Eine Woche in Köln mit einem Jahreseinkommen von 73.000 €

Willkommen bei Money Diaries! Einem Format, in dem wir das allgegenwärtige Tabu Geld angehen. Wir fragen echte Menschen, wie sie ihr hart verdientes Geld sieben Tage lang ausgeben – und verfolgen jeden Cent. Diese Woche: Eine 32-Jährige aus Köln, die im Marketingbereich arbeitet und ihr Geld gerne für gutes Essen ausgibt.
Beruf: Head of Marketing 
Branche: Automobilbranche
Alter: 32
Ort: Köln
Jahreseinkommen: 73.000 €
Monatliches Einkommen (Netto): 3.580 €
Anzahl deiner Mitbewohner:innen: 1
Pronomen: sie / ihr
Ich arbeite seit gut sieben Jahren im E-Commerce und bin auf Marketing spezialisiert. Aktuell bin ich Head of Marketing in der Online-Automobilbranche. Ursprünglich komme ich aus dem Südwesten Deutschlands. Seit knapp zwölf Jahren wohne ich in Köln. Ich teile mir seit einigen Jahren eine Wohnung mit meinem Freund. Wenn ich nur mein monatliches Gehalt betrachte, fühle ich mich finanziell gut aufgestellt und bin zufrieden damit, was ich in dieser „Männerdomäne“ verhandelt habe. Wenn ich auf meine Rücklagen blicke, bin ich aber noch nicht vollständig zufrieden. Das liegt vor allem an meinem Mindset und ist ein stetiger Prozess: Ich gebe noch zu viel aus und lege zu wenig zurück.
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Monatliche Ausgaben

Wie viel Miete zahlst du?

Ich wohne mit meinem Freund zusammen. Unsere Wohnung kostet 1.700 Euro warm pro Monat. Da ich mehr verdiene als er, bezahle ich aktuell 1.000 Euro und er 700 Euro im Monat.

Zahlst du einen monatlichen Kredit ab?

Ich bezahle einen Studienkredit mit 100 Euro pro Monat sowie einen alten Konsumkredit mit 200 Euro monatlich ab. 

Hast du Ersparnisse?

Ich war leider nie gut im Sparen. Ich weiß, dass mein Gehalt mir Gelegenheiten zum Sparen bietet – allerdings habe ich dieses Gehalt erst seit einem Jahr. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein finanzielles Polster absolut Sinn macht. Drei Netto-Monatsgehälter sollten es mindestens sein. Mein „Notgroschen“ liegt auf meinem Tagesgeldkonto. Bis vor wenigen Monaten waren es 10.000 Euro. Dann habe ich einen Großteil verwenden müssen, sodass es aktuell nur noch 1.000 Euro sind. Ich arbeite im Moment wieder auf die ursprüngliche Summe hin. Darüber hinaus habe ich ein ETF Depot, in dem ungefähr 5.000 Euro liegen. Das ist für die Rente gedacht und ich lege monatlich 150 Euro darauf. 

Weitere monatliche Fixkosten:

Ich zahle monatlich ungefähr 77 Euro für Versicherungen. Hausrat, Haftpflicht und Rechtsschutz teile ich mit meinem Partner. Hinzu kommt meine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie eine Reisekrankenversicherung. Außerdem gebe ich 13 Euro für meinen Mobilfunktarif und 19 Euro für Internet aus. Das Spotify Premium Abo kostet mich 8 Euro, dazu kommen ca. 5 Euro für meinen Cloud- und Emailspeicher. Ich habe eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft für 99 Euro und eine Kinderpatenschaft für 28 Euro. Das Netflix- und Amazon-Prime-Abo übernimmt mein Freund.
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Hast du studiert? Wenn ja, wie hast du dich in der Zeit finanziert und musstest du etwas für dein Studium zahlen?

Ja, ich habe einen Master an einer Uni gemacht, für die ich den halbjährlichen Semesterbeitrag zahlen musste. Meine Eltern haben während meiner Studienzeit meine Miete und einen Teil meiner Lebenshaltungskosten bezahlt. Meine restlichen Ausgaben habe ich mit Nebenjobs finanziert. Im Master, als die Zeit zum Jobben knapper wurde, stockte ich zusätzlich mit einem Studienkredit auf. Ich arbeite durchgängig, seit meinem 17. Lebensalter  – erst kleine Nebenjobs, dann als Werkstudentin, dann Vollzeit sowie während eines längeren Auslandsaufenthalts. 

Welche Rolle hat Geld in deiner Kindheit gespielt? Wurde in deiner Familie offen über Geld gesprochen?

