollte. Ich habe mich wochenlang darauf vorbereitet, mich selbst Mmotiviert und mir vorgestellt, wie grandios alles laufen könnte – positive Affirmation und so. Als mich meine Chefin dann aber zu Beginn des Meetings fragte, wie sie mir helfen könne, kam ich nicht viel weiter als „Ich“, da brach ich schon in Tränen aus und stammelte was von „alle anderen verdienen mehr als ich und das macht mich sehr traurig“.
Ich vermeide Konfrontationen und Auseinandersetzungen, weil ich sonst weinen muss. Ich lasse meinen Freund*innen ziemlich viel durchgehen und sage ihnen nicht meine Meinung – auch dann nicht, wenn ich im Recht bin und sie sich beschissen verhalten. Ich will nicht von einer angepissten 30-Jährigen zu einem wimmernden Kleinkind werden, das ganz offensichtlich überreagiert.
Um noch mal zurück zum Thema Job zu kommen: In einer von Männern dominierten Arbeitswelt kann es besonders problematisch sein, ständig zu weinen. Frauen werden so schon oft als „zu emotional“ bezeichnet (was bescheuerterweise seit Jahren als negativer Charakterzug gilt). Am Arbeitsplatz zu weinen kann diese Einstellung also noch verstärken und von Volltrotteln als weiterer Grund genommen werden, warum Frauen es nicht in Führungspositionen schaffen. Aber ganz egal, ob Mann oder Frau: Es ist wichtig, zu seinen Gefühlen zu stehen – so viel steht fest.
Allerdings können Emotionen am Arbeitsplatz und in Situationen, in denen wir für uns einstehen müssen, durchaus hinderlich sein. Das bestätigt auch Cara Alwill Leyba, die Autorin von Like She Owns The Place, einem Buch, das Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen soll. „Wenn unsere Gefühle überhand nehmen, fällt es uns meist schwer, klar zu denken und lösungsorientiert zu handeln. Deshalb ist es wichtig, Berufs- und Privatleben zu trennen und Arbeitsprobleme nicht zu persönlich zu nehmen“. Life Coach Ben Edwards geht noch einen Schritt weiter sagt: „Wenn du weinst, ist das für manche so, als würdest du kampflos aufgeben“.
Werbung
Genau deshalb möchte ich lernen, mich mehr für mich selbst einzusetzen – für das, was ich will und für das, was ich verdiene – und weniger zu weinen (nur bei der Arbeit nicht, bei traurigen Filmen und Katzenvideos schon). Also habe ich wissenschaftliche Studien gelesen und mit Schauspieler*innen und Coaches gesprochen und sie nach Tipps gefragt. Und das kam dabei heraus.
1. Schau nach oben
Das habe ich bis jetzt immer gemacht. Es hilft zwar nicht jedes Mal, aber kleinere Heulattacken konnte ich so schon unterdrücken. Zur Decke zu schauen ist leider nicht gerade unauffällig, aber so kannst du die Tränen wenigstens so lange zurückhalten, bis du irgendwo bist, wo du sie rauslassen kann.
2. Blinzel
Wenn du blinzelst, verteilst du die Tränen über das Auge, wodurch sie schneller wieder vom Tränenkanal aufgenommen werden können.
3. Massiere deine Stirn
Ich habe es zwar noch nicht ausprobiert, aber das Model Jen Dawson schwört darauf und den Kommentaren zufolge scheint die Stirnmassage vielen wirklich zu helfen. Der Trick: Den Bereich über der Nase leicht massieren und tief ein- und ausatmen.
4. Lenk dich ab
Ob in den Arm kneifen oder auf die Zunge beißen: Sich selbst leichte (!) Schmerzen zuzufügen, ist tatsächlich die beliebteste Variante, um die Tränen im Zaum zu halten – so paradox das auch klingt. Der Gedanke dahinter ist, das Gehirn abzulenken. In diesem Fall würde es sich also auf den Schmerz konzentrieren und nicht auf den Drang, zu weinen. An dieser Stelle einmal ganz klar: Wir wollen dich nicht dazu animieren, dir selbst wehzutun. Laut Ben Edwards können auch Bewegungen wie den Kopf zu heben, die Schultern zurückzunehmen und die Handinnenfläche zu kitzeln dabei helfen, deinen emotionalen Zustand zu ändern und den Tränenhahn ab zu drehen.
Werbung
5. Atme tief durch
Du kannst den Ratschlag „Atme doch einfach mal tief durch!“ einfach nicht mehr hören? Das versteh' ich sehr gut, nur leider ist er gar nicht mal so dumm. Tiefe Atemzüge sorgen dafür, dass du runterkommst. Sieh es als eine Art Meditation und atme langsam und bewusst ein und aus. Wenn es dir hilft, kannst du dabei auch bis zehn zählen. So lenkst du deine Gedanken weg von den Tränen und hin zur Atmung.
6. Mach' dich nicht fertig
Manchmal weinen wir. Das ist einfach so. In einigen Situationen kann es besonders frustrierend oder nervig sein. Dann fühlt es sich so an, als würdest du dich selbst im Stich lassen. Aber damit bist du nicht allein. Niemand wird dich abschreiben, nur weil du ein paar Tränen vergossen hast. Niemand kann seine Gefühle 24/7 kontrollieren – und das ist auch okay so.
Wenn es dir dennoch so unangenehm ist, vor eine*m Vorgesetzten zu weinen, dann schreib vielleicht einfach eine E-Mail. Oder heul dich vorher bei eine*r Vertrauten aus, bevor du ins Meeting gehst. Sollte dann trotzdem die eine oder andere Träne deine Wange runterkullern, dann mach dir bewusst, dass dein Gegenüber so etwas nicht zum ersten Mal sieht. Und wenn sie*er nicht komplett herzlos ist, wird sie*er es dir sicher nicht vorhalten. Manchmal kann es helfen, buchstäblich aus der Situation rauszugehen und beispielsweise eine Runde um den Block zu drehen und es später noch mal zu probieren. Und dann sei stolz auf dich und klopf dir selbst auf die Schultern – schließlich hast du es wenigstens versucht!
Werbung

Mehr aus Arbeit und Geld

Watch

R29 Originals

Jetzt Ansehen
Fashion
Der Weg des Styles von der Subkultur auf die Weltbühne
Jetzt Ansehen
Queer Voices
Mitglieder der LGBTQIA-Community wenden sich in bewegend ehrlichen Briefen an ihr jüngeres Ich
Jetzt Ansehen
Lifestyle
5 Tage, 1 Experiment – Lifestyle-Redakteurin Lucie Fink stellt ihr Leben 5 Tage am Stück auf den Kopf!
Jetzt Ansehen
Musik
Frech und unkonventionell Musikerinnen.