5 Dinge, die ich gern vor meinem ersten Semester gewusst hätte

Foto: Martin Mendizabel
Jedes Jahr um diese Zeit überkommt mich das Gefühl von wohliger Nostalgie. Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass ich den Inhalt meines Kinderzimmers in Kartons packte, endlich von Zuhause auszog und mich auf mein erstes Semester an der Universität in Hamburg vorbereitete. Irgendwie habe ich den Bachelor tatsächlich bestanden, auch wenn der Weg dahin manchmal holpriger war, als so mancher Small-Talk beim ersten Date. Im Oktober darf ich dann anfangen mein Bafög zuzurückzuzahlen. Passend, dass ich zur Schließung dieses Kreises heute beitrage, indem ich einen Artikel für all die jungen Menschen da draußen schreibe, die sich vielleicht gerade fühlen wie ich 2010: plan-, ahnungs- aber auch so schön sorglos.
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1. Allgemeines Mantra: Im Moment leben aber den Fokus nicht verlieren
In der Retrospektive neigt man dazu, die Dinge zu romantisieren, das ist mir durchaus bewusst. Trotzdem: Das Studieren hat mir unheimlichen Spaß gemacht, egal von welchem Blickwinkel aus betrachtet. Man hat mehr Freiheiten als in der Schule, – was auch seine Nachteile haben kann, wenn man kein Selbstorganisationstalent besitzt – zieht womöglich von Zuhause aus, lernt, wissenschaftlich zu arbeiten und setzt sich in der Regel täglich mit Themen auseinander, die einen wirklich interessieren. Für mich hieß das: „Endlich kein Chemie mehr sondern den ganzen Tag nur Englisch und Sprachen. Schön ist's, im Bildungshimmel.“
Kurz: Dein Leben wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ein Upgrade bekommen – Life 2.0 sozusagen. Sich von Parties und anderen sozialen Happenings ablenken zu lassen, geht schnell und ist auch zu einem gewissen Grad völlig normal. Verliere trotz „Ich bin nur einmal jung“-Mindset bitte nicht den Blick in die Weite und versuche trotzdem wenigstens ein paar Klausuren im Semester mitzuschreiben. Das fühlt sich auch geil an – glaub' mir!
2. Informieren geht über studieren
Ältere Geschwister habe ich mir eigentlich nur in einer Situation gewünscht: Vor dem Semesterstart an der Uni. Meine Mutter hat in Polen studiert, ein Vater ist in meiner Gleichung ein unlösbares X, also konnte mir niemand so wirklich gute Tipps geben oder mich irgendwie auf das vorbereiten, was mich im Hörsaal erwarten würde. Um ganz ehrlich zu sein, dachte ich, ich würde beim Betreten der Aula einen Stundenplan in die Hand gedrückt bekommen. Peinlich, ich weiß. Aber es kann unmöglich nur mir so gehen und wenn meine vergangene Unwissenheit in der Gegenwart jemandem helfen kann, war sie wenigstens nicht umsonst. Also ließ' die Mails, Unterlagen und Broschüren deiner Hochschule bitte gründlich. Dort findest du alle nötigen Informationen, wie beispielsweise: wo und wann deine Orientierungswoche stattfindet (Spoiler: Meist eine Woche vor dem Semesterstart!). Gehe da hin! Ich kann das wirklich nicht genug betonen. Doch kann ich: GEHE DA HIN!
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Zum einen lernst du dort quasi deine neue*n Klassenkamerad*innen kennen und zum anderen extrem viel Sinnvolles über den generellen Ablauf, bekommst Tipps von Alumni und kannst all deine Fragen stellen. In der OE habe ich dann auch erfahren, dass ich meinen Kursplan eigenverantwortlich über das Intranet planen muss. Auch wenn es viel Input war (so richtig durchgeblickt was ein Modul ist und welche Vorlesungen, Tutorien, Leistungen und vor allem Credits dazugehören, habe ich erst im dritten Semester) fühlte ich mich viel besser vorbereitet und ging ohne Bauchschmerzen zu meiner ersten Vorlesung.
