Das denkt die erfolgreichste Modebloggerin der Welt über die Zukunft ihrer Branche

FOTO: Cass Bird und Julia Sarr-Jamois
Blogs sind schon längst keine Neulinge mehr in der Modebranche und haben sich in den vergangenen Jahren ihren Platz neben traditionellen Printtiteln und Onlinemedien schwer erkämpft. Es ist sogar schon unglaubliche sieben Jahre her, als die Pioniere Bryan Boy und Tommy Ton zum ersten Mal bei Dolce & Gabbana in der Front Row neben Vogue's Anna Wintour, Sally Singer und Hamish Bowles sitzen durften. Im gleichen Jahr startete Chiara Ferragni “The Blonde Salad” - den Modeblog, der mittlerweile als der erfolgreichste weltweit gilt.

Auch die Social-Media-Zahlen sprechen für sie: 5,9 Mio Follower bei Instagram und 1,2 Millionen bei Facebook. Dagegen rücken die Klicks auf "The Blonde Salad" selbst, das sich mehr und mehr zum Onlinemagazin gewandelt hat, fast in den Hintergrund. Diese Entwicklung, die wir auch an vielen anderen Stellen der Medienwelt beobachten, haben wir während Chiaras letztem Deutschlandbesuch zum Launch ihrer Kampagne mit Amazon Fashion zum Anlass genommen, um mit der Wahl-Amerikanerin über Kollaborationen, die Bedeutung von Social Media, die Zukunft von Blogs, Digital Detox und ihre besten Instagram-Tipps zu sprechen.
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FOTO: Cass Bird und Julia Sarr-Jamois

Wie war das Shooting mit Cass Bird und Julia Sarr-Jamois?
Es war großartig. Beide sind Persönlichkeiten, die ich wirklich bewundere und deren Arbeit ich schon lange verfolge. Wir waren uns total einig, was den Look des Shootings angeht. Das haben wir direkt gemerkt, als wir uns backstage die Bilder angeschaut haben.

Wie fühlt es sich an das Gesicht einer so großen Kampagne zu sein?
Es ist aufregend, mit so einem großen, internationalen Brand zusammenzuarbeiten. Schon das Shooting in London war ein tolles Erlebnis. Und auch heute fühlt es sich noch ein wenig surreal an.

Welcher Look ist dein Favorit der Kampagne?
Die Kombination mit der Schlaghose, dem Streifenshirt und der hellblauen Lederjacke mag ich besonders gern. Das Styling ist total mein Stil. Es ist casual aber gleichzeitig cool.
FOTO: Cass Bird und Julia Sarr-Jamois


Kollaborationen wie diese sind sehr wichtig für The Blonde Salad. Wie suchst du deine Partner aus?
Ich schaue einfach, ob ich das Brand generell mag und ob ich es vielleicht sogar schon trage. Wenn es nicht zu meinem Stil passt, würde ich eine Kollaboration niemals zusagen, egal wieviel Geld geboten wird. Meine Glaubwürdigkeit ist mir sehr wichtig und die möchte ich nicht aufs Spiel setzen. Wir sind da wirklich sehr selektiv und wählen die Marken sorgfältig aus, mit denen wir in Verbindung gebracht werden möchten.

Du bist eine Modeblogpionierin und schon seit sieben Jahren im Business. Langweilt es dich manchmal?
Nein, ich blogge aber auch nicht mehr im klassischen Sinne. The Blonde Salad hat sich in den letzten 1,5 Jahren zu einem Lifestylemagazin gewandelt. Es gibt ein ganzes Team mit einem Fashion Editor und vielen weiteren Mitarbeitern. Natürlich folgt alles meinem Stil und meiner Vision, aber es steht nicht in direkter Verbindung zu mir. Es geht nicht mehr nur um meine Persönlichkeit und mein Leben. Ich zeige mich jetzt mehr auf Social Media.

Ist Social Media deswegen wichtiger geworden?
Alle Kanäle sind wichtig. Social Media ist eine Verlängerung meines Lebens. Ich fühle mich aber nie verpflichtet, etwas zu teilen. Das meiste, was ich poste, ist es wert geshared zu werden - auch in den Augen meiner Follower. Sie wollen wissen, was ich trage, wo ich gerade bin, wollen ein Selfie sehen usw. Deswegen folgen mir die Menschen gerne.

Wie entscheidest du, was du teilst und was nicht?
Ich denke da nicht lange drüber nach, sondern habe eher ein natürliches Gefühl dafür. Wenn ich es cool finde, dann teile ich es. Manche Posts hätte ich mir vielleicht auch sparen können, aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Das Meiste gefällt meinen Followern.