Meiner Familie ging es finanziell immer gut. Meine Eltern haben ein Haus gebaut, Urlaub gehörte einmal im Jahr dazu. Auch nach meinem Auszug wurde ich unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Innerhalb der eigenen Bubble denkt man schnell, dass das normal ist, aber das es nicht. Es ist ein Privileg, das mir ermöglicht hat, zu studieren. Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich mich viel stärker einschränken müssen. Trotzdem: Auch in meiner Familie wurde nicht viel über Geld gesprochen. Nicht, weil es ein Tabu war, sondern weil das in Deutschland einfach so ist und sich dieses Verhalten über Generationen weiterträgt. Es gibt keinen Unterricht zum Thema Geldverwaltung in der Schule, keine Gespräche über Gehälter im öffentlichen Raum und immer noch die Selbstverständlichkeit in der Generation unserer Mütter, dass der Mann das Geld verwaltet. Ich habe weltoffene Eltern, die kein bisschen konservativ oder religiös sind. Dennoch: Mein Vater ging arbeiten, meine Mutter blieb zu Hause. Auch, weil sie das so wollte. Wenn es um mich und meine Schwester ging, war es meinen Eltern extrem wichtig, dass wir selbstständig sind. Wir hatten zwar finanzielle Sicherheit, es wurde aber trotzdem viel Wert auf Nebenjobs und ein gut eingeteiltes Taschengeld gelegt. 
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Wohnst du noch zu Hause? Wenn nicht, wann bist du zu Hause ausgezogen?

Ich bin mit 20 Jahren von zu Hause ausgezogen, also vor knapp 12 Jahren. 

Bist du finanziell unabhängig? Und wenn ja, seit wann?

Leider nicht.

Was war dein erster Job und wie hast du ihn bekommen?

Mit 16 oder 17 Jahren habe ich jeden Samstag bei DM an der Kasse gearbeitet, um mein Taschengeld aufzustocken. Meinen ersten Fulltime-Job bekam ich ganz klassisch über eine Stellenanzeige über die Website des Unternehmens. 

Machst du dir aktuell Geldsorgen?

Ab und zu. Manchmal kann es sehr schnell gehen, dass man dringend eine höhere Summe Geld benötigt. Mein Tipp: Niemals Geld verleihen, auf das du nicht verzichten kannst. Niemals in eine Wohnung ziehen, die du nicht auch alleine bezahlen könntest. Und sicher dich durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab.

Hast du etwas geerbt oder erzielst du passives Einkommen?

Weder noch.
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Montag

Ich arbeite im Marketing und leite ein Team aus sieben Personen. Ich bin seit ungefähr einem Jahr in dieser Position, die schlagartig vieles verändert hat: Deutlich mehr Verantwortung, mehr Herausforderungen, mehr Arbeit. Aber auch mehr Gestaltungsspielraum, mehr Sinn für mich, mehr Gehalt.
9 Uhr: Ein klassischer Montag. Ich bin etwas spät dran und fahre ins Büro. Mit dem Auto sind es nur zehn Minuten, deswegen gibt es unterwegs kaum Verlockungen, Geld auszugeben. Heute ist eine Ausnahme, denn ich muss dringend tanken: ca. 40 € gebe ich aus, der Tank ist nicht ansatzweise voll, denn die Spritpreise spielen verrückt. Angekommen im Büro gibt es Kaffee, Cappuccino & Co. vor Ort. Meistens faste ich bis 12 Uhr, außer am Wochenende. 
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13 Uhr: Aufgrund vieler Meetings kommt meine Mittagspause manchmal zu kurz. Heute nehme ich mir die Zeit und gehe mit zwei Kollegen essen. Ich entscheide mich für Pasta samt Getränk für 12 €.
18:30 Uhr: Mein Freund ist zu Hause unser Küchenchef. Unser Wochenplan hilft sehr bei der Budgeteinteilung – und auch bei der klassischen Frage: „Was essen wir heute?“ Ganz einfach: Montag ist französischer Tag, Dienstag gibt’s Suppe, Mittwoch ist Asia Wednesday, Donnerstag Salad Thursday, Freitag der mediterrane Tag, Samstag gibt’s frischen Fisch. Gefolgt von „Pizza-Sonntag, bester Sonntag“, wie mein Freund sagt. Mein Anteil am heutigen Abendessen, bestehend aus Omelett mit Gemüse, Baguette und Kräuterbutter: ca. 6,50 €
Tagesfazit: 58,50 €

