Ärztin, 25: So lebt es sich mit 56.000 € Jahreseinkommen in Köln

Willkommen bei Money Diaries! Einem Format, in dem wir das allgegenwärtige Tabu Geld angehen. Wir fragen echte Menschen, wie sie ihr hart verdientes Geld sieben Tage lang ausgeben – und verfolgen jeden Cent. Diese Woche: Eine 25-Jährige, die nach ihrem Medizinstudium nun frisch als Ärztin in Köln arbeitet. 
Beruf: Ärztin
Branche: Gesundheitswesen
Alter: 25
Ort: Köln
Jahresgehalt (brutto): 56.337 € ohne Dienste (Tarifvertrag)
Monatliches Einkommen (netto): 2.808,66 € ohne Dienste, mit Diensten etwa 3.600 € 
Anzahl deiner Mitbewohner:innen: 0
Pronomen: sie/ihr
Ich arbeite seit vier Monaten als Ärztin und bin dafür aus meiner Heimatstadt in Süddeutschland, in der ich auch studiert habe, nach Köln gezogen. Mein Freund studiert derzeit noch im Ausland, wir führen also eine Fernbeziehung und fliegen häufig an den Wochenenden hin und her. Auch während des Studiums habe ich immer viel gearbeitet, als Kellnerin und im Krankenhaus, deshalb hatte ich selten Geldsorgen und konnte schon früh finanziell unabhängig sein. Trotzdem ist es natürlich ziemlich cool, auf einmal noch mehr Geld zur Verfügung zu haben. In naher Zukunft möchte ich mich intensiver mit Geldanlagen und finanzieller Absicherung im Alter auseinandersetzen. Aktuell habe ich dafür aber noch wenig den Kopf frei, da die Arbeitswelt noch so neu ist und nach der Arbeit oft wenig Zeit bleibt, die ich lieber mit Freund:innen oder Sport verbringe.
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Monatliche Ausgaben 

Wie viel Miete zahlst du?
Für meine 1-Zimmer-Wohnung zahle ich warm 620 Euro. Für Strom kommen noch etwa 50 Euro dazu.
Zahlst du einen monatlichen Kredit oder Ähnliches ab?
Aktuell noch nicht, in ein paar Jahren muss ich aber mein Bafög zurückzahlen.
Hast du etwas gespart? Wenn ja, wie viel hast du auf der Seite liegen?
Ich habe etwa 6.000 Euro auf einem Depot liegen, ich lege dort seit circa fünf Jahren monatlich einen kleinen Betrag an, der mir im Alltag nicht fehlt.
Was gibst du noch an monatlichen Fixkosten aus?
Das Internet kostet mich rund 25 Euro pro Monat, mein Handyvertrag 12,99 Euro. Für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio gehen nochmal 14,99 Euro ab – da meine Arbeitgeber:innen eine Kooperation mit dem Studio haben, ist es sehr günstig. 40 Euro im Jahr zahle ich außerdem für meine Mitgliedschaft im Chor, 70 Euro im Jahr für die Mitgliedschaft in einer Fachgesellschaft. Für meine Berufsunfähigkeitsversicherung zahle ich monatlich 50 Euro. Außerdem gehen Anfang des Jahres Beiträge für verschiedene Versicherungen von meinem Konto ab, darunter Haftpflicht (56 € pro Jahr), Rechtsschutz (172,80 € pro Jahr) und Hausrat (43,92 € pro Jahr). Dann zahle ich noch fünf Euro pro Jahr für eine Auslandskrankenversicherung und 81 Euro pro Jahr für den ADAC.
Legst du etwas für deine Rente zurück?
Ja, 50 Euro im Monat lege ich aktuell zurück, das wird aber bald aufgestockt, wenn ich etwas länger im Job bin.
Wie hast du dich während deines Studiums finanziert?
Ich habe Medizin studiert. In dieser Zeit habe ich Bafög bekommen und zusätzlich gekellnert, bei einem Blutentnahmedienst gearbeitet und während der Corona-Zeit im Gesundheitsamt ausgeholfen.
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Welche Rolle hat Geld in deiner Kindheit gespielt? Wurde in deiner Familie offen über Geld gesprochen?
Geld hat bei uns nie eine große Rolle gespielt. Wir hatten nie viel, aber immer genug, sodass es mir an nichts fehlte. 
Wann bist du zu Hause ausgezogen?
Ich bin mit 20 ausgezogen. Die ersten vier Semester habe ich also noch zu Hause gewohnt, dann habe ich mir eine eigene Wohnung gesucht.
Bist du finanziell unabhängig? Und wenn ja, seit wann?
In den ersten zwei Jahren des Studiums haben mich meine Eltern unterstützt, dann habe ich mich komplett selbst finanziert.
Gibt es jemanden, zum Beispiel aus deiner Familie, der:die in irgendeiner Weise Geld für dich zurücklegt?
