Beauty-OP-Hater: Wer hat euch eigentlich gefragt?

Illustration: Anna Sudit
Jede*r ist schön so, wie er oder sie ist, höre ich häufig. Und stimmt ja auch. Aber wie passt plastische Chirurgie in diese Schönheitsphilosophie? Wo ist die Grenze zwischen dem, was wir tun, um uns selber besser zu fühlen und dem, was andere (vermeintlich) von uns erwarten? Und wer beschließt diese Grenze? Sollten wir nicht alle in der Lage sein, natürliche Schönheit zu feiern, ohne gleichzeitig diejenigen zu verurteilen, deren Schönheit vielleicht nicht hundertprozentig natürlich ist? Für viele scheint dies ein Widerspruch zu sein, und so ist es wohl leichter für sie, jegliche Art von Beauty-OP von vornherein zu verteufeln.
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Lindy West hat auf Jezebel einen Artikel veröffentlicht, in dem sie sich mit genau dieser Frage beschäftigt. Warum machen sich so viele Menschen lustig über Menschen, vor allem Frauen, die sich Schönheitsoperationen, minimalinvasiven Eingriffen und Treatments unterziehen? Sie schreibt: „Wieso bringen wir Frauen auf der einen Seite bei, dass jung und schön zu sein das Allerwichtigste im Leben ist und shamen sie dann, wenn sie versuchen, unserem Ideal gerecht zu werden?“
Ich halte das für eine wichtige Frage, die wir uns in der Diskussion um Schönheit alle stellen sollten. West erklärt, wieso sie glaubt, dass es salonfähig ist, sich über Menschen lustig zu machen, die plastische Chirurgie aus kosmetischen Gründen nutzen: „Damit bedienen [diese Frauen] das Patriarchat. Sie lügen, betrügen und sind ganz offen eitel. Dabei erwarten wir von natürlicher Schönheit, dass sie einfach so existiert und schöne Menschen sich dafür nicht anstrengen müssen.“ Und genau dieses zweischneidige Schwert macht unsere Kultur, die so sehr nach Jugend und Perfektion strebt, zu einer frustrierenden Angelegenheit. Du sollst zwar makellos aussehen, du darfst es aber nicht anstreben. Und wer schafft es, so zu sein? Niemand. Jedenfalls kenne ich niemanden.
Diese vermeintliche moralische Überlegenheit spiegelt sich auch im No-Make-up-Trend wider. Er scheint fast eher dazu da, Frauen, die Foundation tragen, dafür zu shamen, dass sie Make-up nutzen. Während diejenigen, die eh schon perfekte Haut haben, nur ein wenig Feuchtigkeitscreme auftupfen und dann von natürlicher Schönheit reden. Was soll dieser scheinheilige Mist? Ob jemand Foundation trägt oder ein Augenbrauenlifting machen lässt, sagt nichts über seine oder ihre Charakterstärke aus. Es sagt vielmehr etwas über die Welt aus, in der sie leben. Eine, in der immenser Druck herrscht und jede*r versucht, so gut es geht mit den Anforderungen, die unterschwellig an sie oder ihn gestellt werden, umzugehen.
Dieser Ansicht ist auch Lindy West, die sagt, dass das Problem die Anforderungen in unserer Gesellschaft sind, nicht die Frauen, die darauf reagieren. „Und diese grausame, unterdrückende Kultur sollte bei jeder Gelegenheit angesprochen, kritisiert und enttarnt werden“, schreibt sie. Also, fangen wir damit an! Lasst uns gemeinsam darüber nachdenken, wieso wir so heftig auf verschiedene Dinge reagieren, lasst uns diskutieren und lasst uns einander ein wenig den Druck nehmen. Es hört sich vielleicht abgedroschen an, aber wir sitzen alle im selben Boot.
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