Warum Shoppen für Plus-Size-Frauen leider immer noch frustrierend ist

Foto: Renell Medrano
Als ich sie nach ihren Erfahrungen beim Shoppen vor und während der Pandemie fragte, war Frustration nur eine der Dutzenden von Antworten, die ich erhielt. Und während die Details von Person zu Person natürlich variierten, gab es ein übergreifendes Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Gespräche zog: Die Modebranche ist nicht size-inclusive, und das zeigt sich anhand der unzureichenden Auswahl, die sie bietet.
„Ich will keine Fast-Fashion-Teile, die nach einmaligem Tragen auseinanderfallen. Ich trage keine teuren Basics, die das Doppelte oder Dreifache von dem kosten, was sie eigentlich wert sind. Ich will weder ein weiteres Bodycon-Dress noch ein Muumuu-Kleid. Ich will Sachen, die für Körper wie meinen gemacht wurden.“
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„Uns wird gesagt, dass Brands es sich nicht leisten können, Plus-Size-Kleidungsstücke mit der gleichen Gewinnspanne zu produzieren wie für kleinere Größen, weil die Kosten für den Extra-Stoff zu hoch seien.“
„Als Erwachsene hatte ich immer Schwierigkeiten, kniehohe Stiefel zu finden, in die meine Waden passten und in die ich diese nicht mit Gewalt reinzwängen musste. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, nie wieder welche zu tragen.“
Im Juli kritisierte die Plus-Size-Influencerin und Modedesignerin Gabi Gregg – unter ihren 814.000 Instagram-Followern ist sie als Gabi Fresh bekannt – Topshop auf Twitter, weil sie einen Blazer an einem dünnen Model als „oversized“ vermarktet hatten, obwohl sie keine Plus-Size-Konfektionsgrößen anboten. In ihrem Tweet schrieb sie Folgendes: „Wenn Marken sagen, dass es zu teuer sei, Plus-Size-Größen anzubieten, weil dazu mehr Stoff benötigt wird, aber dann so einen Scheiß machen, lol.“ Auf Instagram fügte sie hinzu: „Wenn du einen Plus-Size-Blazer für ein schlankes Mädchen herstellen kannst, kannst du auch ein Kleiderstück in dieser Größe für Plus-Size-Frauen herstellen.“ Der Beitrag wurde von mehr als 78.000 Menschen gelikt. In den 14.000 Kommentaren beschweren sich Frauen darüber, dass sie sich von Unternehmen im Einzelhandel für Plus-Size-Mode im Stich gelassen fühlen.
Und Topshop ist nicht die einzige Marke, die so eine Nummer abgezogen hat. Zara, & Other Stories, Free People und weitere Modemarken in einer ähnlichen Preisklasse und Stylekategorie haben ebenfalls Oversize-Kleidungsstücke für ihre Kundschaft entworfen, während sie weiterhin keine Optionen für Konfektionsgrößen führen, die größer als „die üblichen Verdächtigen“ sind. „Das ist der Beweis für einen unausgesprochenen Trend in der Modewelt: Was auch immer ein schlanker Promi trägt, wird zum Trend. Diese Regeln gelten aber nicht für Plus-Size-Frauen“, sagt Annika Chaloff, Gründerin der Plus-Size-Wäschemarke Hey Mavens. „Radlerhosen, Baggy-T-Shirts, Mom-Jeans und klobige Sneaker sind gute Beispiele für Trends, die im Allgemeinen nur an dünnen Körpern akzeptiert werden.“
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An dieser Stelle ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es Plus-Size-Frauen nicht ausreicht, wenn Marken einfach etwas mehr Stoff für ein Design verwenden, das für kleinere Größen gedacht ist, es dann als ein Plus-Size-Stück bezeichnen und sich selbst auf die Schulter klopfen. Unter Greggs Tweet antwortete eine Frau Folgendes: „Bring sie nicht auf falsche Ideen, sonst nähen sie am Ende vielleicht ein XXL-Etikett hinein und lassen die Ärmelausschnitte so winzig, wie sie sind." Das beweist, wie wenig Vertrauen die Plus-Size-Community in die Qualität und das Design von Kleidungsstücken hat, die in ihrer Größe angeboten werden. „Ich möchte, dass sich Hersteller:innen beim Design und der Form Mühe geben, sodass die fertigen Kleidungsstücke auch zu Körpern wie meinem passen“, schrieb eine andere Frau.