Meine Mama hat seit meiner Geburt jeden Monat einen kleinen Betrag für mich gespart, um mir unter anderem den Führerschein zu finanzieren.
Was war dein erster Job und wie hast du ihn bekommen?
Mein erster Job nach dem Studium ist mein aktueller. Ich habe mich initiativ beworben, in der Klinik hospitiert und kurz darauf wurde mir eine Stelle angeboten.
Machst du dir aktuell Geldsorgen?
Aktuell mache ich mir keine Geldsorgen. Das sah im Studium hin und wieder anders aus, aber für den Notfall hatte meine Mama ein bisschen was für mich angespart, sodass ich im letzten Jahr einen kleinen Puffer hatte. Das letzte Jahr des Medizinstudiums ist nämlich das Praktische Jahr. Man arbeitet Vollzeit im Krankenhaus, bekommt aber nur 400 Euro pro Monat. Nebenbei zu arbeiten ist da schwierig und wenn man mehr verdient, wird das Bafög gestrichen.
Hast du etwas geerbt oder erzielst du passives Einkommen?
Ich habe nichts geerbt, aber etwas Geld in einem Depot angelegt.
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Montag
7:00: Ich habe heute einen 24-Stunden Dienst. Ich frühstücke zu Hause und mache mich auf den Weg zur Arbeit.
16:00: Ich habe viele Patient:innen in der Ambulanz versorgt und komme erst jetzt zum Mittagessen. Zum Glück habe ich mir zwei Brötchen mitgenommen, die ich noch zu Hause hatte. 
20:00: Da ich so spät zu Mittag gegessen habe, ist mein Hunger nicht so groß. Ich mache mir eine Portion Risi-Bisi warm. Ein Fertiggericht, das ich letztens bei meinen Eltern mitgenommen habe. Keine Ausgaben also.
23:00: Ich kann ins Bett gehen und komme tatsächlich zum Schlafen.
Tagesfazit: 0 €
Dienstag
5:30: Ich werde geweckt, da ein Patient als Notfall in die Klinik gekommen ist. Ich fühle mich super ausgeruht. 6,5 Stunden im Dienst zu schlafen, ist ein wahrer Luxus. 
8:00: Eine Kollegin hat Kuchen gebacken, damit habe ich mein Frühstück dann schon erledigt, ohne etwas zu zahlen.
10:00: Ich bin wieder zu Hause, denn ich habe dienstfrei. In dem Online-Meeting mit meinem Versicherungsberater geht es heute um meine Einkünfte und Ausgaben. Gut, dass ich mich damit gerade so intensiv beschäftige.
13:00: Ich gehe beim Discounter ein paar Essentials einkaufen: Zucchini, Pfirsiche, eine Mango, Äpfel, Babyspinat, Paprika, Gurke und Mozzarella für 10,22 €.
16:00: Ich treffe mich mit einer Freundin. Sie braucht noch etwas vom Drogeriemarkt. Natürlich kann ich da nicht rein, ohne auch etwas mitzunehmen. Es wird eine Bodylotion für 1,75 €. Außerdem kaufe ich im Buchladen noch ein Geschenk für eine Freundin, die in wenigen Tagen Geburtstag hat, für 10,90 €.
20:00: Wir gehen noch etwas beim Thailänder essen. Ich lade meine Freundin ein, da sie das letzte Mal bezahlt hat. Mit Getränken sind es genau 20 €. Das Trinkgeld übernimmt sie.
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Tagesfazit: 42,87 €
Mittwoch
7:00: Heute habe ich wieder einen 24-Stunden-Dienst. Ich frühstücke zu Hause ein Müsli. Bei der Arbeit ist viel zu tun und ich freue mich auf die Mittagspause.
12:30: Ich habe Hunger und lasse mir in der Mensa zum Tagesessen (veganes Erdnusscurry mit Reis) noch einen Hähnchenschlägel geben. 5,90 €, so viel hab ich in der Mensa bisher nie bezahlt. Aber das muss ja auch noch ein bisschen halten. 
19:00: Ich esse meine vorgekochte Quinoa-Bowl. Die Patient:innen halten mich wach, ins Bett komme ich erst gegen halb 3 Uhr nachts.
Tagesfazit: 5,90 €
Donnerstag
5:30: Das Diensttelefon klingelt. Ich muss mich um einen Patienten kümmern. Zum Schlafen komme ich nicht mehr, aber immerhin gibt es auf Station kostenlose Kekse, das ist dann mein Frühstück.
8:30: Der Dienst ist geschafft, ich kann nach Hause und etwas Schlaf nachholen.
10:30: Der Wecker klingelt. Ich habe einen Termin zur Zahnreinigung. Dort angekommen fragt mich die Sprechstundenhilfe, ob ich denn die SMS zur Terminabsage nicht bekommen hätte, eine Kollegin sei krank. Der Termin wird verschoben. Naja, dann habe ich heute wohl Geld gespart. Auf dem Rückweg hole ich mir beim Bäcker ein belegtes Brötchen für 3,95 €. Wieder zu Hause angekommen lege ich mich nochmal hin.
