Ich habe mir Tarotkarten legen lassen & das ist passiert

An einem nasskalten Herbstabend treffe ich mich mit Anna Grindrod-Feeny zum Kartenlesen. Sie kommt zum Feierabend in meinem Büro vorbei, gemeinsam setzen wir uns in einer ruhige Ecken um einen Tisch. Anna breitet drei verschiedene Stapel mit Tarotkarten vor mir aus und bittet mich, mir den auszusuchen, der mich am meisten anspricht. Ich darf mir die einzelnen Decks ansehen und entscheide mich schlussendlich für einen blauen Stapel, der Prisma Visions heißt. Anna beginnt, die Karten zu mischen.
Wir kennen uns aus einer kleinen Bar in meinem Kiez, die Precious Metal heißt. Dort legt sie interessierten Besuchern fast jeden Freitagabend die Karten. Auch ich kam durch sie zum ersten Mal mit Tarot in Berührung. Damals war ich fasziniert davon, wie genau ihre Antworten waren. In einer Zeit, in der ich mir viele existenzielle Fragen durch den Kopf schwirrten, half mir Annas Interpretation meiner Karten, Klarheit zu finden. Am heutigen Abend ist meine Fragestellung konkreter: Ich möchte wissen, wie es um meine Karriere steht.
Werbung
Anna erzählt mir, dass Leute häufig mit ihren Karrierefragen zu ihr kommen. Wenn jemand unsicher ist, ob er oder sie ein Jobangebot oder eine Beförderung annehmen soll, sich in seinem aktuellen Beruf gefangen fühlt oder versucht, sich zwischen zwei Jobs zu entscheiden, Anna ist der Meinung, dass Tarot für solche Fälle wie gemacht ist. „Ich verstehe Kartenlegen mehr als ein Werkzeug. Damit verschaffe ich Leuten Zugang zu ihrem Unterbewusstsein und kann ihnen sagen, was sie im Inneren eh schon wissen. Ich schaffe einen Rahmen, in dem sie ihre Gedanken ordnen können.“
Ich habe keine spezifischen Fragen, sondern interessiere mich eher fürs große Ganze. Wie viele andere Millennials auch, habe ich nicht einen Beruf, sondern mehrere: Ich bin Journalistin, Autorin, Illustratorin und Künstlerin. Immer allen diesen Facetten und Interessen gerecht zu werden, ist nicht einfach. Außerdem habe ich schon mehrere Modelle durchgemacht: Ich war lange Zeit selbstständige Freelancerin und bin erst kürzlich in ein Vollzeit-Angestelltenverhältnis gewechselt. Deswegen will ich heute die Karten befragen: Wie finde ich eine gute Balance zwischen meinen einzelnen Professionen und meinem aktuellen Fulltime-Job?

Ich verstehe Kartenlegen mehr als ein Werkzeug. Damit verschaffe ich Leuten Zugang zu ihrem Unterbewusstsein und kann ihnen sagen, was sie im Inneren eh schon wissen.