Dienstag

7 Uhr: Ich starte den Tag mit Yoga. Das mache ich morgens ein- bis zweimal die Woche, sofern ich es rechtzeitig aus dem Bett schaffe. Den Kurs mache ich online über die App von Urban Sports Club, für die ich einen festen Monatsbeitrag bezahle.
12:30 Uhr: Ich bestelle mir eine Bowl ins Büro, die ich nebenbei esse, während ich Mails bearbeite und durch Instagram scrolle. Samt Lieferkosten und Trinkgeld sind das 18 €, denn es gibt einen Mindestbestellwert. Auf Instagram wird mir eine Anzeige für ein Konzert ausgespielt, das mich schon länger interessiert. Ich entscheide mich für zwei Karten, bestelle online und bezahle 68 € dafür. 
Die zweite Hälfte des Tages verbringe ich in einem stundenlangen Meeting. Ich halte mich in der Zeit mit ungesunden Snacks aus dem Meetingraum über Wasser, die wir nicht extra bezahlen müssen. 
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19 Uhr: Mein Freund und ich entscheiden uns für ein Abendessen vom Lieferdienst und ziehen den Asia Wednesday vor: Es gibt Thailändisch. Wir haben ein gemeinsames, monatliches Essensbudget, das wir uns 50/50 teilen. Mein Anteil heute: 9 € für ein vegetarisches Reisgericht mit Tofu.
Tagesfazit: 95 €

Mittwoch

8:30Uhr: Heute ist einer dieser Tage, die ich an meinem Job besonders liebe: Es steht eine Videoproduktion an. Ich komme kurz nach 8 Uhr an der Location an, begrüße die Crew. Ich begleite die Werbeproduktion den ganzen Tag. Wir haben ein kleines Catering am Set, sodass ich heute keine Ausgaben den Tag über habe.
18 Uhr: It’s a wrap! Alles im Kasten, alle erschöpft und glücklich. Ich bringe einen Teil der Requisiten und einen der Komparsen zurück ins Büro. Auf dem Heimweg halte ich beim türkischen Supermarkt, kaufe mir eine Packung gesalzener Pistazien und eine Coke Zero. Beides zusammen für ca. 5 €. 
Mein Freund hat währenddessen die Suppe aus roten Linsen gekocht, die eigentlich schon gestern auf dem Plan stand. Mein Anteil sind ungefähr 5 €.
Tagesfazit: 10 €

Donnerstag

9 Uhr: Heute bin ich im Homeoffice und verbringe den Vormittag mit Zoom-Calls und Vorbereitungen. Auch diesmal klappt es mit dem Fasten gut, sodass ich morgens noch keine Ausgaben habe. 
12 Uhr: Ich hole mir einen belegten Bagel beim Bio-Supermarkt um die Ecke (4,50 €) und bin auf dem Weg zur Physiotherapie. Für meine vier Sitzungen muss ich insgesamt 22 € zuzahlen. Danach geht’s zurück an den Schreibtisch zu E-Mails, Zoom und Slack.
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16 Uhr: Ich nutze eine kurze Lücke, um in einem Onlineshop für Garten-Equipment einen Winterschutz für meinen Olivenbaum zu bestellen. Mit dem Umzug ist auch eine Terrasse dazugekommen, für die ich den Baum gekauft habe. Ich muss ihn unbedingt gut durch den Winter bringen! Wie bei allen teuren, materiellen Investitionen ist es mit den reinen Anschaffungskosten nicht getan, auch die Instandhaltung und Pflege kosten entsprechend Geld. Der Wintervlies in XL schlägt mit 80 € zu Buche.
18 Uhr: Mein Freund und ich machen Salat mit gegrilltem Gemüse und Feta. Mein Anteil heute: ca. 8 €.
Tagesfazit: 114,50 €

Freitag

8 Uhr: Fast Wochenende, fast geschafft. Ich gehe vor der Arbeit kurz in die Drogerie. Der Einkauf für Wimperntusche, Waschmittel und Zahnpasta kostet mich 16 €. Danach zurück ins Homeoffice. 
12 Uhr: Ich mache mir einen Snack aus Bauernbrot mit veganem Aufstrich, Gurke und einigen Brombeeren. Was man eben im Kühlschrank so findet. Ich schätze, da kommt ein Betrag von ca. 4 € zusammen.
17 Uhr: Feierabend: Ich gehe kurz zum Kiosk um die Ecke und kaufe mir wieder eine Coke, ein Kinder Bueno und bringe auch meinem Freund etwas zu trinken mit. Kosten: 6 €. Wir kochen ein Pilz-Risotto, denn laut Speiseplan steht der mediterrane Tag auf dem Programm. Mein Anteil: ca. 7 €. Dann lassen wir den Abend mit Netflix ausklingen.
Tagesfazit: 33 €

