Tiger King: Das skurrile Leben von Joe Exotic

Warnung: Dieser Beitrag enthält Spoiler.
Immer wenn wir glauben, die USA könnte uns nicht mehr schocken, liefert Netflix eine neue Doku, um uns vom Gegenteil zu überzeugen. Und diesmal hat sich der Streamingdienst mit der Doku-Serie Tiger King wirklich selbst übertroffen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Schon nach der ersten Folge, wirst du nur noch fassungslos den Kopf schütteln können.
Tiger King erzählt in sieben Teilen über das florierende Geschäft der Wildkatzenzucht in den Vereinigten Staaten. Dabei werden vor allem zwei Personen in den Fokus gestellt: Joe Exotic, ein Wildkatzensammler und Zoo-Besitzer, und seine Erzfeindin Carole Baskin, Gründerin eines Tierparks, der als “Rescue Center“ für diese wilden Tiere fungieren soll. Während Exotic die Tiere für Profit in Gefangenschaft hält, versucht Baskin die Wildkatzen aus Händen wie seinen zu befreien. Das die beiden in nächster Zukunft keine Freund*innen werden, sollte uns allen also klar sein. Aber, anstatt die Dinge mit rechtsstaatlichen Mitteln zu regeln, hat Exotic wohl versucht, Baskin (die angeblich ihren Ex-Mann an ihre Löwen verfüttert hat) ermorden zu lassen. Aber dazu komm ich später noch.
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Tiger King zeigt uns also die schockierende Welt des Handels mit exotischen Tieren und enthüllt die illegalen und grausamen Machenschaften von Joe Exotic – welche das sind, habe ich hier für dich zusammengefasst.

Wer ist Joe Exotic überhaupt?

Joe Exotic, mit bürgerlichem Namen Joe Schreibvogel, ist im US-Bundesstaat Kansas aufgewachsen und ein Außenseiter, wie er im Buche steht. Weil er schwul ist, wurde er von seiner Familie verstoßen, woraufhin Exotic versuchte, Selbstmord zu begehen, indem er mit seinem Auto eine Klippe hinunter raste. Wie durch ein Wunder überlebte er den Sturz, erlitt aber einen Rückenbruch. Danach ging er nach Florida, um dort eine Therapie zu beginnen. Wie es der Zufall es so wollte, zog Exotic direkt neben dem Manager der Lion Country Safari, einem Drive-Through-Wildpark, ein und freundete sich mit ihm an. Manchmal brachte sein Nachbar Löwenbabys oder kleine Äffchen nach Hause, um sie mit der Flasche großzuziehen und erlaubte Exotic, sich mit den Tieren zu beschäftigen. Exotics Interesse an der Wildkatzenzucht wurde dadurch geweckt und er war sich immer sicherer, dass das seine Lebensaufgabe war.
Exotic eröffnete einen “Zoo“ (falls man das wirklich so nennen darf) und machte Rundgang-Videos auf seinem YouTube-Channel Joe Exotic TV, um Menschen einen virtuellen Besuch zu ermöglichen. Das Geschäft lief lange sehr gut und die Zahl der Videoaufrufe ging schnell in die Millionen. Um seine Marke weiter auszubauen, eröffnete Exotic zusätzlich zu seinem Zoo eine Bar und eine Pizzeria. Doch gerade, als alles gut für ihn lief, holten ihn seine grausamen Taten ein.
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Was hat Exotic getan?

Um es einfach auszudrücken: Exotic hat sich nicht gerade gut um seine Tiere oder seinen Zoo gekümmert (und das ist noch nett ausgedrückt). Ein paar Beispiele dazu: 1999, als eine Herde geretteter Emus transportiert wurde, entkamen einige von ihnen und statt sie einzufangen, erschoss er mindestens sechs der Vögel. Im Jahr 2004 machte er dann Schlagzeilen, als Tierschutzgruppen darauf hinwiesen, dass er ein behindertes Löwenjunges hielt. Sein Zustand war höchstwahrscheinlich das Ergebnis einer Inzucht, was absolut unverantwortlich und gefährlich ist.
2006 entzog das US-Landwirtschaftsministerium Exotic vorübergehend sogar die Lizenz und verhängte gegen ihn eine Geldstrafe von 25.000 Dollar für alle seine Verstöße. Dazu gehörten unhygienische Zustände im Zoo, unregelmäßige Fütterungszeiten, die Misshandlung von Tieren und mangelnde tierärztliche Betreuung der Wildkatzen. Es kamen weitere Anschuldigungen auf, wonach viele seiner Tiere aufgrund von Inzucht und der Mangelernährung der schwangeren Tiere, deformiert waren.