Kartenlegerin Anna
Nachdem ich ihr meine Frage gestellt hatte, beginnt Anna, zehn der gemischten Karten vor mir auszubreiten. Mich interessiert, ob sich Kartenlesen mit einer konkreten Fragestellung zu dem mit allgemeinen Fragen unterscheidet. „Indem spezifische Fragen gestellt werden, können die Karten eindeutiger interpretiert werden und eher in die Geschichte, die du selbst erzählst, eingebunden werden. So ist dir danach klarer, was in Bezug auf diese Frage zu unternehmen ist.“
Jede der zehn Karten repräsentiert einen unterschiedlichen Aspekt meines Lebens: Die Situation, in der ich mich aktuell befinde, meine unterbewusste sowie meine bewusste Priorität, was ich denke, das mir helfen könnte, was mir tatsächlich helfen kann, welche Hindernisse es gibt und was meine nächsten Karriereschritte sind. Anna geht jede einzelne Karte mit mir durch und erklärt sie mir. Ich versuche, genau darauf zu achten, wie ich mich mit jeder Karte und Annas Interpretation fühle. Auch die Kartenleserin rät mir: „Du solltest dein erstes Gefühl auf jeden Fall ernst nehmen.“
Werbung
Und tatsächlich erschließen sich mir einige Wahrheiten, die mir so noch nicht bewusst waren. Laut der Sechs Stäbe-Karte, die meine aktuelle bewusste Priorität darstellen soll, bin ich schon mal auf dem richtigen Weg. Außerdem sagt sie mir, dass ich mir Zeit nehmen soll, nicht nur darüber nachzudenken, was ich gerade gerne machen möchte und was mir zukünftig vorschwebt, sondern auch zu reflektieren, was ich bis zu diesem Punkt beruflich schon geleistet habe.
Wirklich interessant wird es aber bei den Karten, die aussagen, was mich nach vorne bringen und was mich bremsen wird: Die fünf Münzen und Die Liebenden. Die erste Karte erinnert mich daran, dass mir mehr Werkzeuge zur Verfügung stehen, als ich glaube. Ich sollte mich darauf besinnen, was ich schon alles habe und mich nicht darauf konzentrieren, was mir noch fehlt. So kann ich mit dem, was ich schon habe, meine Ziele besser verfolgen.
Die Karte Die Liebenden, die repräsentieren, welche Hindernisse mir gerade noch im Weg stehen, deutet auf einen großen energetischen Wandel hin. Sie bedeutet, dass ich lernen muss, eine Balance zwischen mir und den Menschen um mich herum zu finden. „Du solltest aktuell nicht zu viel Zeit darauf verwenden, den perfekten Karriereweg für dich zu finden. Akzeptiere, dass du gerade in einer Umbruchphase bist, in der du Sachen verdauen musst. Jetzt Perfektion zu erwarten, wird dich daran hindern, das bereits Geschehene zu verarbeiten“, so Anna.
Der letzte Rat kommt aus der letzten Karte im Stapel, Die vier Münzen. Die Karte symbolisiert eine natürliche Pause. „Du hast ein bestimmtes Level an Sicherheit erreicht, einen Zustand erreicht, auf den du hingearbeitet hast“, erklärt Anna. Trotzdem bedeutet diese Karte auch, dass ich mich aus Angst davor, den aktuellen Status oder Ersparnisse zu verlieren, nicht vor Risiken scheuen sollte. „Du musst auch bereit sein, einen Teil der Sicherheit, die du dir aufgebaut hast, aufzugeben, um neue Ziele zu erreichen. Indem du ein Risiko eingehst, öffnest du dich automatisch einem größeren Reichtum, als du jemals erwartet hättest.“
Mein erstes Karriere-Tarot hat bei mir definitiv einen Nerv getroffen. Mich bewegt vor allem, dass ich mich laut der Karten auf das konzentrieren soll, was mir Freude bereitet. Auf der anderen Seite wimmeln es in meinen Karten momentan aber auch nur so vor Kelchen, was bedeutet, dass ich gerade sehr viele Emotionen in meine Arbeit lege. Anna warnt mich davor, mich nicht zu sehr von meinen Gefühlen übermannen und durchaus auch von praktischen Motiven leiten zu lassen. Die Karten erinnern mich auch daran, dass es niemals gut ist, zu sehr an Dingen festzuhalten, mit denen ich es mir vielleicht ein bisschen zu gemütlich gemacht habe. Anna rät mir: „Hab keine Angst, auch mal ein Risiko einzugehen und etwas Neues auszuprobieren oder in deinem Wachstum einen Schritt weiterzugehen.“
Schlussendlich hat mich dieses Kartenlegen wieder daran erinnert, dass wir die Antworten zu den großen Fragen alle schon in uns selber tragen. Anna sagt mir, dass was auch immer die Erkenntnisse sind, die ich aus dem Termin mit ihr ziehe, die richtigen für mich sind. Deswegen ist auch mein Tipp an dich: Was auch immer deine Karte für dich bereithalten, in erster Linie ist ein Tarot wie ein Spiegel in dein eigenes Unterbewusstsein. Deswegen solltest du zwar aufgeschlossen, aber auch mit einem gefestigten Selbstbild zu einem Termin zum Kartenlegen gehen. Denn so gehst du sicherlich mit vielen interessanten Antworten und ganz ohne Verunsicherung nach Hause.
Werbung

Mehr aus Arbeit und Geld