Eine Woche in Kassel mit einem Jahreseinkommen von 32.000 €

Willkommen bei Money Diaries! Einem Format, in dem wir das allgegenwärtige Tabu Geld angehen. Wir fragen echte Menschen, wie sie ihr hart verdientes Geld sieben Tage lang ausgeben – und verfolgen jeden Cent. Diese Woche: Eine 34-Jährige aus Kassel, die in der Gastronomie arbeitet und großen Wert auf Nachhaltigkeit legt.
Beruf: Selbstständig 
Branche: Gastronomie
Alter:  34
Ort:  Kassel
Jahresgehalt (Brutto): 32.000 €
Monatliches Einkommen (Netto): 1.748,51 €
Anzahl deiner Mitbewohner:innen: 0
Pronomen: sie /ihr
Ich bin 34 Jahre alt und führe zusammen mit meiner Mutter eine Systemgastronomie, die ich in ungefähr vier Jahren komplett übernehmen werde. Ich bin politisch engagiert, außerdem sind Nachhaltigkeit und Zero Waste für mich essenziell. Ich bin an Depressionen erkrankt und mache seit einigen Wochen eine Therapie. Das stellt mein Leben total auf den Kopf, weil ich mich frage, was ich mir für meine Zukunft vorstelle und wer ich wirklich bin. Ich kann ehrlich gesagt nicht so gut mit Geld umgehen. Ich bin sehr großzügig, ich gebe gerne Geld für andere aus und investiere in hochwertige Produkte wie gute Kleidung und gutes Essen. 
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Monatliche Ausgaben

