Eine Woche als Redakteurin in Berlin mit einem Jahreseinkommen von 39.600 €

Willkommen bei Money Diaries! Einem Format, in dem wir das allgegenwärtige Tabu Geld angehen. Wir fragen echte Menschen, wie sie ihr hart verdientes Geld sieben Tage lang ausgeben – und verfolgen jeden Cent. Diese Woche: Eine 28-Jährige Redakteurin aus Berlin, die diese Woche zwar viel erlebt, aber dabei weniger ausgibt, als sie angenommen hätte. 
Beruf: Redakteurin
Branche: Medien
Alter: 28
Ort: Berlin
Jahresgehalt (Brutto): 39.600 €
Monatliches Einkommen (Netto): 2160 €
Anzahl deiner Mitbewohner:innen: 0
Pronomen: sie/ihr
Ich arbeite seit einigen Jahren Vollzeit als Redakteurin in Berlin. Aktuell steht durch den Winter und Corona nicht so viel in meinem Alltag an und meine Kosten halten sich deshalb ganz gut im Rahmen. Nachdem ich als Studentin und Journalistenschülerin viel auf meine Ausgaben achten musste, genieße ich es gerade relativ unbedarft zu leben und nicht zu viel aufs Geld zu schauen. Ich weiß, dass das eine sehr privilegierte Herangehensweise an die Sache ist. Ich weiß auch noch, wie es war, sich als Studi am Ende des Monats 20 Euro von einer Kommilitonin zu borgen, um noch Lebensmittel einzukaufen. Ich genieße meine finanzielle Freiheit daher sehr.
Werbung

Monatliche Ausgaben

Wie viel Miete zahlst du? 

Die monatliche Kaltmiete für meine 41 qm Wohnung in Kreuzberg beträgt 441 Euro. Dazu kommt ein Stromabschlag von 32 Euro. Für Gas zahle ich 40 Euro im Monat.

Zahlst du einen monatlichen Kredit oder Ähnliches ab?

Glücklicherweise habe ich aktuell keine Studienkredite, BAföG oder ähnliches, das ich monatlich abbezahlen muss. 

Hast du etwas gespart, wenn ja, wie viel hast du auf der Seite liegen?

Im letzten Jahr hatte ich durch eine Rückzahlung meiner Hausverwaltung das Glück, mir einen kleinen Puffer anzulegen. Aktuell habe ich circa 5.000 Euro, die auf meinem Konto auf ihren Einsatz warten. Allerdings spare ich sonst nicht wirklich, es gibt keinen monatlichen Betrag, den ich zur Seite lege oder ähnliches. 

Was gibst du noch an monatlichen Fixkosten aus? 

Ich habe einige Fixkosten, die jeden Monat von meinem Konto abgebucht werden. Für meinen Mobilfunkvertrag gebe ich 19,99 € aus, mein Internet ist dagegen ziemlich teuer, das beläuft sich auf 44,82 €. Neben meinem Öffi-Ticket für ca. 86 Euro zahle ich noch 14,26 € für meine Zahnzusatzversicherung, 3,70 € für eine Hausrats- und 4 € für eine private Haftpflichtversicherung.

Legst du etwas für deine Rente zurück?

Bisher noch nicht. Ich habe mich aber vor Kurzem das erste Mal wirklich mit dem Thema beschäftigt und werde mich wohl ab meinem 30. Lebensjahr darum kümmern.

Wie hast du dich in der Zeit deines Studiums finanziert? Musstest du etwas für dein Studium zahlen?

Ich habe sowohl einen Bachelor- als auch einen Masterabschluss gemacht. Während meines Studiums habe ich mich zeitweise durch einen Nebenjob für 7 Euro die Stunde und durch den Unterhalt meines Vaters finanziert. Für meinen beiden Auslandssemester habe ich Erasmus-Förderung erhalten und mir Geld von meinen Eltern geliehen, dass ich danach zurückgezahlt habe.
Werbung

Welche Rolle hat Geld in deiner Kindheit gespielt? Wurde in deiner Familie offen über Geld gesprochen?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir viel über Geld gesprochen haben. Ich weiß allerdings noch, dass mein Vater bei unseren Familienurlauben immer nach guten Angeboten geschaut hat und ich mir größeres Spielzeug und Anschaffungen wie iPod oder Nintendo DS auch selbst verdienen musste, indem ich zum Beispiel das Auto meiner Mama gewaschen habe.

