Business-Brief von Maru Winnacker: Herzensangelegenheit Mentoring

Ich bin Maru, man könnte sagen, die Mutti der Unternehmer-Mädels. Nicht nur, weil ich bereits mit 26 mein erstes Unternehmen gründete und heute jungen Frauen beim Start helfe, sondern weil ich auch gerade Nachwuchs erwarte. Kind und Karriere? Nach wie vor der Dauerbrenner unter den Themen für Geschäftsfrauen. Aber auch bei Inhalten wie Networking, Finanzierung, Karriere-Karma und vielem mehr kann ich helfen – und zwar ab sofort in meiner neuen Business-Kolumne bei Refinery29.de.

Mentoring ist unbezahlbar. Ich verdiene nichts, wenn ich eine junge Gründerin mit meinem Rat und meinen Kontakten unterstütze und dennoch macht es mich glücklich. Immerhin hatte ich auch mal Hilfe...

So war’s bei mir: Als ich Deutschlands erste Luxusteemarke auf den Markt gebracht habe, kannte ich mich überhaupt nicht aus! Vor der Premiumbranche hatte ich damals großen Respekt, also machte ich mir eine Liste an Personen, die mir behilflich sein könnten. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass der Europachef von einer international bekannten Luxusschmuckmarke ebenfalls an der European Business School studierte – der perfekte Aufhänger! Ich schrieb eine knappe Mail (zehnmal schraubte ich bestimmt daran, bis sie perfekt war), in der ich mich vorstellte und um ein persönliches Kennenlernen bat, um von seiner Expertise zu lernen. Zwei Wochen später erhielt ich eine Zusage – mit dem Hinweis, dass er bereits begeistert meinen Limonengrastee trinkt.

Warum ich das erzähle? Weil das der Grund ist, warum ich heute selbst Wegbegleiterin und Ratgeberin bin: zum Beispiel für Tamara. Ich liebe den Kampfgeist junger Unternehmerinnen, kenne aber auch ganz genau die Ängste – auch Tamara war ganz nervös bei unserem Treffen vor zwei Monaten. Ihre Stimme zitterte noch unsicher und sie bedankte sich mehrmals dafür, dass ich mir Zeit dafür nehme, ihre Geschäftsidee anzuhören. Für mich selbstverständlich, außerdem hat mich ihr Pitch überzeugt:

KOAwomen ist eine Konferenz und Netzwerkplattform für junge Frauen, die ein besonderes Talent in Taten umsetzen wollen. Nicht die klassischen MBA-Absolventinnen der Elite Universitäten (diese treffen sich sowieso in ihren Alumni Clubs), sondern Quereinsteigerinnen aus den unterschiedlichsten Branchen: Von Design, über Musik bis hin zu Pharmazie. Für genau diese Gruppe gibt es bisher noch keine Möglichkeiten sich mit Frauen in Führungspositionen und mit Vorbildfunktion zu vernetzen.

Die Idee ist klasse – ich bin jetzt also ganz offiziell ihre Mentorin: Der Businessplan steht, das Sponsoringkonzept ist da und die erste Version der Website ist live. Wenn wir es nicht schaffen uns persönlich zu treffen, dann chatten wir. Hauptsache wir kommunizieren wöchentlich und schreiten gemeinsam weiter in Richtung Zielline: Die erst KOAwomen Konferenz muss in einem Jahr stehen. Dafür haben wir einen straffen Zeitplan erstellt.

Tamara und ich treffen uns einmal fest im Monat zu einem Arbeitsessen. Wir besprechen Themen wie Sponsorenakquise, Weiterentwicklung der Website oder gehen mein Netzwerk an potentiellen Rednerinnen für die Konferenz durch. Beim letzten Mal haben wir nichts anderes geübt als den so genannten „Elevator Pitch”. Sie musste lernen, wie man seine Idee kurz, knapp und überzeugend vorstellt. Gedanklich waren wir im Aufzug und sie hatte nur so lange Zeit, bis der imaginäre Lift oben ankam.