15:00: Ich trinke zu Hause einen Kaffee und esse einen Joghurt. Dann treffe ich mich mit einer Freundin zum Tischtennisspielen.
19:00: Heute sind alle Museen kostenlos. Ich besuche ein Museum für Moderne Kunst und nehme an einer kostenlosen Führung teil.
21:00: Ich habe keine Lust mehr zu kochen, also hole ich mir im Supermarkt Sushi für 9,95 €. Da meine Sojasauce leer ist, kaufe ich eine neue für 1,99 € und Wasabi für 2,99 €. Fürs Frühstück kaufe ich außerdem Orangensaft für 1,59 € und Haferflocken für 1,49 €, die günstigeren sind leider ausverkauft. Eine Flasche Cola Zero packe ich auch noch ein, die kostet 1,24 €, und außerdem kaufe ich noch einen Waldmeisterlikör für 9,19 €. Der Bruder meines Freundes hat am Wochenende Geburtstag und ich denke, dass das ein gutes Mitbringsel ist. 
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Tagesfazit: 32,39 €
Freitag
6:30: Schnell ein Müsli und einen Kaffee zu Hause, bevor es zur Arbeit geht. 
12:30: Mittagspause: Heute esse ich einen Gemüsebratling, Schupfnudeln und Spinat in der Mensa für 2,95 €.
17:30: Mein Freund ist gerade in Köln gelandet und hat heute noch nichts gegessen, also schaue ich nach, was ich noch so daheim habe. Ein paar Avocados müssen weg, also kaufe ich Ricotta für 1,29 € und Tomaten für 1,49 € und mache aus dem ganzen Kram eine Nudelsoße. Das Rezept habe ich von Instagram. Zum Glück habe ich immer viel auf Vorrat, Pinienkerne, Nudeln und Parmesan muss ich nicht mehr besorgen.
20:00: Wir machen uns auf den Weg, um eine Freundin zu treffen, die heute Staatsexamen hatte. Wir kaufen ihr ein Rubbellos für 2 €. Theoretisch hätte das ein echt großes Geschenk werden können, leider gewinnt sie nichts. Mein Freund und ich wechseln uns ab mit dem Kölsch-Kauf, ich zahle 8 € für insgesamt vier Kölsch in verschiedenen Kiosks. Später gehen wir noch in eine Bar, hier zahlt mein Freund. Meine Freundin drückt mir noch einen Shot in die Hand, den ich auch nicht bezahlen muss. Auf dem Heimweg kaufe ich noch eine Portion Pommes für 4 €.
Tagesfazit: 19,73 €
Samstag
10:30: Mein Freund bezahlt das Frühstück beim Bäcker, 10,90 € für zwei Cappuccinos, zwei Croissants, eine Käselaugenstange und ein süßes Stückchen. Wir fahren mit der Bahn in den Norden. Wir beide besorgen uns das 9-Euro-Ticket, welches den ganzen Monat für den Nahverkehr gilt. Am Abend feiert der Bruder meines Freundes zu Hause Geburtstag, also wieder keine Ausgaben. Der Waldmeisterlikör ist übrigens sehr gut weggegangen!
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Tagesfazit: 9 €
Sonntag
13:00: Nach einer ausgiebigen Partynacht sind wir erst am Mittag aufgewacht und quasi den ganzen Tag im Bett geblieben. 
20:00: Ich fahre wieder nach Köln, ohne zusätzliches Ticket, da ich Regionalbahn fahren kann. Die ist im 9-Euro-Ticket inbegriffen. Auf dem Weg habe ich die glorreiche Idee, mir neue Beachball-Bälle für 1,99 € zu bestellen. Um die Lieferkosten zu sparen, lasse ich sie in die Filiale eines Sportgeschäfts liefern.
Tagesfazit: 1,99 €
Zusammenfassung: 
Essen & Trinken / Gastronomie: 86,24 €
Entertainment: 0 €, da die Museen kostenlos waren
Kleidung & Kosmetik: 1,75 €
Transportkosten (Bahn): 9 €
Weitere: 14,89 €
Kosten insgesamt: 111,88 €
Das Fazit: 
Eine sehr sparsame Woche! Wie man sieht: Je mehr man arbeitet, desto weniger kann man ausgeben. Klar, dass ich das meiste Geld an einem dienstfreien Tag ausgegeben habe. Wenn mein Freund und ich nicht gerade bei einer unserer Familien zu Besuch sind, gehen wir natürlich auch häufig essen, ins Kino, et cetera, das ist diese Woche komplett weggefallen. Dass ich trotzdem das meiste Geld für Essen ausgebe, war aber zu erwarten. Außerdem kommt mir das 9-Euro-Ticket natürlich sehr zugute, Mobilität war in den Vormonaten ein wichtiger Faktor, besonders in einer Fernbeziehung.

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