Ist Fluorid wirklich so schlecht wie sein Ruf? Wir haben eine Expertin gefragt

Wer sich einmal den Spaß macht und die Internet-Suchmaschine nach Alternativen zu Zahnpasta anschmeißt, landet sehr schnell in einem Sog von Verschwörungstheorien und Verunsicherung. Vergiften wir uns langsam aber sicher beim täglichen Zähneputzen? Hat es wirklich die komplette Industrie auf unseren Geldbeutel und unsere Gesundheit abgesehen?
Oder sind das alles nur Posts und Videos von hysterischen Aluhut-Trägern*innen, die uns ihre alternativen Pflegeroutinen aufzwängen wollen? Fluorid, so scheint es, ist die Ausgeburt der Hölle und wir alle ganz schön blöd, weil wir es täglich zu uns nehmen. Flourid ist in geringer Dosis in fast allen gängigen Zahnpasten enthalten. Es unterstützt erwiesenermaßen die Mundhygiene und Kariesprophylaxe.
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Da wir uns aber Fluorid zuführen, obwohl es kein Nahrungsmittel ist, gibt es natürlich auch kritische Stimmen. Schließlich wird Fluorid auch zur Gewinnung und Verarbeitung von Metallen genutzt oder zu Versiegelung von Kraftstoffbehältern. Klingt nicht nach etwas, was man sich gerne oral zuführen möchte, oder?
Bevor ich mich total verrückt mache und weitere Stunden damit verbringe, die Vor- und Nachteile von Ölziehen zu ergründen, habe ich mich an eine Expertin in Sachen Mundhygiene gewandt. SunshineSmile Zahnärztin und Alignerexpertin Bilsan Ahmad hat sich die Zeit genommen und mir meine kleinen, feinen Fragen zum Thema alternative Mundhygiene, Flourid und richtiges Zähneputzen beantwortet.
Refinery29: Hallo Frau Ahmad! Ist das Fluorid in unserer Zahnpasta wirklich gesundheitsschädlich?
Bilsan Ahmad: Ob und wie gefährlich Fluorid ist, ist schon lange ein Diskussionsthema. Ausschlaggebend ist hier ganz klar die Dosis. Im Durchschnitt nehmen wir nur geringste Mengen Fluorid zu uns, zum Beispiel durch schwarzen Tee, Fisch oder eben als Zusatz in Salz oder Zahnpasta. In diesen Mengen schützt Fluorid erwiesen gegen Karies und ist nicht gesundheitsschädlich.
Auf welche Inhaltsstoffe sollte man außerdem beim Kauf von Zahnpasta achten?
Das kommt ganz auf die Ausgangssituation an. In Zahnpasten für Kinder sollten zum Beispiel geringere Dosen Fluorid und idealerweise weniger Schleifpartikel enthalten sein, während Personen mit empfindlichen Zähnen auf eine Zahnpasta mit erhöhtem Fluoridgehalt zurückgreifen sollten.
Von Putzen mit Zahnöl über Ölziehen, Zahnpuder und -pulver und sogar Tabs gibt es zahlreiche Alternativen zu herkömmlicher Zahnpasta – sind diese empfehlenswert?
Bisher gibt es noch keine einschlägigen Studien zu Zahnpasta-Alternativen. Eindeutig positive oder negative Wirkungen wurden bisher nicht nachgewiesen. Natürlich könnten sie sich durchaus positiv auswirken, sollten aber das tägliche Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide nicht ersetzen. Es empfiehlt sich außerdem, sich vor Anwendung jeglicher Alternativen vor der Anwendung zu informieren.
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Wie sieht die optimale Zahnpflegeroutine am Morgen und am Abend aus?
Die Basis der gesamten Zahnpflege ist auf jeden Fall das Zähneputzen. Die Empfehlung liegt hier bei zweimal täglich. Die Putzzeit beträgt zwischen zwei und fünf Minuten, je nach Putztechnik, Geschick und natürlich Anzahl der Zähne im Mund. Es sollte darauf geachtet werden, eine Zahnbürste mit dem richtigen Härtegrad und eine fluoridhaltige Zahnpasta zu verwenden. Mindestens einmal täglich ist außerdem die Anwendung von Zahnseide oder Interdentalraumbürsten empfehlenswert. Hier bitte unbedingt auf die richtige Technik achten!
Vielen Dank für das Interview!
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Natürlich möchte ich euch die Ergebnisse meine Recherche zu Alternativen, beziehungsweise Ergänzungen zur regelmäßigen Zahnpflege nicht vorenthalten. Es gibt einige sehr tolle und interessante Methoden, um Karies, Bakterien und Plaque auf die Pelle zu rücken. Besonders angetan hat es mir das Zahnöl von Ringana. Milde Putzkörper reinigen die Zähne und das Minzöl hinterlässt einen frischen Atem und bindet die Bakterien im Mund. In der Zerowaste-Bewegung sind vor allem Zahnpulver und -tabletten beliebt, da sie ohne Umverpackung auskommen. Die habe ich aber noch nie getestet.
Das Ziehen von Öl habe ich eine Weile ausprobiert und fand es sehr angenehm. Ich habe es jedoch ebenfalls ausschließlich als zusätzliche Routine zum Zähneputzen angewendet. Hier empfehle ich auf Bio-Kokosnussöl zu setzen, weil es einfach am besten schmeckt. Wenn ihr von alledem wenig haltet, seid ihr jetzt aber informiert und wisst, dass Fluorid nur halb so schlecht ist, wie sein Ruf.
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