Corona trifft Frauen härter: noch mehr unbezahlte Arbeit zu Hause

Foto: Poppy Thorpe
Jüngere Untersuchungen der UN Women, einer Organisation der Vereinten Nationen, haben ergeben, dass Frauen aufgrund des Coronavirus jetzt noch mehr Zeit mit Kindererziehung und Hausarbeit verbringen.
Daten aus 38 Ländern weltweit zeigen an, dass Frauen die Hauptlast für zusätzliche Kinderbetreuung und häusliche Pflichten tragen, die auf die Pandemie zurückzuführen sind.
Bereits vor der Coronakrise leisteten Frauen international gesehen schon erheblich mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt als Männer. Deutschland stellte also keinesfalls eine Ausnahme dar. Diese Kluft – auch Gender Care Gap genannt – ist enorm: Frauen übernehmen 1,6-mal so viel Verantwortung zu Hause wie Männer.
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Mit dieser immens ungleichen Verteilung von Verantwortlichkeiten steht Deutschland nur knapp hinter Frankreich (1,7-mal so viel) und dem Vereinigten Königreich (1,8-mal so viel) und ist damit nicht einmal der europäische Spitzenreiter.
In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist dieses Ungleichgewicht oft noch stärker ausgeprägt: Der UN Women zufolge leisten Frauen in China 2,6-mal so viel unbezahlte Arbeit wie Männer; in Ghana ist es 3,4-, in Ägypten sogar unglaubliche 9,2-mal so viel.
Anita Bhatia, stellvertretende Geschäftsführerin der UN Women, betonte gegenüber der BBC, dass sich dieses Missverhältnis weltweit durch die Pandemie nur noch verschlimmere: „Ich versichere Ihnen, dass sich diese Kluft mindestens verdoppelt hat.“
Was ihr zufolge aber sogar noch „besorgniserregender“ sei, ist die Tatsache, dass viele Frauen aufgrund der Pandemie sogar ihre Jobs verloren haben – selbst in den am stärksten industrialisierten Ländern der Welt.
„Im September allein sind in den USA etwa 865.000 Frauen aus dem Arbeitsleben ausgestiegen. Die Zahl der Männer beträgt hingegen 200.000. Frauen übernehmen somit die Hauptverantwortung für das durch die Krise angestiegene Bedürfnis nach Kindererziehung zu Hause“, erklärt Bhatia.
Abgesehen von diesem Ungleichgewicht bei der Verteilung von häuslichen Verantwortlichkeiten hat die Pandemie zu einer Zunahme von häuslicher Gewalt und einem eingeschränkten Zugang zu Abtreibungsdiensten geführt. Aus diesem Grund trifft die Corona-Krise Frauen härter als Männer.

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