Was „Oversize"-Kleidungstrends betrifft, so ist das nur einer der vielen enttäuschenden Aspekte beim Shoppen für Plus-Size Frauen. Der schiere Mangel an Optionen war einer der am häufigsten geäußerten Frustrationspunkte. „Wenn ich mir eine Sache wünschen könnte, dann würde ich mir einfach MEHR Optionen für die Plus-Size-Kundschaft wünschen“, sagt Chaloff. „Ich möchte mehr Geschäfte und Marken sehen, die Plus-Size-Modelle anbieten und entwerfen. Ich möchte, dass MEHR Plus-Size-Models in Kampagnen eingesetzt werden. Ich möchte, dass mehr Brands auf den Markt kommen, die sich auf Plus-Size-Fashion spezialisieren. Mehr, mehr, mehr davon!“ Chaloff betont zudem, wie wichtig es sei, das Design von Kleidungsstücken zu erhalten, wenn die Größe von einer kleineren auf eine größere Größe angepasst wird. Das ist ja auch wirklich nicht zu viel verlangt. „Oftmals wird das Design eines Kleidungsstücks in Mitleidenschaft gezogen, wenn es an eine größere Konfektionsgröße angeglichen wird, entweder weil die Proportionen nicht sorgfältig berücksichtigt wurden oder weil zusätzliche Nähte oder Einsätze hinzugefügt wurden, um auf einen größeren Körper ausgerichtet zu sein. Einige dieser Änderungen sind notwendig, um die richtige Passform zu erhalten, aber es ist schade, wenn das ursprüngliche Design eines Kleidungsstücks darunter leidet.“
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Die Sache endet nicht beim Thema Kleidung. Das Gleiche ist auch bei Schmuck, Schuhen und Accessoires der Fall. Modemacher:innen müssen sich der Aufgabe stellen und mehr durchdachte Optionen für Plus-Size-Frauen anbieten. Alyssa Kaplan, Gründerin von The Scrunchie Club, einer Accessoire-Marke, die sich an Frauen und nicht-binäre Menschen aller Größen richtet, sah sich mit diesem Problem konfrontiert, als sie kniehohe Stiefel kaufen wollte. Enttäuscht stellte sie fest, dass Schuhmarken nur selten modische Modelle anbieten, die an der Wade weit genug sind, um ihr zu passen. Um zu beweisen, dass sie damit nicht allein ist, führte Kaplan letztes Jahr eine Umfrage durch, die ergab, dass 95,3 Prozent der Frauen (96 Prozent der 275 Befragten bezeichneten sich selbst als Plus-Size-Frauen) Schwierigkeiten damit haben, Stiefel zu finden, in die sie hineinpassen. Sopata sagt dazu: „Die Suche nach neuen Schuhen, die mir passen UND gefallen, kann ganz schön lange dauern und kräfteraubend sein. Oft bleibt mir keine andere Wahl, als Stiefel online zu bestellen und auf das Beste zu hoffen.“
Wenn es um Schmuck geht, sieht die Sache nicht gerade besser aus. 2019 erklärte die Gründerin des beliebten Lifestyle- und Modeblogs The 12ish Style, Katie Sturino, gegenüber The Zoe Report, dass „der aktuelle Stand in Sachen Größeninklusivität in der Schmuckwelt fast nicht existent ist“. Sie erklärte weiter, dass diese Branche zwar „größere Probleme hat“, dass es aber nichtsdestotrotz einen „klaren Bedarf an Plus-Size-Schmuck“ gibt. Jeder Artikel sollte auch in größeren Größen angeboten werden, und ich weiß, dass es eine Nachfrage danach gibt. Mit Schmuck ist es wie bei der Kleidung. Das Gleiche gilt für Accessoires wie Handtaschen, die oft als Einheitsgrößen vermarktet werden, aber nicht allen Körpern passen – denk nur mal an solche Modelle, die zum Umhängen sind.
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„Deinen Freund:innen vergeht auch die Laune, wenn sie mitansehen müssen, wie enttäuscht du darüber bist, dass du das Geschäft mit leeren Händen verlassen musst, weil es deine Größe einfach nicht gibt.”

Audrey Sopata
Auch die Platzierung von Plus-Size-Mode in Geschäften – insbesondere in Kaufhäusern, die oft die einzigen Orte sind, wo Plus-Size-Frauen eine Auswahl haben können – lassen mehr als zu wünschen übrig. „Marken, die ein breiteres Größensortiment anbieten, sollten alle ihre Modelle nebeneinander ausstellen“, sagt Sopata. Sie wirft zwei berechtigte Fragen auf: (1) „Warum sind Plus-Size- und Nicht-Plus-Size-Modelle oft nicht im selben Stockwerk oder derselben Abteilung vorzufinden?“, und (2) „Wie soll mich diese Aufteilung dazu ermutigen, mit einer Gruppe von Freund:innen einzukaufen, wenn ich mich von ihnen für eine Weile verabschieden muss, um nach Teilen in meiner Größe zu suchen?“ Für Sopata endet der Spaß am Shoppen bereits in dem Moment, in dem sie ihre Freund:innen in einen völlig anderen Teil des Ladens schleppen muss, nur um dann enttäuscht darüber zu sein, dass keines der hübschen Kleidungsstücke, die sie im anderen Stockwerk gesehen hat, verfügbar ist. „Deinen Freund:innen vergeht auch die Laune, wenn sie mitansehen müssen, wie enttäuscht du darüber bist, dass du das Geschäft mit leeren Händen verlassen musst, weil es deine Größe einfach nicht gibt“, fügt sie hinzu.