Das klingt sehr spontan. Also brauchst du keine Stunde für ein Bild? Manche Schnappschüsse sind so auf den Punkt, dass man denken könnte, dass du mehr Zeit investierst.
Nein, es darf nicht länger als fünf Minuten dauern. Vom Zeitpunkt, indem ich das Bild knipse, bis ich es tatsächlich poste. Wenn es länger dauert, dann ist es wahrscheinlich nicht das richtige Bild, und ich poste lieber gar nichts. Meistens habe ich ein gutes Gefühl dafür, was meine Follower mögen, aber manchmal liege ich auch daneben. Manchmal mögen sie ein Bild total, bei dem ich dachte, dass es nichts besonderes ist. Und manchmal bin ich total begeistert, und dann bekommt der Post total wenig Likes. Das kann wohl jedem passieren.
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Foto: @chiaraferragni
Was sind deine Tipps für einen erfolgreichen Instagram-Schnappschuss?
Das Wichtigste ist das Licht. Am besten ist es, wenn das Gesicht zu einer Lichtquelle gedreht ist, also z.B. wenn man zum Fenster rausschaut. Licht macht wirklich 90 Prozent des Fotos aus. Mit dem richtigen Licht sieht man einfach viel besser aus. Außerdem ist es wichtig, was man sich bei einem Bild denkt und welche Message man senden will. Schon während man das Bild aufnimmt, sollte man sich überlegen, was in der Caption steht und wie die Komposition aussieht.

Wem folgst du am liebsten bei Snapchat?
Eigentlich nur meinen Freunden. Ich folge gar keinen Prominenten, sondern möchte einfch nur wissen, was meine Freunde so treiben.

Du bist quasi 24/7 online. Hast du manchmal das Bedürfnis nach einem Digital Detox?
Ja, ab und an schon. Wenn ich manchmal total müde bin, dann poste ich einfach nichts, ohne zu viel drüber nachzudenken. Dann nehme ich mir einen halben Tag “frei". Das ist auch kein Problem für meine Follower. Länger bin ich aber eigentlich nie offline. Meistens reicht mir das. Wenn ich mehr Offline-Zeit bräuchte, dann würde ich sie mir nehmen. Was am besten auf Social Media funktioniert, ist einfach man selbst zu sein.

Wenn man das Gefühl hat, dass man zu viel postet oder dass man zuviel darüber nachdenkt, dann sollte man es einfach lassen. Vielleicht braucht man dann einfach mal eine Pause. Das kann auch das Interesse der Follower steigern.

Du reist unglaublich viel und bist ständig unterwegs. Gibt es trotzdem Routinen in deinem Leben?
Wenn ich in L.A. bin, dann starte ich regelmäßig mit meinem Personal Trainer in den Tag. Danach dusche ich, treffe Freunde, fotografiere für einen Post, mache Emails, habe einen Call mit Mailand und plane auch immer etwas Freizeit in meinen Tag ein.
FOTO: Cass Bird und Julia Sarr-Jamois


Wie sieht dein typisches Workout aus?
Ich mache Cardio und bestimmte Übungen. Leider mache ich kein Yoga und auch keine Meditation. Das würde mir vielleicht ganz gut tun.

Der Tod der Blogs. Würdest du heute noch einem jungen Follower empfehlen, einen Blog zu starten?
Nicht unbedingt. Ich glaube, es geht in erster Linie darum, deine eigene besondere Story zu erzählen, egal auf welchem Kanal. Es gibt heute ganz unterschiedliche Orte dafür, sei es auf Instagram, Pinterest oder Snapchat. Früher war ein Blog der Hauptschauplatz der Kommunikation. Aber so ist es heute nicht mehr. Ich würde mich heute mehr auf Social Media oder Youtube konzentrieren. Letztlich kommt es aber darauf an, welche Geschichte man erzählen will.

Du hast sehr viele Follower und bist natürlich auch ein Vorbild für viele. Verspürst du deswegen einen gewissen Druck?
Nein, für mich ist das alles total natürlich. Was für mich Sinn macht, macht hoffentlich auch Sinn für meine Follower. Gleichzeitig weiß ich, dass man nicht alle Follower immer 100% glücklich machen kann. Wenn man z.B. manchmal etwas over the top oder zu sexy ist, dann lieben es die Leute oder sie hassen es eben. Das gehört einfach dazu.
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