Wann bist du zu Hause ausgezogen?

Ich bin kurz nach meinem 19. Geburtstag ausgezogen, um mein Studium in Berlin zu beginnen.

Bist du finanziell unabhängig? Und wenn ja, seit wann?

Ich bin seit Ende 2018 relativ finanziell unabhängig, selten leihe ich mir Geld von meiner Familie für größere Anschaffungen zum Beispiel nach einem Umzug. 

Gibt es jemanden aus deiner Familie, der / die in irgendeiner Weise Geld für dich auslegt oder zurücklegt? 

Meine Mutter hat mir zuletzt vor zwei Jahren nach einem Umzug Geld für meine Küche geliehen. Das waren knapp 3.000 Euro, die ich zu dem Zeitpunkt nicht auf dem Konto, aber in Aussicht hatte. Wenn ich nicht wüsste, dass ich Leihgaben meiner Familie innerhalb eines Jahres abstottern könnte, würde ich mir aber eher nichts bei ihnen leihen, um die Beziehung nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. 

Was war dein erster Job und wie hast du ihn bekommen?

Ich habe während meines Studiums in einem Fitnessstudio gejobbt und dort alles gemacht, was so anfiel. Von Verträgen abschließen bis hin zur Inventur und Probetrainings. Dafür gab es 7 Euro pro Stunde. Ich hatte in dem Fitnessstudio selbst trainiert und dann auf Social Media die Stelle gesehen und mit ganz regulär beworben. 
Werbung

Machst du dir aktuell Geldsorgen?

Zum Glück habe ich aktuell keine finanziellen Sorgen. 

Hast du etwas geerbt oder erzielst du passives Einkommen?

Nein.
________

Montag

9:00 Ich bin kurz vor knapp aufgestanden, da ich heute im Homeoffice gearbeitet habe. Aus purer Faulheit habe ich nur einen Tee zum Frühstück getrunken.
13:00 Zum Mittag habe ich mir Pasta mit Pilzsauce gekocht, die Zutaten hatte ich bereits einige Tage zuvor im Supermarkt besorgt. 
19:00 Ich war am Abend zum Essen mit einer Freundin verabredet. Wir haben uns in einem veganen Restaurant in Neukölln getroffen. Dort habe ich eine Cola und eine Limonade getrunken und ein Hauptgericht gegessen. Inklusive Trinkgeld hat mich das Essen 21 € gekostet. Da ich ein Monatsticket besitze musste ich an nichts extra für den Bus auf dem Weg nach Hause zahlen.
Tagesfazit: 21 €

Dienstag

8:00 Mein Tag im Homeoffice beginnt heute etwas früher. Obwohl ich eigentlich noch einen Kaffee im Café am Kanal holen will, vertrödel ich den morgen und habe so keine Ausgaben. 
13:00 Ich koche mir zum Mittag einen großen Topf Suppe, alle Zutaten habe ich bereits Zuhause.
19:00 Bevor ich mich auf den Weg zum wöchentlichen Buchclub mache, esse ich Leftovers. Da ich danach mit dem BVG Ticket unterwegs bin bleiben meine Kosten an diesem Tag bei null.
Tagesfazit: 0 €

Mittwoch

9:00 Ich starte in den letzten Tag Homeoffice der Woche.
12:00 Zu Mittag gibt es Suppe vom Vortag. Nach dem Lunch bringe ich ein Paket für meine Mutter zur Post und zahle dafür 4,99 € Versandkosten.
Werbung
17:00 Ich mache mich auf den Weg zum Impfzentrum, der Termin ist für mich kostenlos.
21:00 Ich bin wieder in meinem Kiez angekommen und will gleich noch mit meiner Mutter telefonieren. Da ich weder Zeit noch Lust habe mir etwas zu Abend zu kochen kaufe ich mir auf dem Heimweg ein Falafel-Sandwich für 3,50 €.
Tagesfazit: 8,49 €