Samstag

10 Uhr: Ich schlafe aus und freue mich über das Wochenende. Dann packe ich meine Sachen, um ins Fitnessstudio zu gehen. Alle meine sportlichen Aktivitäten mache ich über meine Urban-Sports-Club-Mitgliedschaft. Zum Studio gehe ich zu Fuß, denn ich habe Zeit und das Wetter spielt mit. 
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12:30 Uhr: Auf dem Rückweg treffe ich meinen Freund auf dem Wochenmarkt. Wir kaufen frische Jakobsmuscheln für 8 € pro Person, Gemüse und Quinoa für 5 € pro Person und frische Blumen für 6 € pro Person. Nächster Halt im Viertel: Ich springe kurz bei einer Boutique rein. Ich kaufe nur noch wenige und sehr ausgewählte Klamotten. Da mir aber leider einer meiner besten Pullover eingegangen ist, muss ein Ersatz her. Heute werde ich fündig: Das kuschelig weiche, neue Teil kostet mich 69 €. Wir bummeln noch durchs Viertel, es schließen sich noch zwei Freund:innen auf einen Kaffee an. Kosten: ca. 3 € pro Person. Dann geht es nach Hause, denn die Jakobsmuscheln müssen dringend in die Kühlung.
20 Uhr: Es gibt ein spätes Abendessen aus oben erwähnten Lebensmitteln. Oft essen wir mit oder bei Freund:innen, gehen in Restaurants oder in eine Bar. Diesmal wird es ein ruhiges Wochenende, weitere Ausgaben gibt es daher heute nicht mehr.
Tagesfazit: 91 €

Sonntag

10:30 Uhr: Das späte Frühstück besteht aus Rührei und Brot, Käse, Champignons. Meinen Anteil schätze ich auf ca. 4 €.
Danach wird die Wohnung auf Vordermann gebracht, bevor ich eine gute Freundin auf einen Spaziergang treffe. Unser Ziel ist eine Ausstellung in der Nähe, deren Eintritt mich 14 € kostet. Ich liebe und brauche kreativen Input, der mich inspiriert. Das Glas Weißwein bei der Ausstellung kostet 4,50 €. Danach gehen wir zum Vietnamesen zu Abend essen, Kostenpunkt samt Trinkgeld: 20 €. Mein Freund muss seinen Pizza-Sonntag heute alleine bestreiten.
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Tagesfazit: 42,50 €
Zusammenfassung: 
Essen & Trinken / Gastronomie: 135,50 €
Entertainment: 82 €
Kleidung & Kosmetik: 85 €
Transportkosten: 40 €
Freizeitausgabe für Olivenbaum: 80 €
Gesundheitsausgabe: 22 €
Kosten insgesamt: 444,50 €
Dein Fazit: Hätte ich mit diesen Ausgaben gerechnet? Ja, tatsächlich. Wenn ich schätzen muss, wohin mein Budget im Monat fließt, ist das relativ einfach: Größtenteils habe ich es gegessen. Gutes Essen ist eine meiner größten Leidenschaften. Aber auch sonst kenne ich mein Geldverhalten gut, da ich seit einiger Zeit ein digitales Haushaltsbuch führe. Das öffnet wirklich die Augen! Mir ist auch klar: Wenn ich jede Woche auf diese Summe komme, wären es 1.778 Euro pro Monat, die ich ausgebe. Abzüglich meiner relativ hohen Fixkosten wären dann nur noch knapp 100 Euro pro Monat übrig. Deswegen bemühe ich mich so oft wie möglich, am Anfang eines Monats zu sparen und immer wieder geldfreie Tage einzulegen. Ich halte es für essenziell, dass wir Frauen unsere Finanzen in die Hand nehmen. Dazu gehört für mich, unsere Einnahmen zu erhöhen, unsere Ausgaben zu verstehen und an den richtigen Stellen zu reduzieren, aber auch ganz klar das (eigenständige!) Investment an der Börse. Geld schafft Freiheit und macht uns selbstbestimmt. Es gibt uns Möglichkeiten, Jobs oder Beziehungen zu verlassen, die uns unglücklich machen. Es gibt uns die Möglichkeit, etwas zu spenden und zurückzugeben. Wer zu wenig Geld hat, muss sich ständig über Geld Gedanken machen. Und ebenso über die Menschen, oft Kinder, die von unseren Einnahmen abhängig sind. Es gibt da draußen mehr als genug Geld, ihr nehmt niemandem etwas weg. Deswegen: Traut euch offen auszusprechen, dass euch Geld wichtig ist. Manche werden euch dafür abstempeln, schon aus dem einfachen Grund, dass wir Frauen sind. Völlig egal. Sagt und symbolisiert es euren Vorgesetzten, steht für eure Arbeit ein, nehmt euch euer Stück vom Kuchen. Und vergesst nicht die Sahne on top.

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