Sopata ist nicht die Einzige, die sich über dieses Problem beschwert. Als Emma Grede und Khloé Kardashian ihre size-inclusive Jeansmarke Good American bei Nordstrom auf den Markt brachten, verlangten sie von dem in Seattle ansässigen Einzelhandelsunternehmen, alle ihre Produkte in der Designer-Denim-Abteilung anzubieten – unabhängig von der Größe. „Wir haben Good American gegründet, weil wir wollen, dass Shoppen allen Frauen Spaß macht“, erklärte Grede gegenüber Nordstrom zum Zeitpunkt der Markteinführung. „Es ist einfach verrückt, dass sich Freund:innen beim Einkaufen immer noch voneinander trennen müssen, weil Plus-Size-Mode nicht neben dem restlichen Angebot vorzufinden ist, sondern in einer anderen Abteilung.“ Laut Digiday war die Tatsache, dass dieses Duo so sehr darauf beharrte, ein „Aha“-Moment für Nordstrom. Seitdem hat das Unternehmen damit begonnen, sowohl in Geschäften als auch online inklusivere Merchandising-Taktiken einzuführen. Nordstrom hat auch sein Budget für Plus-Size-Mode erhöht.
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Trotz der Fortschritte, die Nordstrom und andere Unternehmen in der Zwischenzeit gemacht haben, mangelt es in Kaufhäusern oft an diesen dringenden Veränderungen in Richtung mehr Inklusivität. „Erst kürzlich entdeckte ich bei einem Familienbesuch in Orlando, dass die Abteilung für Plus-Size-Fashion bei Macy's immer noch im hinteren Teil und einer eigenen Abteilung versteckt ist“, erzählt Sopata. „Je mehr du dich diesem Bereich näherst, desto weniger modisch wird die Kleidung; sobald dir nichts mehr gefällt, weißt du, dass du im Plus-Size-Bereich angekommen bist. Ich kann nicht fassen, dass bis heute fast nur wenig schmeichelhafte Modelle angeboten werden, obwohl sich doch in den letzten paar Jahren so viel zum Besseren verändert hat“, sagt sie.
Und sie hat Recht: Die Mode-Branche hat einen langen Weg zurückgelegt, seitdem Eloquii, eine Anlaufstelle für Plus-Size-Frauen, die qualitativ hochwertige, trendige und erschwingliche Kleidung suchen, 2012 auf den Markt kam. Das Luxusangebot hat sich in den letzten Jahren mit dem Start des Plus-Size-Designer-Einzelhändlers 11 Honoré im Jahr 2017 und der Designermarke Henning von Plus-Size-Moderedakteurin Lauren Chan im Jahr 2019 drastisch erhöht. Modemarken wie Anthropologie, J.Crew, H&M und Mango haben alle größere Größen hinzugefügt, während Universal Standard sein historisches Größensortiment weiter ausgebaut hat. Good American wurde 2016 gegründet und hat sich zu einer guten Fashion-Quelle für Plus-Size-Frauen entwickelt, die auf der Suche nach Denim, Activewear und jetzt auch Loungewear sind, die gut zu ihren einzigartigen Proportionen passen. Pari Passu, zum Beispiel, verändert die Art und Weise, wie Plus-Size-Kleidung hergestellt wird, indem der Körperform entsprechend und nicht einer Zahl zufolge designt wird.
Durch die Pandemie, während der nichts sicher ist und Geschäfte links und rechts schließen, sind die Erfolge, die die Plus-Size-Branche in den letzten Jahren verzeichnen konnte, nicht unbedingt in Stein gemeißelt. Tatsächlich sah sich die Ascena Retail Group, die Plus-Size-Marken wie Lane Bryant und Cacique besitzt und betreibt, kürzlich dazu gezwungen, alle 264 Catherines-Filialen zu schließen. (Die geistigen Eigentumsrechte an Catherines wurden an die australische Marke City Chic Collective verkauft). Die Muttergesellschaft musste auch eine Reihe von Lane-Bryant- und Lane-Bryant-Outlet-Filialen dauerhaft schließen. Die Fortschritte im Bereich der Plus-Size-Mode, die wir bisher gesehen haben, müssen fortgesetzt werden, sonst werden sich viele Frauen weiterhin frustriert und ausgeschlossen fühlen, wann immer sie Kleidung kaufen wollen. Die Dinge sind so schon schwer genug – Shoppen sollte nicht eine weitere Herausforderung sein.

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