Donnerstag

9:30 Ich mache mich auf dem Weg ins Büro. Zum Frühstück kaufe ich mir im Supermarkt um die Ecke einen Joghurt und einen Smoothie für insgesamt ca. 4 €.
13:00 Ich gehe mit meinem Kollegen zur Mittagspause in ein Restaurant in der Nähe und bestelle eine Suppe für 7,50 € und eine Limonade für 4 €. Mein Kollege lädt mich ein und somit musste ich für meinen Lunch kein Geld ausgeben.
18:30 Ich treffe mich mit ehemaligen Kollegen zum Glühwein trinken bei meinem alten Arbeitgeber. Der Glühwein und die gebrannten Mandeln, die ich über den Abend esse, sind kostenlos.
22:00 In einer Kneipe trinke ich mit meinem Kollegen noch ein Bier für 2,70 € und spiele ein paar Runden Darts, was mich 2 € kostet.
Tagesfazit:  8,70 €

Freitag

9:30 Ich fahre ins Büro und hole mir auf dem Weg im Café nebenan einen Latte macchiato mit Hafermilch für 4,20 € und ein Stück Kuchen für 3 €.  
13:00 Zum Mittag koche ich mir und meinem Kollegen im Büro Nudeln, um Reste von letzter Woche aufzubrauchen. Ich kaufe noch ein paar Zutaten dafür ein und gebe dafür ca. 7 Euro aus.
Werbung
19:00 Ich bin mit einer Freundin zum Essen verabredet. Ich esse eine Pho und trinke einen Eistee. Mit Trinkgeld gebe ich für das Abendessen insgesamt 14 Euro aus.
21:00 Auf dem Heimweg kaufe ich mir im Drogeriemarkt noch ein paar Kleinigkeiten, die ich gerade benötige wie Deo und neue FFP2-Masken. Der Einkauf kostet mich 16 Euro.
Tagesfazit: 44,20 €

Samstag

12:00 Da ich heute Freund:innen zu Besuch habe bestelle ich Snacks und Essen für den Abend und noch ein paar Lebensmittel für mich selbst. Inklusive 4 Euro Trinkgeld für den Fahrer gebe ich 49 Euro dafür aus. Ansonsten entstehen mir an diesem Tag keine Kosten. 
Tagesfazit: 49 €

Sonntag

12:00 Für ein verspätetes Frühstück esse ich Reste von dem gestrigen Abend mit meinen Freund:innen.
15:00 Ich gehe mit einer Freundin in ein Café. Dort trinken wir jeweils einen Kaffee und essen eine Zimtschnecke. Da mich das Café über Instagram eingeladen hat, bleibt unser Besuch für mich kostenlos.
19:00 Gemeinsam mit einer Freundin bestelle ich Essen zu ihr nach Hause. Ein Hauptgericht und eine Vorspeise kosten mich 12,90 €
Tagesfazit: 12,90 €

Zusammenfassung: 

Essen & Trinken / Gastronomie: 121,30 €
Entertainment: 2 €
Kleidung & Kosmetik: 16 €
Transportkosten: Mein Monatsticket kostet mich anteilig pro Woche 19 €
Sonstiges: 4,99 €
Kosten insgesamt: 163,29 €

Dein Fazit:

Ich habe das Gefühl, ich bin diese Woche finanziell wirklich gut weggekommen, obwohl ich viel erlebt habe. Ich würde sagen, dass ich normalerweise mehr Geld ausgebe. Diese Woche hatte ich das Glück, dass viele gastronomischem Ausgaben, die ich eigentlich gehabt hätte, für mich kostenlos waren. Das ist auch wirklich eher selten der Fall. Ich habe mich tatsächlich darüber gefreut, dass ich diese Woche kaum Geld für unnötigen Kram ausgegeben habe. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass ich viel im Homeoffice gearbeitet habe und meine Woche so vollgepackt mit sozialen Terminen war, dass ich gar keine Zeit für (Online-)Shopping hatte. 

More from Work & Money

R29 Originals

Werbung