Wie viel Miete zahlst du?
Ich zahle für meine Altbauwohnung mit allen Nebenkosten nur ca. 550 Euro. Ich habe das Glück, dass ich da schon seit dem Studium wohne und mein Vermieter eine sehr nette Person ist. Mir ist es wichtig, Öko-Strom und Öko-Gas zu beziehen. Dafür zahle ich monatlich 38 Euro und 87 Euro. Dann kommt noch GEZ in Höhe von 17 Euro hinzu. Insgesamt habe ich also Wohnkosten in Höhe von 692 Euro monatlich.
Zahlst du einen monatlichen Kredit oder Ähnliches ab?
Nein. 
Hast du etwas gespart, wenn ja, wie viel hast du auf der Seite liegen?
Ich habe momentan ca. 3.000 Euro gespart, auf die ich auch zugreifen könnte. Ich lege jeden Monat 100 Euro zum Sparen zur Seite. Außerdem lege ich jeden Monat ca. 150 Euro beiseite. Davon bezahle ich dann beispielsweise meine Haftpflicht- / Hausrats- und Rechtsschutzversicherung, die einmal im Jahr fällig ist. Haftpflicht / und Hausratsversicherung kosten pro Jahr 206,92€ (pro Monat also 17,24€). Die Rechtsschutzversicherung kostet im Jahr 134,46€ (pro Monat also 11,21€). Ich hätte da sicherlich günstiger mit wegkommen können, aber ich mag den persönlichen Umgang mit meinen Bankberaterinnen und habe ehrlich gesagt auch keine Lust, mich ins Thema rein zu fuchsen. Von den monatlich 150 Euro beiseitegelegtem Geld bezahle ich auch alle 10 Wochen meinen Yogakurs, der 110 Euro kostet. Ich mache das, damit ich nicht überrascht werde, falls mal alles in einen Monat fällt.
Was hast du noch an monatlichen Fixkosten?
Ich zahle 10,99 € für eine Fitness-App. Dann kommen noch Netflix und Spotify hinzu (jeweils ca. 12 Euro). Da ich Mitglied bei den Grünen bin kommt noch ein Beitrag in Höhe von 15 Euro hinzu. Ich bin Kontaktlinsenträgerin und zahle ein monatliches Abo von 36 Euro, damit ich immer rundum versorgt bin. Neu hinzugekommen ist ein Abo, für das E-Paper der regionalen Tageszeitung (25,99 € ). Da ich mich politisch engagiere und bei Treffen oft über Kommunalpolitik gesprochen wird, möchte ich nämlich mitreden können und informiert sein. 
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Legst du etwas für deine Rente zurück?:
Ja, seit einem Jahr lege ich 125 Euro für die Rente zurück. Angelegt in EFTs. Vor Kurzem habe ich diesen Beitrag auf 135 Euro erhöht.
Hast du studiert? Wenn ja, wie hast du dich in der Zeit finanziert?
Ich habe studiert und einen Masterabschluss gemacht. Während des Studiums habe ich die ganze Zeit nebenbei in dem Geschäft meiner Mutter gearbeitet. Meine Eltern haben mir trotzdem noch immer ca. 300 Euro pro Monat dazugegeben. 
Welche Rolle hat Geld in deiner Kindheit gespielt?
Wir hatten immer genug Geld, meine Familie kam aber leider in meiner Jugend in eine finanzielle Schieflage. Da war das Geld echt knapp, aber das hat sich nach ein paar Jahren wieder gelegt. Meine Eltern sind sehr großzügig und haben nicht unbedingt auf Geld geachtet. Es wurde leider nie thematisiert, wie man Erspartes anlegt oder worauf man achten soll, um für das Alter gerüstet zu sein. Das liegt wohl daran, dass sich meine Eltern (damals zumindest) nur ein traditionelles Familienbild vorstellen konnten. Als alleinstehende Frau ohne Kinder ist man da ja heute ganz anders aufgestellt. In den Augen meines Vaters ist die Rente auch sicher – zumindest für seine Generation. 
Wann bist du zu Hause ausgezogen?
Ich bin mit 25 Jahren ausgezogen und dann direkt in eine WG gezogen. Bis zum Ende des Studiums mit 29 habe ich immer in einer WG gewohnt und nun wohne ich seit ein paar Jahren alleine. 
Bist du finanziell unabhängig? 
Ich bin finanziell unabhängig. Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten und mir seitdem alles selber bezahlt. Meine Eltern fingen an mich zu unterstützen als ich ausgezogen bin, da sie wohl einiges wieder gutmachen wollten, was mir während der schwierigen finanziellen Zeit in ihren Augen verwehrt geblieben ist. Das wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen. 
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Legt jemand aus deiner Familie Geld für dich aus- oder zurück?
Meine Eltern haben eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung für mich abgeschlossen. 
Was war dein erster Job und wie hast du ihn bekommen?:
Meinen ersten Job habe ich quasi immer noch. Ich habe mit 14 Jahren angefangen im Geschäft meiner Mutter und ihrem damaligen Geschäftspartner zu arbeiten. Mit 16 wurde ich dann “offiziell” zur Mitarbeiterin. 
Machst du dir aktuell Geldsorgen?
Klar. Selbstständig in der Gastro ist momentan kein Zuckerschlecken. Hinzu kommt, dass ich mich als alleinstehende Person auch ganz allein um meine finanzielle Absicherung im Alter kümmern muss. 
Hast du etwas geerbt oder erzielst du passives Einkommen?:
Leider nein. Bis auf einmal ein Sparbuch von meinem Patenonkel in Höhe von 1.200 Euro.
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Montag

8:00: Auf dem Weg zur Arbeit hat meine Strumpfhose eine Laufmasche bekommen. Also ab zur nächsten Drogerie und eine Neue gekauft (1,69 €). 
16:30: Meine Haut ist wegen des Wetters und der Heizungsluft total irritiert. Normalerweise versuche ich auf “unnötige” Beauty-Produkte zu verzichten. Aber ich habe mir eine Waschlotion, Gesichtswasser, Tagescreme, Augencreme sowie Gesichtsöl für rund 62 Euro gegönnt.
Tagesfazit: 63,69 €

Dienstag

16:30: Bei dem Unverpackt-Laden meines Vertrauens habe ich mir Haferdrink in der Glasflasche (2,19 €) und ein bisschen Obst und Gemüse (Karotte, Banane, Zitrone, Apfel) für 3,34 € gekauft. 
Tagesfazit: 5,53€

Mittwoch

13:10: Heute stand ein Termin beim Osteopathen an. Ich bin 89 Euro los und richtig gut eingerenkt. 
20:50: Nach meinem Yoga-Kurs hatte ich keine Lust mehr zu kochen und habe mir an der Salatbar im Supermarkt einen Salat gemacht (6,52 €) und  Schoki gab es auch (2,99 €).
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Tagesfazit: 98,51 €

