Business-Brief von Maru Winnacker: Der persönliche Auftritt

Als Gründerin und Unternehmerin hilft es öffentliche Auftritte einzuplanen. Denn, die eigene Idee muss vorgestellt werden - vor Investoren, Kunden aber auch Mitarbeitern und den Medien. Nicht nur für Gründerinnen ist öffentliche Präsenz wichtig, sondern für jede Frau, die beruflich weiterkommen möchte. Wer nicht gesehen wird, den gibt es nicht. Kann man ein selbstbewusstes Auftreten lernen? Ja. Raus aus der Komfortzone!

So war’s bei mir:

Ich bin adoptiert. Mit drei Jahren kam ich aus Seoul, Südkorea, zu meinen Eltern nach Deutschland. Ein recht spätes Alter für eine Adoption, denn zweieinhalb Jahre später sollte für mich schon die Grundschule in Deutschland beginnen. Meinen Eltern war es sehr wichtig, dass ich mich schnell in mein neues Umfeld integriere und selbstbewusst in meinen Kindergarten- und späteren Schulalltag starte. Ich sah anders aus und musste mich zudem auch schnell in meine neue Welt eingewöhnen.
Der erste Schritt in Richtung öffentliches Auftreten begann mit meinem Musikunterricht. Ich bekam Unterricht in Klavier und Querflöte und beim ersten Kinderkonzert bekam ich meinen ersten Soloauftritt - vor gefühlt unendlich vielen großen Erwachsenen und Kindern. Der erste Lampenfiebermoment war also mit vier Jahren geschafft. Natürlich war mein erster Auftritt nicht perfekt und ich musste mehrmals neu anfangen beim Vorspielen, aber Hauptsache, ich habe es gewagt und gemacht. Dadurch, dass fast alle zwei Monate irgendwo ein kleiner Wettbewerb oder Vorspielen war, lernte ich spielerisch, Freude an öffentlichen Auftritten zu haben, aber auch, eine gute Leistung zu präsentieren. Applaus, also positives Feedback auf meine Leistung, machten mir Spaß. Letztlich denke ich, dass dies der erste Grundstein war, dass ich selbstbewusst in meinen Schulalltag gestartet bin.

Bei späteren Referaten meldete ich mich gerne freiwillig. Übung macht bekanntermaßen die Meisterin. Ich habe viele Möglichkeiten wahrgenommen, Präsentieren zu lernen. So war ich Mitglied bei der Jugend UN und repräsentierte drei Jahre hintereinander jeweils ein anderes Land vor einem großen, mir fremden, Publikum. Beim Rotaract Club im Taunus (der Jugend Organisation von Rotary) wurde ich mit 16 Jahren Vizepräsidentin und machte Fundraising für soziale Projekte in der Region. Das bedeutete viele Vorträge zu halten, um Spenden einzusammeln.

An meiner Universität ging es weiter mit dem Üben, denn wir mussten häufig vor unseren Kommilitonen, Unternehmen und Professoren präsentieren. In meinem ersten Job - ich fing im Vertrieb bei einem weltweiten Spirituosenkonzern an - ergriff ich ein Projekt, für das ich die gesamte Außendienstmannschaft (knapp 200 Personen) gewinnen musste. Also wieder Präsentieren. Üben. Präsentieren.

Das war eine super Voraussetzung für meine heutige Tätigkeit als Unternehmerin. Die Inhalte haben sich zwar geändert, aber ein gesundes Selbstbewußtsein ist notwendig, um mein Unternehmen zu vertreten.

Das rate ich euch:

Selbstbewußtsein kann jeder üben. Ihr müsst es aber selbst wollen und umsetzen. Nutzt jede Chance euer öffentliches Auftreten zu üben, zum Beispiel wenn es darum geht in eurem Unternehmen ein Teamprojekt vorzustellen. Bewerbt euch für Konferenzen und öffentliche Auftritte als Rednerin. Ihr werdet euch wundern, auf wie viel positiven Zuspruch ihr stößt. Es gibt leider immer noch zu wenige weibliche Rednerinnen. Seht Lampenfieber als etwas Gutes an, denn es hilft euch, euch zu konzentrieren. Also, raus aus der Komfortzone!

Setzt klare Botschaften, wenn ihr auf einem Podium seid und bereitet euch gut vor. Lieber einen Vortrag zwanzig mal vor dem Spiegel üben als spontan kreativ zu sein. Letzteres geht meistens schief. Seid ihr mit mehreren Personen auf einem Panel, spielt vorher alle Diskussionspunkte einmal gedanklich durch und überlegt euch eure Kernaussage. Dann klappt das.

Selbstbewusstsein bedeutet, sich über sich selbst bewusst zu sein. Wer seid ihr. Was macht euch aus. Wo sind eure Stärken und Sympathiepunkte. Jede von euch ist auf ihre Art und Weise besonders. Seid mutig und zeigt das. Es ist nie zu spät, ein gesundes Selbstbewußsstsein zu üben. Ich übe dies weiterhin täglich (bei meinem Partner und mir stehen jeden Sonntag feste Coaching-Sessions im Kalender wo wir uns gegenseitig fordern).
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