Was hat es mit der Fede zwischen Joe Exotic und Carole Baskin auf sich?

Vor allem eine Person verfolgte Exotics Machenschaften auf Schritt und Tritt: Carole Baskin. Baskin war eine bekannte Tierschützerin und machte es zu ihrer Mission, Sammler*innen exotischer Tiere, und besonders Exotic, zur Strecke zu bringen.
Kritisch wurde ihre Feindschaft, als Exotic begann, ihren Namen und das Logo von ihrem Tierschutz-Center Big Cat Rescue zu benutzen, um für sein eigenes Unternehmen Werbung zu machen. Baskin verklagte ihn 2011 wegen Markenrechtsverletzung. Aber damit war es offensichtlich nicht getan – Exotic verkörperte schließlich alles, was Baskin verabscheute.
Nachdem er den Rechtsstreit gegen Baskin verloren hatte, schuldete Exotic ihr eine Million Dollar. Diese Summe sollte ihn in den Ruin treiben und noch mehr Hass zwischen den beiden entfachen. Exotic wurde irgendwann paranoid und behauptete, Baskin würde ihm Tierschützer*innen auf den Hals hetzen oder seine Geschäfte ausspionieren. Auf YouTube drohte er ihr sogar und sagte seiner Community, er werde sie erschießen, wenn sie ihn nicht in Ruhe lasse.
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2015 verliebte sich Exotic in Jeff Lowe, als dieser zu ihm kam, um ein Tigerjunges zu kaufen. Er und Lowe heirateten schließlich (zu diesem Zeitpunkt hatte Exotic viele Ehemänner/Partner – auch gleichzeitig) und sein Zoo wurde auf Lowes Namen umgeschrieben, um das Vermögen von Exotic vor Baskin zu schützen. Doch diese Ehe hielt nicht lang und Baskin war natürlich immer noch hinter dem Geld her, das Exotic ihr schuldete. Von da an ging es nur noch bergab für den fragwürdigen Wildkatzenzüchter.
In seiner Verzweiflung fragte Exotic angeblich James Garretson (ein ehemaliger Strip-Club-Besitzer, der ein Bed and Breakfast/Park mit exotischen Tieren eröffnete und zu Exotic kam, um Alligatoren zu kaufen), ob er irgendwelche Killer kenne, die Baskin gegen eine Bezahlung aus dem Weg räumen würden. Es heißt, Exotic wäre bereit gewesen dafür 10.000 Dollar zu zahlen. Auch von einer Zooangestellten soll er das verlangt haben. Sie aber rief Baskin an und erzählte ihr über die Mordpläne von Exotic. Einem anderen Mitarbeiter soll er 5.000 Dollar angeboten haben, damit dieser Baskin tötet. Garretson bekam davon Wind und gab seine Informationen an die Behörden weiter.
Um den Zoo zu verkleinern, soll er außerdem seine alternden Tiger erschossen und zahlreiche Jungtiere illegal weiterverkauft haben. Doch als er sich immer mehr in die Enge gedrängt fühlte, gab Exotic alles auf und flüchtete für einen Neuanfang nach Florida. Bis er 2018 verhaftet wurde, lebte er in Gulf Breeze, Florida, und arbeitete als Tellerwäscher.

Wo ist Joe Exotic heute?

2019 wurde Exotic in 19 Fällen für schuldig befunden, darunter wegen der Beschäftigung von Auftragskillern, Tigermorden und allgemeinem Betrug. Am 22. Januar wurde der heute 57-jährige Zooleiter zu 22 Jahren Bundesgefängnis verurteilt. Über sein Entlassungsdatum muss noch entschieden werden.
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