Die ganze Unternehmung zwischen Tamara und mir funktioniert nur, weil wir ein ganz klares gemeinsames Ziel vor Augen haben, nämlich, dass am Ende die erste KOAwomen Konferenz steht. Das in einem Jahr, also mit einem ganz klaren Zeitplan.
Unternehmerinnen von Herzen, Maru und ihr Mentee Tamara Schenk
Was bringt mir das Ganze? Monetär gar nichts. Das wäre auch die falsche Motivation. Es wird so viel von Female Empowerment gesprochen. Das funktioniert aber nur, wenn wir uns gegenseitig „empowern“, also helfen, unterstützen und vernetzen. Auf meinem Weg haben mich unterschiedliche Mentoren und Mentorinnen begleitet. Dafür bin ich unendlich dankbar und diese Dankbarkeit möchte ich selbstverständlich weitergeben in Form von meiner Unterstützung für andere junge Frauen. Dafür sollte Zeit sein, denn nur so werden wir es schaffen, dass zukünftig mehr Frauen gründen oder an Spitzenpositionen in Unternehmen gelangen.

Das rate ich Euch: Gute Mentorinnen werden antworten – traut euch also, den ersten Schritt zu gehen und nach einem Kennelernen zu fragen. Ihr könnt nur gewinnen. Wenn man aber nichts unternimmt, Angst hat, dann ist dies direkt wie eine Absage zu sehen. Man muss nur gut vorbereitet sein und „einfach machen”.

Eine gute Vorbereitung ist wichtig. Damit meine ich nicht, beim ersten Treffen den perfekten Businessplan fertig zu haben, sondern zu wissen, was man eigentlich von dieser Person will. Möchte man zum Beispiel Zugang zum Netzwerk, Businessplanerfahrung oder einfach nur eine Bestätigung, dass man gründen sollte? Nur wer hier ganz klar seine Erwartungen an das Gespräch formuliert, wird auch eine klare Antwort oder Zusage erhalten. Eine Mentorin ist dazu da, um zu helfen. Dies kann sie aber nur, wenn sie auch weiß, dass sie gebraucht wird. Im Übrigen bin ich der Überzeugung, dass eine gute Mentorin Talent zu erkennen vermag und ihr Mentee dann auch gerne und nachhaltig fördert.

Hat man nun seine Mentorin gefunden, so gelten auch hier klare Regeln: Respekt vor der gegenseitigen Zeit, Regelmäßigkeit und eine klare Zielvereinbarung, in der man gemeinsam festsetzt, was man wann erreichen möchte. Es ist ganz klar, dass die Mentorin nicht mehr Zeit in das Unternehmen oder Projekt der Gründerin investieren sollte als die Gründerin selbst. Wichtig ist, dass man die grundlegende, tatsächliche Arbeit, nicht an andere abgibt. Ich hatte auch Themen, die ich einfach nicht so gerne mochte. Ich wollte ja sofort starten und hätte am liebsten mit den schönen Themen begonnen wie zum Beispiel Design oder Marketing. Bringt aber nichts, da man letztlich die unangenehmen Aufgaben nur verschiebt – und eine Verschiebung andere Arbeitsschritte sogar aufhält.

Regelmäßige Treffen oder Telefonate sollten eingeplant werden. Nicht zu viele, aber so, dass dazwischen auch gut mit dem Gelernten gearbeitet werden kann. Auch für die Kommunikation in Etappen ist ein Ziel immer wichtig. Macht euch immer klar, was ihr beim Treffen oder Telefonat erreichen möchtet. Hausaufgaben machen, klingt nach Schule, aber gehört eben auch zum Einmaleins einer Gründerin.

Man kann alles lernen – auch ein Unternehmen erfolgreich zu machen.
Eure Maru
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