Donnerstag

Heute habe ich ausnahmsweise nichts ausgegeben. 
Tagesfazit: 0 €

Freitag

Heute war ich beim Frisör. Waschen, Schneiden, Föhnen und Augenbrauen machen hat insgesamt 89 Euro gekostet. 
Tagesfazit: 89 €

Samstag

17:00 Ich bin nach Hamburg gereist, um eine sehr gute Freundin zu besuchen und dann gemeinsam an die Ostsee zu fahren. Das Ticket war schon lange bezahlt und hat 17,70 € mit Sitzplatzreservierung gekostet. Da ich bewusst auf ein Auto verzichte, habe ich eine Bahncard 25, die mich jährlich 55,70 € kostet. Ich habe meine Freundin zum Kaffee und Kuchen eingeladen (ca. 10 Euro inklusive Trinkgeld), weil sie mich mit dem Auto abgeholt hat. 
20:00 Der Abend war für mich recht günstig. Da meine Freundin mich vier Wochen zuvor besucht hatte und ich sie bei meinem Lieblingsitaliener zum Essen eingeladen habe (ca. 110 Euro im Oktober) , hat sie mich abends beim Vietnamesen eingeladen (ca. 50€). Danach sind wir direkt nach Hause gegangen,um für den Sonntag fit zu sein.
Tagesfazit: 10€ 

Sonntag

Am Sonntag ging es dann weiter zum Timmendorfer Strand, weil wir hier ein paar Tage Wellness-Urlaub machen wollen. Ich habe meiner Freundin 15 Euro Spritgeld dazugegeben. Angekommen am Ziel habe ich mir zwei Fischbrötchen gegönnt (je 3,50 €). Meine Freundin hat abends mein alkoholfreies Bier und den alkoholfreien Cocktail an der Bar übernommen. Das müssten ca. 10 € gewesen sein. Sie war der Ansicht, dass sie mir noch Geld “schulden” würde für den Abend in Kassel beim Italiener.
Wir sind bis Dienstag am Timmendorfer Strand geblieben. Die Halbpension hat pro Person 202 Euro gekostet plus ca. 6 Euro für die Kurkarten. Hinzu kamen noch die Getränke beim Abendessen. Ich habe keine extra Wellness-Anwendungen in Anspruch genommen, weil ich mich von der Therapiesitzung am Donnerstag noch immer emotional so geschlaucht gefühlt habe, dass ich keinen Körperkontakt haben wollte. Ich habe mich lieber im Wellness-Bereich mit Podcasts und einem Buch in eine Ecke gelegt. Sauna, Dampfbad und Pool waren im Preis inbegriffen. Am Dienstag sind wir dann wieder nach Hamburg gefahren und ich bin von dort mit dem Zug zurück nach Kassel gereist. Das Zugticket für 21,90 € hatte ich auch schon im Oktober bezahlt.
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Tagesfazit: 18,50€

Zusammenfassung: 

Essen & Trinken / Gastronomie: 32 €
Entertainment: -
Kleidung & Kosmetik: 153 €
Transportkosten: 15 €
Weitere: Osteopath 89 €
Kosten insgesamt: 289 €
Dein Fazit: 
Es überrascht mich nicht, dass ich so wenig Geld für Nahrungsmittel ausgebe, da ich immer auf der Arbeit esse oder mir von da etwas mitnehmen kann. So gut wie alle Ausgaben der Woche waren geplant. Ich wusste zum Beispiel, dass ich Fischbrötchen essen werde, aber nicht, wieviel das kostet. Der Osteopath und Frisör waren auch schon geplant. Ich versuche meine Konsumentscheidungen bewusst zu treffen. Spontane Shopping-Touren gibt es bei mir in der Regel nicht. Mein Kleiderschrank ist gut sortiert und ich verfolge das Ziel einer Capsule Wardrobe. Da ich auch sonst stark darauf achte auf Plastik und Müll zu verzichten, schränkt mich das im Nachkommen meiner vermeintlichen Konsumwünsche schon ein. Das macht sich aber auch im Geldbeutel bemerkbar - im positiven Sinne. 

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