3. Bafög beantragen bockt nicht, es zu bekommen schon!
Ohne Moos ist auch in der Studierenwelt nichts los. Je nach finanzieller Situation deiner Eltern hast du Anrecht auf einen Zuschuss vom Staat, das sogenannte Bafög. Davon musst du erst nach Beendigung deines Studiums und ab dem Erreichen einer bestimmten Gehaltsstufe die Hälfte zurückzahlen – ziemlich cool. Wer wieviel bekommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, aber das Informieren und das – zugegeben – zeitaufwendige Antragstellen lohnt sich, denn im Prinzip bekommst du Geld geschenkt und darfst dir trotzdem mit einem Nebenjob etwas dazuverdienen. Mein Tipp: Setze dich frühzeitig mit dem Thema auseinander, denn wenn das Semester im Oktober erst einmal gestartet ist, hast du andere Dinge im Kopf. Und je länger du es aufschiebst, desto später bekommst du logischerweise dein Geld.
4. Plane Parties in deinen Semesterplan ein
Eine der größten Ablenkungen im Studium sind definitiv die vielen Parties. Besonders in Studentenstädten kannst du, wenn du es darauf anlegst, praktisch an jedem Tag der Woche irgendwo steil gehen: Montag Sit-in in der eigenen WG, Dienstag zum Ersti-Treff in die Bar im Nachbarkiez, Mittwoch und Donnerstag finden in sämtlichen Clubs der Stadt Studentenparties statt und Freitag und Samstag mischt du dich als Abschluss noch unter das reguläre (Arbeitnehmer*innen)-Volk. Das gute am ersten Semester ist, dass du noch keinen Modul- oder Credit-Druck hast und deinen Kursplan demnach wahrscheinlich relativ frei gestalten kannst.
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Für mich war das ein Befreiungsschlag als Nachteule mit Nebenjob an der Bar endlich nicht mehr um sechs Uhr morgens aufstehen zu müssen und die Vorzüge einer Drei- oder Viertagewoche genießen zu können. Montags und freitags hatte ich grundsätzlich frei, donnerstags erst ab 14 Uhr Vorlesungen – bestes Leben! Sei ehrlich zu dir selbst und überlege dir, wann du am produktivsten bist und lege deine Kurse dementsprechend.
5. Organisiere dich und dein kreatives Chaos
In der Schulzeit flogen deine Zettel auch eher in der Tasche hin und her als fein säuberlich in einem beschrifteten Ordner abgeheftet zu sein und Eselsohren sind für dich Accessoires statt Mankos? Dann habe ich schlechte Nachrichten für dich. In der Uni erinnert dich niemand an Abgabefristen, für andere in der Vorlesung mitzuschreiben, lassen sich viele Studierende bezahlen und wenn du erwartest, bei Krankheit oder Kater von jemandem den behandelten Stoff in die WG getragen zu bekommen, brauchst du wirklich sehr gute Freunde. Jetzt bist du erstmal Einzelkämpfer*in!
Somit ist der Start des ersten Semesters auch höchste Zeit damit anzufangen, einen Terminkalender zu führen und eine To-do-Liste zu schreiben und sie auch abzuarbeiten. Wäsche waschen und kochen musst du beim Verlassen des Hotel Mama nämlich auch alleine. Mein letzter Tipp: Schreibe „Spaß haben und die Zeit genießen“ in Großbuchstaben über jeden Tag der Woche, denn das kommt – neben dem rechtzeitigen Waschen der Unterwäsche – manchmal auch zu kurz.
Erwachsenwerden ist spannend aber auch angsteinflößend. Deswegen haben wir dazu eine Themenwoche veranstaltet. Unter diesem Link haben wir alle Texte zusammengefasst. Hier kannst du dich unter anderem informieren, welche Studiengänge du auch ohne Abitur absolvieren kannst und bekommst Tipps, wie du das meiste aus deiner ersten Wohnung oder kleinem WG-Zimmer herausholen kannst.
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